Der Test der grandiosen Standbox Ceterra 70R liegt nun auch schon wieder über ein halbes Jahr zurück. Der Trennungsschmerz ist überwunden, da kommt ein neuer Inklang-Subwoofer des Wegs. Und auch der ist zum Verlieben.
Subwoofer sind bei der in Hamburg ansässigen Lautsprecher-Manufaktur Inklang nicht neu im Programm. Den Ayers Sub Wireless HD gibt es schon recht lange. Es gab aber bisher keine kompaktere, schmalere Lösung für Menschen, die den ausgewachsenen Ayers Sub nicht stellen können. Ende letzten Jahres konnte man den Sub Slim, so heißt die wohnraumfreundlichere „Fast-Neuheit“, zumindest schonmal sehen, auf den Süddeutschen HiFi Tagen in Stuttgart. Mittlerweile kann man ihn auch kaufen. Und während seine feine Technik immer gleich ist, kann er optisch umfangreich an den eigenen Geschmack angepasst werden.
Konfiguration
Eine Sache, die Inklang von Anfang an auszeichnete, ist nämlich die Möglichkeit, die Modelle zu konfigurieren. Angefangen bei den Farben.
Für das mehrfach versteifte HDF-Gehäuse des Sub Slim stehen zehn Farben zur direkten Auswahl, hinzu kommt gegen einen moderaten Aufpreis jede RAL-Farbe (bitte Farbcode bereithalten). Dann entscheidet man sich für ein mattes, ein seidenmattes oder ein glossy Finish. Farbe abgehakt. Beim Sub sind dann Bodensockel und Standfüße dran. Beide gibt es in Silber und Schwarz, die Füße zudem fix oder in der Höhe verstellbar. Auf Wunsch wird ein Stromkabel mitgeliefert, bis zu fünf Meter Länge bietet Inklang an (ohne Aufpreis). Wer eine besondere Bindung zu seinem Produkt aufbauen will, oder wer ein bisschen mehr technischen Hintergrund sucht, kann für 199 Euro die Manufaktur in Hamburg aufsuchen und unter Anleitung die Montage selbst vornehmen (und auf Wunsch nach getaner Arbeit ein Glas Champagner schlürfen). Sicher eine schöne, vielleicht unvergessliche Sache. Was beim Subwoofer wegfällt ist die Frage nach der technischen Ausführung. Die Wahl zwischen passiv und aktiv hat man nur bei den Lautsprechern, Subwoofer von Inklang sind immer aktiv. Das ist nur konsequent, anders ließe sich ja auch der Königsweg, der kompromisslose Wireless-Betrieb aller Inklang-Komponenten, nicht umsetzen.
Technik
„Wie, nur 230 Watt!? Bei Hersteller XY bekomme ich fürs gleiche Geld Tausend Watt!“ Ein nicht unwahrscheinlicher Gesprächs einstieg in die Beratung. Und ja, andere Hersteller setzen auf wesentlich mehr Leistung. Und ich frage mich, warum? Klar, wer ein richtig großes Heimkino beschallen möchte, der braucht mehr Leistung als ein Wohnzimmer- oder Hörraum-Hörer. Aber in den allermeisten Fällen sind 230 Watt ausreichend. Unser Hörraum hat 62 qm, hier entstand nie der Eindruck, dass der Subwoofer zu wenig Leistung hat. Thomas Carstensen, der Kopf hinter Inklang, legt viel mehr Wert auf Präzision. Das Fundament, das der Subwoofer legt, soll so präzise und sauber wie möglich sein. Dennoch richtet sich der Sub Slim an Musik- und Filmfans gleichermaßen und bietet über einen rückseitigen Schalter drei Modi an: Home Theater, Hifi und Flat (EQ aus). Ich bin in Sachen Bass grundsätzlich der zurückhaltende Typ und habe den Ayers Sub Slim fast die ganze Zeit in Flat, also ohne Anhebungen, betrieben. Die Unterschiede durch Heimkino und HiFi sind sofort hörbar, und je nach Album machen sie auch mehr Spaß. Aber wenn ich mir nur einen Modus aussuchen müsste, ich würde Flat nehmen.
