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Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Rega Planar 8


Kleiner Plattenspieler ganz groß

Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 1
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Rega-Plattenspieler – sind das für Sie immer noch schlichte Bretter in ungewöhnlichen Farben mit einem leicht schrägen britischen Nimbus? Dann wird’s Zeit umzudenken

Ja, ja, ich geb’s ja zu: Eigentlich bin ich Freund davon, das Problem der Abtastung von mechanischen Oberflächenrauhigkeiten im Mikrometerbereich (gemeinhin Schallplattenrille genannt) äußerst soliden Konstruktionen an die Hand zu geben. Ist doch klar – Hier darf sich nichts bewegen, weil sonst ganz schnell Auslenkungen in der Größenordnung des Nutzsignals auftauchen, die den Spaß an der Sache verderben. Rega-Boss Roy Gandy war schon immer einer, der sich dagegen sträubte, die Aufgabe mit schierer Unverrückbarkeit zu lösen. Und so hat er sich Gedanken gemacht, wo genau die „bösen“ Schwingungen entstehen, welchen Weg sie nehmen und wie man sie loswird, ohne das sie sich in Form gespeicherter Energie wieder ins System einschleichen.

Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 2Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 3Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 4Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 5Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 6Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 7Plattenspieler Rega Planar 8 im Test, Bild 8
Aus diesem Grund sind Rega-Plattenspieler grundsätzlich sehr leicht und an den entscheidenden Stellen extrem steif. Prinzipiell gilt das auch für die berühmten „Brettspieler“, die heutzutage Planar 1, 2 und 3 heißen. Bei den größeren Modellen jedoch geht man diesbezüglich sehr viel weiter, allen voran beim immer noch als schwer greifbarer Nimbus durch den Plattenspielerkosmos geisternde Spitzenmodell „Naiad“. Das kenne ich nun auch nur vom Hörensagen, sehr viel konkreter allerdings war meine Begegnung mit dem Planar 10, mit dem ich lange mit großem Spaß Musik gehört habe. Der Planar 8 teilt viele konstruktive Merkmale mit seinem größeren Bruder, was mich ob der zu erzielenden Ergebnisse sehr hoffnungsvoll stimmt. Außerdem mag der weiße Keramikteller des Planar 10 klanglich eine tolle Sache sein, besser aussehen tut’s jedoch mit dem Glasteller des Planar 3. Und dann wäre da noch das Preisthema: Mit 2300 Euro ist der Planar 8 deutlich näher am Diesseitigen orientiert als sein großer Bruder. Tonabnehmer? Rega stattet den Planar 8 gerne mit dem hauseigenen Apheta 2 aus, der Deutschlandvertrieb TAD nimmt gerne Excalibur-Abtaster, weshalb man mir ins Testgerät ein Excalibur Gold schraubte. Definitiv einem der besten 1000-Euro- MCs, das derzeit für Geld und gute Worte zu bekommen ist. Näheres dazu steht übrigens in LP Ausgabe 1/2020. Und so schälte sich aus dem kompakten Rega-Karton erst einmal ein prinzipiell schon bekanntes, aber immer wieder erstaunliches Nichts in Gestalt des extrem reduzierten Chassis. Dabei handelt es sich um die gleiche Sandwichkonstruktion wie beim Planar 10, mit montiertem Tonarm nicht mal ein Kilogramm schwer. Es dient als Träger für Tellerlager, Motor und Tonarm und steht auf drei großen Gummifüßen. Eine Höhenverstellung sucht man am Planar 8, wie bei allen Regas, übrigens vergeblich: Sie brauchen eine von Hause aus gerade Standfläche. Der Job des Chassis besteht darin, alle Komponenten des Gerätes an Ort und Stelle zu halten und sich ansonsten soweit wie irgendwie möglich aus dem Geschehen herauszuhalten. Rega vertraut hier aber mals auf einen spannenden Materialmix: Den Kern des Chassis bildet ein relativ harter Schaum. Er wird mit zwei dünnen Lagen eines speziellen