Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Pro-Ject Juke Box Esprit


Pro-Ject Kom-Pakt

Plattenspieler Pro-ject Juke Box Esprit im Test, Bild 1
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Die Ironie der Geschichte ist, dass die anvisierte Zielgruppe sich nicht an die im wahrsten Sinne des Wortes großen Vorbilder erinnern kann: Quadratmetergroße Technikburgen mit allem, was das HiFi-Herz begehrt. Ein Plattenspieler, klar, daneben ein Receiver und am besten noch ein Tapedeck. Heute wird das Thema Komplettanlage eher digital angegangen. Löbliche Ausnahme: die Juke Box Esprit von Pro-Ject

Mitspieler


 

Lautsprecher:


K+T Mini Monitor TS
Sonus Faber Toy Marten Form Floor 

Gegenspieler



Plattenspieler:


Acoustic Solid 111 mit Grado Prestige Blue

Transrotor Dark Star Reference mit Goldring 2200

Phonoverstärker:


NAD PP2

Clearaudio Nano

Cambridge Azur 640P

Verstärker:


Leema Acoustic Tucana II

Yamaha A-S700

Symphonic Line Preamp Three und Poweramp Three

„Braun“, „SABA“ oder „Wega“, um nur ein paar zu nennen: Bis in die 70er-Jahre hinein waren sie aus der Wohnzimmerschrankwand nicht wegzudenken, die großen „Flächenanlagen“ mit richtig ernst zu nehmenden Plattenspielern. Später wuchsen die Anlagen in die Höhe, simulierten „richtige“ Komponententürme – mit der Qualität der eingebauten Plattenspieler ging es dagegen steil bergab.

