Kategorie: Vollverstärker

Einzeltest: Aesthetix Mimas


Aesthetix und Oboedix

Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 1
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Wenn Sie jetzt glauben, Jean-Yves Ferri hätte Asterix und Obelix einen schöngeistigen Weggefährten an die Seite gestellt, liegen Sie leider daneben. Aesthetix ist kein Gallier, sondern ein Amerikaner. Mit vollem Namen heißt er Aesthetix Mimas und ist ein Vollverstärker

Um die Überschrift aufzuklären: Den Oboedix habe ich mal schnell aus dem lateinischen „oboedio“ entstehen lassen, das man mit „hinhören“ übersetzen kann. Und das Hinhören lohnt sich im Fall des Aesthetix Mimas auf jeden Fall, denn es handelt sich um den ersten und bisher einzigen Vollverstärker von Jim White bzw. dessen Firma Aesthetix. Die amerikanische HiFi-Legende White hat dazu die wesentlichen Schaltungen aus seinem Vorverstärker Calypso und seiner Endstufe Atlas entliehen und in ein gemeinsames, aus soliden Alu-Platten von vertrauenerweckenden Stärken bestehendes Gehäuse gebaut.
Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 2Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 3Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 4Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 5Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 6Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 7Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 8Vollverstärker Aesthetix Mimas im Test, Bild 9
Das ging hauptsächlich auf Kosten des Netzteils. Der Mimas muss mit einem konventionell gebauten Trafo auskommen. Der ist allerdings sehr üppig dimensioniert und liefert alle Spannungen, die die verschiedenen Sektionen des Mimas benötigen. Ansonsten hat Mister White alles Mögliche getan, um die Vorteile einer getrennten Vor-Endstufen-Kombination in seinem Vollverstärker zu bewahren. Das betrifft zum einen die konsequente räumliche Trennung und die Abschirmung der einzelnen Baugruppen voneinander. Das betrifft zum anderen auch die Baugruppen selber. So arbeitet in der Vorverstärker-Abteilung des Mimas, wie in der Vorstufe Calypso, pro Kanal eine Röhre. Es handelt sich beim Mimas also um einen sogenannten Hybridverstärker, in dem sowohl Röhren als auch Transistoren zum Einsatz kommen. Die Röhren sind Doppeltrioden des Typs 6DJ6. In unserem Testgerät steckten baugleiche 6922 von Elektro-Harmonix. White nutzt die Röhren, um die Spannung des Eingangssignals zu verstärken. Da der Mimas komplett symmetrisch aufgebaut ist, übernehmen die beiden Systeme einer Röhre jeweils die beiden Halbwellen eines Kanals. Die komplette Schaltung verzichtet auf eine Über-Alles-Gegenkopplung. Besonderen Aufwand hat White bei der Lautstärkeregelung betrieben. Wie im Calypso kommt im Mimas keines der üblichen Potenziometer zum Einsatz. Die Lautstärkeregelung besteht aus einem Netzwerk aus Metallfilm-Widerständen der höchsten Selektionsstufe (mit einem Prozent Toleranz), die so zusammengeschaltet werden, dass sich ein Regelbereich von 88 1-dB-Schritten ergibt. Anschlussseitig bietet der Mimas fünf Line-Eingänge, an die entweder symmetrische Quellen per XLR oder per Cinch unsymmetrische Quellen angeschlossen werden können. Unsymmetrische Signale werden sofort hinter den Eingangsbuchsen symmetriert. Daneben kann man das Gerät mit einem MM/MC-Phonomodul und einem DSD- und DSD2-fähigen DACModul ergänzen. In der Rückwand sind entsprechende Ausschnitte für die hinzukommenden Anschlüsse vorgesehen, die ohne die Module mit Blenden verschlossen sind. Ist das Phonomodul an Bord, lassen sich Verstärkungsfaktor sowie Abschlusswiderstand sogar vom Hörplatz aus mithilfe der zum Verstärker gehörenden Fernbedienung einstellen. Jedem Eingang kann ein eigener, aus vier Zeichen bestehender Name gegeben werden. Darüber hinaus lässt sich die Eingangsempfindlichkeit jedes Eingangs justieren, sodass beim Umschalten zwischen den Eingängen alle Quellen gleich laut sind. An Ausgängen bietet der Mimas neben den Lautsprecherausgängen