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Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: TW Acustic Raven LS


Nimm drei

Plattenspieler TW Acustic Raven LS im Test, Bild 1
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Was ist dem Vernehmen nach das größte Hindernis beim Erwerb eines der größeren Plattenspielermodelle von TW Acustic? Sie meinen, der Preis? Mitnichten!

Tatsächlich ist es der Platzbedarf der meisten „Raven“-Modelle des im Herzen des Ruhrgebiets ansässigen Herstellers. Schon ein „normaler“ Raven AC2 braucht eine Stellfläche von 60 mal 40 Zentimetern, was insbesondere in der Breite ein nicht zu unterschätzendes Problem mit handelsüblichen HiFi-Racks darstellt. Gehört man gar zu den Glücklichen, die sich fürs Topmodell „Raven Black Night“ interessieren dürfen, wird man mit einem Platzbedarf von beeindruckenden 79 Zentimetern in der Breite konfrontiert. Das ist ein Wort, aber bis dato die einzige Möglichkeit, in den Genuss der großen Antriebslösung von TW Acustic zu kommen: Der 20 Kilogramm schwere Kupferteller des Black Night wird von gleich drei Antriebsaggregaten in Schwung gebracht. Kennen Sie alles schon, wissen Sie bereits. Das jedoch, was gerade bei uns seine Runden dreht, das ist so neu, dass noch nicht einmal die Bedeutung der Typenbezeichnung „Raven LS“ letztgültig geklärt ist. Fest steht allerdings, dass es sich um einen modularen Plattenspieler handelt, dessen Einstiegsvariante in etwa mit einem Raven AC2 vergleichbar und zu einem Listenpreis von 9900 Euro erhältlich ist. Was, ganz nebenbei, 2000 Euro weniger sind als bei besagtem AC2. Der LS, und damit kommen wir zur Lösung des eingangs erwähnten Problems, begnügt sich mit einer Stellfläche von 46 Zentimetern in der Breite (plus vielleicht acht Zentimeter Überhang rechts dei einer Zwölf-Zoll-Tonarmbasis) und 45 Zentimetern in der Tiefe. Das ist immer noch ein großformatiges Gerät, aber nicht mehr so „ununterbringbar“ wie die anderen Familienmitglieder. Und jetzt kommt Upgrade-Möglichkeit Nummer eins des Raven LS: Für rund 2500 Euro – der exakte Preis stand bei der Entstehung dieses Artikels noch nicht fest – lässt er sich zu einem waschechten Drei- Motoren-Monster ausbauen.

