Kategorie: Beamer

Einzeltest: Sim2 M.150


State of the Art

Beamer Sim2 M.150 im Test, Bild 1
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Full HD, 3D, Bewegungswiedergabe – was bei den meisten Heimkinoprojektoren zum Standard gehört, ringt der italienischen Nobel-Projektormanufaktur SIM2 lediglich ein müdes Lächeln ab. Hier werden Innovationen entwickelt, und der M.150 ist ein ganz besonderes Beispiel dafür.

Wie ein Monument steht der M.150 vor einem, sobald man ihn aus dem Karton genommen hat. Eine in Aluminium, gummiertem Kunststoff und Rauchglas eingefasste Skulptur, die allein durch ihr stattliches Gewicht von 28 Kilogramm ihren High-End- Status demonstriert. Kein Knopf, kein Bedienelement, kein manueller Fokus- oder Zoomring stören die Optik, lediglich die Produktbezeichnung prangt selbstbewusst und stolz in Designschrift auf der Glasfront. Dieser Projektor ist mehr als ein Lichtwerfer, er ist ein Statement. Ein Statement dessen, was technisch möglich ist, verpackt in eine Hülle, die jedes Wohnzimmer schmücken wird.

Beamer Sim2 M.150 im Test, Bild 2Beamer Sim2 M.150 im Test, Bild 3Beamer Sim2 M.150 im Test, Bild 4Beamer Sim2 M.150 im Test, Bild 5Beamer Sim2 M.150 im Test, Bild 6Beamer Sim2 M.150 im Test, Bild 7
Abgesehen von der äußeren Hülle interessiert uns natürlich, was die Italiener dem M.150 für elektronische Bauteile spendiert haben. Sein Herzstück, mithin seine Besonderheit, besteht aus einer LED-Lichtquelle. Drei neue und leistungsstarke „Phlatlight“-LEDModule von Luminus sorgen für lang anhaltende, energiesparende und farbkräftige Wiedergabe. 30.000 Stunden gibt Sim2 für die Leuchtzeit der LEDs an, und auch nach langer Betriebsdauer soll die Leuchtkraft um weniger als fünf Prozent nachlassen. Hinzu kommt ein deutlich höherer Wirkungsgrad, der das vormalige LED-Problem bei Beamern beseitigen soll. Waren bisherige LED-Projektoren etwas zu lichtschwach, gibt Sim2 den M.150 mit 1000 ANSI-Lumen Helligkeit an. Das reicht, um auch ein weiteres Feature zu integrieren und damit das Alleinstellungsmerkmal des Beamers zu definieren. Der M.150 ist der erste und bisher einzige Full-HD-LED-Heimkinoprojektor, der Bilder in 3D wiedergeben kann. Noch dazu ist er auch der schnellste 3D-Projektor, der aktuell auf dem Markt ist. Schnell deshalb, da der M.150 die kürzesten „Aus-Zeiten“ zwischen zwei Bildinhalten für das rechte und linke Auge hat. Wurden bisher minimal 2 ms angegeben, erreicht der SIM2 einen Wert von 0,9 ms. Das reduziert Ghosting-Effekte weiter drastisch und erhöht vor allem die effektive Helligkeitsausbeute im 3D-Betrieb, denn: je weniger „Aus-Zeit“, desto mehr Zeit, in der Signal und somit Licht zum Auge des Betrachters gelangt. Hinzu kommt ein Fakt, der gerade bei LED-Beamern zu mehr Helligkeit führt, der sogenannte Helmholtz-Kohlrausch-Effekt. Dieser beschreibt, dass die menschliche Wahrnehmung der Helligkeit auch mit der Zunahme der Farbsättigung steigt. Da LED-Lichtquellen eine sehr starke Sättigung haben, erscheinen die angegebenen 1000 ANSI-Lumen entsprechend subjektiv noch einmal heller. Optisch setzt der M.150, typisch für Sim2, auf Wechselobjektive, die einen Zoombereich von 1,5:1 bis 3,9:1 abdecken. Auf Wunsch gibt es auch ein Superweitwinkel mit 0,675:1 Zoom. Unser Testgerät war mit einem 1,5:1 – 2,1:1-Objektiv ausgestattet. Grundsätzlich alle Objektive lassen sich per elektrischer Lens-Shift-Funktion um +60 % und -25 % in der Vertikalen und +/-8 % in der Horizontalen verschieben. Nachdem man in Sachen Lichtquelle, Software und Optik bereits auf das heute technisch Mögliche setzte, geht man auch beim Bildchip in die Vollen. Zum Einsatz kommt der aktuelle DarkChip-4 aus dem Hause Texas Instruments, der im Verbund mit der Dynamic-Black-Schaltung und der schnellen Ansteuerung der LED-Lichtquelle für einen dynamischen Kontrast von 100.000:1 sorgen soll. In Sachen Bildanschlüsse stehen zwei HDMI-, ein Komponenten- sowie je ein S-Video- und Videoeingang zur Verfügung. Gleich drei Triggerausgänge steuern motorische Leinwände oder Ähnliches.

