Kategorie: Beamer

Einzeltest: InFocus SP8604


Über den Teich schauen

Beamer InFocus SP8604 im Test, Bild 1
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Im August des letzten Jahres durften wir mit dem SP8602 zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder einen InFocus-Beamer im Testraum begrüßen. Nun startet der US-Hersteller mit dem SP8604 richtig durch.

Nachdem es während der letzten Monate schwierig war, einen deutschen Vertrieb zu finden, hat InFocus nun mit Redcoon einen Partner gefunden, der die Geräte des Traditionsherstellers in Deutschland vertreibt. Der 8604 der Screenplay-Reihe lockt mit verführerischen inneren und äußeren Werten.

Projektor und Technik


Erneut hat InFocus beim Generationswechsel ein neues Gehäuse entwickelt; der SP8604 zeigt sich relativ breit mit nur geringer Bautiefe. Von vorne bleibt der Beamer mattschwarz und trumpft mit einem strahlend metallicblauen Ring um die Optik auf, der die InFocus-Traditionsfarbe repräsentiert und als Erinnerung an den blau illuminierten Ring des SP8602 gelten dürfte.

Beamer InFocus SP8604 im Test, Bild 2Beamer InFocus SP8604 im Test, Bild 3Beamer InFocus SP8604 im Test, Bild 4Beamer InFocus SP8604 im Test, Bild 5
Die Oberfläche der Oberseite ist in Hochglanzschwarz gehalten. Dort befindet sich das Steuerkreuz für die Bedienung am Gerät. Löblich ist der echte Netzschalter, der den Beamer komplett vom Strom trennt und der sich auf der Rückseite befindet. Ebenfalls auf der Geräteoberseite fällt eine Klappe am Bug auf. Diese lässt sich trickreich nach vorne ziehen und an zwei Positionen einrasten. Wozu, fragen Sie sich? Ganz einfach: Unter der Klappe liegt das horizontale (+/– 10 %) und vertikale (–40 %/+120 %) Lensshift des SP8604. Schön, dass auch DLP-Beamer langsam diese Option bieten. Die Optik selbst weist zwar lediglich einen Zoomfaktor von 1,25:1 auf (Projektionsverhältnis 1,54–1,93), kann jedoch optional durch eine Weitwinkelversion (Festbrennweite mit 0,77:1) oder ein Tele (1,93– 2,89) ersetzt werden. Diese Möglichkeiten lassen den InFocus gar zum mit Abstand flexibelsten DLP-Beamer seiner Preisklasse werden. Etwas fummelig ist die manuelle Verstellung von Zoom und Fokus, für die man mit dünnen Fingern in die Aussparung greifen muss. Im Inneren werkelt ein 0,65-Zoll-Full-HD-Single-DLP-Chip von Texas Instruments in der Darkchip-3-Ausführung. Dazu gesellen sich ein Sechs-Segment-Farbrad mit doppelter RGB-Bestückung sowie ein Pixelworks-Chip, der mit 10-Bit-Videoverarbeitung die Skalierung und das Deinterlacing übernimmt. Ein weiterer Chip übernimmt die auch im SP8604 integrierte Motion- Smoothing-Funktion. Die Lampe leistet 280 Watt im normalen und 230 Watt im Eco-Betrieb, was für ein ausreichend helles Bild sorgen und für maximal 1700 Lumen gut sein soll. Dank Dynamic Black in Zusammenarbeit mit einer dynamischen Iris und Unishape-Lampentechnologie, die über einen Wave-Generator auf Millisekunden-Basis in der Lage ist, Licht nach Bedarf zu modulieren, gibt der Hersteller den Beamer mit 30.000:1 Maximalkontrast an. Die Lampenbetriebsdauer klettert von 2500 Stunden beim SP8602 auf 3000 Stunden, und die Gerätegarantiezeit beträgt ganze fünf Jahre auf die Teile und immerhin noch ein Jahr auf den kostenlosen Lampentausch. Als Anschlüsse finden sich sämtliche analogen Inputs in einfacher Ausführung sowie drei HDMI-Eingänge, was in der Preisklasse nahezu einzigartig ist. Zwei 12-Volt-Trigger- Ausgänge zur Steuerung einer Leinwand oder einer Maskierung komplettieren das Angebot. 

