Kategorie: Plattenspieler

Plattenspieler Muarah MT3 / Motorsteuerung Intelliclamp + PSC


Frischer Wind aus östlicher Richtung

Plattenspieler Muarah MT3 / MY-1/9 / Motorsteuerung Intelliclamp + PSC im Test, Bild 1
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Sowas nehmen wir immer gerne: Ein hübscher bezahlbarer Plattenspieler nebst selbst konstruiertem Tonarm, auf Wunsch im Team mit einer innovativen Motorsteuerung.

Muarah klingt – zumindest für meine Ohren – erst einmal so gar nicht polnisch, ist es aber. Hinter dem jungen in Warschau ansässigen Unternehmen stecken zwei erfreulich junge Männer namens Wiesław Zawada und Jacek Siwin´ski, die sich eine schöne Mission auf die Fahne geschrieben haben: Kundenzufriedenheit steht an erster Stelle, dann erst dürfen finanzielle Interessen eine Rolle spielen. Klingt gut und ist derzeit in Gestalt einer ganzen Reihe von Produkten überprüfbar geworden: vier Plattenspieler, ein Tonarm, eine Phonovorstufe, ein Leistungsverstärker und diverse interessante Zubehörprodukte bilden das Portfolio. Der MT3 bildet dabei den Einstieg in die Plattenspielerwelt und ich muss gestehen – man sieht’s ihm nicht an.

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Rein optisch steht er den teureren Modellen keinesfalls nach und wirkt sehr wertig. 3400 Euro mit dem neun Zoll-Tonarm MY-1/9 sind zwar auch nichts, was man mal eben aus der Portokasse fischt, aber ohne Zweifel wird hier fairer Gegenwert fürs Geld geboten. Ohne Arm geht auch, dann kostet´s 2000 Euro.  

Das Laufwerk


Eine dicke MDF-Platte, unter der offensichtlichen Zuhilfenahme einer CNC-Fräsmschine, bildet die Basis des Laufwerks. Die Silhouette ist kreisförmig, an vier Stellen gesellen sich kleinere „Ausleger“ hinzu. Die beiden vorderen beherbergen die bequem von oben höhenverstellbaren Füße in Form voluminöser Edelstahl-Spikes, Nummer drei davon sitzt weiter hinten unter dem Chassis und ist nicht höhenverstellbar – sinnvollerweise. In den zwei anderen Ausbuchtungen residieren der Antriebsmotor auf der einen und die Tonarmbasis auf der anderen Seite. Gebürstete Edelstahlbleche sorgen für innigen Kontakt dieser Komponenten mit der Zarge.

Plattenspieler Muarah MT3 / MY-1/9 / Motorsteuerung Intelliclamp + PSC im Test, Bild 7
Der Plattenspieler wirkt wahrlich nicht wie ein Einsteigermodell
Eine dreiflügelige Sandwichkonstruktion aus einer Lage Acryl und einem Verbundmaterial bilden eine Art – ich nenn´s mal ganz vorsichtig „Subchassis“, welches das Tellerlager trägt. Die Verbindung zur Basis ist aber nur minimal elastisch und beschränkt sich auf die Biegesteifigkeit des „Propellers“. In dessen Mitte ist die Achse des invertierten fettgeschmierten Lagers montiert. Es handelt sich um eine polierte Stahlachse moderaten Durchmessers, an ihrer Oberseite sitzt ein Teflonspiegel, dass die vertikalen Kräfte aufnimmt. Jene erzeugt eine kleine Lagerkugel am Boden der Messinghülse, die das Gegenstück des Lagers bildet. Jene steckt in einem Plattenteller aus drei Zentimeter starkem schwarzen Acryl. An seiner Oberseite ist eine dünne Aluplatte eingelassen, auf der insgesamt 12 runde Schaumstoffpads den Kontakt zur Schallplatte bilden. Ein Antippen des Tellerrandes offenbart die Elastizität der besonderen Tellerlageraufhängung. Das wirkt etwas wabbelig, scheint in der Praxis aber gut zu funktionieren. Angetrieben wird das Ganze von einem Gummi-Rundriemen, der auf dem Außenradius des Tellers läuft. Der dazugehörige Motor wohnt links hinten und trägt eine recht große Riemenscheibe mit zwei Nuten, eine für 33 1/3 und eine für 45 Umdrehungen. Der netzsynchron arbeitende Motor wird von einem Steckernetzteil gespeist, das die erforderliche 16-Volt-Wechselspannung liefert.   

