Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: TW Acustic Raven GT


Gran Turismo

Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 1
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Auf der High End im Mai stellte TW Acustic seinen neuen Plattenspieler „Raven GT“ vor. Und peinlicherweise habe ich ihn dort komplett übersehen. Was eine schwer verzeihliche Unterlassungssünde darstellt, wie mittlerweile klar ist.

Mitspieler


Tonabnehmer:

Lyra Atlas

69
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Phonovorstufen:

MalValve preamp three phono


Vorstufen:

Lindemann 830S


Endverstärker:

Lindemann 858


Lautsprecher:

Audio Physic Avantera 
Klang + Ton „Nada“


Zubehör:

Netzsynthesizer PS Audio P10
NF-Kabel von van den Hul und Transparent
Phonokabel van den Hul
Lautsprecherkabel von Transparent
Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler

Plattenspieler:

Clearaudio Master Innovation / Universal / Goldfinger


Per Definition sind Gran Turismo- (GT-) Fahrzeuge Sportwagen der komfortableren Art gewesen, die mit einer Zwei-Mann-Besatzung auf Langstreckenrennen eingesetzt wurden. Dafür kam der Namensgeber für diesen Plattenspieler eigentlich viel zu spät (1968), und so ein richtiger Sportwagen war er mit einer Motorisierung von 90 PS auch kaum: Die Rede ist vom Opel GT. Und genau davon ist TW-Acustic-Chef großer Fan und besitzt ein ausgesprochen leckeres Exemplar dieses Klassikers. Quasi als Hommage an sein Hobby hat der jüngste Spross der Rabenfamilie die beiden prestigeträchtigen Buchstaben als Typenbezeichnung verordnet bekommen. Optisch ähnelt der GT ein wenig dem Raven One, und vermutlich genau deshalb ist mir das Gerät auf der Messe in München durchgegangen. Bei näherer Betrachtung jedoch wirkt der GT etwas erwachsener, und tatsächlich ist er in der Produkthierarchie auch zwischen Raven One und Raven AC platziert.

Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 2Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 3Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 4Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 5Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 6Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 7Plattenspieler TW Acustic Raven GT im Test, Bild 8
Dazu passt auch der Preis: Das Gerät kostet 6.800 Euro. Ohne Arm und System, versteht sich. Nun soll’s ja den einen oder anderen Zeitgenossen geben, dem die diversen „Raben“ noch nicht untergekommen sind, deshalb ein ganz klein wenig Firmenhistorie: Firmengründer Thomas Woschnick präsentierte 2005 den Urvater aller TW-Acustic- Plattenspieler, den „Raven“. Vorausgegangen waren zehn Jahre intensiven Lernens und Optimierens – wie bei vielen Firmengründern, war auch bei TW die Unzufriedenheit mit am Markt befindlichen Produkten die Triebfeder für die Entwicklung eines eigenen Plattenspielers. Nun ist der Mann eigentlich von Hause aus Lehrer, und da gab’s eine Menge handwerklicher Dinge, die er quasi autodidaktisch zu erlernen hatte. Dank eines alteingesessenen Maschinenbaubetriebes um die Ecke mit einem geduldigen Betreiber konnte sich Tom Woschnick zu einem der im positiven Sinne wahnsinnigsten Zerspanungsmechaniker entwickeln, die ich je kennengelernt habe. Wo jede „Lohndreherei“ sagt: „Können wir machen, kannst du das auch bezahlen?“ oder gar: „Unmöglich“, stellt Woschnick sich an die Drehmaschine und macht’s selbst. Mit Toleranzen, die jeglicher Ratio ins Gesicht schlagen. Mit winzigen Vorschüben und endlosen Bearbeitungszeiten. Wirtschaftlich eigentlich ruinös, wenn’s jedoch so richtig auf den Punkt sein soll, dann geht’s Tom Woschnicks Überzeugung nach nur so. Mit all den im Vorlauf gewonnenen Erkenntnissen und einer Fertigungspräzision, die ihresgleichen sucht, war es dann auch kein Wunder, dass der Raven am Markt einschlug wie kaum ein anderes Laufwerk in der Digitalära vor ihm. Rund acht Jahre später hat sich daran kaum etwas geändert: TW ist ein äußerst viel beschäftigter Mann, der seine Plattenspieler (und Tonarme) schon lange nicht mehr alleine baut – die Nachfrage ist nach wie vor gewaltig. Der GT ist nunmehr die Antwort für all diejenigen, die eigentlich einen „richtigen“ Raven AC haben wollen, nur weniger dick auftragen möchten: Der AC ist ein ziemliches Kaliber, das erst einmal in einem Wohnraum untergebracht werden will, ohne dass Post vom Scheidungsanwalt droht. Und so ist er in seiner Formgebung minimalistisch gehalten – wie schon der Raven One: Das Chassis schmiegt sich eng an den Teller an und verfügt hinten über zwei „Ohren“, die der Aufnahme von zwei Tonarmen dienen. Das geht prinzipiell beim Raven One auch, bei ihm steckt der Antrieb jedoch in einem der Ohren und muss bei Montage eines zweiten Arms in eine separate Motordose auswandern, die dann hinter dem Dreher steht und ziemlich viel Platz nach hinten beansprucht. Beim GT ist der Motor von vornherein in die Laufwerksbasis integriert, und zwar mittig hinter dem Teller. Das Antriebspulley stößt in bewusst geringem Abstand zum Teller durch die Zarge. Damit ergibt sich nämlich ein sehr großer „Umschlingungswinkel“ des Antriebsriemens um den Teller. TW zurfolge eine Maßnahme, die sich klanglich als vorteilhaft erwiesen hat. Das erscheint logisch, weil in Herne eine möglichst steife Kopplung vom Motor an den Teller stets forciert wurde. Nur so „reißt“ der Antrieb den Teller unbeeindruckt von der gerade anstehenden Modulation durch die Rille. Man kann’s nicht oft genug sagen: Der Abtastprozess ist durchaus in der Lage, einen Plattenteller nennenswert zu bremsen, man sollte sich da von den filigranen Dimensionen der Abtastzone nicht täuschen lassen. Das ist der Grund dafür, dass verschiedene Antriebskonzepte unterschiedlich klingen und dass Tellermatten in vielen Fällen merklich am Klang drehen. Toms Motor ist von jeher ein Garant für viel Drehmoment: Er stammt aus der professionellen Antriebstechnik und ist ein kräftiger vielpoliger Gleichstromtyp, der von einer eingebauten Regelung auf Nenndrehzahl gehalten wird. Jene wird per Rechtecksignal von außen eingestellt – was der Job des externen Motorsteuergerätes ist. Um diesem Motor auch die letzten Unarten in Gestalt von Polrucken abzugewöhnen, modifiziert