Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Thrax Yatrus


Der kleine Schwarze

Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 1
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Nun haben wir im Laufe der Zeit ja schon Plattenspieler aus allen möglichen Ecken der Welt begutachtet, aber das hier gab`s noch nicht. Nunmehr können wir Bulgarien mit auf die Liste setzen

Vorsicht. Das mit den Vorurteilen, das geht hier schief, und zwar gründlich. Wer bei einem Gerät aus dem Balkanstaat Bulgarien eine robuste, eher simple Konstruktion zu einem ziemlich erfreulichen Verkaufspreis erwartet, der irrt. Das hier, das ist feinstes Stöffchen. Ein hochmodernes, extrem wertiges Gerät mit vielen technischen Besonderheiten von internationalem Format. Der Thrax Yatrus kostet 11.500 Euro, im Paket mit dem Schröder-Tonarm wie hier sind‘s 16.000 Euro. Nicht unbedingt ein Schnäppchen für die Portokasse, aber, wie wir noch sehen werden, ein absolut faires Angebot. Hinter Thrax steht ein Mann namens Rumen Artarski. Jemand mit einer klaren Vision davon, wie Musikwiedergabe funktionieren sollte und mit den Möglichkeiten und Verbindungen, seine Ideen in die Tat umzusetzen.

Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 2Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 3Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 4Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 5Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 6Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 7Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 8Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 9Plattenspieler Thrax Yatrus im Test, Bild 10
Der Yatrus ist das erste Quellengerät von Thrax, bis dato ist die Firma mit sehr innovativen Röhren- und Hybridverstärkern in Erscheinung getreten, einen Lautsprecher von Thrax hatten wir auch schon im Hause. Immer ist der Einsatz von viel Material im Spiel, grundsätzlich sorgt modernste Fertigungstechnik für eine exquisite Anfassqualität. Der Yatrus reiht sich dort nahtlos ein, auch wenn erst einmal seine zierliche Physis ins Auge fällt. Das Gerät baut keine zehn Zentimeter hoch und ist trotz seines recht komplexen Aufbaus eine angenehm dezente Erscheinung. Dabei hilft der Umstand, dass es sich um ein direkt angetriebenes Konzept handelt, es also keinerlei Riemen und Antriebsmotoren gibt, die das Bild stören. Die Entscheidung für dieses Konzept hat klangliche Gründe, Rumen Artarski ist bekennender Fan des Sounds diverser Klassiker aus der Direktantriebsära. Als Motorenkonzept hatte es ihm das von Dual angetan, er hält die „eisenlose“ Konstruktion für eine exzellente Art und Weise, einen Plattenteller besonders ruhig und störarm in Rotation zu versetzen. Auf alte Dual-Motoren zu setzen, war natürlich nicht sinnvoll, aber zum Glück gibt´s einen Hersteller aus deutschen Landen, der ein dem Dual nicht unähnliches Direktantriebskonzept fertigt. Auch dieser Motor hat prinzipbedingt keinerlei „Cogging“, zu Deutsch „Polrucken“. Hinzu kommt die Möglichkeit zu einer besonders eleganten Art der Drehzahlerfassung, indem man die Motorspulen selbst als Sensoren nutzt. Kurzum: Das ist das Mittel der Wahl für den Yatrus. Hinzu kommt die Unerschütterlichkeit der Drehzahl, und das auf Dauer: Es gibt hier nichts einzustellen oder nach einer bestimmten Zeit nachzujustieren. Einfach mit dem großen Drehschalter hinten links die gewünschte Drehzahl anwählen (inklusive 78 Umdrehungen pro Minute,) und der erstaunlich schwere Teller aus einem vierlagigen Materialmix setzt sich in Bewegung. Das geht deutlich langsamer als bei einem DJ-Dreher mit Direktantrieb, aber das ist ja auch völlig ohne Belang. Apropos schwer: Der Yatrus wiegt heftige 24 Kilogramm und das aus gutem Grund: Fast alle Teile des Aufbaus bestehen aus massivem Aluminium. Meist bestehen sie aus zwei unterschiedlich starken Einzelteilen, eine Einlage aus einem hoch dämpfenden Hightech-Material sorgt für die gewünschte Ruhe. Ohne Aluminium geht´s lediglich beim Teller und bei den drei Türmen, die die zentrale Struktur des Yatrus bilden. Diese Elemente dienen nicht nur als fein in der Höhe verstellbare Füße, sondern auch der Isolation vom Unterbau: Thrax hat den Yatrus ganz bewusst für den Betrieb auf ganz normalen Wohnzimmermöbeln vorgesehen und deshalb eine aufwendige Entkopplung mit sehr niedriger Resonanzfrequenz realisiert. Das erreicht der Hersteller mittels spezieller Gel-Absorber. Der übliche Tipp, den Plattenspieler auf einen stabilen und waagerechten Unterbau zu stellen, ist zwar auch im Falle des Yatrus kein schlechter, bei ihm ist´s allerdings nicht ganz so entscheidend. Ich hab´s probiert: Der Thrax-Dreher klingt auch unter Voraussetzungen umwerfend, unter denen so ziemlich jeder andere