Kategorie: Beamer

Einzeltest: Vivitek H9080FD


Revolution?

Beamer Vivitek H9080FD im Test, Bild 1
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Zugegeben, das Wort Revolution ist bedeutungsschwanger und hochtrabend. Nichts anderes jedoch kommt einem in den Sinn, wenn man die Technik des H9080FD von Vivitek genauer betrachtet.

Sie sind überall: in Taschenlampen, in der Wohnzimmerleuchte, in Autoscheinwerfern und jetzt auch im Heimkino - LEDs. Schon seit geraumer Zeit geistern Gerüchte und Meldungen über Beamer mit Leuchtdioden als Lichtquelle durch die Szene, und es konnten sogar schon Geräte auf Messen begutachtet werden. Mit dem Vivitek H9080FD kommt nun der erste Serienprojektor auf den deutschen Markt, in dessen Herz nicht mehr eine herkömmliche Lampe das Licht abgibt, sondern eben Leuchtdioden. HEIMKINO konnte als eines der ersten Magazine ein Exemplar detailliert unter die Lupe nehmen.

Projektor und Technik

„Wow, was für ein Bolide“, entfährt es mir spontan, als ich den Karton des Vivitek öffne. Satte 16,6 Kilogramm und 52 x 55 Zentimeter groß, das Gehäuse aus schwarzem und silbernem Aluminium gefertigt, ist es schon eine kleine Herausforderung, das Gerät aus seiner Kartonpolsterung herauszunehmen.

Beamer Vivitek H9080FD im Test, Bild 2Beamer Vivitek H9080FD im Test, Bild 3Beamer Vivitek H9080FD im Test, Bild 4Beamer Vivitek H9080FD im Test, Bild 5
Die dazugehörige Fernbedienung ist dagegen eine alte Bekannte und wird nicht die einzige Ähnlichkeit zum Planar 8130/8150 bleiben. Die Anschlüsse sucht man zunächst vergeblich, befinden sich diese doch hinter einer verschraubten Klappe am Heck des Beamers. Einmal freigelegt, ist dort alles, was ein High-End-Beamer an Konnektivität braucht: zweimal HDMI, zweimal Komponente - wovon eine als BNC-Version ausgelegt ist - zwei 12-Volt-Trigger-Ausgänge, ein VGA-Eingang, eine RS-232-Schnittstelle und zur Not auch ein S-Video- und Video-Input. Die Optik des Vivitek ist für einen DLP-Beamer recht flexibel. Zwar liefert er einen relativ eingeschränkten Zoom von 1,3, bietet aber einen (per Inbusschlüssel manuell vornehmbaren) Lens-Shift von +/- 120 % vertikal und +/- 30 % horizontal. Die eigentliche Singalverarbeitung übernimmt der Gennum VXP 9450-Chip, den wir ebenfalls aus den großen Planar- Projektoren kennen und der hier wie dort eine hervorragende Leistung zeigt. Konzentrieren wir uns nun aber auf das Herzstück des Vivitek, seine LED-Lichtquellen. War das bisherige Problem der LED-Technik die geringe Leuchtstärke, so gelang es vor allem dem Hersteller Luminus mit seinen PhlatLight (Modell: PT-120) genannten Leuchtdioden, diese in bisher unerreichte Helligkeitssphären zu hieven. Vivitek gibt den H9080FD mit 800 Lumen an, was absolut dem derzeitigen Stand der Technik entspricht und auf einer Höhe mit den SXRD-Beamern von Sony oder den D-ILA-Varianten von JVC (beide mit herkömmlichen Lampen) liegt. Der Lichtweg selbst ist nicht neu konzipiert worden, sondern wiederum bekannt aus den Single-Chip-DLP-Beamern von Planar. Das LED-Modul ähnelt ein wenig dem Aufbau eines 3-LCD-Chips: Die drei Leuchtdioden (für jede Primärfarbe Rot, Grün und Blau jeweils eine) sitzen auf einem großen Kühlkörper an je einer von drei Seiten eines viereckigen Käfigs. Liegt Strom an, werden die Lichtsignale der LEDs über ein Linsen- und Spiegelsystem überlagert bzw. gemischt und auf einem gemeinsamen Weg an der vierten Seite zum DMD-Chip weitergegeben. Die Leuchtdioden selbst sind nicht mal so groß wie der Nagel eines kleinen Fingers, ziehen aber bis zu 30 Ampere Strom, was den Kühlkörper an der Unterseite genauso erklärt wie die zusätzliche Belüftung und das große Gehäuse des Vivitek. Angesteuert werden die LEDs von einer Osram-Signaltreibereinheit, die in der Lage ist, eine sehr schnelle Taktung zu ermöglichen. Denn nach wie vor werden die Farben beim Vivitek, wie bei jedem anderen Single- Chip-DLP, sequenziell auf die Leinwand geworfen. Geschah dies bisher jedoch über ein Farbrad, das die einzelnen Farben aus dem Lichtspektrum der Lampe herausfi lterte, müssen nun also die Leuchtdioden nacheinander angesteuert werden. Während ein Farbrad jedoch mit maximal sechsfacher Netzgeschwindigkeit rotiert (also im Falle von PALSignalen max. 300 Hz erreicht), kann das Osram-Modul die LEDs mit bis zu 18-facher Geschwindigkeit ansteuern - der gefürchtete Regenbogeneffekt wird so praktisch eliminiert. Noch dazu kommt, dass Leuchtdioden wesentlich schneller an- und ausgeschaltet werden können und die Umschaltzeit von einer Farbe auf die nächste praktisch nahtlos erfolgen kann. Während bei einem Farbrad durch dessen Rotation immer während des Übergangs von einer zur anderen Farbe der DMD-Chip ausgeschaltet werden musste, kann dies nun entfallen - somit erhöht sich die mögliche Farbtiefe, Solarisationseffekte (ein häufig sichtbarer Nachteil von Ein-Chip-DLPs) werden minimiert und die Grundhelligkeit erhöht sich. Die von Vivitek angegebene Dynamic Iris ist ein wenig missverständlich, handelt es sich doch nicht um eine Blende im Lichtweg, sondern um eine dynamische Ansteuerung der Leuchtdioden. Im Gegensatz zur bisherigen Lampentechnik können die LEDs eben auch in Echtzeit gedimmt oder an- und ausgeschaltet werden so dass die Helligkeit des Signals direkt an der Lichtquelle beeinfl usst werden kann. Nicht zu vernachlässigender Aspekt der LED-Technik: Sie zieht immer nur so viel Strom, wie sie gerade tatsächlich und in Abhängigkeit zum Bildinhalt braucht (in unserem Fall waren das zwischen 50 und 230 Watt) und hat eine Lebensdauer von 20.000 Stunden. Das bedeutet die zehnfache Zeit einer durchschnittlichen UHP-Lampe, und das bei gleich bleibender Helligkeit!

