Möchten Sie zur Seite für Mobilgeräte wechseln ? JaNein
Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Thivan Labs 211 Power Monoblock


Single Ended mit Dampf

Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 1
21012

Es nimmt kein Ende – Thivan Labs, der vietnamesische Spezialist für Röhrenelektronik und wirkungsgradstarke Lautprecher, überrascht mit einem interessanten Gerät nach dem anderen. Heute: Für wenn’s mal ein bisschen mehr sein darf

Traditionell stünde an dieser Stelle mein übliches Gejammer über das überbordende Gewicht der „Eisenschweine“ aus Vietnam, aber das spare ich mir heute mal und freue mich vielmehr darüber, dass Mr. Thi auf die hervorragende Idee verfallen ist, seine 211-Endverstärker in Monobauweise zu realisieren. Was zur Folge hat, dass ein Kanal davon nur vollkommen undramatische 36 Kilogramm wiegt. Gewissermaßen Urlaub fürs geschundene Kreuz. Auch wenn sich die beeindruckenden Endverstärkerboliden mit der hell leuchtenden großen Senderöhre natürlich nicht mehr in einem ganz so spektakulären Sonderangebotsbereich bewegen wie der Vollverstärker „811 Anniversary“, mit dem der Erfolg von Thivan Labs bei uns seinen Anfang nahm – es ist immer noch bemerkenswert, wie moderat die Preisgestaltung hier ausfällt: Das Paar dieser Monos kostet 6900 Euro.

Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 2Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 3Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 4Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 5Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 6Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 7Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 8Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 9Röhrenverstärker Thivan Labs 211 Power Monoblock im Test, Bild 10
Nicht schlecht für 72 Kilogramm feinster direkt geheizter Single-Ended-Großartigkeit.

Wie alle Verstärker dieses Herstellers, orientiert sich auch dieses Konzept an ganz klassischen Schaltungsprinzipien, man setzt auf eine strukturell einfache Topologie, reichlich dimensioniertes „Eisen“ und eine generell ziemlich kompromisslose Bauteileauswahl. Der Lohn der Mühe: rund 45 beeindruckende Eintakt-Watt, mit denen man auch etwas „normalere“ Lautsprecher betreiben kann als die ausgewiesenen Hochwirkungsgradwandler, die man normalerweise an Röhreneintakter stöpseln sollte.

Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf und werfen zunächst einen Blick auf den optisch auffälligsten Bestandteil des Ensembles: die Endröhre 211. Bei ihr handelt es sich um eine der am häufi gsten eingesetzten Senderöhren aus den frühen Tagen des Rundfunks. Mit einer Anodenverlustleistung von 75 Watt kann sie, je nach Betriebsart, erhebliche Hochfrequenzleistungen erzeugen. Der rund 20 Zentimeter hohe und sechs Zentimeter durchmessende Glaskolben leuchtet im Betrieb ziemlich hell, fast weiß, was dem Kenner sofort verrät, dass die Heizung mittels thorierter Wolframkathode arbeitet. Nur damit lässt sich eine so spektakuläre Lightshow realisieren. Wenn man die mit der 211 mögliche Leistung realisieren will, dann muss man sie zumindest zum Teil im so genannten „A2“-Bereich betreiben. Das heißt, dass das Steuergitter mit nennenswerten Mengen von Gitterstrom beaufschlagt werden will, wofür es eine kräftige Treiberanordnung braucht. Bei Thivan Labs vertraut man diesen Job gerne einer Tetrode vom Typ 6V6 an. Damit verlässt man zwar den Bereich der reinen Triodenlehre, bedient sich aber einer kräftigen Röhre, die für den Job bestens geeignet ist. Die eingangsseitige Spannungsverstärkung obliegt einer bewährten Doppeltriode mit Oktalsockel, die ebenfalls aus dem amerikanischen Raum stammt: einer 6SN7. Das war’s. Drei Röhren pro Kanal, mehr braucht’s nicht. Womit optimale Voraussetzungen für unverstellten, reinen Röhrensound geschaffen wären. Alle eingesetzten Röhrentypen gibt’s relativ unproblematisch in allen möglichen Qualitätsklassen zu kaufen. Thivan Labs hat auch bei diesem Verstärker wieder ein feines Händchen für eine sehr gute Bestückung bewiesen: Die 211 stammt aus aktueller chinesischer Psvane-Fertigung, die beiden anderen sind alte Originale. Damit kann man bestens zurechtkommen, für den „Tube Roller“ gibt’s aber noch Luft nach oben. Gleich vier satt dimensionierte Induktivitäten im Thivan-typischen grauen Schrumpflack-Outfit bestimmen das Bild auf der Deckelplatte des Verstärkergehäuses. Die Holzoptik ist zwar nur mittels einer Folie realisiert, aber dafür mit einer optisch ziemlich überzeugenden.