TW ihn nochmals tiefgreifend. Das ist deshalb wichtig, weil die starre Kopplung zum Teller besagtes Ruckeln gnadenlos an den Teller weiterreichen würde. Als Koppelelement dient ein faserverstärkter Flachriemen, der nun in der Tat nur noch so elastisch ist, wie er gerade sein muss. Natürlich gibt’s das nicht beim Gummi-Dealer um die Ecke, TW lässt diese natürlich nahtlosen Riemen eigens anfertigen – übrigens kein billiges Vergnügen. Wir waren bei der Laufwerksbasis. Und die ist beim GT ein solider Aluminiumblock, den eine dicke CNC-Fräse passend in Form gebracht hat. Beim Raven One gibt’s hier noch eine Kunststoffplatte mit eingelassener Edelstahlscheibe, die den Zapfen des invertierten Lagers trägt. Beim GT ist diese Stabilisierungsmaßnahme selbstredend überflüssig, wenngleich uns auch hier unter dem Teller eine eingelegte silberfarbene Platte anlächelt. Das ist eine dünne Scheibe aus einem Aluverbundwerkstoff, die ausschließlich optischen Zwecken dient: Der schwarze Teller auf der schwarzen Zarge ohne irgendeine Art von optischer Trennung zwischen beiden, das ging laut TW mal gar nicht. Der Teller selbst ist ein Kunststoffmodell der üppigeren Sorte und besteht aus dem im Plattenspielerbau mittlerweile allgegenwärtigen Material namens „POM“. Woschnick lässt sich von jeher dicke Platten mit einer eigenen Rezeptur gießen, aus denen er Zargen für die kleineren Laufwerksmodelle fertigt oder eben Plattenteller. Das Material verfügt über weit geeignetere Dämpfungseigenschaften als Acryl und arbeitet bei Temperaturschwankungen auch weniger stark. Mittig ist die Bronze-Lagerbuchse eingelassen. Die trägt außen zwei O-Ringe, mit deren Hilfe sie sich unverrückbar im Teller festkrallt und die trotzdem eine gewisse Isolation von Teller und Lager gewährleisten. Der Lagerspiegel besteht aus einem grünen Spezialkunststoff, der an dieser Stelle dem üblichen Teflonspiegel deutlich überlegen sein soll. Das Gegenstück zu dieser Lagerhülse thront auf der Basis und ist neu: Eine dicke Stahlachse trägt an ihrer Oberseite eine Lagerkugel, vermutlich aus Industriekeramik, und die arbeitet gegen den Kuststoffspiegel. Was daran neu ist? Nichts. Das ist okay, fast alle anderen machen’s genauso. Tom Woschnick allerdings hat bis dato immer eine Stahlachse mit angeschliffenem Radius und seitlicher „Öltasche“ favorisiert. In der Praxis läuft dieses Lager nach dem Schmieren mit zwei Tropfen des mitgelieferten Öls absolut perfekt. Es macht keinerlei von außen feststellbare Geräusche, hat ein geringes, dennoch durchaus feststellbares Maß an „Hemmung“, was Schwingungen des Tellers rund um die Solldrehzahl verhindern hilft. Die Steuereinheit für den Motor ist zumindest in technischer Hinsicht exakt jene Mikrocontrollerlösung, die TW schon länger einsetzt. Die Version für den GT unterscheidet sich nur durch ein paar geänderte Bedienelemente: Ein paar Taster mussten Kippschaltern mit Tastfunktion weichen, das spart Platz auf der Front und erlaubte ein kompakteres Gehäuse. Die Drehzahleinstellung geht auch hier supereinfach: Mit dem Up/Down-Taster unter Zuhilfenahme eines Stroboskops die korrekte Drehzahl einstellen, „Store“ drücken – fertig. Natürlich für beide Geschwindigkeiten getrennt. Tonarme residieren beim GT auf drehbaren Auslegern, die auf den Edelstahlplatten an den „Ohren“ fixiert werden. Sie lassen sich mit armspezifischen Aufnahmeplatten an so ziemlich jeden Tonarm anpassen. Unser GT kam natürlich mit dem hauseigenen Tonarm „Raven 10.5“, den Stammleser auch schon kennen und der sicherlich zu den besten Drehtonarmen gehört, die sich derzeit für Geld und gute Worte erstehen lassen.

Fazit

Mit 6.800 Euro ist der Raven GT sicherlich kein Schnäppchen, trotzdem ein im Vergleich günstiger Einstieg in die Welt der Superlaufwerke. Timing, Raum, Rhythmus – der Dreher aus Herne kann’s perfekt.

Preis: um 6800 Euro

Plattenspieler

TW Acustic Raven GT


10/2012 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TW Acustic, Herne 
Telefon 02325 668484 
Internet www.tw-acustic.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 470/400/180 
Gewicht (in Kg) k.A. 
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Autor Holger Barske
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Datum 30.10.2012, 09:18 Uhr
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