Setup und Bildqualität


Bereits ab Werk gefällt der Sim2 mit einem sehr akkurat dargestellten Farbraum, der sämtliche Farben nahezu normgerecht präsentiert. Beim Graustufenverlauf hat man es jedoch etwas zu gut gemeint und ihn mit knapp 5500 Kelvin zu warm abgestimmt. Auch die Gammakurve reißt im oberen Bereich zu schnell auf. Bevor wir uns an die Kalibrierung begeben, wollen wir noch wissen, welcher Farbraum mit den LED-Leuchtquellen möglich ist, und staunen. Gerade im Rot legen die neuen Phlatlight-LEDs noch mal eine Schippe drauf, verglichen mit Sim2s bisherigem LED-Projektor, dem Mico 50. Wenn also zukünftig Filme mit erweiterten Farbräumen produziert werden, ist man mit dem M.150 bestens gerüstet. Möchte man den Sim2 möglichst perfekt kalibrieren, sollte man auf einen entsprechenden Händler vertrauen. Zum einen kommt nur dieser ins Service-Menü, in dem sich die RGB-Gain-Offset- Justierung versteckt, und zum anderen wird eine Software benötigt, die per RS232-Schnittstelle und PC oder Laptop Verbindung zum Beamer aufbaut. Mit diesem Programm ist es dann möglich, das Farbmanagement individuell anzupassen. Wie gut das möglich ist, hat selbst unsere erfahrenen Testredakteure erstaunt. Kein bisher implementiertes Color-Management hat derart exakt gearbeitet. Mittels genauer Koordinateneingabe bis zur dritten Nachkommastelle können wir Primär- und Sekundärfarben präzise auf ihrer x- und y-Position definieren und ihre Intensität bestimmen. Da sich die Einstellungen nur geringfügig gegenseitig beeinflussen, gelingt uns auch erstmalig ein nahezu perfekter Abgleich der unterschiedlichen Farbhelligkeiten. Denn es ist eine Sache, die Farben exakt dort zu positionieren, wo sie hingehören, es ist noch eine andere Sache, sie in ihrer Helligkeit einander anzugleichen. Ein Ausdruck dafür sind die sensationell geringen Farbabweichungen, die in unserem Diagramm links zu sehen sind. Der absolute Clou zum Schluss: Die Kalibrierung lässt sich auch für 3D vornehmen und getrennt speichern. Nachdem wir den Projektor derart normgerecht eingestellt haben, aktivieren wir die Dynamic-Black-Schaltung und sind zunächst etwas ernüchtert. Ein maximal erreichbarer Schwarzwert von 0,15 Lumen klingt erst einmal wenig beeindruckend. Er zeugt jedoch auch davon, dass Sim2 weder mit Tricks arbeitet, noch die LEDs einfach abschaltet, um so auf einen unrealistischen Maximalkontrast zu kommen. Dieser liegt dann bei 3333:1, wenn man die Maximalhelligkeit von 500 Lumen im kalibrierten Zustand hinzuzieht. Umso sensationeller nimmt sich dann jedoch der ANSI-Kontrast aus, der im laufenden Bild deutlich entscheidender ist und der uns zum ersten Mal dazu nötigt, noch einmal nachzumessen, da wir es kaum glauben können. Doch es bleibt dabei: Bei durchschnittlich 0,5 Lumen, verteilt auf die schwarzen Rechtecke der ANSI-Messung, und durchschnittlich 452 Lumen der weißen Rechtecke stehen am Ende unglaubliche 892:1 ANSI-Kontrast an. Dies ist ein Wert, der um gut 140 Punkte höher ist als bei unserem bisherigen Rekordhalter, dem Sim2 Lumis 3D-Solo. Die Techniker in Italien verstehen ihr Werk und versetzen uns damit in Staunen. Nachdem wir diesen hervorragenden Wert verdaut haben, wenden wir uns weiteren Bildaspekten zu. Die Signalverarbeitung des M.150 gehört zum Besten, was man für das investierte Geld bekommen kann. Upscaling und Deinterlacing gelingen ihm problemlos. Seine Schärfedarstellung ist hervorragend, wenn man sie auf einen Wert von „6“ etwas reduziert. Bei Pixel-to-Pixel-Darstellung verzeichnen wir keinerlei Overscan und bekommen den vollen Bildinhalt angezeigt. Die Konvergenz ist, Single-Chip-typisch, hervorragend und zeigt keinerlei Abweichungen. Ebenfalls glänzend ist die Farbverlaufdarstellung des Sim2. Selbst schwierige Sonnenuntergänge zeigen keinerlei Solarisationseffekt, und das DLP-Spiegelrauschen fällt extrem niedrig aus, ist nur in ganz dunklen Sequenzen zu erkennen, wenn man sehr nahe an die Leinwand kommt. Das einzige Manko im Betrieb ist weiterhin das hörbare Netzteilsurren der Phlatlight-LEDs. Dies liegt jedoch am Zulieferer. Sim2 hat mit entsprechenden Kapselungen bereits eine Reduktion erreicht. Fast unhörbar ist dagegen der interne Lüfter.

