Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: SPEC GMP-8000


Weniger - aber davon mehr

Plattenspieler SPEC GMP-8000 im Test, Bild 1
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Er geistert seit Jahren durch die Szene, endlich sind wir seiner habhaft geworden: ein riesiger Plattenspieler aus Japan, den hier so gar niemand auf der Rechnung hat

Klar fällt er auf. Mit 65 Zentimetern Breite, seiner in überaus charakteristischem Rotorange erstrahlenden Zarge, garniert mit einem überdimensionierten goldfarbenen Teller – wer würde da nicht einen zweiten oder dritten Blick riskieren? Plattenspieler aus Japan – das hat eine lange Tradition. In der großen Zeit der High Fidelity waren es die komplexen Konstruktionen von Denon, Onkyo, Yamaha und Co., die HiFi-Infizierten um den Schlaf brachten. Mit dem Niedergang der großen Marken verschwanden die direktgetriebenen Hightech-Boliden, bevor das zarte Vinyl-„Bühmchen“ der jüngsten Vergangenheit wieder erste Platten abspielende Reaktionen aus dem Reich Mitte provozierte. SPEC hat damit nichts zu tun.

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Dabei handelt es sich um eine erst 2010 gegründete und in Tokyo ansässige kleine Firma, bei der, wie sich das für ein „richtiges“ japanisches Unternehmen gehört, ein sehr erwachsener Mann namens Syuzou Shimi die Zügel in der Hand hält. Wer hier gleich Röhren glimmen und Hörner tröten sieht und hört, der täuscht sich: Den Kern des Portfolios bilden topmoderne Schaltverstärker, hinzu gesellt sich diverses Zubehör, eine augenscheinlich potente Phonovorstufe und der Gegenstand dieses Artikels namens GMP-8000. Der Hersteller gibt sich auf seiner Webseite erstaunlich direkt und offen, was die Meriten der Maschine angeht und spricht unumwunden von einem sehr simplen Aufbau des Gerätes, weil das der Weg zu höheren klanglichen Weihen sei. Klingt erst einmal nach einer etwas gewagten Ansprache, wenn man 20.000 Euro haben will. Fürs nackte Laufwerk wohlgemerkt, ohne Tonarm und Tonabnehmer. Unser Testgerät ist mit einem Zwölf-Zoll-Arm von Ikeda bestückt, der kostet auch mal 6.300 Euro. Quantenphänomene, Flugzeugaluminium und ähnliche Geniestreiche müssen draußen bleiben – wofür wir durchaus dankbar sind. Dafür gibt’s erst einmal größere Mengen (vermutlich Birken-) Multiplex, die die neun Zenimeter starke Zarge bilden. Und weil‘s ohne Urushi kein richtiges japanisches Produkt wäre, ist die Oberfläche in einem dafür charakteristischen Farbton gehalten. Ziemlich mittig in diesem Block steckt die Achse für einen wahrlich fürstlichen Plattenteller: Das 40-Zentimeter-Kaliber aus Bronze wiegt stattliche 14 Kilogramm und ist von innen ausgedreht – alles andere wäre nicht zu handhabender Overkill gewesen. Weil auf einem so großen Teller schlecht Platten auflegen ist, gibt‘s ein kleines etwas erhabenes Plateau, auf dem die Platte zu liegen kommt. Die mitgelieferte Tellerauflage besteht aus zwei dünnen Metalllagen – ich tippe auf Aluminium und eine dämpfende Verklebung. Sie ist leider exakt so groß geraten, dass man sie beim Wechseln der Platte fast unweigerlich mit abnimmt. Hier wären zwei Millimeter Durchmesser weniger eindeutig mehr gewesen. Die Oberfläche ist übrigens minimal strukturiert, ich vermute, dass hier ein wie auch immer gearteter Verdichtungsprozess angewandt wurde. Was nichts daran ändert, dass der Dreher seinen Job nicht besonders gut gemacht hat: Die obere Vorderkante des Tellers befleißigt sich eines unübersehbaren Höhenschlages. Das ist nicht weiter schlimm, weil die Platte erst weiter innen auf besagtem Plateau liegt, hier