Setup und Bildqualität

Einmal in Betrieb genommen, offenbart sich direkt ein Unterschied zu bisherigen Projektoren. Die LEDs benötigen kaum Anlaufzeit und das Bild erscheint sehr schnell in voller Leuchtstärke auf der Leinwand. Auch Ausschalten gestaltet sich unproblematisch, geht der Vivitek doch fast augenblicklich in Standby. Vorbei also die Zeit, in der man aufgrund eines möglichen Stromausfalls um die Leuchtquelle seines Beamers bangen musste, denn die LEDs brauchen keine Zeit zur Abkühlung. Zunächst messen wir den Vivitek so, wie er aus dem Karton entnommen wird und sind bereits begeistert über das sehr gute Kino- Preset: Der Farbraum liegt nahezu am Optimum, die Graustufendarstellung ist bereits sehr gut und das Gamma liegt mit 2,2 genau auf dem Punkt. Nun wollen wir es aber wissen, stellen den Beamer unter dem Menüpunkt Farbskala auf „Nativ“ und erhalten einen Farbraum, wie wir ihn bisher noch nicht erleben durften. Selbst Xenon-Lampen kommen da nicht heran - weder vom Umfang noch vom Spektrum her, ganz zu schweigen von einem UHP-Lampen-Beamer (siehe Technikkasten auf Seite 61). Bevor nun alle Heimkinopuristen aufschreien, dass ein riesiger Farbraum nichts für aktuelle Disks ist - der Vivitek liefert Presets für alle nötigen Farbräume und lässt sich zusätzlich in Grund- und Sekundärfarben kalibrieren. Allerdings muss man hier zunächst den nativen Farbraum anwählen, um den Unterpunkt „HSG“ freizuschalten und kann sich dann (geeignetes Messequipment vorausgesetzt) durch drei Variablen für jede Farbe arbeiten. Warum wir dem Vivitek als Vorteil auslegen, was wir anderen ankreiden? Nun: Ein gleichmäßig(!) großer Farbraum ist prinzipiell nicht schlecht, solange man ihn entsprechend auf die Norm bzw. die jeweilige Quelle einstellen kann. Allein die Möglichkeit, die der Vivitek gegenüber zukünftig mit solchen Farben gemasterten Disks bereithält sowie seine Reinheit und das deutlich bessere Farbspektrum, machen ihn momentan einzigartig.

