Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Transrotor Alto


Auf hohem Niveau

Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 1
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Der Name Alto ist Programm: War das neue Modell aus dem Hause Transrotor ursprünglich noch als luxuriösere Variante des Fat Bob S geplant, so hat man schnell erkannt, dass die Formgebung und vor allem die geniale Höhenverstellung durchaus einen eigenen Namen rechtfertigen

Genau wissen wir es nicht, aber der Fat Bob S dürfte schon eines der erfolgreichsten Modelle im Sortiment der Bergischgladbacher Analogspezialisten um Altmeister Jochen Räke sein: So viel polierte Metalloberfläche für einen fairen Preis erhält man woanders einfach nicht. Spaß beiseite: Der Fat Bob S hat natürlich auch akustisch einiges für sich, denn er bringt ordentlich Masse auf die Waage. Und – last, but not least – man kann ihn in vielerlei Hinsicht um- und aufrüsten: Ein Fat Bob S mit zwei Tonarmen und TMDLager ist dann schon eine echte Ansage in Sachen Masselaufwerk mit einer klanglichen Ausrüstung, die ganz klar in Richtung der „ganz Großen“ geht.

Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 2Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 3Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 4Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 5Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 6Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 7Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 8Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 9Plattenspieler Transrotor Alto im Test, Bild 10
Dankenswerterweise ruht man sich in Bergisch Gladbach nicht auf den bisher erreichten Zielen aus, sondern tüftelt immer weiter an Neuheiten. Zugegeben: Das sind oftmals auch rein designerische Einfälle, die zu einem neuen, optisch radikal anderen Modell führen, aber es sind auch immer wieder technische Weiterentwicklungen dabei, die Transrotor zu eben jener lebendigen Marke machen, die Analogfans seit Jahrzehnten schätzen. Auf der High End dieses Jahres war das neue Modell dann zu sehen – und wenn man nicht genau hingesehen hat, dann konnte man die Neuerung sogar übersehen. Nicht, dass der neue „Alto“ kein Hingucker wäre: quasi eine Kombination aus dem soliden und gedrungenen Aluminiumblock des Fat Bob S und der geschwungenen Form der Tonarmbasen des Rondino FMD (Test in LP 4/2011). Doch halt: Wo der Rondino immerhin eine schwenkbare Basis hatte, die die Montage unterschiedlich langer Tonarme erlaubte, bietet der Alto eine Plattform, die sowohl schwenk- als auch in der Höhe verstellbar ist. Das klingt jetzt noch nicht so wahnsinnig spannend, finden Sie? Nun, es handelt sich hier mitnichten um einen einfachen Mechanismus, bei dem Hülsen ineinander verschoben werden – nein, der Alto ist ein wirklich professionelles Arbeitsgerät, wie ihn sich jeder Tonarm- und Tonabnehmertester wünscht. Die Höhenverstellung erfolgt über ein Feingewinde über ein großes Rändelrad an der Unterseite der Basis. Das Ganze läuft so satt und geschmeidig, dass ich dagegen sogar auf die Höhenverstellung eines Micro Seiki MA-505 oder eines Sony PUA-1500 verzichten würde. Die VTA-Einstellung „on-the-fly“, also im laufenden Betrieb, also mit Echtzeit-Kontrolle, ist damit kein Problem. Nach Erreichen des Sollzustands wird die vertikal bewegliche Einheit gegen Verstellen mit einer Fixierschraube gesichert – fertig. Kleiner Tipp am Rande: Nach der VTA-Verstellung eines bereits eingestellten Tonabnehmers sollte dieser nachjustiert werden, denn die Entfernung zwischen Nadel und Drehpunkt ändert sich durch den manipulierten Anstellwinkel ganz leicht. Natürlich ist die Basis auch schwenkbar – allerdings muss man sich hier zur Feststellung der korrekten Position traditioneller Hilfsmittel wie einer Einbauschablone behelfen. Auch das Schwenken funktioniert ohne jedes Spiel – die Arretierung erfolgt in diesem Falle von oben und ebenfalls ohne Werkzeugeinsatz. In der Armbasis sitzt standesgemäß ein SME-Tonarm, namentlich der vorzügliche SME 5009, der die Gene des legendären SME V mit dem Komfort einer wechselbaren Headshell vereint. Nach wie vor halte ich die Tonarme von SME für DEN Industriestandard schlechthin: Blitzsaubere Verarbeitung und technische Detaillösungen, wohin das Auge reicht. Klar: SME macht das auch schon ein paar Jahre länger und vor allem in einem viel größeren Maßstab als die meisten anderen Anbieter. Als Tonabnehmer hat man uns das ebenfalls hervorragende MC Merlo Reference mitgeliefert, das – es ist kein großes Geheimnis – von Goldring gefertigt wird und in der Kombination seit jeher voll überzeugt hat. Keine Übertreibung: Bei Transrotor- Plattenspielern habe ich wirklich selten das Bedürfnis, die