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Und zwar unter Beibehaltung des bisherigen Motors. Dabei wächst der Platzbedarf der Maschine in der Breite nicht, wohl aber in der Tiefe: Ein Drei-Motoren-LS beansprucht dann ziemlich genau 50 Zentimeter in der Tiefe. Wie hat er das gemacht, der Firmengründer und -lenker Thomas Woschnick? Erst einmal dadurch, dass er beim LS zwei Dinge aufgegeben hat: die freistehende „Motordose“ und die externe Steuer- und Stromversorgungseinheit. Erstere ist ja normalerweise links vom Laufwerk angeordnet und hauptverantwortlich für den ziemlich ausufernden Platzbedarf eines üblichen Raven. Beim LS nun wanderte der Motor in die Zarge, und zwar genau hinter den Teller und ein Stück darunter. Damit das passt, schneiderte „TW“ dem LS eine spezielle Variante seines massiven Kunststofftellers mit zentimeterdicker Kupferauflage auf den Leib: Sein Teller ist drei Zentimeter höher und die Außenkante unten ein Stück eingerückt. Das gibt genug Platz für das Motorpulley , das den Teller über diesen kleineren Durchmesser mit einer besonders kurzen Variante des berühmten flachen TW Acustic-Gummiriemens in Schwung bringt. Bedient wird das Ganze nicht mehr per externem Steuerteil, sondern über sechs Taster an der Front des Plattenspielers selbst. Und weil die erforderliche Technik komplett eingebaut ist, darf man hinten in den Raven LS auch direkt einen Kaltgerätestecker für die Netzversorgung einstöpseln. Der bestimmt übrigens in letzter Konsequenz, wieviel Platz das Gerät tatsächlich in der Tiefe braucht. Daneben auf der Rückwand steckt ein geheimnisvolles in der typischen Raven-Formgebung gehaltenes Kästchen. Jenes ist nur dafür da, dem Antriebsmotor zu erklären, in welche Richtung er drehen soll. Womit wir beim Upgrade auf den Drei-Motoren-Antrieb wären: In diesem Falle nämlich wird ein ebenfalls aus Tom Woschnicks Spezialkunststoff gefräster Block mit zwei zusätzlichen Motoren unter Zuhilfenahme von zwei langen Gewindebolzen hinten auf die Zarge geschraubt. Anstelle des „Drehrichtungskästchens“ kontaktieren nunmehr die Zusatzmotoren das Gerät. Sie beziehen auf diesem Wege ihre Stromversorgung und die Steuersignale zur Drehzahlsteuerung. In diesem Falle dreht der eingebaute Antriebsmotor andersherum als im Ein-Motoren-Betrieb: Dafür ist der in der Form eines großen „M“ um die drei Motorpulleys geschlungene Riemen verantwortlich – da muss der Motor in der Mitte einfach in die entgegengesetzte Richtung drehen. Die Lösung mit dem in typischer TWManier höchst aufwändig gefertigten „Kodierstecker“ halte ich, wenn ich das mal so sagen darf, für verbesserungsfähig: Tom, du schaffst es bestimmt noch, den eingebauten Motor bei ganz einfach offener Zusatzmotoranschlussbuchse im Uhrzeigersinn und bei montierten Zusatzmotoren entgegengesetzt drehen zu lassen. Bei den Motoren handelt es sich übrigens immer noch um präzise Industrieantriebe mit eingebauter elektronischer Regelung, die zur Drehzahleinstellung eine steuernde Frequenz brauchen. Diese Motoren haben mittlerweile auch andere Hersteller für sich entdeckt; keiner davon allerdings zerlegt die Antriebe vor dem Einbau wie Tom Woschnick und baut sie so wieder zusammen, dass sie derart extrem ruhig laufen. Ich finde den Unterschied zwischen einem solchen Serienmotor und einem von TW modifizierten immer wieder höchst bemerkenswert – das lässt sich einfach durch Handauflegen feststellen. Natürlich ist auch sonst alles am LS so „Raven“, wie es nur sein kann – zum Beispiel das Tellerlager: Die fein polierte 16 Millimeter durchmessende Spindel mit Kugel am oberen Ende steckt in einem massiven Edelstahlträger, der gleich sechsfach mit der Zarge verschraubt ist – ich denke, wir dürfen hier von einem ziemlich perfekten Kraftschluss sprechen. Im Teller steckt das passende Gegenstück: eine dickwandige, auf die jeweilige Achse angepasste Bronzebüchse mit einem Lagerspiegel aus Spezialkunststoff. Das hat sich bewährt und hält auch bei den bei TW Acustic üblichen Tellerkalibern garantiert länger als ein Leben. Wo wir gerade beim Teller sind: Auch für den wird‘s eine Upgrade-Möglichkeit geben, die den LS praktisch zum Black Night werden lässt: Die durch und durch aus Kupfer gefertigte Variante wurde leider nicht mehr rechtzeitig zum Test des Gerätes fertig. Das auch ohne diese Option schon sicherlich über 30 Kilogramm schwere Laufwerk ruht auf vier feinfühlig in der Höhe verstellbaren Füßen, die selbstredend ebenfalls in Herne gefertigt werden. Wie bei den Mitgliedern der Rabenfamilie üblich, sitzt ein Fuß genau unter jeder der vier Tonarmaufnahmen. Da gehören sie hin, dort ermöglichen sie die denkbar effektivste Ableitung unerwünschter Schwingungen in den Untergrund. Unser Testgerät ist nur mit einer Armbasis bestückt, und zwar mit einer für den hauseigenen Raven-Tonarm in zwölf Zoll Länge. Vor ein paar Jahren hat TW sich eine ziemlich clevere Lösung dafür einfallen lassen, wie man den Einbauabstand seines Tonarms einfach und ohne komplizierte Messmittel sauber einstellen kann: In der Armbasisplatte sind dafür mit Buchstaben bezeichnete Löcher an ganz bestimmten Stellen gebohrt. Jedes Loch entspricht einem bestimmten Drehwinkel der