Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Tsakiridis Hermes


Olympische Klänge

Röhrenverstärker Tsakiridis Hermes im Test, Bild 1
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Der hat noch gefehlt. Ja, das meine ich ernst: Die EL84 ist schon seit langer Zeit eine meiner Lieblingsröhren, auch wenn sie im Konzert der Arrivierten immer ein bisschen „die Kleine“ ist. Dann muss man eben ein paar mehr davon nehmen, dann klappt es auch mit der Leistung.

Audioplan, alias Thomas Kühn, vertritt neben Jadis mit Tsakiridis eine inzwischen auch sehr erfolgreiche und gut beleumundete Röhrenverstärkermarke. Tsakiridis ist bereits seit gut 30 Jahren in Sachen Röhrenverstärker tätig, die Marke gibt es seit 1987 in Athen, wobei Dr. Tsakiridis zuerst für seinen audiophilen Freundeskreises Geräte modifiziert und gebaut hat. Erst nach Schaffung eines gewissen Renommees und der damit verbundenen Nachfrage hat man den Schritt gewagt, sich dem Markt zu stellen und eine erst landesweite Vermarktung einzurichten. Griechenland ist ja seit Jahrzehnten eine HiFi-verrückte Nation – und so führte der Erfolg schließlich in eine internationale Vertriebsstruktur.