Setup und Bildqualität


Werkseitig steht der InFocus im Bildmodus „Normal“, was über den gesamten Helligkeitsverlauf mit rund 6000 Kelvin etwas zu warm erscheint, jedoch recht linear bleibt und ebenso eine ansprechende Gammakurve erzeugt, wie einen bereits recht passenden Farbraum präsentiert. Da der SP8604 keine RGB-Gain-Offset-Kalibrierungsmöglichkeit anbietet, müssen wir uns für ein Farbtemperaturpreset entscheiden. Zur Wahl stehen insgesamt sechs. Nahe der Norm von 6500 Kelvin liegen „normal“ und „kühl“ – Ersteres liegt um 6000 Kelvin, Letzteres bei circa 7000 Kelvin. Einen Mittelweg, der exakt auf die Norm kommt, gibt es nicht, weshalb wir uns aufgrund heutiger Sehgewohnheiten und höherer Lichtausbeute für die 7000-Kelvin-Variante und den Modus „kühl“ entscheiden. Der Farbraum lässt sich über ein Color-Management und entsprechendes Messequipment sehr gut an die HD-Norm anpassen und bei deaktiviertem Dynamic Black erscheint sogar der Gammaverlauf am Ende mustergültig. In der Praxis liegen dann gut 642:1 ANSI Kontrast bei einer maximalen Helligkeit von 970 Lumen an – wohlgemerkt im Eco-Modus, der in der Stellung Dynamic Black „2“ und aktivierter Iris einen Schwarzwert von 0,03 und somit einen Maximalkontrast von 32333:1 zulässt. Es passiert nicht oft, dass ein Beamer die Werksangaben übertrifft. Allerdings regelt die dynamische Steuerung bei Dynamic Black „2“ auch recht aggressiv und nicht so schnell, wie man es sich wünschen könnte. Werden helle Elemente in dunkle Bilder eingefügt (beispielsweise Schrifteinblendungen auf schwarzem Hintergrund) hellt die Iris sichtbar auf. Einen guten Kompromiss, gerade für den Betrieb im nicht ganz abdunkelbaren Raum, stellt Dynamic Black „1“ dar. Hier wird zwar nicht das ganz tiefe Schwarz erreicht, dafür erscheint die dynamische Kontrastregelung nicht so auffällig. SD-Material wird zuverlässig auf die volle HD-Auflösung hochgerechnet und der InFocus beherrscht auch das Deinterlacing ohne Probleme oder unschöne Kanten. Leichtes Spiegelrauschen, sogenanntes „Dithering“, ist auf uniformen Hintergründen sichtbar, stört aber nur bei extrem geringem Betrachtungsabstand.

HD-Signale


Der InFocus zeigt ein pixelgenaues und nur in äußersten Randbereichen leicht abgesoftetes Bild, das HD-Quellen plastisch und lebhaft auf die Leinwand bringt. Der von uns mit 7000 Kelvin dezent zu kühl gewählte Graustufenverlauf fällt im laufenden Film nicht auf, und die akkurate Farbdarstellung ermögliche die Wiedergabe, wie sie vom Regisseur gewünscht wurde. Das leichte Spiegelrauschen interpoliert geringfügig mit bewusstem Korn diverser Filme und lässt in dunklen Szenen hin und wieder Unruhen aufkommen. Allerdings bringt der hohe ANSI-Kontrast Bilder derart prägnant auf die Leinwand, dass es eine wahre Freude ist, dem SP8604 bei der Arbeit zuzusehen. Das Farbrad rotiert schnell genug, um nur an extremen Kontrastübergängen für Regenbogeneffekt-empfindliche Augen ein Farbblitzen zu offenbaren. Der Lüfter bleibt im Eco-Modus vollkommen unauffällig.

Motion Smoothing


Bei der im deutschen Menü unglücklich übersetzten „Bewegung Glättung“ stehen drei Modi zur Verfügung, die sich jedoch nicht im Geringsten unterscheiden – hier scheint die Softwareprogrammierung noch nicht perfekt. Die Aktivierung der Bewegungskompensation bewirkt verhältnismäßig ruhige Bilder, die nicht übertrieben starr bleiben und noch einigermaßen filmisch wirken. Senkrechte Elemente verschwinden in Schwenks zwar auch hier ab und an, jedoch ist der gewählte Kompromiss recht gut gewählt. Stellt sich die Frage, ob es sich um den Modus „niedrig“, „mittel“ oder „hoch“ handelt. Finger weg von der im gleichen Untermenü befindlichen „Bewegung Glätte Schärfe“. Diese in drei Positionen (1– 3) aktivierbare Funktion überschärft das Bild schon in der niedrigsten Einstellung dramatisch und unnatürlich.

Fazit

Mit einem Preis von 1.700 Euro ist der SP8604 eines der preislich attraktivsten Geräte am Markt. Noch dazu liefert er sehr gute Bildqualität mit hohem Kontrast und Helligkeitsreserven. Sowohl auf monetärer als auch auf qualitativer Ebene ist es schön, dass der SP8604 den Weg über den großen Teich zu uns gefunden hat.

Preis: um 1700 Euro

Beamer

InFocus SP8604

Spitzenklasse


01/2012 - Timo Wolters

 
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Autor Timo Wolters
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