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Kategorie: Lautsprecherbausätze, Vintage Hifi

Einzeltest: Yamaha NS-590


Yamaha 3-Wege-Monitor

Lautsprecherbausätze Yamaha NS-590 im Test, Bild 1
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Ja, die gute alte Zeit: Yamaha war einmal eine ganz große Nummer in Sachen Hifi -Elektronik und hatte ein Sortiment von Geräten und Lautsprechern, das vom High End (das es damals noch nicht gab) bis tief hinein in den Studiobereich reichte

Vintage-Hifi -Freunden ist vor allem die alles überstrahlende und heute noch sehr gesuchte Yamaha NS-1000 ein Begriff. Diese in den Versionen NS- 1000 und NS-1000M angebotene Box gilt seit nunmehr gut 40 Jahren als eine DER Referenzen im Hifi - und Studiobereich, vor allem aufgrund der sagenumwobenen Beryllium-Membranen beim Mittel- und Hochtöner. Und eines muss man ja auch ehrlich zugeben: Damit war Yamaha fertigungstechnisch den anderen um Jahre voraus – erst in den letzten Jahren sind ja wieder vermehrt Beryllium- Hochtöner aufgetaucht. Ich muss aber zugeben: Ich persönlich bin mit der NS-1000 nie so richtig warm geworden – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Ich fand den Lautsprecher immer etwas unterkühlt bis an die Grenze des Unangenehmen – das mag natürlich an den einzelnen Paaren gelegen haben, die ich hören durfte und sicherlich kann man mit den Reglern den Frequenzgang etwas angenehmer gestalten – aber irgendwie empfand ich immer die NS-690 mehr als „meine“ Box: In Sachen Größe der 1000 sehr ähnlich, aber mit Gewebekalotten statt Beryllium. Die NS-690 ist darüber hinaus sehr neutral abgestimmt und „passte“ einfach gut in meine Hörumgebung. Kleine Anekdote am Rande: Ich habe mal die Chassis der NS-690 einzeln gemessen und die Daten samt Gehäuse in die Lautsprecher-Simulation „BoxSim“ eingepflegt – herausgekommen ist nach dem Optimierungsprozess exakt die Weiche, die die Konstrukteure von Yamaha damals entwickelt haben. Nun, irgendwann musste die NS-690 auch wieder gehen und andere Boxen sind gekommen – aber irgendwie habe ich sie immer ein bisschen vermisst.

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Als dann in einem Internet-Forum ein Pärchen Yamaha-Monitore angeboten wurden, von denen ich noch nie etwas gehört hatte, und das zu einem sehr attraktiven Preis, habe ich zugeschlagen. Abgewickelt wurde der Deal korrekt im McDonald’s auf einer Autobahnraststätte – mit den beiden Boxen ging es zurück.  