Hinten rechts residiert der Ausgangsübertrager, das ist eines der beiden Trafo-Schwergewichte des Gerätes. Netztrafos gibt es gleich zwei; einer ist für die Erzeugung der Hochspannung zuständig, einer für die erklecklichen erforderlichen Heizleistungen. Der letzte graue Klotz im Bunde ist eine Siebdrossel für die Hochspannungsversorgung. Unterstützt wird das Ensemble von vier ziemlich beeindruckenden Ölpapierkondensatoren, die ebenfalls mit Zugang zur frischen Luft montiert sind. Das ist alles wieder einmal sehr vertrauenerweckend satt dimensioniert, ein Eindruck, der sich nach dem Lösen des Bodenblechs nahtlos fortsetzt. Der abermals extrem durchdachte und penibel realisierte Aufbau braucht nur für die obligatorischen Siebelkos Platinen, alles andere ist frei verdrahtet. Die Bauteilequalität ist durch die Bank ausgezeichnet, wir stellen erfreut fest, dass das Eingangssignal über einen Übertrager geführt wird. Anschlussseitig gibt’s eine Cinch- und eine XLR-Buchse, letztere ist allerdings unsymmetrisch beschaltet. Zwischen beiden kann mit per rückseitigem Kippschalter wählen. Davon gibt’s noch einen zweiten, der ist für die Eingangsempfindlichkeit zuständig und schaltet bei Bedarf einen Spannungsteiler in den Signalpfad. Welche Konfi guration hier die richtige für Sie ist, kommt entscheidend auf die Verstärkung Ihrer Vorstufe und die Empfindlichkeit Ihrer Lautsprecher an.

Die Monos verfügen nur über einen einzigen Lautsprecheranschluss für alle Impedanzen, die anstehende Leistung ist bei allen Lasten innerhalb gewisser Grenzen identisch. Zu bedienen gibt es ansonsten nicht viel außer dem vertrauenerweckend klackenden Netzschalter. Mit Ruhestromeinstellung oder ähnlichem Ungemach hat man als Besitzer dieser Prachtbauten nichts zu tun, die Endröhre ist diesbezüglich fest eingestellt. Der Verstärker zeigt messtechnisch das von einem solchen Konzept zu erwartende Verzerrungsverhalten: Der Klirr steigt ungeniert mit der Aussteuerung an. Überschreitet man die 40-Watt-Marke, wird’s diesbezüglich auch gerne mal zweistellig. Das ist ein Umstand, der für Class-A-Verstärker im Gitterstrombetrieb typisch ist und mich mittlerweile überhaupt nicht mehr schreckt, im Gegenteil: Dieses Verhalten mag für den ausgezeichneten Klang solcher Konzepte durchaus mitverantwortlich sein.

Die Thivan-Monos sind trotz übertragergekoppelter Eingänge die einzigen Verstärker, die ich an meiner NEM-Vorstufe bis dato nicht zu völlig brummfreiem Betrieb überreden konnte. An MalValves preamp three line allerdings gab‘s keine diesbezüglichen Probleme, an der auf ihren Einsatz wartenden Gradinote Genesi ebenfalls nicht. Was die Auswahl des am besten passenden Lautsprechers angeht, erlebte ich ebenfalls eine kleine Überraschung: Die Kombination mit den an anderer Stelle in diesem Heft gewürdigten Cube-Audio Breitbandlautsprechern Nenuphar Mini war ein selten erlebter Volltreffer. Der volle, farbige Charakter der Monos passte wie die Faust aufs Auge zur leicht ansteigenden Tonalität der Cubes, unterm Strich kam dabei ein echtes Feuerwerk heraus. Im Bass schoben die Breitbänder, wie ich’s mit keiner anderen Kombination hinbekommen habe, der Stimmbereich triefte nur so vor Inbrunst und Ausdruck. Das war so gut, dass ich nach langer Zeit sogar mal wieder die komplette American Recordings IV von Johnny Cash geschafft habe, was ich dank Überdosierung eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hatte. Anouar Brahems Oud klang einmalig intensiv und doch intim, Nina Simone sang, als würde Sie‘s nur für mich tun. Große Musikwiedergabe, an die ich noch lange denken werde, ermöglicht von diesen wirklich fantastischen Verstärkern.

