Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: van den Hul The Crimson


Gar nicht hölzern

Tonabnehmer van den Hul The Crimson im Test, Bild 1
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Das Material, das uns immer wieder aufgrund seiner wie für speziell für Hifi gemachten Eigenschaften fasziniert, hat einen von allen anderen Stoffen nicht einzuholenden technologischen Vorsprung: Eine Entwicklungszeit von Milliarden von Jahren. Ich rede natürlich von Holz

Mitspieler


Plattenspieler:

 Linn LP12 mit Ekos II
 Transrotor Fat Bob S mit SME IV
 Denon DP-6700 mit Stax UA7

Phonoverstärker:

 iFi iPhono
 Quad Twentyfour P

Verstärker:

 Silbatone 300B
 Acoustic Masterpiece AM- 201
 Dartzeel NHB-18NS und NHB-108

Lautsprecher:

 Manger MSSp1
 K+T Minimonitor TS


Gegenspieler


Tonabnehmer:

 Phasemation PG-300
 Van Den Hul The Condor
 Linn Kandid  


Crimson heißt der neue Tonabnehmer aus dem Hause van den Hul – der Name hebt ab auf die rötliche Färbung einer der drei verschiedenen Holzarten, aus denen die komplette Trägereinheit des Systems gefertigt ist. Wohlgemerkt: Die ganze Trägereinheit – es handelt sich nicht einfach um ein durch einen Holzkorpus erweitertes „normales“ System.

Tonabnehmer van den Hul The Crimson im Test, Bild 2Tonabnehmer van den Hul The Crimson im Test, Bild 3Tonabnehmer van den Hul The Crimson im Test, Bild 4Tonabnehmer van den Hul The Crimson im Test, Bild 5Tonabnehmer van den Hul The Crimson im Test, Bild 6
Daneben gibt es noch die „Hightech-Variante“ mit dem bei van den Hul üblichen Polycarbonat- Träger. Das Gehäuse ist sauber gefräst – dass unser Exemplar etwas roh aussieht, hat vor allem etwas mit der Maserung zu tun, die parallel zur Rückseite des Crimson verläuft. Das Headshell und der Generator liegen also auf dem sogenannten Hirn- oder Stirnholz auf – dazwischen liegt so die größte Zug- und Druckfestigkeit. An dieser Stelle wäre es natürlich interessant zu vergleichen, inwieweit unterschiedlich ausgerichtete Maserungen klangliche Auswirkungen haben oder ob das Holzmaterial den entscheidenden Einfluss hat. Wie ich Aalt van den Hul kenne, hat er sich im Vorfeld damit ausgiebig auseinandergesetzt. Um Bedenken wegen der auf den Träger wirkenden Kräfte zu zerstreuen: Zur Montage wurden in die obere Platte zwei Gewindehülsen aus Messing eingeklebt – lediglich eingefräste Gewinde würden je nach Anzugsdrehmoment eher früher als später ausleiern. Insgesamt vier eingesetzte Hülsen lassen dem Anwender die größtmögliche Flexibilität bei der Montage. Der Generator selbst hat große Ähnlichkeiten mit dem der Spitzensysteme aus Holland, um nicht zu sagen: Es ist der Gleiche. Aber genau so eine Aussage ist ja bei van den Hul immer problematisch. Die nach wie vor einzeln handgefertigten Tonabnehmer können Stück für Stück persönlich angepasst werden, so dass es prinzipiell nichts gibt, was es nicht gibt, außer vielleicht eine MM-System mit sphärischem Nadelschliff. Scherz beiseite: Auch das Crimson besitzt einen starken Samarium-Kobalt-Magneten und dazu noch ordentlich Fleisch auf den Spulen, so dass eine ordentliche Ausgangsspannung von nominell 0,65 Millivolt herauskommt. Hierfür wird jeder dankbar sein, der eine MC-Vorstufe mit etwas geringerer Empfindlichkeit betreibt. Der Innenwiderstand der Spulen beträgt 13 Ohm – ein zweiter Hinweis darauf, dass ein paar Windungen mehr auf dem Trägerkreuz sind, als beispielsweise beim kürzlich getesteten DDT. Der Meister empfiehlt eine Tonarmmasse zwischen acht und vierzehn Gramm, während die Auflagekraft wie gehabt bei eineinhalb Gramm oder leicht darunter liegt. Auf dem sehr leichten Bor-Nadelträger sitzt der sehr leichte Diamant mit dem VdH-1S-Nadelschliff, der von der Schärfe her an den legendären ersten van-den- Hul-Schliff erinnert. Im Hörtest offenbart das Crimson dann – wie soll ich sagen – eine gnadenlose Hochtonauflösung, die aber dennoch gnädig ist. Hier arbeiten der extrem scharfe Nadelschliff auf der einen Seite und der Holzkorpus auf der anderen Seite gegen- und miteinander. Ohne es natürlich genau zu wissen, würde ich behaupten, dass das Crimson auf einem Metall- oder Grafit-Träger extrem sezierend spielen würde, während mit Holz trotz der extrem feinen Auflösung und Detailtreue eine freundliche Klangbalance gewährleistet ist. Und das ist mitnichten eine alles verbrämende Gutmütigkeit nach dem Motto „Hach ja, die gute alte Schallplatte ...“ Im Ernst: Wenn man sich nicht penibel um die Reinlichkeit des abzuspielenden Vinyls kümmern möchte, dann sollte man die Finger vom Crimson lassen – es wird Schmutz und Kratzer finden, verlassen Sie sich drauf. Sauberes Material vorausgesetzt, ist es aber auch in der Lage, zu Höhenflügen abzuheben, die man so noch nicht gehört hat. Und um einmal wegzukommen vom Hohelied der hohen Töne: Nach unten besitzt auch das Crimson eine erfreuliche Erdigkeit, die auch schon dem – allerdings deutlich günstigeren – DDT so gut zu Gesicht steht. Will heißen: Die atemberaubenden Hochtondetails gehen nicht einher mit Sterilität, sondern sind Teil einer durch und durch sympathischen Klangbalance, in der man herausragende Qualitäten zwar hören kann, aber durchaus nicht MUSS, weil man gar keine andere Wahl hat. Und auch im tiefsten Keller besitzt das vdH die Qualitäten, die einen richtig guten Tonabnehmer ausmachen: Profunde, grollende Bässe (man nehme nur eine beliebige Aufnahme des fliegenden Holländers oder wahlweise eine LP von Trentemoeller oder The Notwist), die immer straff bleiben. Robert Schumanns anspruchsvolles A-Moll- Klavierkonzert – gespielt von Helène Grimaud und der Staatskapelle Dresden unter Esa-Pekka Salonen – gerät so zu einem Feuerwerk an Hörvergnügen: Der Raum und die Größe des Orchesters werden ebenso punktgenau abgebildet wie der Flügel der Ausnahmesolistin. Auf der anderen Seite gelingt dem Crimson ein wundervoller Gesamtklang des Orchesters – ein Aspekt, den man ja vor lauter Akribie beim Hören oft vernachlässigt, aber der Begriff „Klangkörper“ kommt ja nicht von ungefähr – das Orchester ist immer ein atmendes, klingendes und lebendes Wesen. Und dies in meinem und Ihrem Hörraum in seiner ganzen Pracht und Virilität zu erwecken, ist eine Fähigkeit, die nur wenige Tonabnehmer haben. Das van den Hul Crimson kann es.  

