Kategorie: CD-Player

Einzeltest: Mark Levinson No. 5101


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CD-Player Mark Levinson No. 5101 im Test, Bild 1
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Das Format SACD war ja eigentlich nach dem Ausstieg des Erfinders Sony dem Untergang geweiht – aber das hat man irgendwann auch einmal über die Schallplatte gesagt – und wo die heute steht, ist ja allen bekannt.

Ich hole hier mal ein bisschen weiter aus, um vielleicht auch mein persönliches Verhältnis zur SACD zu erklären: Ich bin ein Schallplattenhörer. War ich schon immer. Als ich angefangen habe, richtig intensiv Musik zu hören, gab es zwar schon die ersten CD-Player, aber sowohl die Abspielgeräte als auch die Medien waren teuer. Wenn ich mich recht entsinne, reden wir bei nicht reduzierten Neu-Veröffentlichungen von etwa 19 bis 22 D-Mark für eine Schallplatte und 35 bis 40 Mark für eine CD. Und dazu kam, dass gerade in den frühen Tagen der CD von den Plattenfirmen sehr viel Mist bei der Neuveröffentlichung des Back-Katalogs auf dem digitalen Medium gebaut wurde: Hastige Produktion großer Stückzahlen und schlampiges Re-Mastering haben sehr stark dazu beigetragen, dass in bestimmten Kreisen der Ruf der CD komplett ramponiert wurde.

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Der immer wieder Satz „Platte klingt besser als CD“ ist in seiner Grundsätzlichkeit zu einfach gedacht und von den technischen Möglichkeiten her Blödsinn, statistisch gesehen aber zu verstehen. Die SACD, der im Bereich des musikalischen Massenmarkts eine nur kurze Karriere von etwa 10 Jahren beschert war, markiert aber noch eine wichtige Station in der Musikgeschichte: Sie ist, neben der noch weniger erfolgreichen DVD-Audio, die wohl letzte halbwegs erfolgreiche Entwicklung eines physikalischen Tonträgers. Danach kamen zunächst die Download- Musikportale, die heute mehr und mehr von den Streaming-Diensten verdrängt werden. Und doch spielt vor allem in Kreisen der Audiophilen die SACD immer noch eine Rolle: Kleine Labels veröffentlichen vor allem hochwertige Klassikaufnahmen auf diesem Format, sei es, um das letzten Quäntchen Klangqualität herauszukitzeln, sei es, um mit einem Mehrkanal- Tonträger räumlich besonders realistisch wiederzugeben.  

Der Formatstreit „Analog vs. Digital“ wird seit den frühen 2000er Jahren auch als „DSD vs. PCM“ ausgetragen: Das weiter verbreitete PCM-Format, das bei der Audio-CD mit einer Auflösung von 16 bit und einer Abtastrate von 44,1 kHz erreicht heute Raten von 32 bit und 384 kHz – nach oben setzt immer nur die gerade aktuelle Hardware Grenzen. Dagegen arbeitet das DSD-Format mit einem konstanten 1-Bit-Strom mit Samplingraten von bis zu 11,2 MHz in dem das Musiksignal per Pulsweitenmodulation übertragen wird. Eigentlich ist die Formatdiskussion aber obsolet, denn in nahezu allen aktuellen Delta-Sigma-Wandlern wird das PCM-Format in ein Bitstrom-Format konvertiert, bevor das Signal analog gewandelt wird. Anders herum kommunizieren die meisten DSD-Geräte, wie auch der ML 5101, digital nur im PCM-Format mit anderen Geräten.   

