Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Transrotor Massimo


Bergisch Gladbacher Spezialitäten

Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 1
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Kaum ein Hersteller begreift das Thema Plattenspieler gestalterisch so kreativ wie Transrotor. Auch wenn der brandneue „Massimo“ sich an bekannten Vorbildern orientiert, ist er zweifellos der Hingucker der Saison

Erstmals erblickte er zur High End 2016  in München das Licht der Welt. Und ich habe selten so viel Resonanz auf ein sofort ins Netz gestelltes Foto gehabt wie auf das dieser Neuerscheinung aus Bergisch Gladbach. Die Idee zum Massimo stamt, wie so oft, von Firmengründer Jochen Räke, der unumwunden zugibt, zufällig nach längerer Zeit vor einem Micro-Seiki-Klassiker gestanden zu haben. Die streng an der Funktion orientierte Formgebung der ikonischen japanischen Laufwerke ließ den umtriebigen Mann nicht los, und zur Münchener Messe gab‘s ein erstes Modell seiner Interpretation des Themas. Wie bei vielen Transrotor-Modellen üblich, lässt sich der Massimo vielfältig konfigurieren.

Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 2Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 3Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 4Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 5Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 6Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 7Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 8Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 9Plattenspieler Transrotor Massimo im Test, Bild 10
In der Basisversion verfügt er über einen Antriebsmotor und eine Tonarmbasis. Die spezielle Motorsteuerung „FMD“ ist Pflicht, ein Auflagegewicht gehört auch zum Einstiegspaket für 8.900 Euro. Das ist sicherlich kein Schleuderpreis, aber ob des Gebotenen ein überaus faires Angebot, wie wir noch sehen werden. Um zu zeigen was machbar ist, hat uns der Hersteller zudem einen Massimo im Vollausbau zur Verfügung gestellt. Er wird dann von zwei Motoren angetrieben, verfügt über vier Tonarme nebst Abtastern, einen Spezialplattenteller zur Aufnahme eines Edelstahlrings und besagten Ring. Der Gesamtpreis beläuft sich in diesem Falle auf beachtliche 41.224 Euro. Dabei gilt es zu beachten, dass bereits die vier Tonabnehmer mit rund 16.000 Euro zu Buche schlagen, allein das Topmodell „Tamino“ will mit 12.200 Euro vergütet werden, von den vier SME-Tonarmen mal ganz zu schweigen. Und überhaupt: Vier Tonarme? Wer braucht denn so was? Nicht ohne Grund tituliert der Hersteller das Gerät als „Laborplattenspieler“, und vermutlich ist es in erster Linie die rare Spezies der Testredakteure, denen zum sinnvollen Einsatz eines voll ausgebauten Massimos das meiste einfällt. Oder aber Leute, die einen Mono-Abtaster ständig im Zugriff haben wollen, einen für Rockmusik, einen für Platten in zweifelhaftem Zustand – wenn man will, kann man so ein Setup also durchaus rechtfertigen. Erst einmal ist die Entscheidung für einen solchen Plattenspieler jedoch eine höchst emotionale Angelegenheit; der Massimo ist eines dieser Laufwerke, dass man entweder unmittelbar ins Herz schließt oder eben nicht, je nach Gusto. Und das ohne einen Ton davon gehört zu heben. Die Basis des Gerätes bildet ein imposanter quadratischer Aluminiumblock mit einer Kantenlänge von gut 30 Zentimetern, er überragt den Teller an den Rändern nur minimal. Die vier sanft gerundeten Ecken sind mit „Türmchen“ versehen, auf denen das Laufwerk ruht. Sie sind per Feingewinde extrem feinfühlig in der Höhe verstellbar und erlauben das exakt waagerechte Ausrichten des Gerätes. Der reinen Lehre folgend wären drei Standfüße günstiger, das Setup gelingt aber auch mit vieren problemlos: Die eigentliche Einstellung erledigt man in der Tat nur mit drei Füßen, der vierte wird zum Schluss so eingestellt, dass er zusätzlich stützt. Die Verlängerung der Standfüße nach oben bilden die Tonarmbasen. Oder besser: können bilden, wenn man den entsprechenden Platz mit einer solchen zu bestücken gedenkt. Falls