Die schlaue Motorsteuerung


An dieser Stelle bietet es sich an, über die Motorsteuerung namens „PSC“ und die Plattenklemme „Intelliclamp“ zu reden, die nämlich alternativ zu dem Steckernetzteil eingesetzt werden können.

Plattenspieler Muarah MT3 / MY-1/9 / Motorsteuerung Intelliclamp + PSC im Test, Bild 3
Im Inneren der „Intelliclamp“ geht‘s ziemlich komplex zu
Oder aber bei jedem anderen Plattenspieler, der von einem mit Niederspannung betriebenen 50-Hertz-Synchronmotor in Rotation versetzt wird. Was eine große Anzahl von zum Beispiel Pro-Ject-, Transrotor-, Acoustic Solid- und noch weitaus viel mehr Modellen einschließt. Das Duo besteht aus einer zunächst unschuldig aussehenden Plattenklemme und einem hübschen Edelstahlgehäuse im gelungenen Retro-Look. In dessen Innerem finden sich drei Dinge: Ein kleiner Ringkerntransformator, ein klassisch analog aufgebauter Generator für zwei um 90 Grad phasenverschobene Sinusschwingungen mit nachgeschalteten Endstufen und drittens eine „schlaue“ Platine hinter der Front. Auf jener sitzt ein Mikrocontroller, der ein Steuersignal für den Generator erzeugt, womit er dessen Frequenz verstellen kann. Das macht er anhand des Drehzahlsignals, das er per Funk von der „Plattenklemme“ erhält. In jener nämlich steckt ein Positionssensor, der die tatsächliche Drehzahl des Tellers misst und mit Hilfe eines zweiten Mikrocontrollers und eines Funkmoduls an das Grundgerät sendet. Die Sensorik ist in etwa die gleiche wie in Ihrem Smartphone – Sie kennen vermutlich die Apps, mit denen sich Plattenspielerdrehzahlen messen lassen.  

Der Witz besteht nun darin, dass die „Generatorkiste“ ein richtiges Drehzahlsignal zur Verfügung hat, anhand dessen sie die Motordrehzahl nachregeln kann. Ich war ziemlich in Sorge, ob das in der Praxis auch funktioniert, das tut es aber ganz ausgezeichnet. Die „Plattenklemme“ wird dabei von einer Knopfzelle versorgt. Der Stromverbrauch der Angelegenheit ist gering, außerdem stellt das Gerät fest, wenn es eine zeitlang nicht bewegt wurde und schaltet dann in den Ruhemodus. Zum „Aufwecken“ muss man die Klemme leicht schütteln oder, noch besser, sanft oben drauf klopfen. Die ganze Angelegenheit ist eine ziemlich schlaue und kann auch solche Sachen wie den Antriebsmotor anhand einer vordefinierten Rampe sanft anfahren, um den Riemen zu schonen. Das Gerät verfügt über vier Betriebsarten, von denen aber nur Modus „A“ wirklich interessant ist, weil nur hier eine echte Regelung der Tellerdrehzahl stattfindet. Das Setup der ganzen Angelegenheit ist etwas gewöhnungsbedürftig, die Bedienungsanleitung an dieser Stelle auch noch verbesserungswürdig. Man muss das aber nur einmal tun und kann das Gerät danach ohne Probleme mit den drei am Boden unterhalb der Front angebrachten Tastern bedienen. Sie können zwischen beiden Drehzahlen umschalten und die tatsächliche Drehzahl am LED-Display ablesen. Die ist grundsätzlich beruhigend nahe am Sollwert. Ich hab das Ganze natürlich auch mal an meinen großen Transrotor Fat Bob gehängt – auch das funktioniert bestens. Zumal man an den „PSC“ drei Motoren via fünfpoliger DIN-Buchse anschließen kann, was genau das richtige für den Fat Bob war.   

