Kategorie: Vor-Endstufenkombis Hifi

Einzeltest: Prima Luna ProLogue Three + ProLogue Four


Lust auf Lack

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Der Markt für Röhrenvollverstärker mittlerer Leistung ist dicht besetzt. Kombis aus Vor- und Endstufe gibt‘s in dieser Klasse jedoch kaum. Bei PrimaLuna schon. Und was für welche…

Es muss schon fast zwei Jahre her sein, als mir Mansour Mamaghani, Chef der Vetriebsfirma Audio Reference sagte: „Wir machen jetzt PrimaLuna. Wäre das nicht mal was für euch?“ Ich weiß nicht mehr genau, was ich ihm damals geantwortet habe, gedacht habe ich allerdings: „Oh toll, noch ’ne chinesische Verstärkerbude. Ja, ja, mach du mal ...“ Nach der eingehenden Beschäftigung mit „ProLogue Three“ und „ProLogue Four“ komme ich nicht umhin, mehr oder weniger schweigend Abbitte für das zu Beginn eher gering ausgeprägte Interesse an dem Produkt zu leisten. Die PrimaLunas sind nämlich alles andere als das, was sich der sparwütige Röhrenfan heutzutage vorzugsweise nach selbst eingestieltem Direktimport aus dem Reich der Mitte ins Wohnzimmer stellt, und was nach in vielen Fällen erschütternd kurzer Betriebsdauer Rauchzeichen von sich gibt oder noch Schlimmeres anrichtet.

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Richtig ist, dass auch PrimaLuna-Geräte zum großen Teil in China gefertigt werden. Dazu passt das Preisgefüge: 2.200 Euro für eine ausgewachsene Röhren- Vor-/End-Kombi hören sich sehr „chinesisch“an. Eigentlich ist PrimaLuna aber ein holländisches Unternehmen, das 1993 von Hermann van den Dungen gegründet wurde und resultierte aus dem Wunsch des gestandenen Vetriebsmannes nach einer eigenen Produktlinie. Nach 30 Jahren in der Branche weiß der Mann, worauf es ankommt: Preiswürdigkeit, Zuverlässigkeit und musikalische Qualitäten sind die Zutaten, aus denen die PrimaLuna-Menüs zubereitet werden. Jedes Gerät wird also zumindest zum Teil im fernen Osten gebaut und erfährt seinen letzten Schliff bei unseren holländischen Nachbarn. Das betrifft nicht nur Endkontrolle und Abgleich, sondern auch den Einbau der einen oder anderen Schlüsselkomponente; das hat, neben qualitativen Aspekten, zudem den Vorteil, dass „der Chinese“ nicht alles kennt, was das Produkt ausmacht, und reduziert für Herrn van den Dungen die Gefahr, seine Geräte bald unter anderem Logo für weniger Geld vermarktet zu sehen, ganz erheblich. Die beiden Maschinchen im Midi-Format stecken in äußerst penibel lackierten Stahlblechgehäusen und bieten absolut „highendige“ Verarbeitungsqualität. Dem Vernehmen nach sind‘s gleich fünf Schichten Lack mit anschließender Handpolitur für jede Schicht, die „Schuld“ am exquisiten Finish sind. Das in Verbindung mit den silberfarben (oder schwarz) eloxierten dicken Gerätefronten schafft einen ziemlich unverwechselbaren optischen Gesamteindruck. So unverwechselbar, dass ich mir ziemlich sicher bin, Ähnliches bis dato nur bei einem anderen Produkt gesehen zu haben, nämlich bei Cayin. Was eine interessante mögliche Antwort auf die Frage, wer denn eigentlich hinter der Fertigung der PrimaLuna- Basisgeräte steckt, wäre. Ich sagte „mögliche Antwort“, de facto weiß ich‘s nicht. Technisch vergleichbare Geräte finden sich im Cayin-Programm jedenfalls nicht. Beginnen wir mit der Vorstufe ProLogue Three. Das einzeln 1.250 Euro teure Gerät stellt sich auf den ersten Blick zwar als Standardapplikation mit zwei Doppeltrioden pro Kanal (ECC82 / 12AU7 bzw. ECC83 / 12AX7) dar, die Peripherie um die eigentliche Verstärkerschaltung ist jedoch extrem „lecker“. Oder haben Sie schon mal eine Röhrenvorstufe dieser Preisklasse im konsequenten Doppelmono-Trimm, mit kanalgetrennten Netztrafos und sogar separaten Röhrengleichrichtern (5AR4) gesehen? Der positive Eindruck setzt sich bei abgenommenem Bodenblech uneingeschränkt fort. Die gesamte Versorgungs- und Verstärkerschaltung wurde konsequent handverdrahtet, und das mit penibel gerade ausgerichteten Leitungen, in exakten 90- Grad-Winkeln gebogen. Lötstellenqualität? Erste Sahne! Klar, das gibt‘s andernorts auch. Wenn man noch eine Null aufs Preisschild malt. In Sachen Bauteileeinsatz deutet nichts auf den Einsatz des chinesischen Spar- Rotstiftes hin, die passiven Bauteile sind renommierte Markenprodukte, deren Qualität über jeden Zweifel erhaben ist. Inwieweit das für die Röhren gilt, ist nicht so ganz leicht zu sagen, da sie mit einem PrimaLuna-Stempel versehen sind und der tatsächliche Hersteller nicht ohne weiteres erkennbar ist. Murks steckt auch da jedenfalls nicht drin, dazu sind sowohl die klanglichen als auch die messtechnischen Ergebnisse viel zu gut. Ein wenig Elektronik sorgt für ein röhrenschonendes Hochfahren der Betriebsspannungen, bei der Ausstattung gibt‘s neben den vier Line-Eingängen und zwei Ausgängen sogar einen Tape-Ausgang. Einer der Hochpegeleingänge mutiert beim Einbau des optionalen Phonomoduls zum Phonoeingang. Das mit 150 Euro erfreulich bezahlbare Zubehör-Platinchen ist eine moderne SMD-bestückte Operationsverstärker- Applikation und in erster Linie für den Einsatz von MM-Abtastern gedacht. Mit 42 Dezibel Verstärkung und fest eingestellten 50 Kiloohm Abschlussimpedanz mag sich hier aber auch das eine oder andere MC mit etwas mehr Ausgangsspannung wohl fühlen. Zu bedienen gibt‘s nicht viel: Lautstärkesteller und Eingangswahlschalter zieren die Front, beide vermitteln ein sattes und wertiges Bediengefühl, hinter dem Pegelknopf sitzt ein gutes Alps-Poti. Die Netzschalter beider Geräte sitzen an der Seite, wo man recht gut herankommt. Mein persönlicher Dank an den Hersteller gilt dem Umstand, dass die Einschalt-Kontrolleuchte grün ausgefallen ist. Auch weniger Technikinteressierten sei ein Blick aufs Messprotokoll dieses Vorverstärkers anempfohlen: Der ProLogue Three ist nämlich in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung im positiven Sinne. Die Endstufe ProLogue Four verstärkt mit zwei Pentoden vom Typ EL34 pro Kanal; alternativ gibt‘s auch noch eine etwas potentere, mit KT88 bestückte Version namens ProLogue Five. Mit den gut 30 Watt, die die „Vierer“ pro Kanal leistet, ist man jedenfalls für so ziemlich alle Lebenslagen gut gerüstet. Strom bezieht das Gerät aus einem offensichtlich potenten, in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Spezialisten entwickelten Ringkerntrafo. Besonderes Augenmerk verdienen die Ausgangsübertrager: Ihr Frequenzgang erstreckt sich nämlich, auch in höheren Preisklassen selten zu beobachten, mal locker bis 70 Kilohertz, von Bassabfall gibt‘s auch keine Spur. Die Übertrager haben Abgriff für Vier- und Acht-Ohm-Lautsprecher, eine weiteres Mal hat sich aber die Erfahrung bestätigt, dass die Acht-Ohm- Wicklung besser klingt, interessanterweise verzerrt die Endstufe über diesen Anschluss auch merklich weniger. Im Inneren setzt sich fort, was die Vorstufe schon andeutete: Handverdrahtung, sauber gemacht. Die einzige Platine im Gerät gehört dem Vernehmen nach zu den Dingen, die erst in Holland eingebaut werden; es handelt sich um eine automatische Ruhestrom-Regelschaltung für die Endröhren. Das hat zwei Vorteile: Erst einmal muss man der PrimaLuna nicht in regelmäßigen Abständen mit dem Multimeter zu Leibe rücken, um diesen wichtigen Betriebsparameter einzustellen. Altersbedingte Änderungen des Ruhestroms kompensiert das Gerät somit automatisch, auch der Röhrentausch ist kein Problem: Sogar bei neuen Röhren muss man sich um nichts kümmern. Tatsächlich ermuntert der Hersteller, und das ist selten, die Besitzer dieses Gerätes sogar dazu, sich mit dem Thema „Tube Rolling“ zu beschäftigen. Im Falle der ProLogue Four kein Problem, von der EL34 gibt‘s unzählige Varianten am Markt, für die Vorstufen- und Treiberröhren (ECC82 / 12 AU7, ECC83 / 12AX7) gilt das Gleiche. Beide PrimLunas werden mit einem „Röhrenkäfig“geliefert, was diversen zwei- und vierbeinigen Haushalts-Mitbewohnern unter Umständen sicherlich das eine odere andere Problem ersparen kann. Der härtere Röhrenfan betreibt seine Verstärker natürlich nackt, was zum Teil schade wäre, hat sich der Hersteller beim Finish der Käfige doch genauso viel Mühe gegeben wie beim Rest der Gehäuse. Bemerkenswert wurde die Befestigung der Deckel realisiert: An jeder Ecke der Käfige gibt‘s einen Bananenstecker, der in eine entsprechende Buchse im Chassis gesteckt wird. Hält ordentlich fest, ist aber problemlos und ohne Werkzeug zu entfernen. Nach einem so positiven Eindruck vom technischen und verarbeitungsmäßigen Standpunkt her müssen die PrimaLunas nur noch eins tun: anständig Musik machen. Auch das können sie, sogar mit links. Spuren von klassischem Röhrensound lassen sich durchaus feststellen, bei der Endstufe mehr als beim Vorverstärker. Die Endstufe gibt sich weitgehend unbeeindruckt von der angeschlossenen Last und zieht ihren Stiefel an jedem halbwegs ansteuerbaren Lautsprecher durch. Sie malt mit kräftigen Farben, gibt sich im Bass konturiert, vielleicht ein bisschen großzügig. Jedenfalls hat sie diesen Röhren-Swing, dieses transparente, leichtfüßige und überaus mühelose Herangehen an die Musikwiedergabe, was Röhrenkonzepten einfach leichter fällt als ihren halbleiterbestückten Kollegen. Der Vorverstärker scheint dem gegenüber etwas „charakterloser“- im besten Sinne des Wortes. Er zimmert eine sehr breite, aber nicht übermäßig tiefe Bühne; mich dünkt, das üppige Panorama hängt mit dem konsequenten Doppelmono- Aufbau und den daraus resultierenden exzellenten Übersprechwerten zusammen. Der ProLogue Three fällt tonal überhaupt nicht auf, vielleicht findet sich ganz oben am Ende des Übertragungsbereiches ein kleines bisschen Röhren-Euphonie. Das ist aber erstens so wenig, dass man das Gerät anhand dessen kaum sicher als Röhre identifizieren kann, und zweitens durchaus nicht unangenehm. Wem auch das noch zu viel ist, der wird per Röhrentausch sicherlich noch einen Schritt weiter in Richtung Neutralität kommen. Beide PrimaLunas geben sich sehr flüssig, unangestrengt und mühelos, laden zu stundenlangem Musikhören charmant, aber unaufdringlich ein. Sensationen, besonders herausragende Tugenden? Gibt’s eigentlich nicht. Die Kombi passt einfach wie die Faust aufs sprichwörtliche Auge. Warum aber eine Kombi und keinen Vollverstärker? Gegenüber dem, was mir an bezahlbaren EL34-Vollverstärkern so geläufig ist, hat die PrimaLuna- Kombi zweifellos klangliche Vorteile, was aus der konsequenten Trennung von Vor- und Endstufensektion mit völlig unabhängigen Stromversorgungen resultiert. Sie spielt einfach klarer und besser durchgezeichnet als die gängigen integrierten Lösungen. Hinzu kommt die Tatsache, dass man an den Vorverstärker ohne Problem auch mal eine zweite Endstufe anklemmen kann - BiAmping mag ja hier und da durchaus von Vorteil sein, auch der Anschluss von teilaktiven Lautsprechern wird so zum Kinderspiel.

Fazit

Das ist ein Sonderangebot, und zwar ein richtig gutes. Die beiden PrimaLunas bieten für moderates Geld ein exquisites Finish, feinste Technik und Top-Klangqualität. Die Vorstufe besticht durch ein hohes Maß an Neutralität und eine opulente Raumabbildung, die Endstufe durch röhrentypische Leichtigkeit und Kraft, sie zeigt sich zudem weitgehend lautsprecherunkritisch. Was will man mehr?

Preis: um 2200 Euro

Vor-Endstufenkombis Hifi

Prima Luna ProLogue Three + ProLogue Four


11/2009 - Holger Barske

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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 12.11.2009, 11:01 Uhr
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