Pascal-Endstufe und Wireless-Modul
Nebenbei hat diese Zurückhaltung bei der Leistung und die Konfiguration der Endstufe den Vorteil, dass der Subwoofer nicht schon bei Linksanschlag zu laut ist, was bei sehr leistungsstarken Subwoofern schonmal vorkommt. Ein vernünftiges Einpegeln wird bei solchen Modellen dann nur durch Pegelminderer in den Cinch-Eingängen des Basslieferanten möglich. Eigentlich Unsinn. Übrigens: Der Subwoofer von Symphony spielt aus genau demselben Grund leistungstechnisch in einer sehr ähnlichen Liga: 250 Watt. Also lassen Sie sich davon nicht irritieren. Die Leistung stellt beim Ayers Sub Slim eine Klasse-D-Pascal-Endstufe bereit. Diese Verstärkermodule sind bei vielen namhaften Herstellern im Einsatz (auch in Hifi geräten) und extrem gut beleumundet. Und nach meinen zahlreichen Gesprächen mit Thomas Carstensen weiß ich, dass er seit Jahren tief im Thema steht und in Sachen Elektronik schlicht keine vermeidbaren Kompromisse macht. Die Treiber, die die Pascal-Endstufe versorgt, sind zwei 18-cm-Langhub-Treiber. Und die zusammen bewegen reichlich Luft. Bei Inklang legt man großen Wert auf kabellose Verbindungen. Damit der Ayers-Subwoofer hier mitspielen kann, verfügt er wie die Lautsprecher über ein integriertes Wireless-Modul nach Kleernet-Standard. Das ist sozusagen Bluetooth für Highender, aber eben kein BT, sondern digitaler Funk mit 5,8 GHz. Die Übertragung ist sowohl unkomprimiert als auch verlustfrei und bietet echtes High-Res-Audio mit bis zu 192 kHz/24 Bit.
Betrieb
Viele Einstellmöglichkeiten, alle nützlich: Der Inklang Ayers Sub Slim ist absolut praxisgerecht ausgestattet
Die Rückseite lädt zum Rumspielen ein. Von oben nach unten wählt man zunächst den Power Mode. Entweder ist der Subwoofer konstant in Betrieb oder er schaltet sich automatisch ein, wenn ein Signal anliegt. Nach 20 Minuten ohne Signal, schaltet er sich ab. Bei Input select wählt man zwischen den Analogeingängen und dem Wirelessbetrieb (nur in Verbindung mit der Inklang Streaming-Vorstufe HD 10 Stream Connect!). Unter der Bezeichnung Filter finden sich rückseitig zwei Schalterpositionen: Bypass und on. Wenn man einen AV-Receiver oder einen Verstärker nutzt, der ein eigenes Bassmanagment hat, dann wählt man Bypass. In den meisten HiFi-Anwendungen wird der Schalter aber auf on stehen. Unter EQ finden sich die bereits erwähnten Klangmodi Flat, HiFi und Heimkino. Als nächstes gilt es, den Hochpass einzustellen, also die obere Grenzfrequenz der Basswiedergabe (45 bis 200 Hz). Die sollte je nach Größe der Hauptlautsprecher in der Regel zwischen 60 und 100 Hz liegen. Hier muss man ein wenig ausprobieren. Gleiches gilt für die Einstellung der Phase. Die dient dazu, zeitliche Versätze zwischen Sub und Lautsprechern auszuschalten , die zu diffusem Bass führen können. Die Anleitung erklärt das Einstellen gut, sehr empfehlenswert ist es, dabei eine zweite Person zu haben, die den Phasenregler beim Hörtest bedient. Eine App gibt es nicht, ebenso keinen DSP, wie ihn viele Mitbewerber bieten. Dahinter steht kein Sparzwang, sondern der Gedanke, dass eine Raumeinmessung idealerweise alle Boxen einbeziehen sollte und nicht nur den Bass, um zu idealen Ergebnissen zu kommen. Mit den möglichen Einstellungen und nach meiner Erfahrung mit dem Ayers Sub Slim denke ich, man kann gut auf eine Einmessung oder Ähnliches verzichten. Jeder Subwoofer sollte Ecken meiden, und idealerweise zwischen oder neben den Hauptlautsprechern stehen.
Hörtest
Der Hersteller empfiehlt, den Subwoofer 15 Stunden einzuspielen, ich denke aber, dass man da keinen Unterschied hört, denn ein Subwoofer hat zwar großen Einfluss auf den Klang einer Anlage. Beim Einspielen sind aber eher keine großen Entwicklungen zu hören, wie es sie manchmal bei Lautsprechern gibt. Die klingen häufig nach dem Auspacken müde oder schrill, was sich nach ein paar Betriebsstunden legt. Wir erhielten das Test-Exemplar von einer anderen Redaktion, sodass der Sub Slim sich bei uns einfach nur akklimatisieren musste. Und dann ging der Hörtest los.
Als Wireless-Spielpartner standen uns ein Paar Ayers One sowie ...