noch einen symmetrischen und einen unsymmetrischen Vorverstärker-Ausgang sowie einen Kopfhörer- Ausgang. Der kann durch den Einbau eines stärkeren, diskret aufgebauten Kopfhörerverstärkers aufgerüstet werden, um den Ansprüchen ambitionierterer Kopfhörerfans entgegenzukommen. Die Endstufen-Abteilung arbeitet wie bei der großen Endstufe Atlas ebenfalls voll symmetrisch und kommt ebenso ohne Über-Alles-Gegenkopplung aus. Die Leistungsverstärkung übernehmen bipolare Transistoren in einer AB-Brückenschaltung. Solide 150 Watt liefert der Mimas damit an 8 Ohm, an 4 Ohm fast das Doppelte. Das spricht für eine extrem laststabile Auslegung. Da jeder Kanal als Brückenschaltung arbeitet, sollte man beim Anschluss von Lautsprechern bedenken, dass der Minuspol nicht Masse ist, sondern ebenso signalführend wie der Pluspol. Das ist besonders bei wilden Kabeln, die irgendwelche an Masse liegenden Abschirmungen besitzen, zu beachten. Schirmungen müssen hier gegebenenfalls gesondert an Masse gelegt werden. In der Regel schließt man den Aesthetix-Vollverstärker an wie jeden üblichen Verstärker. Insgesamt bietet der Mimas einen hohen Bedienkomfort. Das geht so weit, dass man die Helligkeit des Displays selber einstellen oder es dem Gerät überlassen kann, die Helligkeit selbstständig an die Umgebung anzupassen. Dabei versucht der Mimas, sowohl auf der Front als auch auf der Fernbedienung mit wenig Bedienelementen auszukommen. Die Folge ist, dass man sich ohne die Bedienungsanleitung nur schwer zurechtfindet. Hätten Sie erraten, dass man die Lautstärke am Gerät dadurch regelt, dass man links oder rechts auf das Display drückt? Sind die Bedienhürden genommen, gilt es vor dem Hörgenuss ein paar Gedenkminuten einzulegen, bis das Gerät seine Warmup- Phase abgeschlossen hat. Weckt man den Mimas aus dem Standby, tönt ein Einschalt- Knackser aus den Lautsprechern. Nicht schön, jedoch ein Hinweis darauf, dass Jim White dem Ausgangssignal möglichst keine Relais in den Weg legen mag. Wenn dann die ersten Töne erklingen, passiert etwas, das nur wirklich exzellente High-End-Geräte schaffen: Ich verliere sofort jegliches Interesse an dem eindrucksvollen Gerät und seiner aufwendigen Technik. Die Musik, die der Mimas über unsere Referenzlautsprecher KLANG+TON Nada in den Hörraum stellt, zieht mich sofort in ihren Bann. Das klingt konzentriert und fesselnd, das klingt entspannt und frei. Der Mimas schafft es, Spannung und Entspannung von Musik auf allen Ebenen in einer Weise umzusetzen, die absolut faszinierend ist. Er inszeniert grob- wie feindynamische Stufen mit Vehemenz und Akkuratesse, malt Klangfarben bunt und strahlend, zeichnet detailreich und schafft klare Konturen. Räumlich macht er eine weite, involvierende Bühne auf, in der jedes akustische Ereignis seinen klaren, konkret umrissenen Platz und sauber umrissene Konturen hat. Das ist großes Kino.

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Fazit

Der Aesthetix Mimas ist eine Musikmaschine allererster Güte. Technisch aufwendig und imposant gebaut, tritt die physische Erscheinung dieses Verstärkers vollkommen in den Hintergrund, sobald er Musik spielt. Klanglich schafft er eine eindrucksvolle Synthese aus Präzision und Charisma.

Preis: um 7950 Euro

Vollverstärker

Aesthetix Mimas


02/2019 - Dr. Martin Mertens

Ausstattung & technische Daten 
Preis: 7.950 Euro 
Vertrieb: High-Fidelity Studio, Augsburg 
Telefon: 0821 37250 
E-Mail high-fi delity-studio@t-online.de 
Internet: www.high-fidelity-studio.de 
B x H x T: 434/140/449 
Gewicht (in kg): 20 
Garantie: 2 Jahre 
Unterm Strich … Der Aesthetix Mimas ist eine Musikmaschine allererster Güte. Technisch aufwendig und imposant gebaut, tritt die physische Erscheinung dieses Verstärkers vollkommen in den Hintergrund, sobald er Musik spielt. Klanglich schafft er eine eindrucksvolle Synthese aus Präzision und Charisma. 
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Autor Dr. Martin Mertens
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