Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Opera Consonance "Die Walküre" / T1288


Zwei, drei Punkte noch

Plattenspieler Opera Consonance Die Walküre / T1288 im Test, Bild 1
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Plattenspieler der gehobenen Klasse aus China? Das ist selten. Sehen wir uns doch mal an, was da heutzutage so möglich ist

Mitspieler


Tonabnehmer:

 Benz ACE-SL

69
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Phonovorstufen:

 Gruensch MCS II
 Audionet PAM G2/EPC

Vorstufen:

 MalValve preamp four line

Endverstärker:

 Accustic Arts Amp2 MK2

Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 KLANG+TON „Nada“

Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler


Plattenspieler:

 Sperling M-2 / Reed 3p
 Transrotor Fat Bob / SME 3500

Sie werden besser. Man merkt’s an jeder Ecke und Kante des täglichen Lebens. Und wenn chinesischen Herstellern von westlichen Abnehmern mal keine brutale Daumenschrauben in Sachen Preisgestaltung angelegt werden, dann können die da mittlerweile eigentlich alles. Für einen Hi- Fi-Hersteller gilt das in ganz besonderem Maße: Opera Consonance ist nämlich so etwas wie ein Methusalem unter den fernöstlichen Produzenten tönenden Equipments: Mr. Shi Hui Liu gründete seine Firma bereits 1994 in Peking und hat sich im Laufe der Jahre eine exzellente Reputation erworben. Insbesondere die sehr eigenständig und hübsch gestylten Röhrenverstärker genießen vielerorts einen ausgezeichneten Ruf, ich erinnere mich da auch an ein paar CD-Player mit Röhrenausgangsstufe, die keinesfalls von schlechten Eltern waren.