... der HD 10 Stream Connect Streamingvorverstärker zur Verfügung
In mehreren Variationen, denn wir hatten zusätzlich zum Subwoofer einen HD 10 Stream Connect und eine aktive Kompaktbox vom Typ Ayers 1 zur Hand. So ließen sich zwei Dinge unmittelbar feststellen: Das Ganze System wireless zusammenspielen zu lassen, inklusive Paaren, war ein Kinderspiel. Und egal, wie oft ich die Anlage ein- und ausgeschaltet habe, immer klappte die Verbindung auf Anhieb und der Musikgenuss konnte sofort starten. Nun sind Subwoofer-Hörtests so eine Sache. Denn einerseits hört man sie, andererseits ist es ein wenig langweilig, ihren „Klang“ zu beschreiben. Klar man hat im Bassbereich deutlich mehr Reserven, die bei hohen Pegeln selbst Standlautsprecher spürbar entlasten. Und wenn die Hauptlautsprecher keinen Bass produzieren, dann ist der Zugewinn naturgemäß enorm. Eine richtige Klangbeschreibung ist jedoch schwierig. Vermutlich ist bei den meisten der erste Reflex der, den Subwoofer mit basslastiger Musik oder mit besonders tiefen Tönen zu testen. Und ja, das kann man machen. Also Trentemøllers „The Last Resort“ eingelegt und „Vamp“ gestartet. Hier stehen eher kurze Impulse in Form eines Beats und länger anhaltende und in der Frequenz variierende Töne nebeneinander. Schwere Kost für Lautsprecher und siehe da: Mit Subwoofer klingt es viel lockerer und gleichzeitig deutlich souveräner. Der Bass reicht spürbar tiefer hinab und ist zudem farbig und, ja, irgendwie sehr durchhörbar. Das ist immer wieder beeindruckend, was ein Subwoofer addiert. Fast noch wichtiger ist es, zu hören, wie ein Subwoofer mit der Alltagsmusik umgeht, die man so die meiste Zeit über hört. Also die Alben, die wir regelmäßig auflegen und vielleicht auch lieben. Und auch wenn diese Musik keine besonders hohen Ansprüche an die Basswiedergabe stellt, so profitiert die Wiedergabe dennoch von der Unterstützung und Entlastung. Die Wiedergabekette besteht jetzt aus dem Inklang Ayers Sub Slim, dem Vollverstärker Advance Paris A10 APEX (2/26) und der wunderbaren Wharfedale Denton 1S (5/26), es läuft Muff Potters „Taliban Of The Week“ vom neuen Album „Klepto“. Besonders tief geht es hier nicht zu, was den Ayers aber nicht stört. Er ist deutlich wahrnehmbar und erweitert das Fundament und scheint sogar die Rhythmik deutlicher zu machen. Das ist einfach cool. Der Sub Slim tut aber noch mehr: Er addiert Rauminformationen, was zu einer erweiterten Räumlichkeit führt, selbst bei nicht so gut klingenden Alben wie diesem. Sorgfältig produzierte Alben aus dem Bereich Klassik und Jazz, aber auch gut klingende Popmusik zeigen diesen nicht zu unterschätzenden Aspekt der Nutzung eines Subwoofers noch deutlicher. Und zwar teilweise in einem Maße, das jeden Musikfan begeistern wird. Es ist also so, dass selbst diejenigen, die denken, sie brauchen keine Tiefbassunterstützung, von einem Subwoofer profitieren. Ich halte es sogar für ratsam, dass man erstmal einen Subwoofer ausprobieren sollte, bevor man neue Lautsprecher kauft. Vielleicht reicht das ja (erstmal). Zum Schluss noch ein Lieblingslied: „On The Bound“ von Fiona Apple. Ein im Bass dick produzierter, sehr rhythmusbetonter Song mit coolem, sattem Groove. Und über den Ayers Sub Slim nichts weniger als eine kleine Bass- und Drive-Offenbarung, so konturiert, so sauber und mit so viel Druck und Kraft, dass man eigentlich ohne Subwoofer gar nicht mehr hören mag.
Filterflanken + Trennung + Pegel: Der flache Inklang Subwoofer zeigt vor dem Messmikrofon den typischen Amplitudenfrequenzgang eines geschlossenen Subwoofers. Wegen des reichlich bemessenen Volumens zeigt er eine flach zu tiefen Frequenzen abfallende Flanke, so dass er auch wandnahe oder gar Ecken-Aufstellung nicht so übel nimmt. Der zuschahltbare Equalizer hebt in HiFi-Stellung dezent um ca. 2,5 db um 45 Hz an, die Stellung Home Theater gibt deutlicher Gas, nämlich um die 6 dB bei 40 Hz. Die beiden Basstreiber im Boden kommen zusammen ungefähr auf die Membranfläche eines 25 Zentimeter Woofers, daher wundert es nicht, dass der Inklang kräftig schiebt, wenn es gefordert ist. Unsere Messungen zeigen bis 105 einen linearen Schalldruckzuwachs, erst 5 dB lauter beginnt der Woofer im Tiefbass etwas zu komprimieren. Dies wäre sogar für einen 25er respektabel, wir sind mit den Reserven bei Inklang sehr zufrieden.
Fazit
Der Inklang Ayers Sub Slim ist ein absolut überzeugender Subwoofer mit sehr guter Ausstattung und besten Messwerten. Seine Bedienung ist wunderbar unkompliziert, der klangliche Zugewinn kann sehr groß sein. Warme Empfehlung!
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