Basis und damit einem konkreten Einbauabstand. Der Edelstahlzylinder unterhalb der Platte ist ebenfalls mit Bohrungen versehen. Die Einstellung funktioniert so: Der beiliegenden Tabelle entnimmt man, dass der gewünschte Einbauabstand von 289,3 Millimeter für den Raven 12“ über die mit „F“ markierte Bohrung selektiert wird. Man steckt den mitgelieferten Stahlstift in Bohrung „F“ und verdreht die Basisplatte so lange, bis der Stift ins exakt darunter angeordnete Loch fällt. Dann ist exakt der gewünschte Winkel erreicht. Klemmschraube anziehen, fertig. Und wo wir gerade beim Tonarm sind: Das ist meine erste Begegnung mit der langen Ausführung davon. Technisch ist er ansonsten mit dem 10,5-Zoll Modell identisch. Der Hersteller gibt für die 12“-Variante eine effektive Masse von 16 Gramm an. Jene ist jedoch nicht in Stein gemeißelt, denn zum Lieferumfang der 5000-Euro- Preziose gehören drei verschieden schwere Edelstahl-Gegengewichte, mit deren Hilfe sich Tonabnehmer zwischen fünf und 20 Gramm Masse ausbalancieren lassen. Wenn man bei einem besonders schweren Abtaster und das schwere Gegengewicht verwendet, dürfte die effektive Masse sicherlich in der Gegend von 20 Gramm liegen. Der Arm ist, wie sein kürzerer Bruder auch, ein völlig allürenloser Profi , den zu bedienen eine wahre Freude ist. Ganz besonders dann, wenn den Job der Höhenverstellung dem hauseigenen „VTA Riser“ übertragen wird. Tom Woschnicks Feingewindemechanik ist selbstverständlich im Betrieb verstellbar und stellt nach wie vor die beste Lösung dar, die der Markt für diese Aufgabe hervorgebracht hat. Dann wird‘s doch mal Zeit, einen angemessenen Abtaster unters Headshell zu schrauben und die eine oder andere Platte auf die mitgelieferte dünne schwarze Gummikork-Tellermatte zu legen, nicht wahr? Und so bekam das Topwing Seiryu zu einem weiteren Auftritt in unseren Diensten und es wusste die Chance zu nutzen, sich noch einmal von seiner schönsten Seite zu präsentieren. Auf dem Teller liegt Miles Davis, mit „Lve–Evil“ ein nicht ganz so geläufiges Werk von ihm, eine teils im Studio, teils live entstandene Platte von 1970. Und Raven LS und Topwing tun das, was man mit einer solchen Platte tun muss: sie mit ganz viel Inbrunst und Nähe darbieten. Auch wenn das Album in Sachen Sound kein echtes Highlight ist, lässt die Kombination Hitze verspüren, sie holt den Zuhörer ganz nahe ans Geschehen und leuchtet das Treiben im kleinen Club „The Cellar Door“ in Washington wunderbar aus. Genau der richtige Job für den detailversessenen Abtaster aus Japan, der hier eine perfekte Arbeitsumgebung vorfindet. Eigentlich hatte ich mit nicht viel davon versprochen, schon diese Platte mal mit der Drei-Motoren-Bestückung zu versuchen, doch das wäre ein fataler Irrtum gewesen: Die Wiedergabe legt damit nämlich nochmals mehr als nur ein bisschen zu. Merklich strammer, intensiver und leuchtender klingt‘s mit dieser Option. Die etwas rockigeren Nummern auf dem Album entwickeln deutlich mehr Inbrunst und Drive, was ich dem diesbezüglich eigentlich etwas zurückhaltenden Topwing gar nicht zugetraut hätte. Nicht weniger deutlich werden die Unterschiede gar bei einem so tiefentspannten Album wie dem Debut der texanischen Ambient-Pop-Band „Cigarettes After Sex“. Total entspannt und flüssig klingt‘s sowieso, die Stimme von Frontmann Greg Gonzalez steht schön frei im Raum, die Bassbegleitung tönt wunderbar warm und sonor. Wir sind vollkommen im Paradies des Wohlkangs angekommen, aber da geht noch was: Mit drei Motoren schält sich die Stimme noch besser heraus, der Bass wirkt druckvoller, kerniger und gewinnt an Deutlichkeit. Die Laufwerke aus Herne waren schon immer große Meister darin, ein überaus stabiles Fundament zu kreieren. Dieser Variante hier gelingt das herausragend gut. Keinerlei Nervosität, ganz viel Kontrolle und soviel Neutralität, dass der Abtaster den Charakter der Wiedergabe diktieren darf, wie der Wechsel aufs Lyra Etna wieder einmal bestätigte. Die Lyras sind einfach die Meister in Sachen Rhythmus und Timing, wie sich auch hier zeigt. Der Raven LS jedenfalls ist genau das richtige Werkzeug dafür, Tonabnehmern der obersten Güteklasse all ihre Meriten zu entlocken.

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Fazit

Irgendwann wollen Sie die beiden Zusatzmotoren, versprochen. Auch wenn der Raven LS schon „solo“ eine ungeheuer stabil und ausladend klingende Plattform für Tonarme und Tonabnehmer jeder Form und Farbe ist. Plattenspielerbau am Limit!

Preis: um 9900 Euro

TW Acustic Raven LS


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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Sieveking Sound, Bremen 
Telefon 0421 6848930 
Internet sieveking-sound.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen ab ca. 45 x 22 x 45 cm 
Gewicht (in Kg) reichlich 
Unterm Strich ... Irgendwann wollen Sie die beiden Zusatzmotoren, versprochen. Auch wenn der Raven LS schon „solo“ eine ungeheuer stabil und ausladend klingende Plattform für Tonarme und Tonabnehmer jeder Form und Farbe ist. Plattenspielerbau am Limit! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 14.07.2020, 09:58 Uhr
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