Technik

 
Letzteres ist mit unserem Testgerät nicht möglich: Er gibt alle ihm angelieferten Tonformate nur in Stereo wieder aus. „Tonformate“ bedeutet in Falle des Mark Levinson 5101 nicht nur SACD und CD, sondern auch alle möglichen anderen PCM-Formate und komprimierte Dateien, so lange sie den heute gängigen Standards angeht. Das Schöne daran: Diese Formate müssen nicht einmal auf einem Datenträger gebrannt werden, sondern können über die reichlich vorhandenen Schnittstellen von außen zugespielt werden. Der ML 5101 ist nämlich nicht nur ein Player, sondern auch ein hoch entwickelter DA-Wandler, der sogar, eine entsprechende App auf dem verbundenen Gerät vorausgesetzt, Online-Streaming-fähig ist. Der Fokus liegt aber hier (noch) nicht auf den immer mehr vorhandenen Hi-Res-Streams, denn die Client-Funktionalität im Gerät selbst konzentriert sich auf über USB oder das Netzwerk angeschlossene Datenträger, in denen mal über den 5101 selbst oder über eine entsprechende UPnP-App navigiert. Und mit der Harman-App „MusicLife“ klappt es dann auch mit TIDAL und Co.  

Das Laufwerk des Mark Levinson ist ein im High-End-Bereich eher seltenes Tierchen: Es handelt sich hier um ein Slot-In-Drive, wie es die meisten von uns am ehesten noch aus dem Car-Hifi -Bereich kennen, vielleicht noch von dem einen oder anderen iMac oder PC-Laufwerk. Das ist natürlich erst einmal nicht so beeindruckend wie eine schwere Metallschublade, die dem ehrfürchtigen Beobachter langsam entgegenfährt, die Silberscheibe dann aufnimmt und wieder zurückfährt. Allerdings hat der ML 5101 in dem Zeitraum schon die SACD eingelesen und befindet sich schon mitten in der Wiedergabe. Schnelligkeit ist aber nicht das einzige Argument: Bei einem Slot-In-Laufwerk bleiben alle wiedergaberelevanten bewegten Bauteile an Ort und Stelle und können dementsprechend solide gelagert werden – in unserem Falle auf einem sehr steifen Stahlrahmen, der seinerseits gegenüber dem Gehäuse schwimmend gelagert ist.  

Überhaupt macht das Gehäuse seinem Hersteller alle Ehre: Der ganze Player ist schwer, solide und von einer hervorragenden Anfassqualität. Optisch entspricht er den modernen Baureihen Mark Levinsons mit ihren angefasten Frontplatten. Im Inneren sind die Baugruppen klar getrennt: Das bereits beschriebene Laufwerk sitzt vorne hinter der Frontplatte, dahinter gibt es eine klare Abgrenzung zur rundum gekapselten und damit noch einmal abgeschirmten Netzteilsektion in ihrem „Stahlkäfig“ an der Unterseite. Huckepack darauf – selbstverständlich ihrerseits schwimmend gelagert – ruht die Wandler- und Audio-Platine des ML 5101. Und die ist groß geworden, sogar sehr groß. Mal ganz ehrlich: Eine DSD- und PCM-fähige Wandlerplatine lässt sich heute in der sprichwörtlichen Zigarettenschachtel unterbringen. Aber eben nicht, wenn man es richtig konsequent macht: Die ESS-Sabre-Wandlersektion hat zusätzlich zum schon ordentlich gesiebten Netzteil, noch sage und schreibe fünf eigene stabilisierte Spannungsregler, die schaltungstechnisch so nah wie möglich am jeweiligen Verbraucher liegen – sauber. Was sonst noch auffällt: Die großen vergoldeten Flächen entlang der Außenkante der Platine. Diese dienen den Transistoren der Regler als Abwärmefläche. Theoretisch hätte man bei Mark Levinson hier noch zusätzliche Kühlkörper anbringen können – in der Praxis entsteht hier aber kaum nennenswerte Abwärme, so dass die vergoldeten Flächen völlig ausreichen, schließlich arbeitet hier ein DA-Wandler und keine Endstufe.  

Praxis  


Mit der Außenwelt kommuniziert der ML 5101 digital ausschließlich im PCM-Format – die DSD-Übertragung beschränkt sich auf das interne Abspielen und Wandeln von SACDs. PCM-Signale, auch in komprimierter Form, können dagegen sogar gebrannten CD-ROMs wiedergegeben werden. Ein- und ausgangsseitig gibt es koaxiale und optische Buchsen. Dazu kommt eine WLAN-Antenne, die aber ausgeschaltet wird, sobald der Mark Levinson per RJ45-Kabel im Netzwerk eingebunden wird. An eine USB-Buchse kann ein externes Speichermedium angeschlossen werden, dessen Musikdatenbank der 5101 dann einliest. Analog geht es per Cinch oder symmetrisch per XLR raus.  

