Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Grand Prix Audio Parabolica


Zielflagge

Plattenspieler Grand Prix Audio Parabolica im Test, Bild 1
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In unserem Metier geht es ja eigentlich nur darum, eine Vinylscheibe mit möglichst konstanter Drehzahl in Rotation zu versetzen – und ja, das ist so langweilig, wie es sich liest. Erst die mögliche Umsetzung dieser Vorgabe in die Realität macht die Sache so spannend

Alvin Lloyd heißt der Mann, der sich die Perfektionierung der Schallplattenwiedergabe auf die Fahne geschrieben hat. Apropos Fahne: Die Zielflagge und der Name „Grand Prix Audio“ kommen nicht von ungefähr: Lloyd war in einem früheren Leben tätig für die Indy-Car-Serie, der nordamerikanischen Entsprechung der internationalen Formel 1. Seit eineinhalb Jahrzehnten setzt er seine dort gewonnenen Erkenntnisse in Sachen Materialforschung für die Musikwiedergabe ein. Sein Credo (und dem schließen wir uns gerne an): Die Resonanzen müssen weg von der Quelle der Musik, also dem Tonabnehmer und den ihm folgenden mechanischen Komponenten. Und – damit kommen wir wieder zurück zur Einleitung – die Schallplatte muss sich so konstant drehen, wie es nur irgendwie geht.
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Das Ziel der Resonanzfreiheit realisiert Lloyd mit einem extrem steifen Chassis an seinen Plattenspielern: Ein leichter, aber steifer Aluminiumrahmen wird schichtweise mit Kohlefasermatten ummantelt und somit noch weiter stabilisiert. Die Grundform der Konstruktion ist dabei kesselförmig mit drei Ausbuchtungen für die Füße des Laufwerks. Diese sind aus gutem Grund separat ausgeführt: Sowohl an den einfachen mitgelieferten Füßen als auch an den entsprechenden Auslegern am Laufwerk finden sich Einbuchtungen für die Stahlkugeln, die Resonanzen vom Laufwerk in die Füße ableiten. Bei den wärmstens empfohlenen Grand-Prix-APEX-Füßen sind diese Kugeln aus Keramik, die Standfüße selbst wie das Laufwerk aus Kohlefaser. Normalerweise gehören die APEX zum großen Laufwerk „Monaco“, sollten aber laut Volker Kühn von Black Forest Audio als Erstes in Erwägung gezogen werden, wenn es um ein Upgrade des immerhin fast 20.000 Euro teuren Parabolica geht. Kühn hat sich auch für diesen Test wieder einmal rührend bemüht gezeigt, was das komplette Setup für ein maximales Erlebnis beim Hören angeht. So gehörte nicht nur der Parabolica mit den Extrafüßen zum Lieferumfang, sondern ein Rundum-glücklich-Paket in Form diverser Zubehörteile. In erster Linie sind dies der vorzügliche Tonabnehmer Murasakino Sumile, dann (natürlich) der ViVLabs-Rigid-Float-Tonarm in der etwas „entschärften“ Neunzoll-Variante mit Carbonrohr und der typischen geraden Headshell. Um auch bei der Signalführung auf Nummer sicher zu gehen, gibt es dazu Kabel und Übertrager von Kondo – was braucht man mehr. Der separat stehende Rigid-Float-Tonarm macht übrigens Sinn: Denn wie könnte man noch weniger Resonanzen vom Laufwerk auf den Tonarm übertragen als bei einem Tonarm, der gar nicht mit dem Laufwerk verbunden ist – oder, um es ganz genau zu nehmen, nur über die gemeinsame Stellfläche? Natürlich bietet der Parabolica auch die Möglichkeit, einen Tonarm fest zu montieren. Dazu wird eine aus Metall gefräste Armbasis seitlich ins Unterteil des Laufwerks geschoben und mit zwei Schrauben fixiert. Selbstverständlich kann hier auf Wunsch auf jede mögliche Tonarmbasis und -länge eingegangen werden. Direkt unter dem Einschub für den Tonarm sitzt auch die Zuleitung für die Stromversorgung und einer der ganz entscheidenden Bestandteile des ganz besonderen Antriebs, mit denen sich die Laufwerke von Grand-Prix einen Namen gemacht haben. Dreh- und Angelpunkt des Parabolica ist nämlich ein Direktantrieb. Das ist erst einmal nichts Besonderes – entscheidend ist hier aber die Genauigkeit, mit der gearbeitet wird. Pro Umdrehung wird die Einhaltung der exakten Geschwindigkeit nämlich knapp 300.000-mal abgetastet – es gibt knapp 75.000 Regelvorgänge in diesem Zeitraum! Damit ist der Grand Prix Audio weit über den Regelvorgängen, die älteren Direct Drives den Vorwurf eingetragen haben, sie wären „nervös“ – der Parabolica ist damit nur eines: verdammt genau. Mangels Überprüfungsmöglichkeit kann ich hier nur die beeindruckenden Herstellerangaben für den Gleichlauf angeben, die weit unter den Möglichkeiten jeder Messplatte liegen: Grand Prix gibt eine maximale Abweichung von der Solldrehzahl von 0,00015 % an. Und das bei einem Laufwerk mit einer Gesamtmasse von gerade mal etwas mehr als 12 Kilogramm, also tatsächlich zu einem Großteil der Regelung zu verdanken. Das soll