Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Hanss Acoustics T-30B


Schwebezustand

Plattenspieler Hanss Acoustics T-30B im Test, Bild 1
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Angesichts des massiven Laufwerks, das vor uns steht, von  etwas Schwerelosem zu sprechen, mag etwas abseitig erscheinen.  Und doch: Der Zustand permanenter Abgehobenheit ist  integrativer Bestandteil des T-30B von Hanss Acoustics

Ein Wort zum Hersteller: Das Unternehmen gibt es jetzt schon ein paar Jahre, wenn auch in Europa noch wenig beachtet. In der Zeit hat man ein inzwischen recht beeindruckendes Sortiment an Geräten aufgebaut, das sich in erster Linie der analogen Musikwiedergabe verschrieben hat. Dass der Besitz eines Plattenspielers – je größer, desto besser – in audiophilen Kreisen dort im wahrsten Sinne zum guten Ton gehört, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Hanss Acoustics ist übrigens keine fiktive Wortschöpfung, sondern auf den Namen Han zurückzuführen, dem Vater der überwiegend in Hongkong gefertigten Plattenspieler. Das übrige Sortiment umfasst einen CDPlayer, Phonostufen und analoges Zubehör – den Vertrieb hat seit einiger Zeit das House of Hifi in Frankfurt übernommen.

