Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Bergmann Audio Galder mit Tonarm Odin


Es liegt was in der Luft

Plattenspieler Bergmann Audio Galder mit Tonarm Odin im Test, Bild 1
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Lange haben wir darauf gewartet, aber jetzt gibt es ihn endlich in seiner finalen Version und wir konnten ihn für die LP-Leser sicherstellen – den neuen Plattenspieler eines der innovativsten Konstrukteure der Branche: Johnnie Bergmann

Man kann die Psyche und ihren Einfluss beim Hören gar nicht hoch genug einschätzen. Ganz viele Faktoren, die mit dem eigentlichen Hörvorgang erst einmal gar nichts zu tun haben, nehmen Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Das schließt Manipulation von außen nicht aus, im Falle des Bergmann-Plattenspielers meine ich aber etwas anderes: Mir hilft es ungemein, wenn ich mir beim Anhören eines Geräts absolut sicher sein kann, dass alles hundertprozentig passt. Kein „vielleicht muss ich den Tonabnehmer noch einmal nachjustieren“, kein „Steht das Laufwerk auch richtig?“ oder „Ist eine andere Tellermatte vielleicht doch besser?“. All diese Dinge klärt der Bergmann Galder von vornherein und wirkt damit schon extrem positiv in Richtung völliger Entspannung beim Hören.