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Technik


Die NS-590 sind im Line-Up der großen Yamaha-Monitore ein etwas merkwürdiges Wesen. Preislich unterhalb der 690 und deutlich unter der 1000 angesiedelt, besitzen sie doch den exklusiven Beryllium- Hochtöner der NS-1000, also das Topmodell. Dieser Hochtöner war bestimmt zu seiner Zeit etwas ganz Besonderes und in Sachen Fertigungsqualität sehr weit vorne – aus heutiger Sicht muss man ihm doch ein paar Dinge ankreiden: So ist zum einen die obere Grenzfrequenz von 16-17 Kilohertz nicht einmal zu seinen Zeiten etwas Besonderes gewesen. Das Klirrverhalten ist im Einsatzbereich zwar gut, aber unterhalb von 3,5 Kilohertz möchte man ihn nicht einsetzen. Und dann gibt es, wohl aufgrund der Schalllinse vor der Kalotte, eine merkwürdige Überhöhung um 4 Kilohertz auf Achse. Allesamt gute Gründe, den Hochtöner erst deutlich oberhalb der 5-Kilohertz- Marke einzusetzen, wie es in der NS-590 (und auch in der NS-1000) geschehen ist. Darunter gibt es aber nicht etwa eine Kalotte, wie bei den meisten anderen Yamaha-Monitoren, sondern einen Konus- Mitteltöner, vergleichbar mit dem der JBL L-100. Es handelt sich hier um einen echten Mitteltöner, wie es sie heute fast nur noch im PA-Bereich gibt: Hohe Resonanzfrequenz, kräftiger Antrieb und eine leichte Membran mit einer großen, recht stark profilierten Dustcap, um auch höhere Frequenzen noch breit abzustrahlen. Das funktioniert recht gut, allerdings mit einem Nachteil: Membranresonanzen werden kaum bedämpft und fallen wegen des breitbandigen Einsatzes teilweise noch in den Übertragungsbereich – wie beim Hochtöner allerdings nur auf Achse, was die Annahme nahelegt, dass die NS-590 auf ein lineares Abstrahlverhalten unter Winkeln optimiert wurde. Das Klirrverhalten des Mitteltöners ist ab 700 Hertz exzellent – exakt die Trennfrequenz übrigens. Zu guter Letzt folgt der Tieftöner: Ein ausgewachsener Zwölfzöller ganz im Stil der Zeit: Kräftiger Antrieb, niedrige Resonanzfrequenz knapp über 20 Hertz und eine recht leichte Membran – das Äquivalentvolumen von über 250 Litern bei einem Qts von 0,35 zeigt, wohin die Reise geht: Geschlossenes Gehäuse. Durch die leichte Papiermembran und die weiche Aufhängung zeigt der Treiber oberhalb seines Einsatzbereichs einige kräftige Resonanzen, die sich auch mit einer steilen Filterung noch auf der abfallenden Flanke bemerkbar machen.  

Gehäuse


Die Treiber sind in ein für die damalige Zeit typisches Gehäuse im Monitor-Stil eingebaut. Besonderheit: Im Gegensatz zur eigentlich teureren NS-690 gibt es hier ein linkes und ein rechtes Exemplar – die Seriennummern sind gleich, mit dem Zusatzvermerk „L“ und „R“. Der Mitteltöner hat ein eigenes kleines Gehäuse hinter der Schallwand, während der Großteil des kräftig bedämpften Volumens dem Tieftöner zugesprochen wird. Interessant ist hier noch, dass die NS-590 sich größenmäßig an der NS- 1000 orientiert und damit sogar etwas mehr Volumen hat als die nominell größere und teurere NS-690.  

Frequenzweiche


Standard bei den damaligen Yamahas: 12-Dezibel-Filter für alle Treiber, dazu für die Mittel- und Hochtöner L-Pads direkt an den Treibern, so dass die Weiche auf eine konstante Impedanz arbeitet. Die Trennfrequenzen liegen im Hörraum gemessen bei 550 Hertz und 6 Kilohertz. Angesichts der Aufweitung des Abstrahlverhaltens oberhalb von 5 Kilohertz hatte ich eigentlich die Idee, den Mitteltöner etwas früher aus dem Rennen zu nehmen und so seine Resonanz in der Summe abzudämpfen, allerdings machte das ziemlich unregelmäßige Verhalten des Hochtöners eine tiefere Trennung nicht sinnvoll. Sprich: Was man beim Mitteltöner wegnimmt, packt der Hochtöner dann dazu und das auch noch mit viel breiterer Abstrahlung. Insofern ist es einfach sinnvoll, den Mitteltöner mit dem L-Pad gegenüber dem Hochtöner um etwa 3 Dezibel abzusenken.  