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Zur Einordnung des T-30: Dieser markiert im Moment die solide Mittelklasse im Sortiment, auch wenn die Zahlen etwas anderes nahelegen, immerhin geht es ja bis zum T-90 hoch. Dabei sind sich die Spieler (bis auf den kleinen T-10) von der Grundkonstruktion und der Formgebung sehr ähnlich – nach oben hin sind der Zargendicke, der Tellermasse und der Anzahl der Motoren fast keine Grenzen gesetzt. Unser Testmodell T-30B, sozusagen die „Black Edition“, das immerhin schon fast 40 Kilo auf die Waage bringt, schlägt mit einem Listenpreis von 6.590 Euro zu Buche. Wie gesagt: Die Grundform bei allen Hanss-Laufwerken ist die gleiche: Eine organisch gerundete Zarge mit fünf Ausbuchtungen, drei für die Füße, zu denen wir gleich kommen werden, zwei für die Tonarmbasen. Die Zarge ist beim T-30 fünfschichtig aufgebaut: Drei Aluminiumplatten mit zwei dickeren Acrylschichten dazwischen sorgen für ordentlich Masse auf den Rippen – die Sandwich-Konstruktion unterbinden durch die Materialübergänge Resonanzen. Wie gesagt: Diese schwere Zarge steht auf drei höhenverstellbaren Metallfüßen, die sich durch Verdrehen einstellen und mit einer gut zugänglichen Kontermutter arretieren lassen. Für die Ankopplung an die Stellfl äche sorgen harte Kugeln an der Unterseite. Das wirkt schon einmal ziemlich durchdacht und handwerklich gut ausgeführt – die wirklich spannenden Dinge tun sich aber im Inneren der Füße: Eine aus Deutschland zugekaufte Keramikachse sorgt lediglich für die seitliche Führung – vertikal entkoppeln Neodym-Magnete den oberen vom unteren Teil des Fußes. Ein Subchassis-Plattenspieler ist der Hanss aber trotzdem nicht – hier ruht ja die gesamte Zarge federnd aufgehängt. Damit aber nicht genug: Eine ganz ähnlichen Konstruktion findet sich auch im Tellerlager. Um die Lagerbuchse herum ist ein Neodymring montiert, dessen Gegenstück in einer Scheibe um den Lagerdorn herum zu finden ist. Dieser ist ebenfalls aus harter und extrem glatter Keramik, die grundsätzlich keiner vertikalen Kraft ausgesetzt ist. Man kann aber den Lagerboden mit einer eingesetzten Stahlkugel so weit nach oben drehen, dass ein Kontakt zwischen Lagerdorn und -boden hergestellt wird und so ganz bewusst Sounding betreiben – was gefällt, bleibt dem Benutzer überlassen. Wem das Ganze bekannt vorkommt: Auch die Teile des Tellerlagers sind aus Deutschland zugekauft – mehr sei nicht verraten. Der Teller selbst besteht aus 10 Kilo schwarz eloxiertem Aluminium mit einem seitlichen Kragen, der das Magnetfeld des Lagers noch etwas abschirmen soll. Als Tellermatte fungiert eine Spezialanfertigung aus leichtem Schaumstoff, die sich laut Hersteller am besten eignen soll – obendrauf gibt es noch ein schickes Plattengewicht. Zum Antrieb: Zwei Motoren, frei aufgestellt in ihren schweren Säulen links und rechts des Plattenspielers sorgen für den Vortrieb: Zwei Dinge sorgen auf den ersten Blick für Irritation: Erstens: Die Pulleys sind sehr groß und mit je drei Rillen versehen – außerdem sind die Motordosen unterschiedlich hoch. Dahinter steckt ein besonderes Antriebskonzept: Es handelt sich nicht etwa um einen Riemen, der um beide Motoren und den Teller gelegt wird, sondern um insgesamt sechs Silikonriemen, drei auf jeder Seite, die die Antriebskraft vom Pulley auf den Teller bringen. Auch so wirken die Zugkräfte auf den Teller symmetrisch. Einen leisen Hauch von Kritik möchte ich an der Verklebungsqualität der Riemen äußern: Ohne allzu viel Krafteinfluss ist einer der Silikonstränge aufgegangen, und zwar im laufenden Betrieb. Natürlich hat das bei der bestehenden Redundanz keinerlei hörbare Auswirkungen gehabt. Reserve ist vorhanden – man hat dem Laufwerk insgesamt neun Riemen beigelegt. Übrigens kann man laut Hersteller nach Wunsch durchaus auch nur mit je einem Riemen links und rechts arbeiten. Die Motoren werden über eine externe Steuerung versorgt, die für beide Geschwindigkeiten eine separate Feinregulierung erlaubt. Die Geschwindigkeit prüft man mit der mitgelieferten Stroboskopscheibe oder mit der eingebauten Geschwindigkeitsanzeige. Sie haben richtig gelesen: Mit LED und Fotodiode (und einem profanen weißen Klebestreifen) wird einmal pro Umdrehung die Geschwindigkeit neu errechnet und auf einer kleinen Anzeige in der Zarge angezeigt. Für die Tonarm-Montage gibt es zwei Säulen hinten links und rechts – in der Grundform für 9- und 10-Zoll-Arme ausgelegt. Größere Ausleger für längere Arme sind aber erhältlich. Basisaustattung ist eine Montageplatte für SME-Arme, eine für Rega. Andere Bohrungen werden auf Wunsch gefertigt. Die Basen sind auf dem Türmen mit langen Schrauben und einem ringförmigen Gegenstück an der Unterseite des Tonarm-Turmes gesichert – wenn die sechs Maschinenschrauben angezogen sind, sitzen die Basen bombenfest. Mit abgesenktem Lagerboden, und damit schwebendem Teller, spielte der T-30B sehr kontrolliert und mit perfekter Ausgewogenheit. Nebengeräusche gibt es absolut keine – die Musik kann sich oberhalb dieser Ruhe mit all der Dynamik entfalten, zu der die Schallplatte fähig ist, und das ist gar nicht mal so wenig! Basskontrolle und -dynamik gibt es bei der großen Tellermasse und zwei Antriebsmotoren reichlich. Im Mitteltonbereich bleibt der Hanss im positiven Sinne unauffällig – es gibt keine Verfärbungen. Nach oben hinaus gibt es eine ausgewogene Mischung aus Luftigkeit und Präzision – wie hier gespielt wird, hängt vor allem vom Tonabnehmer ab – so soll es sein. Dreht man nun den Lagerboden, bis die Edelstahlkugel Kontakt mit der Keramikachse aufnimmt – und nicht mehr – dann ändert sich die Gangart nicht frappierend, aber doch spürbar (und immer wieder auch nachvollziehbar). Es geht einen Hauch direkter, klarer und kompromissloser zu, wenn man so will: Die Musik spielt mehr aus der Mitte heraus, mehr „ins Gesicht“. Schön zu hören ist das beispielsweise bei der wirklich schön gemachten Jeanne-Carroll-LP von DaCapo, wo aus einer entspannten, schwelgerischen Klangsituation mit reiner Magnetlagerung mit „körperlichem Kontakt“ eine authentischere, erdigere Wiedergabe wird, die in diesem Fall der gespielten Musik eher entspricht. Beim Abspielen von großsymphonischer Klassik hingegen ist das Magnetlager in seinem Element – hier kann es seine größere Übersicht und Ruhe in der Abbildung in die Waagschale werfen. Ein weiteres Hochdrehen des Lagerbodens möchte ich nicht empfehlen, ergeben sich hier doch keine nennenswerten Entwicklungen mehr – außerdem müsste man dann auch die Tonarmhöhe nachstellen, um die korrekte VTA-Einstellung beizubehalten. Außerdem: Wann hat man das schon einmal: Zwei hervorragend klingende Plattenspieler, mit unterschiedlichen Armen und System bestückt, sogar vier in einem!

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Fazit

Der Hanss Acoustics T-30B ist ein durchdachtes Stück Technik, das handwerklich hervorragend gemacht ist und mit seinen flexiblen  Einstellungsmöglichkeiten auf  einem sehr hohen Niveau gezielte  Eingriffsmöglichkeiten bietet – für  den experimentierfreudigen Plattenhörer ein Hauptgewinn!

Preis: um 6590 Euro

Hanss Acoustics T-30B

02/2016 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb HOUSE-OF-HIFI, Frankfurt am Main 
Telefon 069 57802627 
Internet www.house-of-hifi.de 
E-Mail: contact@house-of-hifi.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 635/222/435 
Gewicht (in Kg) ca. 38 kg 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 05.02.2016, 09:56 Uhr
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