Kategorie: Schallplatten Waschmaschinen

Einzeltest: Clearaudio Double Matrix Professional


Mein wunderbarer Waschsalon

Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 1
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Eigentlich ist das Reinigen von Schallplatten beherrschte Technik – Teufelswerk braucht es auch nicht, um Dreck aus den Rillen unserer Vinylschätze zu holen. Clearaudio zeigt, wie so was schnell und gründlich funktioniert 



Sie heißt „Double Matrix Professional“, und der letzte Begriff in der Typenbezeichnung ist neu. Als jahrelanger Nutzer des Vorgängermodells ohne „Professional“ war ich sehr gespannt, was die Analogspezialisten aus Erlangen sich beim Redesign ihrer Top-Plattenwaschmaschine haben einfallen lassen. Zum Preis von 2.500 Euro gibt’s zunächst eins praktisch gar nicht mehr: Kunststoff. Die „Professional“ besteht zum großen Teil aus Aluminium und sieht schon mal ganz eindeutig erheblich schneidiger aus als ihr aus schwarzen PVC-Platten zusammengebauter Vorgänger. Das ist zwar für die Funktion nicht unbedingt entscheidend, wohl aber dann, wenn das Gerät in der Nähe einer auch optisch ambitionierten HiFi-Anlage zu stehen kommen soll: High-End-HiFi, gediegenes Ambiente und die eher rustikal anmutende Double Matrix – das geht nicht so recht zusammen.

Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 2Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 3Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 4Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 5Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 6Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 7Zubehör HiFi Clearaudio Double Matrix Professional im Test, Bild 8
Der Alu-Look der „Professional“ sieht nicht nur besser aus, die Maschine ist auch kleiner und leichter geworden – was ja auch kein Nachteil ist. Geblieben indes ist die Funktionalität – in dieser Hinsicht haben die Mannen aus Franken sogar noch die eine oder andere Schippe draufgelegt: Die Double Matrix Professional soll nämlich die schnellste Maschine ihrer Art sein und eine normal verschmutzte Platte in weniger als einer Minute sauber und trocken bekommen. Das ist ein Wort und würde das Prädikat „professionell“ in der Tat zu mehr als einem schmückenden Namenszusatz machen – Geschwindigkeit ist zweifellos ein Thema, wenn man größere Mengen Vinyls zu behandeln hat. Die größeren Clearaudio-Modelle zeichnen sich dadurch aus, beide Seiten der Platte auf einmal reinigen zu können, was sie dank eines patentierten Verfahrens ziemlich einzigartig macht – zumindest unter den „klassischen“ Waschmaschinen mit Absaugung. Beide Seiten auf einmal bedeutet in jedem Falle schon mal eine Halbierung des Zeitaufwandes, was bei der angestrebten Reinigungszeit von einer Minute schon mal die halbe Miete ist. Das gab’s bei der alten Double Matrix auch schon, doch mittlerweile traut man dem Verfahren so weit, dass man sich den Spiegel auf der Maschinenoberseite sparte: Eine gesonderte optische Kontrolle des Waschvorgangs an der Unterseite ist nicht erforderlich, das Verfahren arbeitet absolut zuverlässig. Clearaudio setzt von jeher auf ein relativ schlichtes Waschverfahren: Es gibt keinerlei Bürste, um die Waschflüssigkeit auf der Platte zu verteilen. Das mag sich auf den ersten Blick seltsam anhören, ist aber technisch so falsch nicht: Die Borsten üblicher Bürsten sind so dick, dass sie ohnehin nicht in der Lage sind, den Grund der Rille zu erreichen oder auch auf den Rillenflanken nennenswerte mechanische Reinigungsprozesse zu tätigen. Der Auftrag der Waschflüssigkeit erfolgt über kleine Bohrungen in den Absaugarmen, die Verteilung übernehmen zwei Mikrofaserlippen. Genau die sind es, die beim Absaugvorgang für eine gewisse Abdichtung der „Saugzone“ sorgen – ohne sie wäre es kaum möglich, die Flüssigkeit mit erträglicher Saugleistung wieder von der Platte zu bekommen. Den Flüssigkeitsauftrag besorgt eine elektrische, per Taster zu aktivierende Pumpe, die ihren Job auf beiden Seiten erfreulich gleichmäßig macht, dabei aber ein wenig „unglücklich“ klingt. Die Wisch-/Absaugarme der Professional bestehen standesgemäß aus Aluminium, das Düsensystem sogar aus Edelstahl. Wenig geändert hat sich am Mechanismus, der den beidseitigen Waschvorgang erst ermöglicht: Die beiden Wisch-Absaugarme – der obere ist schwenkbar, um das Auflegen respektive Herunternehmen einer Platte überhaupt erst zu ermöglichen – werden im Betrieb von kräftigen Magneten gegeneinander gezogen, was für beide Arme innigen Kontakt zur Platte gewährleistet. Die Platte ruht dabei auf einer Art doppelter Flanschkonstuktion, die auf der Welle des Antriebsmotors steckt: Die obere Flanschhälfte wird auf der „Tellerachse“ mit einem Spannzangenmechanismus arretiert. Beide Seiten schützen das Plattenlabel mit einer Gummidichtung vor der Waschflüssigkeit, auch das funktioniert zuverlässig. Der Waschvorgang läuft folgendermaßen ab: Plattenklemme entfernen, oberen Saugarm zur Seite schwenken, Platte auflegen. Danach die Klemme aufstecken und mit etwas Druck festschrauben, den Saugarm zurückschwenken und leicht nach unten drücken. Dadurch werden die Magnetkräfte groß genug, um den Arm mit seinem Pendant von unten zu verriegeln. Der Power-Taster setzt den Tellermotor unter Strom, anschließend betätigt man den Pumpentaster und benetzt die Platte mit Flüssigkeit. Die Menge ist ein wenig Erfahrungssache, in den meisten Fällen komme ich damit hin, in etwa die halbe Platte zu benetzen. Das und den anschließenden Wischvorgang nimmt man sinnvollerweise mit maximaler Tellerdrehzahl vor – im Gegensatz zum Vorgängermodell – gibt’s einen Drehknopf dafür. Ein paar Umdrehungen im Uhrzeigersinn, dann wechselt man die Drehrichtung mit einem weiteren Schalter und dreht noch ein paar Runden. Nach abermaligem Richtungswechsel dreht man die Drehzahl herunter und aktiviert die Absaugung: Eine Umdrehung links herum, eine rechts herum, Platte trocken. Tatsächlich funktioniert der Absaugvorgang (der übrigens nochmals merklich leiser vonstatten geht als bei der alten Double Matrix) erheblich besser, wenn die Tellerdrehzahl niedrig ist. Absaugung abschalten, Absaugarm hochziehen (und damit die Verbindung zwischen beiden lösen), anschließend den Antistatikarm über die Platte schwenken. Dessen (leitfähige) geerdete Faserbündel befreien die Platte von statischer Aufladung, die sich unter Umständen beim Waschvorgang auf der Platte angesammelt haben kann und beim Abspielen für unschöne Knackgeräusche sorgt. Eine Umdrehung reicht, danach ist die Platte sauber, trocken und spielbereit. An dem Ergebnis des Prozesses habe ich absolut nichts auszusetzen. Den Antistatikarm brauche ich meist nicht, Probleme mit Elektrostatik habe ich mit der „Professional“ praktisch nicht. Die beschriebene Prozedur reicht in 90 Prozent aller Fälle für eine normal verschmutzte Platte oder auch eine solche, die frisch aus der Fertigung kommt – Sie wissen bestimmt, dass gerade die in den seltensten Fällen wirklich sauber sind und freuen sich über eine Wäsche zu Beginn. Hartnäckigere Fälle erfordern ein- oder mehrmaliges Wiederholen der Prozedur. Ein „Einweichen“ der Platte, will sagen: man lässt das Reinigungsmittel länger auf der Platte und dehnt den eigentlichen Waschvorgang deutlich aus, hat sich bei mir nicht bewährt: Wenn der Dreck nach ein paar Umdrehungen nicht herunterkommt, dann tut er’s auch nach ein paar Minuten nicht ohne Weiteres. Außer Frage steht allerdings, dass die Double Matrix Professional letztlich vor keiner verschmutzten Platte kapituliert. Auch nass abgespielte Scheiben sind mit ihr wieder in Topform zu bringen, mit maximal zwei Durchgängen sind die Rückstände des Nassfahrmittels Geschichte – auch wenn es viele Jahre lang auf der Platte überdauert hat. Als etwas optimistisch allerdings hat sich das mit der Plattenwäsche in nur einer Minute herausgestellt. Prinzipiell geht das, aber mehr als eine „Katzenwäsche“ ist so nicht drin. Für eine durchschnittliche Wäsche würde ich eineinhalb bis zwei Minuten veranschlagen, was immer noch als sehr zügig zu bezeichnen ist. Stabilität und Verarbeitung der Maschine sind dabei über jeden Zweifel erhaben, so dass sie den Namenszusatz „Professional“ absolut zu Recht trägt. Zum Lieferumfang gehören zudem reichlich Ersatz-Mikrofaserlippen, denn die leben nicht ewig. Der Austausch ist kein Problem, das Nachfüllen der Waschflüssigkeit – Clearaudio empfiehlt das hauseigene (augenscheinlich alkoholhaltige) Mittel namens „Pure Groove“ - auch nicht, ein Trichter liegt bei. Was mich auch bei der Double Matrix Professional nicht recht überzeugt, ist das System zum Entfernen der verbrauchten Waschflüssigkeit: Der Behälter dafür mündet in einem mit einem Stopfen verschlossenen Silikonschlauch, der hinten aus der Maschine hängt. Von Zeit zu Zeit muss man da einen Behälter unterstellen und die Maschine so entleeren. Das System gibt’s bei vielen Geräten auch anderer Hersteller, aber sehr elegant finde ich das nicht. Den letztlich blitzblanken Eindruck der Smart Matrix Professional indes vermag das allerdings nicht zu schmälern.

Fazit

Die sicherlich beste Waschmaschine, die Clearaudio bis jetzt gebaut hat. Die robuste und langlebige Konstruktion zeugt von viel Erfahrung mit dem Metier und macht auch im Wohnzimmer eine gute Figur. Ach ja: prima sauber machen kann sie auch.

Preis: um 2500 Euro

Schallplatten Waschmaschinen

Clearaudio Double Matrix Professional


05/2011 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Plattenwaschmaschine 
Vertrieb Clearaudio, Erlangen 
Telefon 09131 59595 
Internet www.clearaudio.de 
Garantie
Ausführungen Alu silber 
B x H x T (in mm) 410/275/385 
Gewicht (in Kg) 7.4 
Unterm Strich... » Die sicherlich beste Waschmaschine, die Clearaudio bis jetzt gebaut hat. Die robuste und langlebige Konstruktion zeugt von viel Erfahrung mit dem Metier und macht auch im Wohnzimmer eine gute Figur. Ach ja: prima sauber machen kann sie auch. 
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Autor Holger Barske
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Datum 12.05.2011, 11:20 Uhr
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