SD-Signale

Da der Gennum-Chip seine Arbeit hervorragend erledigt und zudem gleich neun Parameter für Schärfe und drei Regler für das Rauschverhalten anbietet, sind PAL-Signale, egal welcher Auflösung, kein Problem für den Vivitek. Interessant ist, wie sich die adaptive Lichtstromanpassung schlägt. Die im Menü nach wie vor „Blende“genannte Option lässt sich in drei Modi betreiben und sorgt für unterschiedliche Kontrasteindrücke: Im nativen, also ausgeschalteten Zustand liegen ca. 2400:1 Kontrast an, im Modus „Ein“ erhöht sich der Maximalkontrast auf 11625:1 und in der „Ultra-DI“-Einstellung geht es bei einem Schwarzwert von 0,02 hoch auf 23250:1. Die Einstellung „Unendlich“ ist ein Gag und schaltet die LEDs bei schwarzem Bild einfach komplett aus. Das sorgt für einen tatsächlich unendlichen Kontrast, ist jedoch im laufenden Bild nicht anwendbar. Mit schwierigen Kontrastsprüngen gelingen dem Vivitek im dezenten Modus „Ein“ die überzeugendsten Bilder, da er in der Variante „Ultra-DI“ ein bei Mischhelligkeiten sichtbares Pumpen zeigt und auch gerne mal hell leuchtende Sterne auf schwarzem Hintergrund rötlich einfärbt. Noch härter geht der Vivitek zu Werk, wenn die adaptive Kontrastverstärkung dazukommt: Hier wird das Pumpen und Regeln noch stärker sichtbar und trübt den Gesamteindruck. Jedoch kann der H9080FD auch mit der Blenden-Einstellung „Ein“ schon überzeugen und sorgt dank seiner hohen Helligkeit für einen ungemein plastischen Bildeindruck.

HD-Signale

„Crank 2“ mit seinen extrem scharfen Einstellungen stellt den Vivitek hinsichtlich seiner Plastizität auf den Prüfstand und ausgenommen ganz dezente Überschärfungen gibt er die Disk derart plastisch wieder, dass man beispielsweise bei der Jeans (17’16) meint, diese wirklich anfassen zu können. Zum Leidwesen der einen oder anderen halbnackten Schauspielerin offenbart der Vivitek mit solch einer scharfen Disk auch unschöne Hautunreinheiten oder Dellen an exponierten Körperstellen. Wie sich der Vivitek gibt, wenn man trotz nicht mit erweitertem Farbraum gemasterte Disks mit seiner nativen Farbdarstellung wiedergibt, überprüfen wir mit Pixars Blu-ray von „Die Monster AG“. Es ist einfach schlicht unbeschreiblich, welche Farben man hier plötzlich zu Gesicht bekommt: Die rote Weste des Monster-AG-Bosses ist ungemein kräftig und Sullys Fell ist zum Reinwuscheln türkis. Das wird nicht jedem gefallen, muss es aber auch nicht, denn abschalten kann man es ja immer noch. Dennoch erlebt man Animationsfilme praktisch völlig neu.

Fazit

Vivitek schafft es mit dem H9080FD auf Anhieb, eine neue Technik zu etablieren, welche in der Tat die Heimkinoprojektion revolutionieren könnte. Die im Test ausgemachten Probleme liegen größtenteils im Bereich kleinerer Korrekturen und sollten in folgenden Generationen behebbar sein. Wenn dann noch Filme mit entsprechenden Farbräumen gemastert werden, steht uns ein ganz neues Seherlebnis ins Haus.

Preis: um 15000 Euro

Beamer

Vivitek H9080FD

Referenzklasse


11/2009 - Timo Wolters

 
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Autor Timo Wolters
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Datum 24.11.2009, 10:35 Uhr
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