Fazit

Das Material Holz macht aus dem mit einem extrem scharfen Nadelschliff ausgestatteten Crimson einen Allround- Tonabnehmer allererster Güte.

Kategorie: Tonabnehmer

Produkt: van den Hul The Crimson

Preis: um 4190 Euro


1/2014
 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb BT-Vertrieb, Erkrath 
Telefon 02104 / 175560 
Internet www.bt-vertrieb.de 
Garantie (in Jahre)
Gewicht (in g) 8.75 
Ausgangsspannung 65 mV (1kHz, 5cm/sek) 
Übertragungsbereich 5 Hz - 55 kHz 
Kanalabweichung bei 1kHz < 0,3 dB 
Kanaltrennung > 36 dB (1 kHz) 
Nadelschliff VdH 1S (2x85 Mikrometer Verrundungsradius) 
Nadelnachgiebigkeit (inµm/mN) n.a. 
Empfohlende Auflagekraft 15 mN (13,5 - 15 mN) 
Empf. Armmasse 8-14 g 
Innenwiderstand (in Ohm) 13 
Abschlussimpedanz (in Ohm) 25-200 Ohm (25 Ohm - 47 kOhm) 
Einspielzeit (ca in Stunden) 100 
Unterm Strich... » Das Material Holz macht aus dem mit einem extrem scharfen Nadelschliff ausgestatteten Crimson einen Allround- Tonabnehmer allererster Güte. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 10.01.2014, 14:51 Uhr
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  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
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