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Aber zunächst ein kleiner Exkurs: Bereits vor über zehn Jahren hatten wir einen Plattenspieler von Bergmann Audio im Heft. Ich hatte damals das Gerät nicht selber in den Fingern, kann mich aber erinnern, dass ich – ohne einen einzigen Ton damit gehört zu haben – das Design außerordentlich attraktiv fand. Der Plattenspieler war so wunderbar auf ganz wenige gerade Linien reduziert und wirkte dadurch wie der legitime Nachfolger der Braun-Geräte von Dieter Rams, die es ja genau wegen dieser attraktiven Einfachheit bis ins Museum of Modern Arts in New York geschafft haben. Ob ein Bergmann-Plattenspieler dort einmal landen wird – wir wissen es nicht, es wird aber vermutlich nicht der neue Galder sein. Dieser sieht nämlich – aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau – nicht ganz so organisch aus wie sein Vorgängermodell. Und natürlich gibt es dafür einen Grund. Anders als das alte Modell ist der Galder nicht als geschlossenes System, sondern als Basislaufwerk für den Ein- und Anbau von bis zu vier Tonarmen konzipiert. Und deshalb kommt er einfach nicht ohne sichtbare Übergänge zwischen dem Laufwerk und der Tonarmbasis aus. Damit sieht er immer noch unglaublich geradlinig aus, aber eben etwas „technischer“ als die Komplettplattenspieler. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es von Bergmann jetzt einen separaten Tonarm gibt – genau, einen dieser wunderbaren, luftgelagerten Tangentialarme, bei denen man sich – siehe oben – keine Gedanken mehr wegen des bösen Spurfehlwinkels machen muss. Und obwohl ich selbst ein großer Fan eines Arms bin, der die Geometrie beim Abtasten einfach mal ignoriert – ich meine natürlich den ViVLab Rigid Float – so bin ich doch grundsätzlich auf der Seite der Menschen, die die Schwächen eines Systems als Motivation sehen, diese auszumerzen. Bei aller Kompaktheit: Das Galder-Laufwerk ist ein schwerer Brocken. „Galder“ stammt übrigens aus der nordischen Mythologie, ist aber keine Gottheit, sondern bezeichnet ein mächtiges Ritual der Beschwörung von Naturgewalten, die das Schicksal beeinflussen. Und da in diesem Themenbereich auch das Thema Wind und Luft eine tragende Rolle spielt, kann man die Namensgebung sogar direkt nachvollziehen. Denn, wie könnte es anders sein, neben den elektrischen Leitungen führen auch diverse Schläuche in das und aus dem Laufwerk und zu einem separaten und wahrlich nicht zu kleinen Kasten, der vollgestopft ist mit Pumpen und Luftkondensatoren. Ganz nebenbei ist auch noch die Motorsteuerung darin untergebracht, die mit einem dementsprechend langen Kabel den Antrieb versorgt. Bei diesem handelt es sich um einen geregelten DC-Motor mit Tachoregelung, der über einen recht kleinen Pulley und Flachriemen den Hauptteller antreibt. Der Zwischenraum in der Zarge deutet es an: Obwohl eine durchgehende Basisplatte vorhanden ist, steht die Motoreinheit separat und ist nicht fest mit der Zarge verbunden. Dies ist aber nur für den Fall relevant, dass der Galder bewegt werden muss, eine Aktion, die man bei 40 Kilo Lebendgewicht nicht allzu oft machen möchte. Der Teller bringt dabei immerhin fast 12 Kilogramm auf die Waage und ist in einem genauso matten Schwarz eloxiert wie die Zarge aus Aluminium-Druckguss. Dies in Kontrast zu den mattsilbernen Teilen sorgt für eine moderne Optik. Die Zarge steht auf drei höhenverstellbaren Füßen, die über drei Keramikkugeln auf Trägerscheiben mit der Stellfläche verbunden sind – eine harte Ankopplung also, die sich bei der hohen Masse gut argumentieren lässt. Der Plattenteller schwebt in Bewegung auf einem hauchdünnen Luftkissen, das das Tellerlager entlastet und somit für minimale Reibung sorgt. Für einen konstanten Luftstrom, der den Teller exakt auf Höhe hält, sorgt ein ausgeklügeltes System aus Pumpe, Pufferspeichern, Ventilen und kontrollierter Ableitung. Um die Luft sauber und trocken zu halten, wird sie nach der Pumpe mehrfach gefiltert. Der knifflige Part kommt aber erst noch: Parallel zum Überdrucksystem gibt es noch eine Unterdruckleitung, die durch das Tellerlager über eine gelochte Matte mit seitlichen Gummilippen die aufgelegte Schallplatte ansaugt und komplett plan presst – eine mehr als feine Angelegenheit, die das ganze übliche Gewürge mit Plattengewicht, Klemme, Spezialmatten einfach obsolet macht. Natürlich sollte eine Platte im Idealfall von sich aus plan sein – aber mehr als genug sind es eben nicht. Und glauben Sie mir: Es ist ein sehr befriedigender Anblick, wenn eine der eigenen Lieblingsplatten, die schon bessere Tage gesehen hat, mit knackenden und ploppenden Geräuschen an den Teller gesaugt wird und dann ganz ruhig und perfekt daliegt wie neu. Der Odin-Tonarm wird über ein separates Druckventil und eine Druckleitung, die aus dem Laufwerk geführt wird, mit dem für einen reibungslosen Lauf nötigen Überdruck versorgt. Der Odin sieht durch die etwas wuchtigere Konstruktion nicht ganz so elegant aus wie der Magne-Tonarm. Dafür lässt er sich recht einfach in allen Positionen einstellen, so dass der optimale Lauf gewährleistet ist. Eine große Hilfe dabei ist die Spezial-Wasserwaage, die Johnnie Bergmann entwickelt hat: Diese wird einfach auf das Armrohr aufgesetzt und ermöglicht die waagrechte Justage. Im Betrieb wird dann noch der Luftdruck gerade so stark eingestellt, dass sich die Basis des Arms frei bewegten kann. Das eigentliche Armrohr besteht aus Kohlefaser, während das Headshell aus Aluminium besteht. Drei verschieden große Gegengewichte ermöglichen das Ausbalancieren so gut wie aller Tonabnehmer – eine Waage ist aber Pflicht, denn eine wie auch immer geartete Skala gibt es nicht. Einen Kritikpunkt möchte ich an dieser Stelle noch vorbringen: Der Armlift ist in seiner Schlichtheit sehr funktional, einfach eine Stange in voller Breite des Arms, die über einen Drehknopf nach oben gedreht wird und somit das Armrohr anhebt. Beim Absenken hätte ich persönlich ein besseres Gefühl, wenn hier eine in sich kontrollierte Bewegung stattfinden würde – so fällt das System bei Unachtsamkeit einfach ungebremst auf den Teller. Klar – wenn man es weiß, richtet man sich danach, aber schön ist es nicht. Dafür ist die Sache mit dem Unter- und Überdruck ganz einfach und unproblematisch: Nach dem ersten Druck auf die entsprechende Start-Taste werden die Betriebsdrücke hergestellt – das kann man unmittelbar am Laufwerk noch hören, danach herrscht Ruhe. Kommen wir zu den rundheraus erfreulichen Dingen: In Sachen Klang ist der Bergmann einfach nur sensationell gut. Das hat so viel Kontrolle, Übersicht und gleichzeitig Charme und Natürlichkeit, dass man definitiv nicht mehr weitersuchen muss, was den universellen Plattenspieler angeht. Von der extremen Ruhe des Hintergrunds über die abgrundtiefen und fundamentalen Bässe bis hin zu einem wirklich äußerst präzisen Hochtonbereich mit Schmelz und Strahlkraft bleiben keine Wünsche offen. Dazu kommt eine Transparenz bei der Abbildung auch großer Ensembles, die ihresgleichen sucht. Gerade die fünfte Beethoven-Symphonie unter Bruno Walter am Pult des Columbia Orchestra gerät so zum Musikerlebnis ersten Ranges – sogar buchstäblich, denn näher am Konzerterlebnis kann man kaum sein. Aber auch sparsamere Arrangements, wie auf den ECM-Aufnahmen des Danish String Quartet mit ihren Interpretationen traditioneller Volksmusik, wirken in ihrer Unmittelbarkeit und Intimität so echt, wie Musik von Schallplatte nur sein kann. Die Illusion der Bühnenabbildung ist dabei ebenso perfekt wie die Tonalität der Instrumente, einschließlich kleine „Fehler“, wie das Kratzen von Bögen auf den Saiten und Griff- und Atemgeräusche beim Spielen - so lebendig kann Konserve sein!

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Fazit

Johnnie Bergmann hat mit der Kombination Galder und Odin einen Plattenspieler geschaffen, der die erweiterten technischen Möglichkeiten ausschöpft, um ein extrem hohes Klangniveau zu erreichen.

Preis: um 23575 Euro

Plattenspieler

Bergmann Audio Galder mit Tonarm Odin


09/2018 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb WOD Audio, Nidderau 
Telefon 06187 900077 
Internet www.wodaudio.de 
B x H x T (in mm) 480/365/190 
B x H x T Pumpe (in mm) 465/225/235 
Gewicht (in Kg) ca. 38 kg / ca. 16 kg (Pumpe) 
Unterm Strich ... Johnnie Bergmann hat mit der Kombination Galder und Odin einen Plattenspieler geschaffen, der die erweiterten technischen Möglichkeiten ausschöpft, um ein extrem hohes Klangniveau zu erreichen. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 22.09.2018, 09:58 Uhr
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