Kategorie: Stromversorgung Hifi

Einzeltest: MFE P16C


Strom vom Feinsten

Zubehör HiFi MFE P16C im Test, Bild 1
18753

Klar, man kann seine HiFi-Komponenten auch einfach so in die Steckdose stöpseln und sich nicht weiter darum kümmern, womit die Geräte dann versorgt werden. Sollte man aber nicht

Eigentlich wissen Sie das schon, aber so richtig haben Sie die Notwendigkeit noch nicht eingesehen, Ihrer Netzversorgung auf die Sprünge zu helfen. Warum auch, Ihre Anlage spielt klasse, sie hat ja auch genug Geld gekostet. Und von Störungen können Sie beim besten Willen nichts feststellen. Wenn Sie wüssten. Wenn Sie auch nur eine Ahnung hätten, was sich in der heutigen Zeit alles am armen 230-Volt-Sinus vergreift, bevor er am Ort seiner Bestimmung landet. Spätestens seitdem die Versorgung so ziemlich aller Netzverbraucher in der Hand von Schaltnetzteilen der meist günstigen Art liegt, ist es mit der Ruhe für unsere Netzspannung vorbei. Das Problem ist, dass man es hier mit einem Problem zu tun hat, dessen Existenz man gar nicht wahrnimmt.
Zubehör HiFi MFE P16C im Test, Bild 2Zubehör HiFi MFE P16C im Test, Bild 3Zubehör HiFi MFE P16C im Test, Bild 4Zubehör HiFi MFE P16C im Test, Bild 5Zubehör HiFi MFE P16C im Test, Bild 6Zubehör HiFi MFE P16C im Test, Bild 7
Erst der Vergleich zu einer im wahrsten Sinne des Wortes „bereinigten“ Situation bringt den Erkenntnisgewinn. Eine besonders konsequente Lösung für alle Probleme rund um die Netzversorgung einer HiFi-Anlage stammt vom niederrheinischen Elektronikspezialisten MFE, die Abkürzung steht für „Michael Franken Elektronik“ – richtig, das ist der Firmengründer und Chef. Normalerweise in Sachen Röhrenverstärker unterwegs, ist Michael Franken sich der Bedeutung einer ungestörten Netzversorgung bewusst und hat deshalb den „Power Conditioner P16C“ gebaut, der das Thema gründlich ad acta legt. Das Vegnügen ist allerdings kein ganz billiges und will mit 10.900 Euro entlohnt werden. 



Dafür gibt‘s ein ziemlich schwergewichtiges (22 Kilogramm) Gerät im klassischen HiFi-Geräte-Format mit Anschlussmöglichkeiten für zwölf Verbraucher auf der Rückseite. Diese sind in drei Gruppen unterteilt: Vier Dosen sind für Großstromverbraucher – in aller Regel Voll- und Endverstärker – vorgesehen, vier weitere für analoge Kleinverbraucher und die letzten vier für Digitalkomponenten. Die Ausgänge einer Gruppe werden unterschiedlich bedient und gefiltert, dazu kommen wir noch. Was den P16C von den allermeisten Netzaufbereitern unterscheidet, ist seine Fähigkeit zur aktiven Stabilisierung der Ausgangsspannung. Innerhalb gewisser Grenzen – der Hersteller gibt einen Regelbereich von rund 24 Volt rund um die Eingangsspannung an – ist das Gerät in der Lage, die Ausgangsspannung erstens sinusförmig und zweitens auf normgemäßen 230 Volt zu halten. Alle klassischen Filterlösungen am Markt sind passiver Natur und damit geht so etwas nicht. Der technische Ansatz, den Michael Franken bei der Realisierung seines Gerätes verfolgt hat, ähnelt ein bisschen dem von PS Audio: Auch deren „Power Plants“ bemühen eine analoge Verstärkerschaltung, um die Netz-Ausgangsspannung in Form und Höhe konstant zu halten. Bei MFE gibt‘s zu diesem Zweck eine spezielle Schaltung im Gerät, deren Ausgangsspannung gewissermaßen auf die Netzspannung addiert wird. 