51
Anzeige
Überlassen Sie den Lautsprecher-Selbstbau nicht dem Zufall: Wir bieten hochwertige Chassis, Bausätze und Zubehör und beraten sie gerne ausführlich. 
qc_DIY-01_1635154193.jpg
qc_DIY-02_2_1635154193.jpg
qc_DIY-02_2_1635154193.jpg

>> Mehr erfahren bei

Fazit

Nichts klingt wie große Single-Ended-Röhrenverstärker. Wenn es eines Beweises dafür bedurft hätte, die 211-Monos von Thivan treten ihn kraftvoll und leidenschaftlich an.

Preis: um 6900 Euro

Röhrenverstärker

Thivan Labs 211 Power Monoblock


-

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TCG GmbH, Nordhorn 
Telefon 05921 7884927 
Internet thivanlabs.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 450/290/380 
Gewicht (in Kg) 36 
Untern Strich ... Nichts klingt wie große Single-Ended-Röhrenverstärker. Wenn es eines Beweises dafür bedurft hätte, die 211-Monos von Thivan treten ihn kraftvoll und leidenschaftlich an. 
Neu im Shop

TV-Bildoptimierung, neue Pakete, Full HD, UHD, 8K

>>> mehr erfahren
Holger Barske
Autor Holger Barske
Kontakt E-Mail
Datum 13.11.2021, 09:58 Uhr
324_21181_2
Topthema: Philips 65OLED936
Philips_65OLED936_1640176466.jpg
Preisgekrönte OLED-TVs

Der Philips OLED936 gehört zweifelsohne zu den besten Fernsehern überhaupt.

>> Lesen Sie hier den gesamten Test!
Dipl.-Phys. Guido Randerath - Ressort Heimkino und Car Hifi
Dipl.-Phys.
Guido Randerath
Ressort Heimkino und Car Hifi
Heimkino 1/2022

Jüngst veröffentlichte die gfu den HEMIX Home Electronics Martkt Index für die ersten drei Quartale 2021. Demnach hat der Markt für Home Electronics sich weiter positiv entwickelt und zum Vorjahr 6,9 Prozent zugelegt. Hauptumsatzbringer waren dabei neben der weißen Ware die privat genutzten IT-Produkte mit +8,1 % und die Telekommunikation mit +7,1 %. Bei den TV-Geräten sank die Stückzahl zwar um 14,9 %, doch durch den stark gestiegenen Durchnittspreis (+16,8 %) blieb der Umsatz im TV-Segment nahezu konstant auf hohem Niveau (-0,6 %).
>> Alles lesen

Elmar Michels - Ressort Car Hifi
Elmar Michels
Ressort Car Hifi
Car Hifi 1/2022

Sie werden es beim Download nicht gemerkt haben, doch diese CAR&HIFI ist die dickste seit langem. Neben jeder Menge Tests enthält diese Ausgabe wieder die im letzten Jahr eingeführte Preisverleihung an die besten Geräte des Jahres. Unter der Rubrik Product of the Year finden sie auf 25 Extraseiten die bestklingenden, leistungsfähigsten und highendigsten Geräte aus unserem Testfuhrpark oder auch Produkte, die uns durch ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, Einsteigerfreundlichkeit oder Cleverness aufgefallen sind.
>> Alles lesen

Holger Barske - Ressort<br>High-End
Holger Barske
Ressort
High-End
LP 2/2022

Die neue Ausgabe der "LP" ist einmal mehr etwas sehr Besonderes, wir haben sie thematisch nämlich komplett mit den Themen "Tonabnehmer und Übertrager" gefüllt - zweifellos Schlüsselelemente bei der Schallplattenwiedergabe.
>> Alles lesen

Thomas Schmidt - Ressort Hifi
Thomas Schmidt
Ressort Hifi
HiFi Test TV HiFi 1/2022

Das Jahr geht zuende und keiner von uns kann sagen, dass es so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt oder gewünscht haben.
>> Alles lesen

Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages

HiFi & Video Technik Oliver Gogler e.K.