Kategorie: Vor-Endstufenkombis Hifi

Einzeltest: Audio Research LS17 / VS60


Mit Hybridantrieb

Vor-Endstufenkombis Hifi Audio Research LS17 / VS60 im Test, Bild 1
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Das habe ich versprochen: Die Audio-Research-Phonovorstufe PH5 gefiel uns im Test so gut, dass die dazu passende Vor-/Endstufenkombi einfach begutachtet werden musste. Was hiermit geschehen ist

Die PH5 war eine faustdicke Überraschung, machte sie seinerzeit ihrer großen und ungleich aufwendigeren Schwester PH7 das Leben doch ziemlich schwer und ist bis heute eine der Phonovorstufen, die nachhaltig bei mir im Hinterkopf hängen geblieben sind (leider nur im Kopf und nicht im Regal …). Die in der Produkthierarchie etwa gleich angesiedelten Pendants in Sachen Hochpegelvorstufe respektive Stereoendstufe heißen LS17 (3.300 Euro) und VS60 (3.300 Euro). Dabei steht das Kürzel „LS“ für „Line Stage“und „VS“ vermutlich für „Vacuum Stereo“. Es gibt noch eine andere Vorstufenbaureihe, die heißt „SP“ und verfügt über eingebaute Phonovorstufen, und jawohl, es gibt auch eine SP17.