HD-Signale


Der gute Eindruck im Betrieb mit SD-Material setzt sich bei Full HD fort. Immer wieder klappen unsere Münder nach unten, da wir so viel Bilddynamik selten erlebt haben. Hier passt einfach alles: Seine extrem genauen Farben und der hohe Im-Bild-Kontrast sorgen für Gänsehautmomente, wenn Batman sich in „The Dark Knight“ den vom Joker gekaperten Truck vornimmt. Jede Lichtquelle blitzt hier sauber aus der dunklen Szenerie hervor, und jedes Einzelteil am Batpod ist erkennbar. Dazu gesellt sich die verschmierte Schminke des Antagonisten, die lebhaft und kräftig wiedergegeben wird – so muss Heimkino aussehen. Der M.150 macht dabei keinen Unterschied, ob Realfilm, Animationsstreifen oder Schwarz-Weiß-Klassiker. Er beherrscht die gesamte Spannweite der Anforderungen und gibt sich keinerlei Blöße.

Pure-Motion-Zwischenbildberechnung und 3D-Betrieb


In drei Stärken lässt sich die Pure-Motion-Zwischenbildberechnung einstellen. „Mittel“ und „Hoch“ sorgen für einen sehr ruhigen, fließenden Eindruck mit erstaunlich geringer Artefaktneigung, dafür aber sichtbar artifiziellem Videolook. „Niedrig“ hingegen wirkt filmischer, rastet nur bei mittleren Bewegungsgeschwindigkeiten ein und schaltet bei schnellen Schwenks auf ein Pulldown zurück – aus Kinoaspekten der sinnvollste Betrieb dieser Softwareschaltung. Für die Wiedergabe von 3D-Material verbinden wir zunächst den entsprechenden Transmitter mit dem Beamer. Innerhalb unseres Testraums versorgte dieser alle fünf zur Verfügung stehenden Brillen zuverlässig mit Signalen. Im laufenden 3D-Betrieb macht sich die kurze Schaltzeit sofort durch eine hohe Helligkeitsausbeute und ausbleibendes Flackern bemerkbar. Die Tiefe wirkt sehr ausgewogen, ohne zu übertreiben. Auch wenn weitergehende Justierungen der Tiefe des 3D-Effekts fehlen, fanden die Sim2-Techniker exakt den goldenen Mittelweg. „Legende der Wächter“ und „Piraten“ erschienen extrem plastisch und wunderbar gestaffelt auf der Leinwand, Artefakte oder Doppelkonturen blieben vollständig aus.

Fazit

Viele Projektoren durften in unseren Testräumen zeigen, was sie können. Kaum einer kann dem M.150 das Wasser reichen. Für den zugegeben stolzen Preis von 20.000 Euro bekommt man einen Projektor, der sich in jeder Disziplin durch herausragende Qualitäten hervortut. Sei es nun der phänomenale ANSI-Kontrast, seine Möglichkeit zur absolut perfekten Kalibrierung oder seine sehr guten 3D-Eigenschaften – wer den M.150 sein Eigen nennt, wird jede Minute mit ihm genießen.

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Kategorie: Beamer

Produkt: Sim2 M.150

Preis: um 20000 Euro

11/2012
 
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Autor Timo Wolters
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Datum 22.11.2012, 09:01 Uhr
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Mit diesen Chassis wollte ich schon immer mal etwas bauen. Dass ich sie allerdings jemals zusammen in einer Box haben würde, hätte ich dann doch wieder nicht erwartet – dass das Ganze so gut werden würde, dann schon eher.

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