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Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: EAR Disc Master


Geniestreich

Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 1
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Auch ohne vorher je ein Bild von ihm gesehen zu haben: Sie würden Tim de Paravicini ohne Probleme auf einer Messe erkennen. Diesen Charakterkopf, gewandet in der entsprechenden Tracht, kann man sich ohne Weiteres in einer Laborgemeinschaft mit Leonardo da Vinci vorstellen – der eine erfindet gerade den Hubschrauber, der andere den Plattenspieler

Mitspieler

Tonabnehmer:


Benz L2 Wood und ACE L

Miyabi Standard

Phase Tech P-3G

62
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Tonarme:


Helius Omega

SME 309

SME 3500

Phonoverstärker:


Quad Preamp 24P

MalValve Preamp Three Phono

Clearaudio Balance+

Verstärker:


MalValve Preamp Three und
Poweramp Three

Linn Majik-I

Densen B-130

Lautsprecher:


Lumenwhite Aquila

B&W 803D

K+T Mini-Monitor TS

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Gegenspieler

Plattenspieler:


Transrotor Fat Bob

Acoustic Solid Machine

Clearaudio Innovation

Wie kein anderer (nicht „kaum ein anderer“, nein „kein anderer“) hat sich Tim de Paravicini mit absolut jeder Stufe der Musikreproduktion intensiv auseinandergesetzt - vom Mikrofon bis hin zur Schneidemaschine. Nach wie vor bietet er eine professionelle Produktlinie mit höchstwertigen Studiogeräten an. Größen wie Pink Floyd oder Peter Hammil haben sich von ihm Tonstudios einrichten lassen. Diverse legendäre Mastering-Tonbandmaschinen stammen aus seiner Werkstatt und - last but not least - die Schneidemaschinen des MFSL-Labels wurden von ihm auf das Niveau gebracht, das Audiophile weltweit seit Jahren so schätzen. De Paravicini ist übrigens durch und durch Brite - der Name stammt von seinen italienischen Vorfahren, die bereits vor Jahrhunderten emigrierten. Sein Lebenslauf weist nicht nur technisch, sondern auch geografisch etliche Stationen auf, die einmal rund um den Erdball reichen.

Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 2Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 3Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 4Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 5Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 6Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 7Plattenspieler EAR Disc Master im Test, Bild 8
In HiFi-Kreisen ist er natürlich vor allem durch seine Röhrenverstärker bekannt und beliebt, die er unter dem Namen Esoteric Audio Research - EAR herstellt. Gut informierte Quellen sagen, der geniale Entwickler trage ein Konzept so lange mit sich herum, bis es in seinem Kopf ausgereift sei, dann greife er zu Stift und Papier - seine Mitarbeiter müssten das Gerät dann aufbauen, weitere Modifikationen seien noch nie nötig gewesen. Nun, das können wir nicht überprüfen, auch nicht, ob das bei unserem, etwas unbescheiden betitelten Testmodell Disc Master genauso gewesen ist. Gesichert ist hingegen, dass Tim de Paravicini schon sehr lange mit der Idee eines eigenen Plattenspielers schwanger ging, dann aber durch die fast völlige Verdrängung der analogen Wiedergabe einfach andere Prioritäten setzen musste und erst vor ein paar Jahren auf das Projekt zurückgegriffen hat. Das Resultat sehen Sie jetzt bei uns im Heft, und zwar buchstäblich: Der abgebildete Disc Master ist der allererste jemals gebaute, der private Plattenspieler Tim de Paravicinis - ein bisschen fühlen wir uns schon geehrt. Aber nun zur Technik. Der grundsätzliche Aufbau des EAR Disc Master, der übrigens mit knapp 17.000 Euro zu Buche schlägt, ist dreiteilig: Sockelplatte mit Antriebseinheit. Subchassis mit Tellerlager und Tonarmbasen und schließlich der Teller. Dieser besteht aus einer Materialmischung, die anderweitig unter dem Namen Corian vermarktet wird, also eine Art Kunststein. Das Material ist durch seine große Dichte ideal, um Masse zu machen - eventuell anfallende Resonanzen bekämpft der Entwickler, indem er eine dicke Korkmatte vollflächig mit Silikon darauf klebt. Über die Farbwahl des Tellers kann man geteilter Meinung sein, so recht will er nicht zum ansonsten in Silber gehaltenen Unterbau passen - Geschmackssache; wenn eine Platte aufgelegt wird, ist es ohnehin egal. Der trotz seines ordentlichen Gewichts recht flache Teller wird durch ein oben kegelförmig auslaufendes Tellerlager zentriert. In das gekapselte Lager selbst konnten wir leider nicht hineinsehen - der Hersteller spricht von Schweizer Präzisionslagern - also Kugellager! Wenn man sich als Nächstes ansehen möchte, wie der Motor den Teller antreibt, dann sieht man: nichts. Der Teller sitzt oben auf seinem Lager und besitzt keinerlei mechanische Verbindung zum Motor, außer dass alles irgendwie gemeinsam in einem Plattenspieler zusammengefasst ist. Nun, das muss irgend etwas mit Magneten zu tun haben. Nimmt man den Teller und das Subchassis einmal ab, dann sieht man, dass der servogesteuerte Motor in dem geschwungenen Gehäuse an der Frontseite untergebracht ist und ein hängendes Pulley antreibt. Hier gibt es das nächste Detail, das dem Analogfreund das Blut in den Adern gefrieren lässt: Einen Zahnriemen! Dieser treibt eine flache Scheibe, die auf der Bodenplatte gelagert ist. Das kann man ganz leise hören, wenn man mit dem Kopf ganz nahe an den Spieler herangeht - während der Musikwiedergabe ist das leise Klackern des Riemens unerheblich. In der angetriebenen Scheibe befinden sich Magneten, die ihre Gegenstücke in einer innerhalb des Subchassis drehenden Scheibe unterhalb des Tellerlagers mitziehen - und zwar so effektiv, dass der EAR innerhalb einer Umdrehung auf Nenndrehzahl ist. Apropos Drehzahl: Das externe Netzteil mit Motorsteuerung erlaubt neben den üblichen Einstellungen für die Geschwindigkeiten 33 und 45 auch noch eine in einem weiten Bereich einstellbare 78er-Drehzahl, womit die allermeisten jemals produzierten Schallplatten abspielbar sein dürften. Durch den berührungslosen Antrieb besteht keinerlei Gefahr, dass irgendwelche Störeinflüsse von außen auf den Teller wirken. Zudem ist die obere Einheit des Disc Master durch eine raffinierte Subchassiskonstruktion von der Basis entkoppelt - innerhalb der einzeln in der Höhe verstellbaren Füße sind die Spikes, die den Kontakt mit der Bodenplatte herstellen, so aufgehängt, dass sie vertikal und horizontal eine unterschiedliche Resonanzfrequenz