Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Audio Research GSi75


Die italienischen Momente

Röhrenverstärker Audio Research GSi75 im Test, Bild 1
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Wie es so kommt im Leben – Beziehungen enden und beginnen neu. So kann es auch einem HiFi-Unternehmen gehen. Und natürlich  prägen neue Gesichter an der Spitze einer Firma auch neue Produkte

Die „Fine Sounds Group“, zu der auch Audio Research seit einigen Jahren gehört, hat einen sogenannten Management Buyout erlebt – der Vorstandsvorsitzende der Gruppe Mauro Grange und der Chef von McIntosh Charlie Randall haben die gesamt Gruppe im letzten Jahr einer Investorengruppe abgekauft, die zuvor einige Jahre lang Eigentümer war – durchaus ein Schritt in die richtige Richtung, liegen die Geschicke doch nun zumindest wieder in den Händen von Leuten aus der Branche. Als Reminiszenz an die italienische Führung hat man bei Audio Research eine neue Verstärker-Baureihe aus dem Taufbecken gehoben, die auf den schönen Namen Galileo hört. Neben der Vor-/Endstufenkombination GSPre und GS150 gibt es in der kurz „GSerie“ genannten Gerätereihe auch den Vollverstärker GSi75 zum Preis von 20.000 Euro – die große Kombination kostet das Doppelte. Und man kann nicht einmal sagen, dass das Gerät mit seinen Pfunden wuchert – so wuchtig es optisch daherkommt, der ganz große Masseberg ist ernicht, der „italienische“ Vollverstärker.