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Eigenem Bekunden nach war Opera Consonance zudem der erste chinesische Hersteller, der sich an einen Plattenspieler wagte – auch auf diesem Sektor sind mittlerweile Jahre an Erfahrung vorhanden. Der neueste Streich des bekennenden Liebhabers europäischer Opern heißt „Die Walküre“. Oder besser: Er soll so heißen. Das mit den Punkten auf dem „Ü“ ist irgendwie schiefgegangen, auch auf dem gelaserten Typenschild, das sich selbstbewusst von dem vorderen Ausleger gen Bediener reckt. Nicht frei von Selbstbewusstsein ist auch das Preisschild des Plattenspielers: Er kostet bei uns 3.000 Euro. Der auf unserem Testgerät montierte Zwölfzoll-Einpunktarm „T1288“ wechselt für 900 Euro den Besitzer. Dafür allerdings bekommt man auch Einiges geboten: Die Walküre ist ein ziemlich mächtiger Riementriebler mit einem rund fünfeinhalb Zentimeter dicken Acrylteller und einer aufwendigen Basiskonstruktion. Die Maxime „maximale Festigkeit und hohe Dämpfung“ ist das verbindende Element aller Geräte der Droplet-Baureihe, zu der auch diese Dame hier gehört. Das mit der Dämpfung, das steht ganz unten. Drei in der Höhe verstellbare interessante Aluminiumfüße sorgen für den Kontakt zur Stellfläche. In diesen Füßen sorgen Stahlkugeln für eine Entkopplung der beiden Hälften, was wir bei Stillpoints oder Finite Elemente schon recht ähnlich gesehen haben. Diese Füße stecken in drei Aussparungen in einem mächtigen Block aus Birkenmultiplex – allerdings nur indirekt: dazwischen sind noch Squashbälle für eine effektive Entkopplung bei tiefen Frequenzen zuständig. Was übrigens ganz ausgezeichnet funktioniert. Der Multiplex- Untersetzer ist rundherum ordentlich geschliffen und lackiert, Fehlstellen im Material wurden vorher ordentlich verfüllt. Obendrauf dann kommt der eigentliche Plattenspieler. Dessen Chassis ist genauso geformt wie die Basis darunter, drei in entsprechenden Bohrungen im Holz steckende Messingstifte besorgen einen guten Zentimeter Abstand zwischen beiden Elementen. Die Zarge ist ein dickes, massives und schwarz gepulvertes Aluteil. Mittig sitzt die Messing-Lagerhülse, die dazugehörige Achse ist fest mit dem Teller verbunden. Dieses Lager hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck: Die Achse hat eine Führungslänge von nicht einmal 25 Millimetern; das ist angesichts des fetten Tellers reichlich wenig, und tatsächlich bestätigt die „Wackelprobe“ eine deutliche Neigung zum Taumeln. Ob’s bei einer so kleinen Achse erforderlich gewesen wäre, die Lauffläche mittig so auszudrehen, dass nur oben und unten ein schmaler Ring als eigentliche Lagerfläche übrigbleibt – ich glaube kaum. Und ich wage zu behaupten, dass diese Konstruktion von begrenzter Lebensdauer sein wird. Hinter dem Teller ist der Gleichstrom- Antriebsmotor ins Chassis eingelassen. Er bedient den Teller über einen geknüpften String aus dem üblichen „unsichtbaren Nähgarn“. Der Motor dreht ziemlich hoch und trägt ein vergleichsweise winziges Pulley. Es verfügt über zwei Eindrehungen für die beiden üblichen Geschwindigkeiten. Auch das verstehe ich nicht so ganz – es gibt nämlich eine externe Motorsteuerung mit Drehzahleinstellung. Ein Umschalter, ein zweites Poti und die Notwendigkeit, bei jedem Wechsel der Antriebsdrehzahl am Speiseteil nachregeln zu müssen, wäre erledigt. Bei einer so kleinen Riemenscheibe wie hier ist es nämlich praktisch unmöglich, beide Drehzahlen einigermaßen genau zu treffen. Die gute Nachricht lautet: Eine Stroboskopscheibe liegt bei. Der Tonarm T1288 macht einen sehr filigranen Eindruck: Ein so dünnes Kohlefaserrohr sieht man selten. Das rudimentäre Headshell ist einfach mit einer Schraube durchs Rohr befestigt – immerhin lässt sich so die Kröpfung leicht verändern. Am anderen Ende, nach einem reichlich langen und statisch problematischen rückwärtigen Rohr hängt ein massives Gegengewicht, dessen stark hängende Form für die Stabilisierung des Tonabnehmer-Azimuts sorgt. Das Lagergehäuse ist für so einen Tonarm ungewöhnlich klein und besteht zudem aus Aluminium; für nennenswertes Gewicht sorgt lediglich ein Stahlring am unteren Rand. So ein ganz lupenreiner Einpunkter ist der T1288 nicht – der „eine Punkt“ oben in der Lagerglocke ist tatsächlich ein recht großer Stift, der auf einem Kranz aus kleinen Kugeln ruht. Ach, Sie haben das auch schon mal bei Wilson Benesch gesehen? Ich auch. Jedenfalls macht so eine Anordnung das Armlager deutlich robuster, ohne übertrieben viel Reibung zu verursachen. Gerade in Verbindung mit dem Hebel des langen Arms sollte das funktionieren. Die Lagerglocke taucht unten in eine Vertiefung, und mit der hat’s eine besondere Bewandnis: Sie lässt sich nämlich mit Silikonöl füllen, wodurch der Arm eine ziemlich effektive Bedämpfung erfährt. Während ich in aller Regel kein Freund von ölbedämpften Armen bin, ist die Vorrichtung hier ein Segen: Ohne die ist der Arm sowohl klanglich als auch bei der Bedienung reichlich nervös. Mit Öl geht’s deutlich besser. Über das Verdrehen des Gegengewichtes ist der Azimut verstellbar, eine Klemmschraube an der Basis ermöglicht die Justage des vertikalen Abtastwinkels. Genaue Daten zur effektiven Masse waren nicht zu bekommen, der T1288 verträgt angeblich so ziemlich alles an Tonabnehmern bis hin zu schweren SPUs. Derart experimentierfreudig war ich denn doch nicht und montierte einen Abtaster, der fast immer gute Ergebnisse bringt: das Benz ACE-SL. Wir hören mal in Bruce Springsteens neues Werk „Wrecking Ball“ hinein. Och. Erstaunlich. Die Walküre staffelt „Rocky Ground“ fein in Tiefe und Breite, separiert den Chor sehr überzeugend vom restlichen Geschehen und sorgt überzeugend dafür, dass der Boss von den Mädels unbehelligt der Chef im Ring bleibt. Sogar mit der Differenzierung in der Höhe hat der Dreher keine Probleme. Dem letzten Titel „We Are Alive“ kann ich nur zustimmen – das macht der Opera sehr lebendig und weiträumig. Der Bass kommt schön brummelig und warm, prima Sache das. Auch Katja Maria Werkers Stimme auf ihrer aktuellen Stockfisch-Veröffentlichung „Mitten im Sturm“ geht mit dem Opera ziemlich gut. Das hat ordentlich Luft, Zeichnung und Spannung. Vielleicht ein bisschen zu groß, die Frau Werker - das ist verschmerzbar. Die Gitarrenarbeit im Hintergrund kommt schön locker und lässig, tonal und dynamisch gut dabei. Die Ausgewogenheit des Setups fällt angenehm auf. Der Opera ist kein Player, der dem Zuhörer Sensationen nur so um die Ohren hat, jedoch macht er auch keinen Murks. Und das ist, ehrlich gesagt, deutlich mehr, als ich erwartet hatte. Noch nicht ganz bis ins Detail zuende gedacht und hier und da sicher noch mit Luft nach oben, darf man bei dem Gerät gerne zugreifen.

Fazit

Der neue Opera-Dreher ist ein sehr interessantes Gerät mit beeindruckender Physis, guter Verarbeitung und sehr ausgewogenem Klang. Auch der Tonarm macht fürs Geld einen guten Eindruck.

Preis: um 3900 Euro

Plattenspieler

Opera Consonance "Die Walküre" / T1288


09/2012 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Opera Audio, Pforzheim 
Telefon 0800 4505040 
Internet www.opera-online.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 500/250/500 
Gewicht (in Kg) 18 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 03.09.2012, 08:55 Uhr
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Topthema: Norddeutsche HiFi–Tage 2022
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