Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Transrotor Figaro


Der richtige Schnitt

Tonabnehmer Transrotor Figaro im Test, Bild 1
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Die letzten Namensgebungen neuer Laufwerke aus dem Hause Transrotor haben es ja schon angedeutet: Man orientiert sich an der klassischen Musik – für den neuen Spitzentonabnehmer stand niemand Geringerer als Wolfgang Amadeus Mozart Pate


Genau genommen ist es seine Oper „Die Hochzeit des Figaro“, nach der das MC-System aus Bergisch Gladbach benannt wurde. Vom Sujet her eine klassische Opera Buffa mit den üblichen Verwechslungs-, Liebes- und Eifersuchts- Spielen, die Ende des 18. Jahrhunderts so in Mode waren, und doch aus der Person des Komponisten heraus musikalisch so viel tiefgründiger und vielschichtiger als alle seine Zeitgenossen. Man ist ja als junger Einsteiger in die klassische Musik gerne versucht, Mozart als oberflächlich perlend und seicht abzutun – ein gerne begangener Irrtum, den Meister auf seine einmalige Eleganz im Umgang mit kompositorischen Konventionen zu reduzieren.

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Der Blick unter die polierte Oberfläche, den man im reiferen Alter einmal wagt, zeigt gefährliche Strömungen, Zerrissenheit und Leidenschaft, die einfach nur faszinierend, manchmal sogar erschreckend sind – es ist aber immer mehr da, als der erste Ohrenschein suggeriert. Hier ist es an der Zeit, die Kurve zu Transrotor zurück zu bekommen – vielleicht über das glänzende Äußere. Perfekt polierte Aluminium-Oberflächen sind ja eines der Markenzeichen Transrotors – und wie bei Mozart tut man gut daran, sich nicht nur auf diese äußerliche Perfektion zu kaprizieren. Die eleganten Plattenspieler wurden in Jahrzehnten technisch immer weiter entwickelt und konnten uns immer wieder nicht nur mit ihrer klanglichen Perfektion, sondern auch mit Kraft und Dynamik überzeugen – die hohe Kunst der Einheit von Form und Inhalt. Und konnte man für ein Transrotor-Spitzenmodell auch sechsstellige Beträge ausgeben und ist man als Deutschlandvertrieb von SME auch in Sachen Tonarme mehr als gut aufgestellt, so gab es doch bisher einen wunden Punkt in Sachen Tonabnehmer. Nicht, dass die bisher angebotenen Modelle schlecht gewesen wären: Gerade mit dem Merlo und dem Merlo Reference habe ich schon viele Stunden extrem zufrieden Musik gehört – nicht wegen einer hervorstechenden Eigenschaft, sondern weil sie in all ihrer Farbpracht so homogen sind. Dennoch: Ein richtig eigenes System war da nicht dabei, basieren doch alle bisherigen Transrotor-Systeme auf einem entsprechenden Tonabnehmer von Goldring – nicht die schlechteste Adresse, aber eben nichts Eigenständiges. Und so haben sich die Räkes schon vor drei Jahren daran gesetzt, ein eigenes Tonabnehmersystem zu entwickeln, das ihren Vorstellungen von Klang entspricht und darüber hinaus ein kongenialer Spielpartner auch für ihre besten Laufwerke sein soll. Vor allem Jochen Räke war diese Entwicklung eine Herzensangelegenheit – jedes Mal, wenn ich ihn in den letzten eineinhalb Jahren gesehen habe, erzählte er mir vom aktuellen Stand der Dinge, bis er mir dann eines Tages den ersten Prototypen unter die Nase hielt. Gucken war erlaubt, anfassen oder gar behalten nicht, da half kein Bitten und Betteln. Und nach ein paar letzten Änderungen war der Patron dann zufrieden. Was haben wir jetzt also bekommen? Nun, natürlich hat der Laufwerks-Spezialist Transrotor jetzt nicht angefangen, eine eigene Tonabnehmerfertigung aus dem Boden zu stampfen – dafür hat man ja die Spezialisten bei Goldring. Tatsächlich ist dort aber ein Mann für die Fertigung der Figaros zuständig – der Teile seiner feinen Handwerkskunst während der High End 2014 am Transrotor-Stand demonstrieren durfte. Angesichts seines für einen Tonabnehmerbauer noch recht jugendlichen Alters brauchen wir uns auch keine Sorgen bezüglich der Zukunftssicherheit zu machen. Das Figaro kommt standesgemäß in einem Glaszylinder mit Metalldeckel und -boden und nimmt auf diese Art und Weise die optischen Elemente der Transrotor-Laufwerke auf. Noch einmal geschützt