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Und auch heutzutage kann man sie (wieder) sehen. Im Supermarkt, zwischen Lebensmitteln und Haushaltswaren, fristen sie ihr Dasein: Auf Antik getrimmte Plastikkisten mit Radio, Verstärker und Gebilden oben drauf, die das Wort Plattenspieler nicht verdienen. Ich hoffe inständig, dass deren Verkaufszahlen entsprechend gegen Null gehen. Dass es auch ganz anders geht, zeigt uns die Firma Pro-Ject – seit Jahren angenehm auffällig in Sachen hervorragender und bezahlbarer Einsteigerplattenspieler. Hier hat man sich einmal die hauseigenen Geräte genauer angesehen und dann kurzerhand in ein Gehäuse gepackt: einen Plattenspieler, einen Phono- und einen Vollverstärker. Basis der Anlage ist der Pro-Ject Debut III in seiner edlen Esprit-Variante, die sich gegenüber dem Basismodell durch einen wertigeren Acrylteller und ein besseres Finish auszeichnet. Durch den Fortschritt der Technik ist es möglich, die Elektronik zu integrieren, ohne die Grundabmessungen des Debut III zu verändern: Das Phonoteil und der kompakte Schaltverstärker sitzen unter dem Laufwerk in Ausfräsungen in der Zarge. Dass hier weder Platz für Ringkerntransformatoren ist, noch für gigantische Siebelko-Batterien, ist klar. Der kleine Amp ist gut für über 30 Watt an 4 Ohm, mehr als ausreichend für den Heimbetrieb, das Phonoteil ist identisch mit der MM-Stufe, die in anderen Debut-Modellen schon integriert ist. Zum Preis von 750 Euro erhält man also: Plattenspieler, Tonabnehmer, Phonostufe und Verstärker – und das aufwendige Rack spart man sich auch noch, weil man es nicht braucht. Äußerlich sieht man es der Juke Box am kleinen Bedienfeld an der Frontseite an, dass es hier einen Plattenspieler mit Zugabe gibt: Einen Lautstärkeregler hat man an einem Laufwerk wohl bisher noch nicht gesehen. Dazu gibt es einen kleinen Taster für die Quellenanwahl und einen Miniklinken-Eingang für den komfortablen Anschluss eines portablen Geräts (auf den Detailphotos unseres getesteten Vorseriengeräts erkennen Sie vielleicht, dass die Anschlüsse noch leicht vom Serienstandard abweichen). Rückseitig gibt es zwei Paar Cinchbuchsen für weitere Hochpegelgeräte und einen Line-Ausgang für Aufnahme. Etwas unverständlich ist für mich die recht großzügige Verteilung der Cinchbuchsen, während die sonst recht soliden Lautsprecher-Polklemmen sehr eng beieinander liegen – also Vorsicht beim Anschluss der Lautsprecherkabel! Versorgt wird der Pro-Ject über zwei externe Netzteile – einmal 21 Volt Gleichspannung für die Verstärkersektion und 16 Volt Wechselspannung für den Synchronmotor des Laufwerks. Einschalten lässt sich das Gerät aber tatsächlich nur, wenn beide Versorgungsspannungen anliegen – wie gewohnt über Kippschalter an der Unterseite, einen Hauptschalter und den Einschalter für den Motor. Als Plattenspieler ist die Juke Box Esprit baugleich mit dem Debut III Esprit, den wir in Ausgabe 5/2007 schon genauer in Augenschein genommen haben. Ein elastisch aufgehängter Synchronmotor treibt über ein zweistufiges Pulley und einen Flachriemen den Subteller aus Kunststoff an. Obenauf liegt der matt satinierte Teller aus weißem Acryl. Ganz klassisch der Aufbau des Tellerlagers: Ein Edelstahldorn läuft in einer Messingbuchse auf einer Stahlkugel. Der kardanische Tonarm besitzt Spitzenlager aus Edelstahl und (für geringste Reibung) Saphirpfannen. Vorne am einteiligen Aluminium- Armrohr ist das bewährte Ortofon Alpha montiert, quasi die OEM-Version des zu Recht beliebten Vinylmaster White. Die Auflagekraft wird klassisch über die Skala am Gegengewicht eingestellt, das Antiskating mit Faden und Gewicht. Mit dem vormontierten Tonabnehmer ist das Setup der Juke Box Esprit innerhalb kürzester Zeit erledigt, die Aufstellung der Anlage ist unkritisch, da man auch an dieser Stelle der vermutlich nicht mit exquisiten HiFi-Möbeln gesegneten Kundschaft gedacht und dem Pro-Ject ein paar sehr ordentliche und effektiv entkoppelnde Füße spendiert hat. Die Messwerte der Verstärkersektion ließen vor dem Hörtest eine anständige Leistung erwarten – mit einem Boliden hatte ich es natürlich nicht zu tun. Um so verblüffter musste (oder durfte) ich feststellen, dass die Handvoll Bauteile überhaupt keine Kinder von Traurigkeit sind: Im Gegenteil, sie geben mehr als deutliche Lebenszeichen von sich. Wuchtig, bassgewaltig und mit viel Kontrolle schiebt die Juke Box die Musik durch die Boxen. Gut, das Ganze ist nicht so kontrolliert und präzise wie bei unseren ausgewiesenen Arbeitsgeräten in Sachen Verstärkung – aber immer noch mehr als ordentlich. Ich habe in den letzten Jahren einige Vollverstärker gehört, die in Sachen Klang keine so gute Figur gemacht haben. Einordnen würde ich den Pro-Ject in die Schublade „Rund, analog, spielfreudig“, also genau richtig für den Einstieg ins Schallplattenhören oder für die anspruchsvolle Zweitanlage. Die Ausgangsleistung der Juke Box ist ausreichend für ernsthafte Gefährdung der gut nachbarschaftlichen Beziehungen – in der konkreten Hörsituation hatte ich ein paar Mal das Gefühl, das die angeschlossenen Boxen eher den Dienst quittieren als der kleine Schaltverstärker. Neben der kräftigen Basswiedergabe hat mich am meisten überrascht, dass nicht nur der Spaßfaktor im Vordergrund steht, sondern auch der höhere Anspruch an Musikwiedergabe, eben das, was man gemeinhin unter „audiophil“ versteht. Bei aller analogen Wärme versteht sich der Pro-Ject – übrigens gleichermaßen über Schallplatte wie über externe Geräte – darauf, die Einzelelemente, aus denen sich sein gelungener Gesamtklang zusammensetzt, auseinanderzuhalten. Die American Recordings von Johnny Cash gibt er mit einer nichts weniger als beeindruckenden räumlichen Tiefe und Breite wieder, allerdings ganz ohne die Stimme oder Gitarren künstlich aufzublähen. Ton für Ton entsteht an seiner korrekten Position, mit eben der Prominenz, den ihm der spielende Musiker zugedacht hat – es findet keine Kompression der Dynamik statt und angenehmerweise auch keine Übertreibung in irgendeiner Form. Die Hochtonwiedergabe findet die richtige Balance zwischen offener Transparenz und gediegener Zurückhaltung. Wie gesagt: Abgesehen vom leicht leiseren Pegel ist der Phonozweig der Hochpegelsektion ebenbürtig – und das übrigens durchaus im Vergleich zu ernst zu nehmenden CD-Playern oder anderen hochwertigen Quellen. Und so kann ich der Pro-Ject Juke Box Esprit nur eine dicke Empfehlung mit auf den Weg geben für diejenigen, die sich eine kleine, feine Anlage hinstellen und dann das Thema Technik ein für alle Mal ad acta legen wollen. Aber auch schon lange vom HiFi-Fieber befallenen, die eine kleine Zweitanlage für das Kinder- oder Arbeitszimmer suchen, sei die elegante Komplettlösung ans Herz gelegt – Sie werden beim Hören wie ich des Öfteren Ihren nachdenklichen Blick auf den zahlreichen riesigen Komponenten der Erstanlage ruhen lassen. Die Kompaktanlage ist wieder da!

Fazit

Die Pro-Ject Juke Box Esprit kann überall da stehen, wo ein kleiner Plattenspieler Platz findet – damit wird sie zur universellen Musikzentrale in Kinder-, Schlaf-, Arbeits-, und Wohnzimmer. Selbst die Tür zu einem ausgewiesenen Musikzimmer wird ihr nicht verschlossen bleiben, denn sie macht einfach verdammt gut Musik.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Pro-Ject Juke Box Esprit

Preis: um 750 Euro

1/2010
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audiotrade, Mülheim 
Telefon 0208 882660 
Internet www.audiotra.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 415/118/350 
Gewicht (in Kg) 6,5 
Varianten/Ausführungen: diverse Farben 
Unterm Strich... » Die Pro-Ject Juke Box Esprit kann überall da stehen, wo ein kleiner Plattenspieler Platz findet – damit wird sie zur universellen Musikzentrale in Kinder-, Schlaf-, Arbeits-, und Wohnzimmer. Selbst die Tür zu einem ausgewiesenen Musikzimmer wird ihr nicht verschlossen bleiben, denn sie macht einfach verdammt gut Musik. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 25.01.2010, 12:44 Uhr
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
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