ist von dem Problem nichts mehr festzustellen. Schön ist das in Anbetracht der Preisklasse trotzdem nicht. Das Tellerlager ist von invertierter Bauart. Die solide Stahlachse trägt an ihrer Oberseite eine recht große weiße Keramikkugel, die aber nur recht geringe Kräfte aufzunehmen hat. Dabei helfen nämlich zwei ringförmige Neodymmagnete – einer unten an der Basis, einer an der Unterseite des Lagergehäuses. Die Konstruktion ist der aus Erlangen nicht ganz unähnlich, die nehmen aber eine Keramikachse und verzichten völlig auf eine Führung in der Vertikalen. Die magnetische Lagerentlastung hier ist in Anbetracht des gewaltigen Teller aber definitiv eine gute Idee. Der undankbare Job, die gewaltige Bronzeglocke in Rotation zu versetzen, obliegt einem doppelt geführten String aus dünnem, sehr wenig elastischen Material. Auf den String-Antrieb legt der Hersteller größten Wert und weist nicht ganz zu Unrecht darauf hin, dass man damit in dynamischer Hinsicht deutlich mehr Drehmoment auf den Teller übertragen bekommt als mit einem elastischen Riemen. Damit das funktioniert, braucht‘s aber viel Spannung auf dem String und reichlich Motorleistung. Ersteres ist durch Verdrehen der Motorträgerplatte möglich, sie ist mit drei Schrauben über Langlöcher am Rand mit der Zarge verschraubt. Der Motor ist ein erstaunlich kleines Gleichstromexemplar vom Schweizer Hersteller Maxon. Mit auf der Motorwelle sitzt ein Tachogenerator, der die tatsächliche Drehzahl an die steuernde Elektronik weiterleitet und für stabile Drehzahl sorgt. Die Steuerung bezogen die Japaner gleich mit vom Hersteller des Motors – sicherlich keine dumme Idee. Die Lösung erlaubt das komfortable Umschalten zwischen zwei Geschwindigkeiten, die separat justiert werden können, das entsprechende Bedienteil sitzt links außen auf der Zarge. Das Motorpulley wurde mit zwei verschiedenen Eindrehungen gleichen Durchmessers versehen: Eines ist eine „scharfe“ V-förmige Nut, bei der zweiten gibt‘s ein wenig „flachen Boden“ zwischen den beiden Flanken der Kerbe. Ich vermute, dass das für unterschiedliche Strings gedacht ist. Bei unserem doppelt geführten Faden empfiehlt sich auf alle Fälle die breitere Rille, sonst hört man den Knoten im String bei jedem Kontakt mit dem Pulley überdeutlich. Überhaupt macht dieser Antrieb nicht eben durch Geräuscharmut auf sich aufmerksam: Beim Beschleunigen des Tellers quält sich das kleine Motörchen deutlich hörbar; ist die Nenndrehzahl erreicht wird‘s deutlich besser, meiner Meinung nach für ruhige Umgebungen immer noch deutlich zu laut. Der GMP-8000 ist mit zwei Tonarmen bestückbar. Ein Einbauplatz ist, wie sich das gehört, hinten rechts, der andere ungewöhnlicherweise vorne rechts. Beide bestehen aus einer großformatigen Bronzebüchse, die ins Chassis eingelassen ist, den Abschluss nach oben bildet eine dicke Aluminiumplatte, die mit Bohrungen für den gewünschten Tonarm versehen wer den kann. Zwölf-Zoll-Arme sind Pflicht, Kürzeres dürfte ob des großen Plattentellerdurchmessers kaum passen. Nur so am Rande: Hätte der Hersteller besagten Alu-Tonarmbasisplatten die gleichen Langlöcher gegönnt wie der Motorträgerplatte, wäre eine komfortable Justage des Einbauabstandes der Tonarme möglich. Hat er aber leider nicht. Den Strom fürs Gerät besorgt übrigens ein Schaltnetzteil, das unter einer Abdeckung von der Unterseite der Zarge zugänglich ist und sich mit so ziemlich jeder Art von Netzspannung auf der Welt pudelwohl fühlt. Der gewaltige Klotz ruht auf drei interessanten Spikes der besonderen Art: Sie bringen nämlich ihren Untersetzer gleich mit, der