Beim Hörtest ist mir aufgefallen, dass ich mich damals wohl sehr über das Format SACD gefreut haben muss, denn ein nicht unerheblicher Teil meiner CD-Sammlung besteht aus den damals so beliebten Hybriden: Silberscheiben, bei denen sowohl ein PCM-, wie auch ein DSD-Layer vorhanden ist. Umso besser, kann ich doch hier unter anderem sehr schnell die Formate vergleichen.  

Mein All-Time-Favorit bei reinen SACDs ist der Soundtrack des fantastischen „O Brother Where Art Thou“, ein Film der Coen-Brüder, eine Mischung aus Roadmovie und Musikfilm, der sich grob an Homers Odyssee orientiert und im amerikanischen Süden der 1930er Jahre spielt.  

Den Soundtrack hat die Band um Alison Krauss eingespielt – in einem sehr authentischen und vor allem in seiner rohen Direktheit unglaublich dynamischen Klang. Zum Beispiel das in verschiedenen Versionen eingespielte „Man of Constant Sorrow“ offenbart klar die Überlegenheit der SACD gegenüber der CD, die ich mir damals schon zu Vergleichszwecken gekauft habe. Was ich damals wie heute immer wieder spannend finde: Die Überlegenheit der SACD springt dem Hörer nicht ins Gesicht, sondern entfaltet sich auf eine subtilere Art: Die mögliche größere Dynamik wird ja so gut wie nie ausgereizt, und doch wirkt die SACD über den Mark Levinson einfach größer, mächtiger und dabei unendlich detailverliebt und subtil. Und auch über PCM ist die Marschrichtung dieselbe: Musik, die mir vorher über CD klanglich völlig ausreichte, ja, die ich sogar wirklich gelungen aufgenommen und produziert fand, wirkte gegenüber einem hoch aufgelösten Download fast schon grobschlächtig und harsch. Für sich genommen war aber genau diese CD gegenüber meinem geliebten alten Sony-Boliden aus der legendären ES-Serie vom Mark Levinson fast schon wieder eine Offenbarung – in Sachen Wandlertechnik ist der ML 5101 auf jeden Fall ganz weit vorne.  

Zum Schluss noch das alte Analog-Digital- Duell: Die Rolling-Stones-Reissue von ABKCO aus den frühen 2000er Jahren wurde parallel auf CD, SACD und Schallplatte veröffentlicht: Hier findet der ML 5101 eine wunderbare Synergie aus der ruhigen Kraft der digitalen Wiedergabe und dem analogen Charme der Schallplatte – ein wundervolles Gerät!

Fazit

Als SACD-Player und DA-Wandler ist der ML 5101 gleichermaßen souverän und auf höchstem Niveau.

Preis: um 6000 Euro

Ganze Bewertung anzeigen

CD-Player

Mark Levinson No. 5101

Referenzklasse

5.0 von 5 Sternen

12/2021 - Thomas Schmidt

Bewertung 
Klang 70%

Labor 15%

Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie SACD-Player und DA-Wandler 
Vertrieb Harman Luxury Group 
Telefon 08031 3911600 
Internet www.mark-levinson.com 
Ausstattung
Ausführungen Schwarz 
Abmessungen (B x H x T in mm) 440/130/470 
Gewicht (in Kg) 11.5 
Eingänge Audio / Phono Nein 
Digital-Eingänge (opt./elektr./USB/LAN/WLAN) 1/1/1/1/1 
Ausgänge Audio
Digital-Ausgänge (opt. / elektr.) 1/1 
Klangregelung / Kopfhörer-Ausgang Nein 
Fernbedienung / lernfähig 1/ Nein 
Besonderheiten: symmetrische Anschlüsse 
Kurz und knapp:
+ exzellenter Klang / hochwertige Verarbeitung 
+ + Streaming-Funktion 
Klasse Referenzklasse 
Preis/Leistung sehr gut 
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Autor Thomas Schmidt
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