Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Transrotor ZET 3


Zwei Lager, Bitte!

Plattenspieler Transrotor ZET 3 im Test, Bild 1
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In diesem Test soll es einmal nicht um die Präsentation eines ganz neuen Geräts gehen, sondern um die Möglichkeit, ein recht weit verbreitetes Plattenspieler-Modell durch Umrüsten auf ein ganz anderes Niveau zu heben

Mitspieler

Phono-Vorverstärker:

Puresound P10
Ypsilon VPS-100

Verstärker:

Colotube 300B SE
MalValve PreAmp Four Line und Accustic Arts AMP II

Lautsprecher:

Tannoy Kensington
K+T Nada
K+T Mini-Monitor TS

Zubehör:

Stromversorgung: PS-Audio, HMS
Phonokabel Musical Wire, Horn Audiophiles
NF-Kabel: Van den Hul,Musical Wire
Lautsprecherkabel: Silent Wire
Racks und Basen: SSC, Audio Exklusiv, Thixar

Gegenspieler

Plattenspieler:

Townshend The Rock 7
Transrotor Fat Bob S
Transrotor Dark Star

Den Zet 3 von Transrotor kann man mit Fug und Recht als modernen Klassiker bezeichnen. Bei seiner Präsentation vor ein paar Jahren wurde er zusammen mit seinem kleinen Bruder Zet 1 noch etwas misstrauisch beäugt, brach er doch mit seiner geschwungenen Basisplatte etwas mit den überlieferten Transrotor-Bauweisen.