nicht, wird dort ein voluminöser Verschlussdeckel im zu den Füßen passenden Design installiert. Tonarmbasen gibt’s in zwei Längen; eine einzelne Neun-Zoll-Basis kostet 400, ein Zwölf-Zoll-Ausleger 600 Euro. Die massiven Aluminiumkonstruktionen bieten an beiden Enden interessante Besonderheiten: Am „Tonarmende“ ist eine runde profilierte Öffnung eingebracht, die mit einer tonarmspezifischen Platte versehen wird. Sie wird mit drei Schrauben über einen Klemmring von unten arretiert. Diese Anordnung erlaubt das Verdrehen der Montageplatte in der Basis, was für den korrekten Einbau des Tonarms enorm hilfreich ist. Natürlich ist die Basis auch auf der Laufwerksseite verdrehbar, über ihren „Anstellwinkel“ justiert man den Einbauabstand des Tonarms. Das geht nach dem Lösen einer imposanten Mutter unter einer Abdeckung. Hier sind Kugellager eingesetzt, die ein extrem sanftes Verschwenken der Armbasis bei fast angezogener Befestigungsmutter erlauben. Diese Lösung braucht sich in Sachen Perfektion nicht vor dem zu verstecken, was der japanische Hersteller TechDAS bei seinem Air Force III an dieser Stelle realisiert hat; Räkes machen‘s erfreulicherweise anders, aber ebenso gut. In den Ausleger der Zwölf-Zoll-Basis sind übrigens drei Messinggewichte eingelassen, die resonanzmindernd wirken sollen. Die Basis ist geschaffen, kommen wir zum Ruhekissen für die Schallplatte selbst – dem Plattenteller. Stolze 16 Kilogramm wiegt das imposante Aluminium-Drehteil. Die Acrylplatte, die den oberen Abschluss bildet ist übrigens das einzige Kunststoffteil an dem gesamten Plattenspieler, alles andere besteht aus Metall. Der Teller ist an seiner Unterseite mit einem Rippenprofil versehen; das ist bei den Transrotor-Metalltellern Standard und hilft beim Unterdrücken der Klingelneigung. Den Teller gibt’s in zwei Ausführungen: eine eignet sich für die Montage des optionalen „Masserings“, einer nicht. Dieser Ring ist ein ordentlich schweres Präzisionsdrehteil aus Edelstahl, das für eine nennenswerte Erhöhung des Trägheitsmoments des Tellers und damit für noch mehr Laufruhe sorgt. Er benötigt eine spezielle Aufnahme außen am Teller, deshalb die zwei Versionen. Er kann dauerhaft am Teller verbleiben und klemmt nicht den Außenrand der Platte fest, wie es andere Konstruktionen dieser Art tun. Beim Tellerlager kommt die seit vielen Jahren bewährte Transrotor-Spezialität namens „TMD“ (Transrotor Magnetic Drive) zum Einsatz. Wir erinnern uns: Der voluminöse Lagerblock besteht aus zwei Hälften, die über starke Magnete miteinander gekoppelt werden, die aber ein gewisses Maß an Elastizität zwischen beiden Hälften erlauben. Die obere Hälfte trägt den Teller, an der unteren greift der Antrieb. Etwaige über den (oder die) Antriebsriemen eingebrachte Unruhe wird hier effektiv ausgefiltert. In der Vertikalen findet keine magnetische Entkopplung statt, eine große Keramikkugel trägt den Teller mit Leichtigkeit. Der Massimo kann mit einem oder zwei Motoren betrieben werden. Nimmt man nur einen, steht dieser links unmittelbar neben der Laufwerksbasis, ein eventueller zweiter (1.050 Euro zusätzlich) genau gegenüber. Wofür ein zweiter Motor? Er verdoppelt das Antriebsdrehmoment und sorgt außerdem dafür, dass die am Tellerlager angreifenden Kräfte gleichmäßig verteilt sind. Gesteuert werden bis zu drei dieser Motoren von einem externen Netzteil. Es ist so konzipiert, dass es beim Einsatz nur eines Motors direkt rechts neben der Laufwerksbasis stehen soll und eine schlüssige optische Einheit mit dieser bildet. Bei zwei Motoren muss man das schöne Stück natürlich woanders unterbringen. Neben der komfortablen Umschaltbarkeit der beiden (fein einstellbaren) Tellerdrehzahlen bringt das Netzteil noch eine Besonderheit mit: Es fährt die Motordrehzahl beim Ein- und Umschalten sanft hoch und runter. Das schont den oder die Antriebsriemen effektiv, ein Kaliber von Teller wie das hier eingesetzte ist sonst nicht ohne „durchdrehende Reifen“ auf Nenndrehzahl zu beschleunigen. Es dauert also ein paar Sekunden, bis der Massimo auf Touren ist. Ich persönlich wechsle