Kunststoffs zu einem Sandwich verpresst. Dieses Material namens „Tancast 8“ ist dem guten alten Pertinax nicht ganz unähnlich. Das Resultat ist ein leichter und erstaunlich stabiler Verbundwerkstoff. Insbesondere bei den relativ schmalen Streben an der Außenseite des skelettierten Chassis merkt man, wie steif das Material eigentlich ist. Das ist einer der ganz wenigen Fälle im Plattenspielerbau, wo High-Tech-Materialien nicht nur propagiert werden, sondern auch unmittelbar erfahrbar sind. Eine besondere Rolle schreibt Rega der Verbindung zwischen Tellerlager und Tonarmbasis zu. Hier fordert der Hersteller eine möglichst direkte Verbindung mit maximaler Steifigkeit. Aus diesem Grunde gibt’s hier eine direkte, mit drei Löchern versehene „Brücke“ zwischen beiden Komponenten, die jedoch über ein paar Besonderheiten verfügt: Hier nämlich sorgen zusätzliche dünne Materiallagen oben und unten für noch mehr Steifigkeit. Die obere Versteifung ist einer der wenigen Orte am Planar 8, an denen Metall zum Einsatz kommt. Das Plattentellerlager ist bei Rega traditionell eine eher unspektakuläre Konstruktion, das gilt auch für den Planar 8. Unten aus dem massiven Metall-Innenteller ragt eine eher dünne Achse heraus, die in einer Bronzebüchse im Chassis steckt. Die sparsamen Dimensionen des Lagers sorgen für geringe reibende Flächen, was einem ruhigen Lauf zugute kommt. Der Plattenteller kontaktiert den Innenteller auch beim Planar 8 nur an sechs Punkten an dessen Außenradius, hier will man möglichst wenig Schwingungsübertragung. In unmittelbarer Nähe des Tellerlagers ist der Motor mit dem Chassis verschraubt. Rega verwendet einen über lange Jahre optimierten Synchronmotor, der erfreulich ruhig läuft. Deshalb konnte man ihn auch fest mit dem Chassis verbinden und musste ihn nicht, wie in früheren Jahren, aus Gründen der Entkopplung weich aufhängen. Die Rega-Philosophie fordert, die Antriebsenergie konsequent zu nutzen, deshalb ist die steife Kopplung des Motors ans Gerät ein Muss. Um dem Antriebs aggregat auch elektrisch beste Arbeitsbedingungen zu bieten, gibt’s die Motorsteuerung „Neo PSU“. Das ist eine feine analoge Lösung für das Bereitstellen der beiden in der Phase verschobenen Sinusspannungen, die den Motor in Rotation versetzen. Diese Motorsteuerung eignet sich übrigens auch als Nachrüstlösung für andere Rega-Plattenspieler mit 24-Volt-Synchronantrieb. Um maximale Laufruhe zu gewährleisten, wird die Steuerung ab Werk fein auf den verwendeten Motor abgeglichen. Für Sie ist das angenehm, Sie müssen sich noch nicht einmal mehr um die Feineinstellung der Geschwindigkeit kümmern. Als Bindeglied zwischen Motor-Pulley und Innenteller fungieren zwei Rundriemen, in denen wieder einmal viel mehr steckt, als die Anschauung vermuten lässt. Das sind nämlich keinesfalls O-Ringe von der Stange, sondern eigens für Rega gegossene Spezialteile aus einer besonderen Gummirezeptur. Diese Konsequenz ist typisch Rega: Es gibt in einem Planar 8 kaum Standardteile. Wir befinden uns hier in Qualitätsregionen, wo Sonderanfertigungen an allen Ecken und Kanten nicht zu vermeiden sind. Warum zwei Antriebsriemen? Weil’s nachweislich den Gleichlauf verbessert. Reden wir über den Plattenteller. Wieder einmal etwas höchst Spezielles, nämlich ein aus drei Lagen Materials verklebter Glasteller. Hier setzt auch Rega auf Masse, die bei der Drehzahlstabilisierung hilft. Der mehrteilige Aufbau des Tellers hält das gefürchtete „Klingeln“ des Materials fern, die Fertigung des Teils ist ein Alptraum: Man kann den fertigen Teller nämlich nicht nach dem Zusammenbau einfach über drehen und schleifen, die Einzelteile müssen schon im Vorfeld präzise passen. Irgendwie ist es schade, dass das Prachtstück im Betrieb unter einer Filzmatte verschwindet. Werfen wir noch einen Blick auf den Tonarm. Zweifellos ein typischer Rega-Arm mit dem berühmten konischen Armrohr. Die inklusive der Lageraufnahmen und des Headshells einteilige Konstruktion erlaubt maximale Effektivität bei der Schwingungsableitung. Die hier verbaute Variante heißt RB880, sie zeichnet sich durch den Einsatz eines besonders kapazitätsarmen und flexiblen Signalkabels aus. Am hinteren Ende hängt ein massives Edelstahlgewicht, der Antiskating-Mechanismus wird mit einem „Schieber“ auf dem Armaus leger eingestellt. Schon seit längerer Zeit reduziert Rega Materialmengen an der Armba-sis immer weiter, der RB880 wird über einen ziemlich ausgedünnten dreibeinigen Flansch mit dem Laufwerk verschraubt. Der Großvater dieses Modells dürfte der RB 300 gewesen sein, einer der absoluten Klassiker unter den Rega-Tonarmen. Was bleibt? Suchen wir uns ein exakt waagerechtes Plätzchen für den niedlichen klei-nen Dreher, freuen uns, dass der Vertrieb das Excalibur Gold schön präzise vorjustiert hat und legen ein paar Platten auf. Woraufhin genau das passiert, was ich seinerzeit schon beim Planar 10 erlebt habe: Der optische Eindruck des Gerätes und sein klangli-cher Auftritt wollen einfach nicht zueinander passen. Der Rega klingt nämlich beileibe nicht hübsch und reduziert, sondern groß, erwachsen, er liefert Energie übers gesamte Spektrum und befleißigt sich zudem einer beeindruckenden Genauigkeit dabei. Fangen wir doch gleich mit diesbezüglich forderndem Material an: Gary Burton und Chick Corea mit ihrer 1973er Einspielung „Crystal Silence“. Das feingliedrige Zusammenspiel von Klavier und Vibraphon unter einen Hut zu bekommen ist für jeden Plattenspieler eine Herausforderung. Planar 8 und Excalibur Gold schaffen das mit Bravour. Man merkt das in erster Linie daran, dass der charakteristische Eigenklang der beiden Instrumente sehr deutlich hervortritt und die unterschiedliche Anschlagdyna-mik perfekt abgebildet wird. Darüber hinaus lässt der Rega generell keinen Zweifel daran, dass es sich hierbei um eine hervorragende Produktion handelt, mit ganz viel Wärme, immensem Detailreichtum und toller Atmosphäre. Das ist analoge Tonaufzeichnung auf ihrem Höhepunkt. Wärme und Präzision, die hört man auch auf dem feinen Album „Stadt“ des Richard Koch Quartetts. Die Trompete klingt voll und überzeugend, die Mitmusiker sind gut im Raum positioniert. Stimme. Wir brauchen Stimme. Bemühen wir die Tindersticks mit ihrem wunderschönen neuen Album  „Distractions“. Ja, auch das funktioniert perfekt. Flüssig und detailliert, rhythmisch exakt und ganz leicht auf der warmen Seite, sehr schön. Hier machen Leute seit 28 Jahren miteinander Musik und man hört all die Routine und das Einrasten der Leute miteinan-der. In all seiner Komplettheit erinnert mich der Planar 8 verdächtig an seinen großen Bruder Planar 10 – ob der konstruktiven Ähnlichkeiten wäre alles andere auch verwunderlich.

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Fazit

Der kleinste unter den ganz Großen: klanglich herausragend vollmundig, detailversessen und stimmig, optisch und konstruktiv ein Genuss. Zu diesem Preis kaum zu schlagen!

Preis: um 2300 Euro

Plattenspieler

Rega Planar 8


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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TAD, Aschau 
Telefon 08052 9573273 
Internet tad-audiovertrieb.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen 420 x 125 x 315 mm 
Gewicht (in Kg) ca. 4,2 kg 
Unterm Strich ... » Der kleinste unter den ganz Großen: klanglich herausragend vollmundig, detailversessen und stimmig, optisch und konstruktiv ein Genuss. Zu diesem Preis kaum zu schlagen! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 16.08.2021, 09:59 Uhr
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