Plattenspieler Transrotor ZET 3 im Test, Bild 2Plattenspieler Transrotor ZET 3 im Test, Bild 3Plattenspieler Transrotor ZET 3 im Test, Bild 4Plattenspieler Transrotor ZET 3 im Test, Bild 5Plattenspieler Transrotor ZET 3 im Test, Bild 6
Nichtsdestotrotz ein echter Transrotor mit einem wuchtigen 60-Millimeter-Aluminiumteller mit dem charakteristischen Wellenschliff an der Unterseite zum Aufbrechen parasitärer Schwingungen. Die geschwungene Sockelplatte aus schwarzem Acryl ruht auf drei in der Höhe verstellbaren Füßen aus Aluminium. Die hinteren beiden „Ausleger“ der Basisplatte tragen die transrotortypische Säulen-Armbasis und eine flache Motordose, ebenfalls aus poliertem Aluminium, die einen Wechselstrom- Synchronmotor beherbergt. Die Transrotor-Motorsteuerung Konstant versorgt den Motor und erlaubt eine ferngesteuerte Geschwindigkeitsumschaltung – gegenüber der Basisausführung mit Steckernetzteil erreicht man durch das Konstant nochmals verbesserte Gleichlaufwerte und damit eine höhere Laufruhe. Der in der Normalversion außen angetriebene Plattenteller dreht sich auf einem invertierten Tellerlager mit Edelstahldorn und eingepresster Keramikkugel. Darauf wird die Lagerbuchse gesteckt, die den Teller führt. Die Armbasis unseres für einen Tonarm ausgelegten Zet 3 trägt standesgemäß einen 12-Zoll-SME-Tonarm, namentlich einen 5012. Falls Ihnen dieser Arm der Nomenklatur nach noch unbekannt sein sollte: Es handelt sich hierbei um die 12-Zoll-Version der SME-300er-Serie mit der deutschen Typenbezeichnung, die sich ja immer etwas von der englischen Bezifferung unterscheidet. Wer diese Baureihe kennt – und wer kennt sie nicht? – weiß, dass man sich hier in Sachen technischer Ausgereiftheit und Verarbeitungsqualität keine Sorgen zu machen braucht. Die 12-Zoll-Bauweise mit ihrem deutlich reduzierten Spurfehlwinkel bei der Abtastung erfordert natürlich eine etwas weiter ausladende Tonarmbasis – das Ganze sieht am Zet 3 aber trotzdem noch sehr angenehm proportioniert aus. Vorne am Arm verrichtet ein Transrotor Merlo Reference seinen Dienst – ein bei Goldmund hergestelltes MC-System, das wir zwar nie im Einzeltest hatten, das uns aber in diversen Transrotor-Besprechungen im besten Sinne noch nie aufgefallen war, fügt es sich doch nahtlos ein in jede hochwertige analoge Kette. Auch und gerade am langen SME zeigte das Merlo Reference, dass es einer der besten Allround-Abtaster auf dem Markt ist – wo andere Tonabnehmer in Teildisziplinen mit sagenhaften Fähigkeiten glänzen, sich dafür aber in anderen Bereichen hörbar abmühen, gibt es sich keine Blöße in Sachen Auflösung, Dynamik und räumlicher Abbildung. Als Laufwerk reiht sich der Zet 3 zwischen dem Dark Star und dem Fat Bob S ein: Wuchtig und kraftvoll im Bass wie alle Transrotor-Plattenspieler, bietet er einen sehr überzeugenden Mittelweg zwischen der runden Darbietung des POM-Laufwerks und der etwas größeren Bissigkeit des Vollmetall-Drehers. Gegenüber den anderen beiden kann er durch den langen Tonarm punkten: Die Wiedergabe wirkt noch etwas aufgeräumter, scheinbar von einem höherem Standpunkt mit mehr Übersicht betrachtet – eine souveräne Angelegenheit in jedem Fall. Folgt der Umbau auf das TMD-Lager, das aus aus zwei Metallscheiben besteht, die auf einer gemeinsamen Achse sitzen. Die untere Scheibe wird dabei nach dem Subteller- Prinzip über einen Riemen angetrieben, also muss es auch zwei Änderungen am Antrieb geben. Zum einen verringert sich der Durchmesser, auf den der Riemen wirkt – man braucht also einen kürzeren Riemen und ein kleineres Pulley. Da die Antriebskraft außerdem deutlich tiefer, nämlich unter dem Teller ansetzt, wird die Motordose nicht mehr auf, sondern neben dem Laufwerk platziert. Angenehmer Nebeneffekt: Der Platz für die zweite Tonarmbasis ist jetzt auf jeden Fall frei – in der Not kann man die freie Ecke aber auch erst einmal mit einer Metallplatte abdecken. Das TMD-Lager rotiert auf der Tellerseite wie gehabt auf dem invertierten Lagerdorn mit Keramikkugel – die angetriebene Scheibe rotiert um ein Kugellager. An dieser Stelle werden einige Leute zusammenzucken, gilt doch ein solches Lager in der Plattenspielertechnik als absolutes No-Go. Ich kann aber hier Entwarnung geben: Das verwendete Kugellager arbeitet absolut geräuschfrei – ein entsprechendes Demo-Modell, das uns von Dirk Räke zur Verfügung gestellt wurde, lässt sich auf wirklich hohe Umdrehungszahlen beschleunigen und gibt keinen Mucks von sich. Der obere Subteller, auf dem der Plattenteller sitzt, wird nur über die Magnetkraft von zwei Dreiergruppen Neodymmagneten mitgedreht. Befürchtungen, die recht kräftigen Neodym-Tabletten könnten Einfluss auf den Tonabnehmer nehmen, können wir ohne Weiteres zerstreuen: Erstens ist da noch jede Menge Teller dazwischen, zweitens sind die kleinen Magneten im Subteller noch zweifach abgeschirmt. Die ersten Takte mit TMD-Lager erzeugen das inzwischen schon gewohnte Gefühl, der Plattenspieler liefe zu langsam. Die Überprüfung mit Stroboskopscheibe ergibt das gewohnte Resultat: Nein, tut er nicht – alles exakt auf 33 1/3 U/min. Im Vergleich zu den anderen Spielern ohne TMD entstand immer wieder der Eindruck, der Zet 3 spiele etwas gemächlicher – man hat subjektiv immer den Eindruck, mehr Zeit zum Hören zu haben, mehr Zeit, sich feine Details zu erarbeiten. Ein tiefdunkler Hintergrund in leisen Passagen zieht den Hörer automatisch in seinen Bann – man ertappt sich immer wieder beim unwillkürlichen Luftanhalten. Gerade bei sehr atmosphärischen Stücken – und dazu zähle ich alle Arten klassischer Musik – wähnt man sich inmitten des Geschehens, akustisch wie emotional. Dieser Eindruck wird mitgetragen durch die intensivierte Raumillusion, die das TMD-Lager zu erzeugen imstande ist: Es findet eine saubere Trennung von Solisten und Begleitmusikern, die weit und tief zwischen den Lautsprechern gestaffelt werden. Natürlich hängen alle diese Eindrücke irgendwie voneinander ab – angesichts der wirklich überzeugenden Leistung möchte man die einzelnen Qualitäten nicht einfach addieren, sondern einfach in ihrer größeren Gesamtsumme genießen. Kommen wir zu dem Teil des Hörtests, den ich bei allen Erfahrungen mit dem TMD-Lager immer als etwas zwiespältig empfunden habe: Der subjektive Eindruck der Langsamkeit setzt sich fort, auch bei Musikarten, die selbst eine härtere und vor allem schneller Gangart einschlagen. Daran hat man sich zwar schnell gewöhnt und lernt es durchaus auch zu schätzen, dass man sogar bei den Ramones oder Motörhead leise Zwischentöne und dynamische Nuancen entdecken kann. Wie gesagt: Man muss das zu schätzen wissen, dann kann man wörtlich in jedem Fall mit dem TMD-Lager leben – oder eben einen Zweitdreher fürs Grobe in der Hinterhand haben. Alle anderen Hörer erfreuen sich des buchstäblichen Zeitgewinns, der einen ganz anderen Zugang auch zu bereits vermeintlich komplett bekannten Aufnahmen ermöglicht. Eine meiner absoluten Lieblingsscheiben – Famous Blue Raincoat von Jennifer Warnes – gewinnt noch einmal an Intensität und Facettenreichtum. Die kleinen Verzögerungen und Synkopen, die das verzweifelte Streben in „I Came So Far for Beauty“ so beeindruckend illustrieren, treiben selbst einem Stein die Tränen in die Augen – die extrem subtile Begleitung offenbart ganz neue Nuancen, die vorher selbst bei einem sehr guten Laufwerk untergegangen sind. Und so kann ich den TMD-Ausbau jedem ans Herz legen, der ein dazu fähiges Laufwerk besitzt – und ich denke, das sind nicht wenige. Der Umbau kostet nicht die Welt, ist leicht gemacht und eröffnet ungeahnte neue Klangdetails und eine genussvolle Muße beim Hören, die einzigartig ist.

Fazit

Der Transrotor Zet 3 stellt unter den „kleinen“ Transrotoren das vielseitigste Komplettpaket dar. Damit ist er die optimale Basis zur Aufrüstung mit dem TMD-Lager, das ihn zu einem komplett neuen und noch besseren Plattenspieler macht.

Preis: um 7700 Euro

Plattenspieler

Transrotor ZET 3


06/2012 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Transrotor, Bergisch-Gladbach 
Telefon 02202 31046 
Internet www.transrotor.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 450/400/180 
Gewicht (in Kg) 24 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 14.06.2012, 09:07 Uhr
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