gelieferte Kombination auseinanderzureißen. Und das hat nichts mit meiner angeborenen Bequemlichkeit zu tun, sondern mit dem durch und durch gelungenen Gesamtklang. Natürlich hängt an der anderen Seite der Tonarmbasis auch noch ein Laufwerk. Spaß beiseite: Hier kann man schon noch eine Verwandtschaft in der Bauform zum Fat Bob S erkennen, allerdings ist die Unterkonstruktion etwas gewachsen und trägt alle Anbauteile jetzt auf Auslegern, die mit je zwei massiven Stangen in der Basis verankert sind. Damit können mehrere Tonarmbasen und – eine hübsche Idee, wie ich finde – eine Ablage für das Plattengewicht befestigt werden. Das TMD-Lager ist bekannt – die vom Motorpulley über einen Riemen angetriebene Scheibe nimmt über Magnetkraft den oberen Subteller mit, auf dem der Hauptteller aufliegt. Die gesamte Konstruktion dreht sich auf einem invertierten Lager mit stehendem Lagerdorn. Der Hauptteller ist mit seinen 60 Millimetern Stärke ordentlich massereich und ist von oben mit einer genau eingepassten dicken Tellermatte bedämpft. An der Unterseite werden Resonanzen durch eingefräste konzentrische „Wellen“ gebrochen, so dass man keinerlei Klingeln befürchten muss. Der Synchronmotor wird vom Netzteil „Konstant Studio“ angetrieben, das eine günstige Alternative zum „großen“ Konstant ist – man muss eben auf das typische Transrotor-Design verzichten. Wie üblich mit dem TMD-Lager, bekommt man als Hörer eine „Datenmenge“ serviert, der man sich aber entspannt stellen kann, weil der Alto alle Details in einer gefällig aufbereiteten Gesamtdarstellung präsentiert: Man KANN sich in der schier endlosen musikalischen Fülle ergehen, aber sie wird einem nicht aufgedrängt, so wie bei so mancher als „analytisch“ beworbenen Komponente. Der Alto findet die Balance zwischen unbestechlicher Präzision und Langzeittauglichkeit – wenn nötig, holt er den Hammer heraus und langt auch mal richtig zu, das aber niemals aufgeregt oder unsauber. Contenance ist das Stichwort, das mir hier einfällt. Wie wir es von jedem Transrotor kennen, ist der Tieftonbereich von einer unerschütterlichen Autorität geprägt, die sich von keiner noch so tiefen Frequenz oder gemeinen Dynamiksprüngen irritieren lässt – der Antrieb und der schwere Teller ziehen hier einfach durch. Diese Unerschütterlichkeit bleibt uns auch über den Mittel- und Hochtonbereich erhalten – klar, die stoische Ruhe lässt es nicht zu, dass sich Frequenzbereiche gegenseitig überlagern oder dynamisch komprimieren. Davon profitiert auch die überaus stabile und sehr gut nachvollziehbare räumliche Abbildung. Die Tonarm-Tonabnehmer- Kombination sorgt für eine geschmeidige und fein dosierte Hochtonwiedergabe. Und an dieser Stelle muss der neugierige Tester einmal dazwischen grätschen und ein bisschen mit dem neuen Spielzeug experimentieren. Ja, es funktioniert ziemlich eindrucksvoll: Mit der VTA-Verstellmöglichkeit über die Basis kann man sich die Klangbalance tatsächlich nach Wunsch einstellen – von einem helleren Timbre zu einem wuchtigeren, etwas gedeckten Klangbild. Sie haben gemerkt: Ich verwende hier keine Superlative – die Manipulationsmöglichkeiten haben ihre Grenzen, innerhalb derer man aber sehr schön spielen kann. Und keine Angst: Sowohl die Stelle, ab der man den sinnvollen Bereich verlässt, als auch die Position, in der die Darstellung wieder „einrastet“, hört man recht deutlich. Und das Ganze ist mehr als eine Spielerei, nicht nur für den Tester verschiedener Komponenten, sondern auch, um mal eben den Klang einer nicht ganz ausbalanciert abgemischten Platte zu korrigieren. Das gelingt mit schärferen Nadelschliffen deutlicher als mit einer Rundnadel – klar, da ändert sich auch mit dem geänderten Winkel bei der Abtastung an der Rillenwand nicht sehr viel. Aber wenn man mit einem mindestens elliptischen Schliff bei einer alten Lieblingsplatte, bei der man sich schon immer über einen zu dünnen Sound geärgert hat, noch ein gutes Stück Anhörbarkeit herausholt, dann hat sich die neue Basis doch schon gelohnt.

Fazit

Der Alto bietet neben den bekannten Transrotor- Qualitäten eine voll verstellbare Tonarmbasis – ein Komfortmerkmal, das man gar nicht hoch genug einschätzen kann!

Preis: um 8988 Euro

Plattenspieler

Transrotor Alto


10/2018 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Transrotor, Bergisch-Gladbach 
Telefon 02202 31046 
Internet www.transrotor.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 530/220/500 
Gewicht (in Kg) ca. 30 kg 
Unterm Strich ... Der Alto bietet neben den bekannten Transrotor- Qualitäten eine voll verstellbare Tonarmbasis – ein Komfortmerkmal, das man gar nicht hoch genug einschätzen kann! 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 30.10.2018, 09:59 Uhr
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