ist über einen Kunststofftopf lose mit dem Rest des Fußes verbunden und somit unverlierbar. Eine Höhenverstellung ist möglich, ein Kontern der ansonsten etwas wackeligen Gewinde unumgänglich – die entsprechende Mutter ist aber an Bord. Auf so etwas schnallt man natürlich keinen filigranen Leichtbauarm, sondern ein richtiges Großkaliber: Der Zwölfzöller vom japanischen Spezialisten Ikeda ist genau so etwas. Auch beim Tonabnehmer ließ der Vertrieb nichts anbrennen und entschied sich fürs Ortofon SPU A95, den großen Jubiläums-SPU. Womit der Preis für die Arm-Systemkombi sich bei rund 9.000 Euro einpendelt. Das SPU will einen stabilen Arm, ordentlich Auflagekraft (ich bin bei 33 mN gelandet). Ein paar Worte zum Handling des Ganzen: Ich bin kein „Ausschalter“, will sagen: Ich wechsle Platten nach Möglichkeit bei drehendem Teller. Das klappt beim SPEC nur bedingt, was an der oben erwähnten Problematik mit der Tellerauflage liegt. Die ist übrigens so glatt, dass die Platte schon mal eine halbe Umdrehung weiterrutscht, wenn man den Teller mit der Hand etwas zackiger stoppt. Das macht nichts, konterkariert meines Erachtens nach aber den Ansatz, möglichst viel Drehmoment in den Abtastprozess zu bekommen. So. Klang. Der ist nämlich mal etwas Besonderes. Keine minimale Variation des Durchschnitts-High-End- Sounds, sondern anders: Das Ding klingt butterweich, extrem sanft und zart. Das ist so auffällig, dass ich nach dem Konsum der ausgezeichneten Sony-Legacy-Ausgabe von Jeff Buckles „Grace“ erst einmal auf einen ganz anderen Plattenspieler gewechselt habe, weil ich‘s nicht glauben konnte: Jawohl: Diese Kombination macht‘s. Butterweich bedeutet aber beileibe nicht harmlos: SPEC, Ikeda und SPU beweisen spätestens beim ersten Titel nach dem obligatorischen „Hallelujah“, dass hier Wärme, Biss und Wucht das Heft in der Hand haben. Ich lege Airto Moreiras unnachahmliches „Return to Forever“ in Gestalt der Speakers- Corner-Neuauflage des großartigen Albums „Free“ auf und bin vollkommen platt, dass hier ein wunderbar stimmiges Vintage-Klangbild zelebriert wird. Die Energie kommt aus dem Bauch heraus, es tönt extrem flüssig, tonale Balance ist leicht von unten nach oben fallend. Lassen Sie sich drauf ein, es lohnt sich: An den vermeintlich geringen Hochtonpegel gewöhnt man sich ganz schnell und findet auch hier das Maß an Auflösung, das uns die modernere Interpretation von Sound ungleich ungenierter serviert. Raumtiefe – perfekt, Separation der einzelnen Instrumente auch. Chick Coreas E-Piano tönt so schmelzgeladen – ich glaube, das kann ich mir nie wieder auf einer anderen Kombi anhören. Bei diesem klanglichen Ergebnis bin ich durchaus bereit, über die technischen Unperfektheiten des Laufwerks hinwegzusehen, und freue mich riesig, dass sich mal jemand traut, eine wirklich eigene Interpretation von Klang zu servieren.

Fazit

Riesiger, teurer Plattenspieler mit Ecken und Kanten. Allerdings klingt er so warm, rund und traumhaft schön – da darf er das.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: SPEC GMP-8000

Preis: um 20000 Euro


7/2017
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audiotweaks, Sellingen Niederlande 
Telefon 0157 53637857 
Internet audiotweaks.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 650/220/480 
Gewicht (in Kg) ca. 30 kg 
Unterm Strich... Riesiger, teurer Plattenspieler mit Ecken und Kanten. Allerdings klingt er so warm, rund und traumhaft schön – da darf er das. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 04.07.2017, 15:02 Uhr
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