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Die LS17 zeigt sich im gewohnt klassischen Audio-Research-Messgeräte-Look. Links und rechts ein Drehknopf für Eingangswahl und Lautstärke … oder auch nicht. Wirklich zu drehen gibt es hier nämlich nichts, vielmehr verbergen sich hinter den Knöpfen Tastkontakte. Ein kleiner Dreh nach links verringert also die Lautstärke, respektive wählt den vorherigen Eingang, beim Dreh nach rechts wird’s lauter oder schaltet einen Eingang weiter. Halte ich, ganz ehrlich, für keine besonders gute Idee, ein Poti (oder Drehimpulsgeber) für den Pegel respektive ein Drehschalter für die Eingangswahl wären haptisch erheblich schöner gewesen - ja, ja, ich weiß, Drehschalter sind so schwer fernbedienbar zu machen - solcherlei Komfort gibt’s nämlich bei der LS17. Die eingestellt Lautstärke wird übrigens mit einem Band aus 20 Leuchtdioden angezeigt, tatsächlich aber hat der elektronische Pegelsteller 104 ansteuerbare Positionen. Vier Taster sind fürs Einschalten, Monitor- Schleife, Durchschleifbetrieb und Muting zuständig, alternativ geht all das auch per Infrarotgeber. Die üppig bestückte Rückseite verwöhnt mit sieben Eingängen (zwei davon symmetrisch), Durchschleif-Eingang für die Integration in ein Mehrkanal-Setup, einer Tape-Schleife und drei Hauptausgängen, davon zwei symmetrisch. Das nenne ich mal komplett, Respekt. Im Inneren des Gerätes finden wir einen satt dimensionierten R-Kern-Trafo und eine Vielzahl von Regelschaltungen für alle nur erdenklichen Betriebsspannungen. Die Verstärkerschaltung ist, wie bei AR mittlerweile üblich, eine hybride Angelegenheit aus Röhren, diskreten Transistoren und in diesem Falle auch mal Chips. Das Ganze ist, wie es scheint, und das finde ich in dieser Klasse absolut bemerkenswert, konsequent symmetrisch aufgebaut. Vier kleine SMD-Chips besorgen direkt nach der Relais-Eingangsschaltung die Pegeleinstellung, danach geht’s zu einer aus diskreten Halbleitern aufgebauten Verstärkerstufe, gefolgt von den Stars des Ensembles - zwei Röhren, und zwar richtig leckere in Gestalt zweier 6H30 von Sovtek, einer sehr potenten Doppeltriode, die die nötige Treiberleistung für die Ausgänge bereitstellt. Mit symmetrischer Schaltungstechnik kann die Stereoendstufe VS60 nicht aufwarten, aber mit überaus soliden 50 Watt Ausgangsleistung pro Kanal und kompakten Abmessungen; das Gerät ist lediglich knapp 36 Zentimeter breit. Die Leistung stellen zwei großvolumige Leistungspentoden vom Typ 6550 pro Kanal bereit, sie stammen aus Svetlana-Produktion. Als Treiber arbeitet abermals eine 6H30 pro Kanal, Mikrofonie soll hier wie auch in der Vorstufe ein Gummiring über der Röhre eindämmen. Scheint zu funktionieren, in der Praxis zeigten die Geräte sehr wenig „Klingelneigung“. Auch bei der VS60 ist nicht alles Röhre, was verstärkt. Nach dem Abschrauben des Deckelblechs - das geht übrigens nur über einen Teil der Geräteoberseite und lässt sich sehr servicefreundlich sogar bei gesteckten Röhren entfernen - kommen auch hier ein paar kleine Transistörchen zum Vorschein, und in der Tat übernimmt eine rauscharme Verstärkerstufe aus JFETs die Signale an den Cinch-Eingangsbuchsen. Wo wir schon mal bei der Rückseite sind: Solide Schraubklemmen für den Lautsprecheranschluss (Vier- und Acht-Ohm-Anschlüsse) und pro Endröhre ein Paar Bananenbuchsen für den Ruhestromabgleich. Der geht ziemlich einfach vonstatten: Man nehme ein Messgerät mit Gleichspannungsmessbereich, stecke die Messstrippen in die entsprechenden Buchsen und justiere den angezeigten Spannungswert mithilfe des Trimmpotis neben der jeweiligen Endröhre auf 60 Millivolt. Das entspricht einem Ruhestrom von 60 Milliampere, was die Röhre zu einer Verlustleistung von 25 Watt nötigt. Das ist gut die Hälfte dessen, was sie laut Datenblatt kann und ist ein guter Kompromiss aus Langlebigkeit und Klang. Womit ich nicht gesagt haben will, dass mehr Ruhestrom hier von Vorteil wäre -ich hab mich auch nicht getraut, es auszuprobieren. Die Einstellungen macht man bei betriebswarmem Verstärker ohne Eingangssignal - überhaupt kein Problem und auch von Strom-Laien zu bewerkstelligen. Keine Röhrenendstufe ohne ordentlich Eisen - das ist natürlich auch hier so. Hinten auf der Geräteoberseite gesellt sich ein illustres Trio aus Transformatoren: Der mittlere ist der Netztrafo, die beiden anderen die Ausgangsübertrager. Hinter denen verstecken sich pro Kanal noch zwei ordentliche Siebelkos, so dass hier auch in Sachen Stromversorgung offensichtlich alles getan wurde, was man so braucht. Interessanterweise wird die Endstufe serienmäßig ohne Abdeckung geliefert; es gibt gegen Aufpreis zwar eine, aber offensichtlich genügt sie auch so europäischen Sicherheitsbestimmungen - bemerkenswert und ein Indiz dafür, dass hier mit Verlustleistunegn in der Tat zurückhaltend umgegangen wird. Zwei Dinge bedauere ich: erstens den Umstand, dass die Verbindung zwischen Vor- und Endstufe nur per Cinchkabel zu bewerkstelligen ist. Wenn Sie zumindest einen Teil der symmetriebedingten Meriten der LS17 nicht aufgeben wollen, dann müssen Sie zur größeren Endstufe VS115 greifen, die ist dann auch wieder symmetrisch. Zweitens ist es schade, dass ich einer Aufforderung, die neuerdings allen Audio- Research-Geräten beiliegt, nicht nachkommen kann: Angeblich entfalten die Geräte ihr volles klangliches Potenzial erst nach 600 Stunden Einspielzeit - Entschuldigung, so viel Zeit haben wir im Testalltag nicht, das muss auch mit deutlich weniger als knapp einem Monat Dauerbetrieb gehen. Tut es augenscheinlich auch. Das Duo aus Plymouth, Minnesota macht überhaupt gar keine Anstalten, unausgeschlafen oder gar aggressiv zu klingen. Zuerst musste die LS17 zeigen, inwieweit sie unserem exzellenten Arbeitsgerät in Gestalt des MalValve preamp three line das Wasser reichen kann. Sie kann in erstaunlich hohem Maße, und das ist eigentlich schon eine kleine Sensation. Die Audio Research spielt ähnlich dynamisch und lebendig wie die Röhre aus Essen, was bedeutet: Das schiebt wie kaum etwas anderes am Markt. Die LS17 tönt sonor, rund und variabel im Bass, was ein solides Fundament für eine betont emotionale Wiedergabe bietet. In den Mitten kommt sie nicht ganz an die Geschmeidigkeit der MalValve heran, zeichnet aber dennoch inbrünstig und farbig - sehr gut. Die Präsenzlagen hat sie bestens im Griff, ganz oben geht noch ein bisschen mehr - aber möglicherweise ist das nach 600 Stunden nicht mehr so … Die VS60 bekam es - ich gebe zu, dass das ein bisschen unfair ist, aber von unserem Selbstbau-SymAsym abgesehen war gerade kein anderer Gegner greifbar - mit der Pass XA30.5 zu tun - und ging nicht unter. Wenn die Pass auch über röhrentypische Eigenarten verfügt, die VS60 hat noch mehr Glaskolben in den Genen, was ja auch nicht wirklich überrascht. Grobdynamisch kann sie der XA30.5 nicht das Wasser reichen, feindynamisch geht‘s tatsächlich in eine ähnliche Richtung: Mengen von Details, ein betont ruhiger Hintergrund, keinerlei Hektik. Sehr locker, das Ganze.

Fazit

Leinen wir mal beide ARs ins System -siehste, so wird ein echter Schuh draus. So selten ist es nicht, dass zwei Komponenten aus einem Hause vom gemeinsamen Einsatz profitieren, hier jedenfalls ist es so: Im Verbund tönen die beiden Hybride extrem schlüssig. Alles in allem stellt sich ein minimal runder, mehr auf die Mitte des Spektrums als auf die Enden fixierter Klang ein, der sofort gefangen nimmt - das macht einfach Musik, mit Farbe, Ausdruck und einem ganz kleinen Schuss Heimeligkeit. Das ist völlig okay so - irgendwo muss sich der Einsatz der ganzen Glaskolben ja auch bezahlt machen.

Preis: um 3300 Euro

Vor-Endstufenkombis Hifi

Audio Research LS17 / VS60


11/2009 - Holger Barske

 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 06.11.2009, 10:35 Uhr
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