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An der Uhrenkette kann man den GSi75 dennoch nicht umhertragen, verlangt die Technik dann doch noch ein bisschen Eisen in Form eines Trafos und der Ausgangsübertrager. Trotz der wuchtigen, fast schon würfelförmigen Form mit der riesigen Frontplatte, hinter der das ansonsten offen liegende Innenleben fast verschwindet, wirkt der neue Amp designorientierter, fast schon ein wenig elegant und verspielt gegenüber dem kantigen und extrem nüchternen Auftreten klassischer Audio-Research-Geräte. Die Schaltungstopologie ist gleich geblieben: Eingangsseitig gibt es eine reine Transistor-Vorstufe, sogar mit einer Phonostufe, die ausschließlich mit OP-Amps bestückt ist. Hier sollte man nicht die Messlatte anlegen, die die reinen Audio- Research-Phonovoverstärker verdammt weit nach oben geschoben haben, mehr als eine Verlegenheitslösung kann man allemal erwarten. Als Treiber- und Phasenumkehrstufe fungieren zwei 6H30, die die dahinter sitzenden KT150 befeuern. Dazu ein paar Worte mehr: Die KT150 ist die momentan letzte Iteration der bekannten KT88, einer sogenannten Beam-Power-Tetrode, die in etlichen Gitarren- und HiFi-Verstärkern ihren Dienst verrichtet und die für ihre gegenüber einer EL34 höhere Leistung beliebt ist. Auf Basis dieser Röhre sind in den letzten Jahren erst die KT90 und KT100 entstanden, die aber noch nicht den großen Abstand brachten. Erst mit der vor einiger Zeit entstandenen KT120 und vor allem mit der neuen KT150 lassen sich deutlich höhere Ausgangsleistungen erzielen als mit der KT88. Rechnerisch wäre im Push-Pull-Betrieb mit je zwei KT150 pro Seite sogar noch mehr drin als die 75 Watt pro Seite, die wir im Messlabor gemessen haben. Dafür kann man ohne Wenn und Aber die strengen 0,7 Prozent Gesamtklirr als Obergrenze für die Leistungsmessung verwenden, wie wir das zwar bei Transistor-Verstärkern durch die Bank machen, während wir bei Röhrenverstärkern da auch gerne mal höhere Werte akzeptieren. In jedem Fall kann man hier schon die Ernsthaftigkeit ablesen, mit der bei Audio Research gearbeitet wird, auch wenn es mal etwas italienischer zugeht. Auch der Blick ins Innere zeigt den typischen sauberen Aufbau, wenngleich der GSi75 etwas modularer aufgebaut ist, als wir das von den Amerikanern gewöhnt sind. Das heißt, die einzelnen Funktionsgruppen sind auf einzelnen Platinen untergebracht, die durch Leiterbahnen miteinander verbunden sind. Selbstverständlich bietet der GSi75 eine Ruhestromeinstellung für die Leistungsröhren an. Als Top-Gerät des 21. Jahrhunderts kommt man kaum noch ohne Digital-Option aus. Hier hat man sich ins Zeug gelegt: Ein koaxialer und ein optischer S/PDIF-Eingang dienen zum Anschluss von CD-Transports oder Streaming-Bridges, doch ausgereizt wird der Wandler nur über den USB-BEingang. Hier kann ein passender Musikcomputer angeschlossen werden, um in den vollen Genuss von echtem High-Res- Audio zu kommen. Während die beiden anderen digitalen Eingänge Dateien mit bis zu 96 kHz bei 24 Bit verarbeiten können, ist bei der Übertragung per USB noch wesentlich mehr machbar. Hier sind dann bis zu 384 kHz möglich, ebenso wie die Wiedergabe von Dateien im DSD- und sogar Doppel-DSD-Format. Doch auch Alben, die nicht ganz so hoch aufgelöst sind, spendiert der GSi75 auf Wunsch nochmals ein Upsampling auf die maximal mögliche Abtastrate. Ein kurzer Ausfl ug zu digitalen Quellen zeigt dann auch, dass die Wandlersektion ihre Sache sehr anständig macht – das aber nur am Rande. In Sachen Bedienung gibt’s keine offenen Fragen: Eingangswahlschalter und Lautstärkeregler lassen sich drehen – die Taster dazwischen schalten zwischen Stereo und Mono, muten den ganzen Verstärker und erlauben den Zugang zum Menü, das aber vor allem den digitalen Optionen vorbehalten ist. Besonders erwähnen möchte ich aber noch, dass der Audio Research einen vollwertigen Kopfhörerverstärker mit an Bord hat, in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Phonoeingang durfte sich in unserem Hörraum gleich mit dem in dieser Ausgabe ebenfalls getesteten Zyx Airy 1000H befassen – genügend Verstärkung steht auf jeden Fall zur Verfügung. Der GSi75 steht nach einer sehr kurzen Einschaltphase zur Verfügung – selbst das hörbare Aufwärmen, bis die Wiedergabe „sitzt“, dauert hier nur ein paar Minuten – ein weiteres Indiz dafür, dass Audio-Research-Verstärker clever durchkonstruierte Geräte sind, die sich nicht auf dubiose und esoterische Bauteilequalitäten verlassen. Klanglich ist der Audio Research eine Bank – egal an welchem Lautsprecher: Die Wiedergabe sitzt auf den Punkt, neutral mit einem leichten Spin in Richtung „Saft und Kraft“ – lieber ein bisschen größer als zu klein. Vor allem im Grundtonbereich strotzt der GSi75 vor Energie – Stimmen sind seine Domäne, egal ob Belcanto oder Rockröhre. Dabei legt er vor allem Wert auf das Volumen, die Brust der Sänger, die so immer zu ihrem Recht kommen. Und die Stimme einer Adele oder auch Jussi Björling werden so zum gänsehautgarantierten Ereignis. Mit unserer Voxativ-Breitbandbox und dem Audio Research haben wir auch gleich einen Hauptgewinn gelandet – so gut kann ein moderner Röhrenverstärker mit einem weitgehend klassischen Lautsprecherkonzept zusammenspielen. Eine ganz andere Hausnummer ist die Gamut- Kompaktbox dieser Ausgabe – aber auch die stellt den GSi75 vor keine wirkliche Aufgabe: Satt und souverän, dabei detailverliebt und präzise wie ein Schweizer Uhrwerk spielt der amerikanisch-italienische Verstärker alles ihm vorgesetzte Material.

Fazit

Mit seiner eindrucksvollen Spielweise und  dem konsequenten Setzen sowohl auf Phonoplatine als auch auf einen modernen DA-Wandler stellt der Audio  Research GSi75 nichts weniger dar  als die Zukunft der Gattung Röhrenverstärker.

Preis: um 20000 Euro

Audio Research GSi75

01/2016 - Thomas Schmidt

 
Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Verstärker 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
B x H x T (in mm) 483/263/518 
Gewicht (in Kg) 30 
Garantie (in Jahre)
Unterm Strich... Mit seiner eindrucksvollen Spielweise und dem konsequenten Setzen sowohl auf Phonoplatine als auch auf einen modernen DA-Wandler stellt der Audio Research GSi75 nichts weniger dar als die Zukunft der Gattung Röhrenverstärker. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 28.01.2016, 10:03 Uhr
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