Spieler beim Vorbeigehen schlicht die Nadel aus der Rille katapultiert. Das Verdienst dafür gebührt einerseits den Füßen, andererseits der konsequenten Dämpfung der Aluminiumteile. Motor und Teller sitzen in einer Platte mit drei Auslegern, die an den Lagertürmen enden. Die Basisplatte für den Tonarm wiederum ist direkt auf dem rechteckigen Unterbau montiert. Die großen Scheiben oben an den Lagertürmen erlauben Höhenjustage des Gerätes, eine Dosenlibelle ist gleich mit in die Basisplatte eingebaut. Der Yatrus ist für den Betrieb mit eher kurzen Tonarmen vorgesehen. Die hier montierte Version des Schröder CB ist ein klassischer Neunzöller. Er wird übrigens nicht von seinem Namensgeber in Berlin gefertigt, sondern von Thrax in Lizenz gebaut. „CB“ steht für „Captive Bearing“, der Arm ist Frank Schröders Version eines kardanisch gelagerten Tonarms. Dazu setzt er Hybrid- Keramikkugellager mit extrem geringer Reibung ein, tatsächlich ist dieser Arm einer der leichtgängigsten überhaupt am Markt. Über den Schröder-Tonarm ließe sich natürlich locker ein langer Artikel verfassen, weil Frank Schröder viele Dinge ein bisschen anders angeht als die meisten anderen Hersteller. Man sieht´s dem betont schlichten und formschönen CB nicht an, aber das ist eine ungeheuer ausgefuchste Konstruktion. Das beginnt bei der trickreich in den Armschaft integrierten magnetischen Antiskating-Vorrichtung und endet nicht bei dem vielfach kopierten Minimal- Headshell, das mit einer zentralen Schraube am Armrohr befestigt wird. Natürlich gibt‘s eine Höhenverstellung, eine Möglichkeit zu Azimutverstellung und Optionen, eine Vielzahl auch unterschiedlich harter Abtaster zu montieren – innerhalb gewisser Grenzen ist die dynamische Masse des Armes veränderbar. Einen passenden Tonabnehmer lieferte der Vertrieb freundlicherweise gleich mit, und zwar einen richtig leckeren: Das Miyajima Takumi ist das Einstiegsangebot des japanischen Abtasterherstellers und kostet derzeit um 2.000 Euro. Es ist etwas anders aufgebaut als übliche MCs, es gibt nämlich keinen Spannfaden: Bei ihm sitzt das Nadelträger-Dämpfungsgummi vorne, hinten stützt sich der Spulenkörper gegen eine Schraube ab. Daraus resultiert eine etwas niedrigere Compliance als üblich (9 mm/N) und eine erforderliche Auflagekraft von 23 Millinewton. Kollege Schmidt hatte das gute Stück vor Jahren mal separat in der Mache und ist bis heute großer Fan davon. Im Schröder lässt es sich bestens unterbringen, tatsächlich ist die Kombination sogar eine besonders gut passende. Das äußerte sich bereits nach den ersten Takten der Kombi: Yatrus, CB und Takumi sind eine traumhafte Vollgas-Angelegenheit. Einen ersten Beweis traten die Einstürzenden Neubauten an, deren drittes Studioalbum „1/2 Mensch“ ein paar dynamische Gemeinheiten in petto hat, die hier großartig locker und entspannt explodieren. Dämpfungskonzept und Antrieb des Yatrus funktionieren offenbar ganz ausgezeichnet, das Gerät geht nämlich dermaßen zur Sache, wie ich das nur von einem Reibradplattenspieler gewöhnt bin. Der dürfte aber Schwierigkeiten mit einer so ausufernden Raumdarstellung haben wie die, die hier geboten wird. Im Moment höre ich öfter das Album „Sand“ des belgischen Projektes „Dans Dans“, es mäandert sehr interessant im Grenzbereich zwischen Rock, Pop und Jazz. Hier sind sowohl die elektrische Gitarre und Schlagzeug als auch die elektronischen Elemente so toll im Raum verteilt, dass das ruhige Album eine den Zuhörer perfekt einhüllende Atmosphäre erzeugt. Dabei klingt´s überaus farbig, hat Tiefgang und Charme – ich wüsste nicht, was es hier noch zu verbessern gäbe. Wenn Sie mich fragen: So lassen, die Kombi, bloß nichts ändern.

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Fazit

 Der Thrax-Plattenspieler ist der Hammer: dynamisch eine Wucht, ausdrucksstark und klangfarbenreich. Die Kombination mit dem Schröder-Arm und dem Miyajima- Abtaster formt ein Dream-Team, das auch von deutlich teureren Konstruktionen nur schwer zu schlagen sein dürfte.

Preis: um 11500 Euro

Plattenspieler

Thrax Yatrus


09/2019 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb WOD Audio, Nidderau 
Telefon 06187 900077 
Internet www.wodaudio.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen 45 x 10 x 40 cm 
Gewicht (in Kg) ca. 24 kg 
Unterm Strich ... » Der Thrax-Plattenspieler ist der Hammer: dynamisch eine Wucht, ausdrucksstark und klangfarbenreich. Die Kombination mit dem Schröder-Arm und dem Miyajima- Abtaster formt ein Dream-Team, das auch von deutlich teureren Konstruktionen nur schwer zu schlagen sein dürfte. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 27.09.2019, 09:56 Uhr
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
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