Je nach Höhe, Kurvenform und Phasenlage dieses Korrektursignals lässt sich damit genau das gewünschte „Summensignal“ einstellen. Die Idee ist gut und absolut richtig, vermeidet sie doch den Aufwand der kompletten Neuerzeugung der ausgangsseitigen Spannungen, wie sie zum Beispiel bei Stromtank betrieben wird. Beim MFE ist keine schaltende, sondern eine klassisch analoge Verstärkerelektronik für den Job zuständig. Mit der Begrenzung des „Korrekturvermögens“ auf ein vernünftiges Maß lassen sich die zu verarbeitenden Leistungen in einigermaßen erträglichen Regionen halten. Trotzdem ist das Gerät mit satten 3500 VA belastbar – mehr gibt die Steckdose zu Hause auch nicht her. Zur Überprüfung der Wirksamkeit der Regelung gibt‘s auf der Gerätefront ein kleines beleuchtetes LC-Display, das abwechselnd die Kurvenform von Ein- und Ausgangsspannung anzeigt. Mitunter ist es erstaunlich, welche „Verbiegungen“ die eingangsseitige Spannung mit sich bringt. Ich habe jedoch keinen Fall erlebt, in dem der P16C nicht in der Lage gewesen wäre, das nicht in einen absolut blitzblanken Sinus zu verwandeln. Weil wir gerade auf der Gerätefront sind: Da gibt‘s noch ein paar Anzeigeelemente. Vier Leuchtdioden zeigen an, ob die vier Hochstrom-Steckdosen freigeschaltet sind. Das ist von daher nicht selbstverständlich, weil jene erst rund zehn Sekunden nach dem Einschalten des Gerätes nacheinander verzögert in Betrieb genommen werden. Das erlaubt den Anschluss mehrerer, auch massiver Endverstärker ohne entsprechende Einschaltstrombegrenzung, die besorgt der P16C nämlich gleich mit. Sie wollten schon immer mal ein paar der legendären dicken Crown-Monos aus den Siebzigern an Ihrer Anlage ausprobieren? Bitte sehr – das hier ist eine der ganz wenigen Möglichkeiten, so etwas an einer Haushaltssteckdose in Betrieb zu nehmen. Apropos Einschalten: Dafür gibt‘s den großen Wippschalter auf der Gerätefront. Der hat drei Positionen, neben „Aus“ gibt‘s eine Stellung für manuelles Einschalten und eine für fernbedientes. Ein entsprechender Geber in Form eines robusten Aluminiumklotzes gehört zum Lieferumfang. Beim Anschluss des Gerätes wird man zur Disziplin gezwungen: Ist der Netzstecker nicht richtig gepolt, leuchtet die rückseitige Phasenkontrolllampe und das Gerät schaltet nicht ein. Es merkt auch, wenn keine technisch korrekte Erdung vorhanden ist, und verweigert dann ebenfalls den Dienst – löblich. Eine Filterung der Ausgangsspannung funktioniert nur dann gut und ohne dynamische Einbußen beim Klang der angeschlossenen Geräte, wenn die Filterung zur angeschlossenen Last passt. Deshalb gibt‘s hier drei Gruppen à vier Steckdosen, die werden nämlich diesbezüglich unterschiedlich bedient und außerdem voneinander isoliert – wer will schon die etwaigen Rückwirkungen des Schaltnetzteils des Streamers in seine Phonovorstufe eingespeist bekommen. 



Und auch das war‘s noch nicht: Etwaigen Gleichstrom entfernt der P16C auch gleich aus der Ausgangsspannung. Da genügen nämlich bereits sehr geringe Anteile, um Netztrafos zu unerfreulichem mechanischen Brummen anzustiften. Kann hier nicht passieren. Nach dem Lösen einer Vielzahl von Schrauben lässt sich der schwarz gepulverte Stahldeckel des Gerätes abnehmen. Neuerdings gibt‘s die Maschine übrigens auch als „Signature Edition“ in drei anderen Farben. Champagner-Gold kostet Aufpreis – für die Kombination mit Sie-wissen-schon. Im Geräteinneren kommt reichlich Aufwand zum Vorschein. Die zentrale Komponente ist eingewaltiger vergossener Doppeltrafo, der die Betriebsspannung für den Korrekturverstärker liefert. Jener besteht aus einem massiven Kühlkörper mit acht Leistungshalbleitern am rechten Rand, ein Platinenstapel davor besorgt die Ansteuerung. Ganz links sitzt eine weitere Platine mit diversen Hochstromrelais, das dürfte die Einschaltstrombegrenzung sein. Die Filterkomponenten und der Gleichspannungsblocker sind auf Platinen direkt hinter den Steckdosen untergebracht. Jetzt muss das Ganze nur noch tun, was es verspricht, und wir haben einen weiteren heißen Kandidaten in der Kategorie „Netzversorgung kompromisslos“ zu notieren. Haben wir – und wie. Ich habe spaßeshalber mal die sicherlich in jeder Hinsicht kompromisslose Accuphase-Verstärkerkombi C-2450/A-48 nebst Phonovorstufe und Plattenspieler an das Gerät geklemmt und war wieder einmal verblüfft, wie viel klangliche Verbesserung eine solche Lösung zu liefern imstande ist. 