wird das MC durch einen in insgesamt sechs in den Korpus eingefräste Führungen fixierten Nadelschutz. Die vordere Hälfte des Systems ist bis auf den Steg vor dem ersten Magnetjoch offen, so dass man bei aller Geheimniskrämerei um die Ingredienzien zumindest einen Blick auf den Generator erhaschen kann. Das Spulenkreuz ist wohl aus Kunststoff oder Keramik, ist auf jeden Fall nicht magnetisch, was die recht geringe Ausgangsspannung von nominell 0,25 mV erklärt. Ebenfalls dazu trägt die recht geringe Wicklungsanzahl bei, die sich aus dem Innenwiderstand von nur 5 Ohm ablesen lässt. Auf dem Aluminium Nadelträger sitzt ein sehr kleiner Diamant mit dem so genannten Vital Fine Line Nadelschliff – das klingt alles nach einer extrem geringen bewegten Masse. Peilt man seitlich am Generator vorbei, dann kann man ansatzweise erkennen, dass dieser nicht direkt im Korpus sitzt, sondern mit schmalen Isolierpads in Position gehalten wird. Bei einer Gesamtmasse von knapp unter 9 Gramm hat das Figaro eine Compliance von um die 15 mm/N und ist damit prädestiniert für den Einbau in mittelschweren Armen, mithin also das Gros der heute gebräuchlichen Arme. Vor allem aber geht das hervorragend in den von Transotor vertriebenen SME-Tonarmen, mit denen ich auch den Hörtest überwiegend bestritten habe. Und wie gut das geht: Vielleicht nicht vom Start weg, aber nach einer angenehm kurzen Einspielzeit spielt das Figaro absolut auf den Punkt. Ich will nicht behaupten, dass es noch viel tiefer hinunter oder höher hinauf geht als die kürzlich getesteten Systeme von Shelter, Phasemation oder Audio Exklusiv. Was das Transrotor aber ausmacht, ist der ungemein stabile Rahmen, den es um seine Breitbandigkeit zeigt, will heißen: Selbst an den Rändern des hörbaren Spektrums sind die Töne klar definiert und ansatzlos in der Umsetzung. Trockener und rabenschwarzer Bass geht einher mit einer wunderbar fein aufgelösten Hochtonwiedergabe. Dass es zwischen diesen Extremen technischer Sauberkeit gerne auch einmal emotional hoch hergehen kann, zeigt das Figaro zusammen mit „The Sugarhills“, einem Rockabilly- Duo, das auf Meyer Records ein amüsantes Feuerwerk humorvoll interpretierter Klassiker der Popgeschichte abbrennt. Ebenso dynamisch-emotional geht es in einer ganz anderen Richtung weiter: Kleibers Interpretationen der Beethoven- Symphonien 4, 6 und 7 bringen das Figaro in all ihrer Aufgewühltheit und rasanten Tempi nicht aus der Ruhe – der Tonabnehmer kann allen dynamischen Feinheiten ebenso schnell folgen wie den gemeinsten Attacken, die der Stichel in die Rille geschnitten hat. Beeindruckend dabei: Das Figaro behält auch bei rasanten Lautstärkeschwankungen immer das Händchen für das feine Detail – die atemberaubende Grobdynamik geht nie auf Kosten der leisen Nebenstimmen. Krönender Höhepunkt einer absolut gelungenen Hörsitzung mit dem Transrotor durfte dann natürlich die „Hochzeit des Figaro“ selbst sein, wo das neue Spitzenmodell seine technische Souveränität und seine mitreißende Spielfreude noch einmal in aller Pracht demonstrieren darf.

Fazit

Der Einstand von Transrotor in der Riege der Tonabnehmer-Entwickler ist ein durch und druch gelungener: Das Figaro bietet perfekte Ausgewogenheit in allen Lagen, gepaart mit einer anspringenden Dynamik und jeder Menge Musikalität. Weiter so!

Preis: um 2490 Euro

Tonabnehmer

Transrotor Figaro


05/2015 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Transrotor, Bergisch-Gladbach 
Telefon 02202 31046 
Internet www.transrotor.de 
Garantie (in Jahre)
Gewicht (in g)
Nadelschliff Vital Fine Line 
Compliance um 15 mm/N 
Ausgangsspannung ca. 0,25 mV 
Empfohlene Auflagekraft 20 mN (15 - 20 mN) 
Abschlussimpedanz 100 
Einspielzeit (ca in Stunden) 30 
Unterm Strich... » Der Einstand von Transrotor in der Riege der Tonabnehmer-Entwickler ist ein durch und druch gelungener: Das Figaro bietet perfekte Ausgewogenheit in allen Lagen, gepaart mit einer anspringenden Dynamik und jeder Menge Musikalität. Weiter so! 
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Datum 15.05.2015, 14:55 Uhr
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