Platten bei Laufwerken dieser Art, ohne den Teller jedesmal anzuhalten; die Acrylauflage beschädigt die Plattenunterseite nicht, wenn‘s mal ein bisschen rutscht. Für den Transport der Antriebskräfte zwischen Motor und Teller sind geschliffene runde Gummiriemen zuständig; auch das hat bei Transrotor eine lange Tradition und funktioniert bestens. Keine Begutachtung eines großen Transrotors ohne Würdigung des atemberaubenden Finishs: Niemand in der Branche ist willens (und vermutlich auch nicht in der Lage), große Mengen von Aluminium so atemberaubend perfekt aussehen zu lassen. Das Schleifen und Polieren der Metalloberflächen ist eine Kunst, die hier zur absoluten Perfektion entwickelt wurde. Es sind die kleinen Tricks wie der ganz sanfte Radius auf der Tellerkante, die die Eleganz der Gestaltung ausmachen und verhindern, dass ein so massives Gerät wie ein tumber Klotz aussieht. Das gibt’s nur in Bergisch Gladbach. Nähern wir uns dem Gerät klanglich in seiner „einfachen“ Form. Will sagen: Mit nur einem Motor, dem Teller ohne Massering und einer Arm-/Systemkombi, die einigermaßen auf dem Boden bleibt, in Gestalt des neuen SME M2 R in Zwölf- Zoll-Ausführung (2.600 Euro) und dem MC-Abtaster Transrotor Merlo Reference (1.200), das bei uns praktisch täglich zum Einsatz kommt und von daher bestens im Ohr ist. Der neue lange SME ist übrigens sicher mal eine eigene Geschichte wert – wir haben‘s im Hinterkopf. Was das klanglich tut? Große Souveränität liefern. Wir hören mal ins neue Yello-Album „Toy“ hinein. Der Transrotor lässt überhaupt keine Zweiel daran aufkommen, dass es sich bei ihm um ein großes Masselaufwerk handelt. Die Stabilität, mit der er die kernigen synthetischen Tieftonpassagen aus dem Ärmel schüttelt, ist schon beeindruckend. Das Schöne dabei ist, dass das völlig ohne Beeinträchtigung des sonstigen Instrumentariums oder der Stimme geht. Da zuckt und wackelt gar nichts. Das Merlo Reference liefert Details in Hülle und Fülle und tönt dabei ausgesprochen angenehm – so kenne ich das. Ich bin nun nicht unbedingt der größte Yello-Fan überhaupt, muss aber anerkennen, dass der Transrotor das Album von vorn bis hinten zum Vergnügen macht. Bei aller Stabilität ist‘s die Ruhe, die den Reigen garniert: es tönt nicht betonhart, sondern behält jederzeit eine gewisse Finesse und „analoge“ Geschmeidigkeit. Kommen der zweite Motor und der Massering ins Spiel, wird der Effekt noch deutlicher: Unerschütterlichkeit ist oberstes Gebot, aber es tönt noch eine Spur sahniger und emotionaler. Mehr aus Neugier habe ich mal ausprobiert was geht und die Kombi aus SME V und Tonabnehmer Tamino in Betrieb genommen: au weia. Da war noch was. Der sündteure Abtaster holt zugegebenermaßen merklich mehr aus der Rille und wirkt gegen das Merlo Reference wie hochglanzpoliert. Natürlich haben wir hier den Boden des irgendwie Sinnvollen schon lange verlassen, aber ich muss zugeben: Das ist Spaß auf allerhöchstem Niveau. Findet ausdrücklich meine Zustimmung.

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Fazit

Der neue große Transrotor präsentiert sich als extrem potente Basis für bis zu vier Tonarme. Er klingt ungemein stabil, bleibt aber sanft. Den Löwenanteil des klanglichen Charakters bestimmen Arm und System – genau das muss ein Laufwerk dieser Klasse leisten.

Preis: um 8900 Euro

Plattenspieler

Transrotor Massimo


05/2017 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Räke HiFi, Bergisch Gladbach 
Telefon 02202 31046 
Internet www.transrotor.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 550/220/330 
Gewicht (in Kg) ab ca. 40 kg 
Unterm Strich... Der neue große Transrotor präsentiert sich als extrem potente Basis für bis zu vier Tonarme. Er klingt ungemein stabil, bleibt aber sanft. Den Löwenanteil des klanglichen Charakters bestimmen Arm und System – genau das muss ein Laufwerk dieser Klasse leisten. 
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Autor Holger Barske
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Datum 10.05.2017, 15:03 Uhr
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