nicht heißen, dass man an den anderen Stellen gespart hätte: Der Teller ist mit einem Tellerlager verschraubt, das sich in einem großzügig geschmierten Ölbad dreht – eine ideale Verbindung aus dem Lager eines soliden Masselaufwerks und dem Direct Drive. Der Plattenteller selbst macht einen soliden Eindruck. Optional gibt es hier die Black Forest Audio „DÄDMat“, die für eine zusätzliche Bedämpfung sorgt. Mit einer konkaven Schraubklemme und einem entsprechenden Ring um den Tellerdorn können auch verwellte Platten in einem gewissen Rahmen gerade an den Teller gepresst werden. Alternativ zum etwas profanen mitgelieferten Steckernetzteil liefert Volker Kühn eine deutlich aufwendigere Stromversorgung, deren Zeigerinstrument neben dem futuristischen Grand-Prix-Laufwerk etwas archaisch wirkt. Der Direct Drive des Parabolica ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem eines Kollegen aus dem DJ-Sektor: Vergleichsweise gemächliche 17 Sekunden nimmt sich das Laufwerk Zeit, bis es auf 33 Umdrehungen pro Minute hochgefahren ist. Die Ein-Knopf- (oder Ein-Sensor-)Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig – bis man Ein/Aus und Geschwindigkeitsanwahl heraus hat, muss man noch ein- oder zweimal im Manual nachsehen. Auf jeden Fall symbolisiert die leuchtende blaue LED unter dem Teller die korrekte Betriebsart für Langspielplatten. Das Sumile mit seiner stoischen Ruhe in Sachen Abbildungspräzision, kleinen Details und Feindynamik, gepaart mit dem ferrofluidgedämpften Rigid-Float-Tonarm zieht sich aus dem Laufwerk noch etwas mehr Feininformationen, als ich das von meinen bisherigen Setups gewöhnt war. Voraussetzung hierfür ist aber – und daraus macht der Vertrieb auch kein Geheimnis – ein Stellplatz, in den der Parabolica Resonanzen auch gut ableiten kann. Das mitgelieferte Black Forest Audio Sound Sheet als Stellfläche leistet da gute Dienste, etwas besser ging es – je nach Untergrund – dann noch mit einer der neuen Steinbasen von Bfly Audio oder der Basis von Beton- Art, die noch etwas Masse addieren. Was soll ich sagen: Nur wenige Laufwerke konnten mich auf Anhieb so überzeugen wie der Grand Prix Audio. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern gleich das ganz große Besteck in Sachen überlegener Dynamik und Ruhe in der Wiedergabe ausgepackt. Natürlich ist es schwer, aus einer so runden Kombination von Komponenten eine einzige herauszupicken – aber durch Austauschen der einzelnen Komponenten bekommt man dann doch ein Gefühl für Ursache und Wirkung. Der Austausch des Sumile gegen das Ortofon MC Century brachte nur Nuancen an klanglicher Veränderung – beide Systeme agieren auf einem extrem hohen Niveau, etwas verspielter das eine, etwas knackiger das andere. Aber um auf diesem Level überhaupt noch Unterschiede herausarbeiten zu können, dazu bedarf es eines mindestens ebenbürtigen Laufwerks, eben des Parabolicas, der unbeirrbar seine Runden zieht und nicht diese minimalem Gleichlaufschwankungen hat, zu denen alle anderen Plattenspieler bei plötzlichen Dynamiksprüngen neigen. Diese werden so tatsächlich zu 100 Prozent von der Nadel abgetastet und weitergereicht an die nachfolgende Kette. Beim Hören manifestiert sich dies in einer ungemein lebendigen und anspringenden Wiedergabe. Am anderen Ende der Skala sind es aber auch die kleinsten feindynamischen Ereignisse, die der Parabolica hoch präzise aus der Rille arbeitet: Feinste Nuancen beim Greifen von Akkorden auf der Gitarre, beim Atem eines Blasinstruments oder dem Ausklingen eines Klavierakkords. Zur Tonalität des Laufwerks hingegen kann ich überhaupt nichts sagen – ich würde sagen, neutraler und sauberer geht es nicht: Der Grand Prix Parabolica nimmt sich selbst als Komponente völlig aus dem Rennen – und ein größeres Kompliment kann man einem High-Fidelity-Gerät, das den Sinn des Worts ernst nimmt, nicht machen.

Fazit

Mit ein paar durchgreifenden Maßnahmen in Sachen Material und Antrieb hat Grand Prix Audio mit dem Parabolica das perfekte Laufwerk geschaffen.

Preis: um 20000 Euro

Plattenspieler

Grand Prix Audio Parabolica


09/2019 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Black Forest Audio, Malsch 
Telefon 07246 6330 
Internet www.blackforestaudio.com 
E-Mail info@blackforestaudio.com 
Gewicht (in Kg) 12,5 kg 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre Herstellergarantie 
Unterm Strich ... Mit ein paar durchgreifenden Maßnahmen in Sachen Material und Antrieb hat Grand Prix Audio mit dem Parabolica das perfekte Laufwerk geschaffen. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 19.09.2019, 10:00 Uhr
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