Die Effekte bewegen sich in Art und Umfang ziemlich genau auf dem Niveau, die der PS Audio P10 auch zu verursachen in der Lage ist: deutlich gesteigertes Auflösungsvermögen, feinere Texturen, größere Räume und bessere Lokalisation – ganz erstaunlich. Probieren Sie das mal in aller Ruhe an der heimischen Anlage – ich versichere Ihnen, der Weg zurück wird ein steiniger.

Fazit

Der MFE-Netzaufbereiter reißt zwar ein großes Loch in die Hobbykasse, ist aber eine Investition fürs Leben und entschädigt mit deutlichen klanglichen Verbesserungen in allen feineren Disziplinen des Hörens.

Preis: um 10900 Euro

Stromversorgung Hifi

MFE P16C


11/2019 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Preis: ca. 10.900 Euro 
Vertrieb: MHW Audio, Sonthofen 
Telefon: 08321 6078900 
Internet: www.mhw.audio.de 
Garantie (in Jahre):
B x H x T: 483 x 150 x 364 mm 
Gewicht: ca. 22 kg 
Unterm Strich ... Der MFE-Netzaufbereiter reißt zwar ein großes Loch in die Hobbykasse, ist aber eine Investition fürs Leben und entschädigt mit deutlichen klanglichen Verbesserungen in allen feineren Disziplinen des Hörens. 
Neu im Shop

ePaper Jahres-Archive, z.B. LP

>>als Download hier
Holger Barske
Autor Holger Barske
Kontakt E-Mail
Datum 13.11.2019, 15:00 Uhr
336_21360_2
Topthema: Mundorf präsentiert:
Berliner_Lautsprecher_1648810181.jpg
Lautsprecher-Berlin Studio AMT

Das haben wir nicht so oft: Ein genau geführtes Protokoll eines Entwicklers von der Konzeption bis hin zum fertigen Lautsprecher. Bei der „Studio AMT“ von Lautsprecher Berlin haben wir die Gelegenheit, den Gedanken der Entwickler vom Reißbrett bis in den Hörraum zu verfolgen

>> Mehr erfahren
Dipl.-Phys. Guido Randerath - Ressort Heimkino und Car Hifi
Dipl.-Phys.
Guido Randerath
Ressort Heimkino und Car Hifi
Heimkino 4/2022

In der neuen HEIMKINO haben wir die Freude, Ihnen einige der besten Fernseher präsentieren zu dürfen, die derzeit erhältlich sind.
>> Alles lesen

Elmar Michels - Ressort Car Hifi
Elmar Michels
Ressort Car Hifi
Car&Hifi 3/2022

Sonnenschein und Frühling? Genau passend dazu gibt es hier die CAR&HIFI 3/2022 mit unserem alljährlichen Frühjahrs-Spezial. Auf 15 Extraseiten präsentieren wir die spannenden Highlights der Saison. Bereits im Test haben wir in dieser Ausgabe drei DSP-Endstufen und einen High-End-DSP für Klangfreaks. Also sofort runterladen und lesen!
>> Alles lesen

Holger Barske - Ressort<br>High-End
Holger Barske
Ressort
High-End
LP 3/2022

Jetzt on- und offline über alle bekannten Kanäle verfügbar: Die Ausgabe 03/22 der LP, unserem Magazin für die analogen Belange des Musikhörens.
>> Alles lesen

Thomas Schmidt - Ressort Hifi
Thomas Schmidt
Ressort Hifi
HiFi Test TV HiFi 3/2022

Allen Krisen zum Trotz - und man spürt förmlich den Willen und die Energie, die dahinter steckt - will die Branche wieder ans Licht, im wahrsten Sinne des Wortes.
>> Alles lesen

kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 16.98 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 11 MB)
Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages