Kategorie: Vor-Endstufenkombis Hifi

Einzeltest: Röhrenschmiede Comet und Rocket


Feuertaufe

Vor-Endstufenkombis Hifi Röhrenschmiede Comet und Rocket im Test, Bild 1
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Das ist ja schon wieder bemerkenswert: Glaubte man, die Produktion klassischer Röhrenverstärker im Pultdesign wäre fast schon verpönt, belehrt und jetzt ein Newcomer aus Deutschland eines Besseren, und das im Wortsinne

Ausgerechnet: Andreas Klug, Gründer und Inhaber, nennt seine Firma „Röhrenschmiede“, ein Begriff, der in meinem Wortschatz eigentlich seit diversen sogenannten High-End-Schmieden verboten ist, aber bitte. Klug hat sich seine Faszination für Röhrenverstärker sozusagen von der Pike auf erarbeitet. Als Servicetechniker für Automaten und Musikboxen hat er sein Faible für alte Röhrenverstärker gefunden, bis er schließlich in der Lage war, einen eigenen Amp zu entwickeln und schließlich anzubieten. Das war das Modell „Rocket“, ein eleganter und flacher Endverstärker mit zwei Paar EL84 im parallelen Push-Pull-Betrieb pro Kanal, der in der Lage ist, um die 2 x 30 Watt Ausgangsleistung zu liefern.

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Unsere Messungen haben übrigens ergeben, dass die Angaben des Herstellers etwas konservativ sind – unterm Strich waren es sogar knapp zweimal 40 Watt. Die EL84 als Endröhre hat mir immer schon sehr gut gefallen, meine ersten eigenen Röhrenendstufen hatten exakt diese Bestückung, aktuell höre ich auch viel mit einer Beard P35, die pro Kanal mit immerhin sechs der schlanken Pentoden arbeitet. Aber zurück zum Rocket: Der Verstärker verbindet ein modernes und flaches Design mit den Erwartungen, die man an das Aussehen eines „richtigen“ Röhrenverstärkers hat. Das bedeutet: Es gibt das weit verbreitete Pult-Design mit den Transformatoren hinten und den Röhren im vorderen Bereich. Auffällig ist, dass die Übertrager und der Netztrafo keine Riesen sind, sondern sich optisch sehr schön in das schmale Gerät integrieren. Dennoch sind die Übertrager aus deutscher Fertigung mehrfach verschachtelt und in der Lage, auch bei voller Leistung bis über 20 Kilohertz zu übertragen. Als Treiber- und Phasenumkehrstufe fungiert pro Kanal eine ECC82-Doppeltriode. Der Innenaufbau – ist grundsolide und fast durchgehend kanalgetrennt. Das „fast“ bezieht sich auf die Anodenspannung, die der Trafo aus einer Wicklung für beide Kanäle bereitstellt, während es für die Heizspannung zweit getrennte Wicklungen für links und rechts gibt. Der einfache Schaltungsaufbau wurde auf Platine ausgeführt. Dem Freiverdrahtungs-Puristen sei gesagt, dass das bei einer wie hier dick mit Kupfer beschichteten Platine und einer sauberen Masseführung (wie hier) absolut in Ordnung geht und keinerlei Nachteile bedeutet. Im Messlabor zeigte sich die Rocket dann auch von ihrer besten Seite. Wie gut der Verstärker gemacht ist, offenbaren vor allem die Klirr- und Leistungsmessungen: Zwar geht es bei mittlerer Leistung nicht gar so weit hinter das Komma wie bei einem Transistorverstärker, aber bei der Leistungsmessung kann man auch hier gerne die 0,7 %-Latte auflegen. Der Vorverstärker „Comet“ ist die jüngere der momentan zwei Kreationen der Röhrenschmiede und mit 3500 Euro etwas günstiger als die 3900 Euro für die Endstufe. Grundsätzlich im selben Design wie die Endstufe, hat sie natürlich eine andere Röhrenbestückung und etwas weniger Eisen in Form von Trafos an Bord. Wo wir gerade bei Design sind: Standard bei der Röhrenschmiede ist verchromtes Stahl. Wegen der Manufakturfertigung gibt es aber die Möglichkeit, alle erdenklichen Oberflächen zu bekommen: Vergoldung oder Verkupferung sind möglich, Letztere ist besonders interessant, wenn man die Geräte nach und nach Patina ansetzen lassen möchte. Dem Hörensagen nach gibt es auch rustikale Rostoberflächen – was würde da der TÜV wohl sagen? Im Inneren des Comet geht es ebenfalls sehr aufgeräumt zu: Die einzelnen Arbeitsbereiche sind kanalgetrennt auf Platinen untergebracht, das Ganze ist sauber aufgebaut und mit sehr guten Bauteilequalitäten ausgestattet. Was uns besonders freut: Es gibt eine Phonosektion in Röhrentechnik, die vor der eigentlichen Linestufe arbeitet. Beide dieser Sektionen arbeiten mit ECC83-Röhren. Und dann gibt es da noch eine Abteilung, auf die der Erbauer besonders stolz ist: Einen Kopfhörerverstärker, selbstverständlich ebenfalls in Röhrentechnik, der in der Lage ist, Wandler in einem sehr weiten Impedanzbereich zu treiben. Auch der Vorverstärker hat sich im Messlabor tadellos geschlagen, addiert aber zum Signal etwas mehr Klirr, vor allem, wenn eine sehr hohe Verstärkung gefordert ist. Im Hörtest konnte die Erstlings-Kombination der Röhrenschmiede dann zeigen, was in ihr steckt. Und das ist doch eine Menge: Die Rocket mit ihrer nominell gar nicht so hohen Ausgangsleistung kommt mit einer Menge Lautsprecher sehr gut zurecht – sogar mit handelsüblichen Kompaktboxen, wenn sie keinen zu abenteuerlichen Impedanzverlauf aufweisen. Im Bass souverän genug, um auch mal zuzulangen, dabei aber durchaus etwas voller und weicher als hart gegengekoppelte Transistorverstärker, kann sie vor allem weiter oben im Frequenzgangverlauf überzeugen. Das ist schon eine sehr geschmeidige und edle Art und Weise, Musik zu hören. Die Vorstufe ergänzt diese Spielart – gerade bei kleineren Besetzungen und den subtileren Tönen habe ich in letzter Zeit eigentlich nichts Besseres gehört. Da verzeihe ich gerne, dass es bei hektischerem Musikmaterial mal etwas ungemütlicher wird – was man ja genau genommen nicht den Geräten zuschreiben kann. Egal, ich lege auf jeden Fall lieber noch eine klassische LP oder eine Jazzscheibe auf als eine moderne Pop-Produktion. Die sind ohnehin meistens liebevoller produziert und klingen gerade auf einer Kombination wie der von der Röhrenschmiede so, wie Musik sein sollte: Emotional packend und mitreißend. Der leichte Schlenker im Frequenzgang des Phonozweigs manifestiert sich dabei in der Hörpraxis überhaupt nicht – sehr wohl dagegen die sehr guten Werte für die Störabstände. Das bedeutet: Wenn es irgendwo rauscht, dann nicht wegen der Elektronik. Und das Beste ist: Wenn es Nacht wird im Haus, kann ich einfach den Kopfhörer an die Comet anschließen und nach außen hin geräuschlos auf demselben hohen Niveau weiterhören.

Fazit

Die Röhrenkombination von Andreas Klug auf sehr angenehme Weise klassischen Röhrensound mit solider Technik und Praxistauglichkeit. So darf er gerne weiter schmieden

Preis: um 7400 Euro

Vor-Endstufenkombis Hifi

Röhrenschmiede Comet und Rocket


12/2017 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Verstärkerkombination 
Vertrieb Röhrenschmiede, Krefeld 
Telefon 02151 5437341 
Internet www.roehrenschmiede.de 
Garantie (in Jahre)
Abmessungen (B x H x T in mm) 366/130/330 
Abmessungen 2 (B x H x T in mm) 366/130/330 
Gewicht (in Kg) ca. 13 kg (Rocket), ca. 8 kg (Comet) 
Unterm Strich... Die Röhrenkombination von Andreas Klug auf sehr angenehme Weise klassischen Röhrensound mit solider Technik und Praxistauglichkeit. So darf er gerne weiter schmieden 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 18.12.2017, 15:00 Uhr
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