besitzen - ähnlich wie in den vorzüglichen Avid-Subchassis-Plattenspielern. Die Basisplatte selbst ist noch einmal separat in der Höhe und Neigung einstellbar, so dass der Disc Master in jeder Situation optimal ausgerichtet werden kann. Tatsächlich war es im Lauf der Hörtests relativ unwichtig, auf welchen Untergrund wir den EAR gestellt haben - er spielte immer auf einem sehr hohen Niveau. Dabei harmonierte er vorzüglich mit dem speziell für Paravicini angefertigten Helius-Omega- Tonarm - für die bessere Vergleichbarkeit haben wir aber auf die zweite Basis des Subchassis zurückgegriffen und vor allem mit SME-Tonarmen gehört. Vom Charakter her würde ich den Disc Master als stilles Genie bezeichnen, in zweierlei Hinsicht: Zunächst einmal wirkt die Wiedergabe - man merkt es gerade in Leerrillen - ganz außerordentlich ruhig. Wenn es überhaupt ein Geräusch gibt, dann kommt es über den Tonabnehmer von der Schallplatte. Zum anderen hinterlässt der EAR den besten Eindruck, den eine Audiokomponente vermitteln kann: Gar keinen. Hört man dieses im besten Sinne des Wortes unauffällige Laufwerk eine Weile, so merkt man, dass beispielsweise der Bass einfach da ist, wuchtig, tief und schwarz, ohne sich aufzudrängen. Dabei verfügt der Tieftonbereich über eine absolut anspringende Dynamik, Kontur, Dunkelheit, und wenn es die Musik mit sich bringt auch Wärme oder Wucht. Das Gleiche gilt für die Mitten, die durch ihre perfekte Ausgewogenheit keinen Bereich herausheben und dadurch im gesamten Spektrum über ein riesiges Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten, Stimmungen und Klangfarben verfügen. Durch den ausgewogenen Präsenzbereich kommen die feinen Höhen besonders gut zur Geltung - strahlend oder als feine Abrundung nach oben ergänzen sie das äußerst gediegene Klangbild. Und wie überzeugend er das tut: Wo es erforderlich ist - bei härterem Rock oder dynamischer Percussion, da wird er hemdsärmelig, packt zu, ohne jedoch jemals die Kontrolle zu verlieren, ganz im Gegenteil, er erweckt stets den Eindruck großer Gelassenheit und Ruhe. Bei anderen musikalischen Stilrichtungen, wie akustischen Besetzungen, subtilerer Popmusik und ganz allgemein klassischer Musik, kann er seine feineren Qualitäten demonstrieren: Sänger wie Instrumente atmen tief durch, man spürt förmlich den Korpus einer Gitarre oder das Knarzen der Saiten beim Griffwechsel. Große Orchester staffelt er tief und breit - inklusive Atmosphäre - ich habe noch keinen Plattenspieler gehört, der so überzeugend die Raumakustik einer Aufnahme wiedergibt. Gerade bei klassischen Live-Aufnahmen, in den Momenten zwischen dem Ende einer Symphonie und dem einsetzenden Applaus ist der Wechsel zwischen konzentrierter Anspannung und der folgenden Begeisterung buchstäblich greifbar. Die sicherlich ebenfalls eindrucksvolle Stimmung einer anspruchsvollen Studioproduktion „Dark Side of the Moon“ - um bei Pink Floyd zu bleiben - gerät dem Disc Master dagegen fast zur leichten Fingerübung. Natürlich ist auch hier die Detailvielfalt extrem beeindruckend, gerät die beginnende musikalische Selbsttherapie des Roger Waters zum oft beklemmenden Erlebnis, das immer wieder von grandiosen Momenten der Schönheit durchzogen ist. Und das ist es, was den Disc Master und seinen Entwickler vor allem auszeichnet: Er ist kein Konstrukt um der Technik willen, sondern setzt diese innovative Technik ganz im Sinne der Musik ein - und so etwas soll über Jahrzehnte eine reine Kopfgeburt gewesen sein? Egal, Hauptsache der Disc Master ist jetzt da.

Fazit

Ich kann jetzt lange über die Qualitäten des Disc Master schwadronieren. Um aber die Konstruktion und den klanglichen Auftritt auf den Punkt zu bringen: genial.

Preis: um 17000 Euro

EAR Disc Master


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Autor Thomas Schmidt
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Datum 02.12.2009, 15:49 Uhr
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Der Zufall wollte es, dass aus dieser Ausgabe so etwas wie ein Monitor-Spezial geworden ist.
Ob alt oder neu: Zentrales Thema sind Lautsprecher, die durch ihre exakte Art der Reproduktion auch als Arbeitsgerät eingesetzt werden können und damit natürlich auch prädestiniert sind, in einer Hifi-Umgebung der ursprünglichen Bedeutung des Wortes "High Fidelity" gerecht zu werden.
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