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Messwerte


Unterm Strich ist die NS-590 nicht so ausgewogen wie die NS-690, wie der Achsfrequenzgang zeigt. Der Wirkungsgrad liegt aber deutlich höher und mit dem vom Tiefbass her langsam ansteigenden Pegel kann man mit den zeittypischen bodennahen Boxenständern die leicht nach hinten geneigten Boxen auch recht nah an einer Wand platzieren, ohne dass es zu Dröhnen kommt. Die obere Grenzfrequenz ist nicht atemberaubend, aber das Rundstrahlverhalten des Hochtöners ist dank der Schalllinse recht gut. Tatsächlich ist genau das auch der Grund für die Aufweitung im Abstrahlverhalten, wie das „Tannenbäumchen“ zeigt. Das Wasserfalldiagramm zeigt ein fehlerfreies Verhalten und im Bass deutlich schnelleres Ausschwingen als bei einer Reflexbox. Das Klirrverhalten ist tadellos, ebenso der Impedanzverlauf, an dem man auch recht gut die Trennfrequenzen erkennen kann. Wie gut die Qualitätssicherung bei Yamaha damals war, zeigt der linksrechts- Vergleich der beiden Boxen meines Paares jeweils auf Achse und unter 30 Grad Messwinkel.  

Klang


Die Yamaha NS-590 ist ein wahrer Monitor: Effektvolle wuchtige Bässe sind nicht sein Ding, dafür in Bodennähe durchaus Tiefgang und eben diese Bassqualität, die nur große Membranflächen haben, die kaum Hub machen müssen. Der Mitteltonbereich ist bei zurückgenommenem Regler sehr ausgewogen und sorgt für eine hervorragende Stimmwiedergabe, während man im Hochtonbereich mit dem L-Pad alles von sanft bis strahlend realisieren kann. Mit dem abgebildeten Frequenzgang und einer nicht ganz auf den Hörplatz ausgerichteten Aufstellung ist die NS-590 ein wunderbarer Allroundlautsprecher mit riesigen dynamischen Reserven und einer äußerst gelungenen räumlichen Abbildung – kann man wollen.  

Kaufberatung


Die NS-590 leidet aus Käufersicht momentan an zwei Dingen: Zum einen ist der Markt für klassische Hifi -Geräte absolut heißgelaufen, zum anderen ziehen die Preise der populären Yamaha-Modelle NS-690 und vor allem NS-1000 das unbekanntere Modell mit nach oben. Ich selbst habe für mein Paar in technisch einwandfreiem Zustand, allerdings mit lädierten Gehäuseecken, vor 4 Jahren unter 300 Euro bezahlt – heutige Angebote starten bei 600 Euro. Exemplare mit defekten Sicken sind entsprechend günstiger – Reparaturangebote und -sets sind ausreichend vorhanden. Beim Hörtest ist auf einwandfreie Funktion der L-Pads ohne Aussetzer und Kratzen zu achten. Die Gehäuse sind auf Unversehrtheit zu überprüfen – Reparaturen sind aufgrund des glänzend lackierten Echtholzfurniers aufwendig. Die Holzrahmen der Frontbespannungen sind nicht sehr solide und sollten ebenfalls geprüft werden.

Fazit

Mit der noch bezahlbaren NS-590 hat man einen recht seltenen Klassiker in einer heute nicht mehr üblichen Bauweise und oben drauf einen verdammt guten Lautsprecher.

Preis: um 500 Euro

Yamaha NS-590


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Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten
Chassishersteller : Yamaha 
Vertrieb: k.A. 
Internet de.yamaha.com 
Konstruktion: Yamaha 
Funktionsprinzip: Geschlossen 
Bestückung: 1x Yamaha JA3064 1x Yamaha JA1204 1x Yamaha JA0522 
Nennimpedanz (in Ohm): 8 Ohm 
Kennschalldruckpegel 2,83 V/1m: 90 dB / 2,83 V / 1 m 
B x H x T (in cm) 66.5/37/31.5 
Kosten pro Stück: ab 500 Euro (pro Paar) 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 28.09.2021, 14:30 Uhr
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