Tonarm


So – nun aber noch schnell ein paar Worte zum MY- 1/9. Neun Zoll langes Kohlefaserrohr, kardanische Lagerung. Das Joch für die Horizontallagerung ist eine schön stabile halboffene Metallvariante, darin hängt ein ebenfalls äußerst solider Ring, der die Lager für die Vertikalbewegung trägt. Die Auflagekrafteinstellung erfolgt mittels eines entkoppelten Metallgegengewichtes auf einem Gewindezapfen.

Plattenspieler Muarah MT3 / MY-1/9 / Motorsteuerung Intelliclamp + PSC im Test, Bild 9
Das Gegengewicht des Tonarms dürfte etwas schwerer sein
Das Gewicht dürfte gerne ein bisschen schwerer sein, in der Praxis sitzt es meist sehr weit hinten auf dem Arm. Das Antiskating kann man per gewichtsbelastetem Faden auf einem Ausleger einstellen. Am vorderen Ende gibt‘s ein Drehbares Headshell im Frank-Schröder-Style. Der Lift ist ordentlich gedämpft, das Ganze macht einen überaus soliden Eindruck. Unterm Headshell gab’s beim Testgerät ein definitiv gut passendes MC vom Typ Ortofon Cadenza Blue, womit die Maschine bestens für den Hörtest gerüstet war.   

Klang


Die fein auflösende und transparente Gangart des Ortofons stellte die Muarah- Kombi schon mit dem Seriennetzteil absolut überzeugend dar. Man merkt’s an der Sensibilität, mit der der späte Leonard Cohen dargestellt wird, das Brüchige, das Melancholische – sehr gut. Dazu passt ganz ausgezeichnet Patti Smiths großartiges „Smells Like Teen Spirit“-Cover aus dem Jahre 2007, eine ausgesprochen gefühlvolle Angelegenheit mit einem Banjo anstelle der Gitarre. Patti klingt frisch und engagiert, die Stimmt ist schön freigestellt, das Ansemble der Mitmusiker schön ausgelöst drumherum gruppiert. An beiden Frequenzenden schlägt sich der Muarah achtbar, er liefert eine schön sonore Bass- Performance und klare, stabile Höhen. Mit dem schlauen Motorregler und der Funk- Plattenklemme geht tatsächlich noch hörbar mehr. Das Klangbild gewinnt an Tiefe, der Bass legt in Sachen Kontur zu, die räumliche Abbildung wird präziser. Das deckt sich weitgehend mit den Auswirkungen, die ich auch am großen Transrotor Fat Bob feststellen konnte. Nicht schlecht für einen Newcomer! 

Fazit

Muarahs Einsteiger-Plattenspieler ist ein feines Angebot zu einem absolut fairen Preis, die clevere Motorsteuerung hilft nicht nur ihm auf die Sprünge, sondern auch noch deutlich ernsteren Laufwerkskalibern.

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Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Muarah MT3 / MY-1/9 / Motorsteuerung Intelliclamp + PSC

Preis: um 3400 Euro / 2.000

3/2024

Muarahs Einsteiger-Plattenspieler ist ein feines Angebot zu einem absolut fairen Preis.

Muarah MT3 / MY-1/9 / Motorsteuerung Intelliclamp + PSC

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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb LEN HiFi, Duisburg 
Telefon 02065 544139 
Internet www.lenhifi.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen 475 x 160 x 400 / 310 x 110 x 350 mm (MT3 / PSC) 
Gewicht (in Kg) ca. 8 / 3,1 kg 
Unterm Strich ... Muarahs Einsteiger-Plattenspieler ist ein feines Angebot zu einem absolut fairen Preis, die clevere Motorsteuerung hilft nicht nur ihm auf die Sprünge, sondern auch noch deutlich ernsteren Laufwerkskalibern. 
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