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Kommen wir aber zum eigentlich Spannenden. Der Hermes geisterte ja schon auf diversen Bildern von Messen durchs Netz, aber so richtig greifbar war er eine ganze Weile lang noch nicht, bis er schließlich auch hierzulande vorgestellt wurde. Der Hermes ist natürlich keine Raketentechnik, sondern ein traditioneller Stereo-Vollverstärker mit je zwei Paar EL84 pro Kanal in paralleler Push-Pull-Anordnung in der Endstufe (PPP). Die nominelle Leistung liegt damit bei knapp 30 Watt pro Kanal, die wir in unserem Messlabor feststellen können. Wo wir gerade bei Messungen sind: Auch alle anderen technischen Daten können sich sehen lassen – Taskiridis sieht sich hier nicht als Klangkünstler, sondern als jemand, der eben mit Röhren Verstärker baut, sich dabei aber mit allen anderen Herstellern in Sachen technische Daten messen will. Im Inneren des Tsakiridis geht es aufgeräumt zu. Die Schaltung ist auf einer Platine untergebracht: klar, zu einem Preis von 1.500 Euro und Komplettfertigung in der EU kann man keine Punkt-zu-Punkt- Verdrahtung erwarten. Immerhin sind die einzelnen Baugruppen definiert, bei denen die Signal- und die Versorgungswege sauber getrennt werden. Die Bauteilequalität ist wirklich gut, man legt Wert auf niedrige Toleranzen und im Signalweg liegen ausschließlich Folienkondensatoren. Die Röhren stecken in sehr soliden Porzellansockeln und davon gibt es eine Menge. Neben den 8 Endröhren sorgen noch insgesamt drei Doppeltrioden für die Vorverstärkung und die Phasenumkehr vor der Endstufe. Eine Sparmaßnahme, die den Preis so attraktiv hält, wurde durch geschicktes Finish zu einem optischen Highlight des Geräts: Man hat den Trafos keine großen Abdeckhauben spendiert, sondern die kleinen Deckel einfach grau gepulvert. Das gibt dem Hermes einen durchaus technischen Look, den ich aber für ausgesprochen attraktiv halte. Die Front selbst ist wie der Rest des Geräts matt gepulvert – hier aber dunkel. In Sachen Bedienung geht es eher simpel zu: Über einen Wippschalter wird der Eingang ausgewählt. Und hier gibt es tatsächlich noch eine Besonderheit: Neben drei analogen Hochpegeleingängen gibt es noch einen eingebauten DAC, der aber rein auf einen Zuspieler mit USB-Ausgang limitiert ist. Hier geht man von einer festen Verbindung zwischen PC und Verstärker aus – eventuell sieht man den Hermes bei Tsakiridis auch als Nobelvariante der Verstärkung für PC-Lautsprecher, wer weiß? Ich habe den DAC einmal kurz angeschlossen und getestet – mit Material bis 24 bit/ 96 kHz funktioniert er, wie er soll. Neben der Kanal- und Lautstärkewahl kann man sich auf der Front mit einem hübschen Zeigerinstrument auch noch den Ruhestrom pro Kanal anzeigen lassen und entsprechend am Gerät nachregeln. Was die angeschlossenen Boxen angeht, gibt sich der griechische Verstärker umgänglich: Natürlich profitiert jeder Röhrenverstärker von einem linearen Impedanzverlauf des angeschossenen Lautsprechers und mit mehr Wirkungsgrad kann er besser arbeiten, denn auch mit knapp 30 Watt ist irgendwann das Ende dynamischer Fähigkeiten erreicht. Weil ich aber gerade mit ein paar sehr kompakten Lautsprechern experimentiere, habe ich auch diese mit dem Hermes betrieben – und siehe da, auch hier kann man mehr als ansehnliche Leistung erzielen. Der Hermes ist ein durch und durch gelungenere Vertreter seiner Art – kraftvoll und dabei gleichzeitig sensibel geht er seine Aufgabe an, Musik jeder Stilrichtung mit den unterschiedlichsten Schallwandlern zu reproduzieren. Das macht er in allen Lagen sehr gut: Seine Domäne sind natürlich die Mitten, die er charmant und mit Schmelz wie alle guten Röhrenverstärker wiedergibt, dabei aber komplett die räumliche Übersicht behält und auch Präzision großschreibt. Apropos groß: Vielleicht wirken Sänger ein bisschen gewaltiger, als sie in Wirklichkeit aufgenommen wurden, aber das macht eher Spaß. In Sachen Hochton gelingt hier eine wunderbare Balance aus Eleganz und Geschmeidigkeit auf der einen, Genauigkeit und Trennschärfe auf der anderen Seite. Sprich: Besser geht es nicht. Unsere Empfehlung lautet – wie bei allen Röhrenverstärkern – Boxen zu verwenden, die über eine Impedanzlinearisierung verfügen, zumindest auf der Übernahmefrequenz zwischen Mittel- und Hochtöner, sonst kann es auch gerne einmal ein bisschen giftiger werden. Mit unserer eigenen Konstruktion Ophelia spielte der Tsakiridis Hermes äußerst dynamisch und dabei immer kontrolliert – durchaus mit Ansage im Bass, was die Tiefe angeht, dafür nicht mit der finalen Wucht einer 1000-Watt-PA-Endstufe, aber das kann man nun wirklich nicht erwarten. Viel wichtiger ist der ungemein betörende Charme, den die 4 EL84 pro Seite musikalisch entfachen. Egal, ob bei großem oder kleinem Ensemble, Klassik oder Rock oder sogar elektronischer Musik. Der Hermes bleibt dabei: Für eine Röhre ungemein ausgewogen und unangreifbar, strahlt er doch die Faszination dieser „alten“ Verstärkertechnik aus und macht einfach eine Menge Spaß an der Musik.

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Fazit

Der Hermes komplettiert mit seiner EL84-Bestückung die Produktlinie Tsakiridis und ist in Sachen Klang und Leistung für den Preis eine ganz heißer Tipp.

Preis: um 1650 Euro

Röhrenverstärker

Tsakiridis Hermes


12/2018 - Thomas Schmidt

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audioplan T. Kühn e.K., Malsch 
Telefon 07246 1751 
Internet www.audioplan.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 280/163/460 
Gewicht (in Kg) 11 
Untern Strich ... Der Hermes komplettiert mit seiner EL84-Bestückung die Produktlinie Tsakiridis und ist in Sachen Klang und Leistung für den Preis eine ganz heißer Tipp. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 23.12.2018, 14:56 Uhr
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