Kategorie: Hifi sonstiges

Einzeltest: Audes ST-3000


Kern-Energie

Hifi sonstiges Audes ST-3000 im Test, Bild 1
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Vermutlich muss ich Ihnen in der heutigen Zeit nicht mehr erklären, dass die Qualität unserer Netzspannung nicht mehr das ist, was sie einmal war. Aber vielleicht darf ich Ihnen ein probates Mittel vorstellen, das Problem ziemlich gründlich zu lösen

Filtern oder Regenerieren? Das ist sie, die Frage aller Fragen, wenn’s um die Aufbereitung des 230-Volt-Rohmaterials aus der Steckdose geht, das unsere HiFi- Komponenten speisen soll. Klar kann man sich auch im Jahre 2020 der Entscheidung einfach entziehen und sein Zeug „einfach so“ per Normalo-Steckdosenleiste in die Wand rammen. Man wird, von mehr oder weniger gelegentlich auftretenden Störgeräuschen abgesehen, vermutlich nie merken, dass man dabei ein beträchtliches Maß an klanglichen Möglichkeiten verschenkt. Generell bin ich absolut kein Freund davon, HiFi-Anlagen mit hochpreisigen Zubehörartikeln mit fragwürdigem Nutzen „aufzuwerten“.

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Beim Thema Netzversorgung zu investieren, ist heutzutage aber unabdingbar und ich kann Ihnen nur dringend raten, Experimente in dieser Art mal zu machen. Generell gelten Filterlösungen „da draußen“ als die unterlegene Art der Problemlösung, weil Filter ja angeblich Dynamik kosten. Das passiert nicht, wenn man auf eine der aufwändigen, aktiven Regeneratorlösungen setzt, die den Strom aus der Steckdose mehr oder weniger komplett neu aufbauen.

Das geht hin bis zur vollkommen entkoppelten akkkugestützen Lösung. Wenn man nicht ganz so hoch reizen will, dann bleiben nur Filterlösungen. Wobei es da solche und solche gibt. Eine definitiv kompromisslose Variante bietet der Hersteller Audes aus Estland an. Eigentlich als Lautsprecherhersteller bekannt, hat man sich dort mittlerweile zum Spezialisten für eletromagnetische Wickelgüter entwickelt, und die Früchte dessen haben wir hier vor uns. Mit dem Deckel drauf ist der ST-3000 eine eher schmucklose schwarze Kiste mit einem stattlichen Gewicht von 33 Kilogramm. Eine mit sechs Schuko-Steckdosen und einem großen 20-Ampère-Kaltgerätestecker auf der Rückseite. Sie vermuten richtig, dass letzterer den Netzeingang darstellt und erstere für den Anschluss von HiFi-Komponenten vorgesehen sind. Spektakulär wird‘s dann, wenn man hineinguckt.

Dort manifestiert sich nämlich ein vergossener Ringkerntransformator in der Größe von Muttis Marmorkuchen. Und wie die Typenbezeichnung des Gerätes schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um einen Umspanner mit einer Belastbarkeit von satten drei Kilovoltampère. Oder drei Kilowatt, wenn man’s mit der Physik nicht so genau nimmt. Das sollte reichen und macht sich auch vor einem System mit Class-A-Verstärkern der ernsteren Sorte nicht Bange. Was aber hat ein dicker Transformator in einem Netzfilter zu suchen? Und was macht er anders als ein „normales“ Filter? Sie gestatten, dass ich bei der Erklärung ein paar Vereinfachungen vornehme: Idealerweise wollen wir ein Filter, dass nur die 50-Hertz-Netzspannung durchlässt und alle anderen auf der Stromleitung vagabundierenden Komponenten nicht. Ein „normales“ Filter arbeitet mit einer Spule, die die Netzzuleitung eingefügt wird. Das ist nichts anderes als ein Stück Draht, das auf einen magnetisch reaktiven Kern gewickelt wird. Eine solche Spule fungiert als „Tiefpassfilter“, das heißt: Sie filtert Frequenzen oberhalb eines bestimmten Wertes weg. Unterhalb davon ist eine Spule „durchgängig“ und setzt dem Strom nur ihren Drahtwiderstand entgegen.
Eine Spule speichert in ihrem Kern Energie. Diese Energie nutzt sie, um kurzfristige Schwankungen des ein- oder ausgangsseitigen Stromflusses zu kompensieren. Ein Transformator kann das auch. Aber der leistet noch mehr: Bei ihm erfolgt die Kopplung zwischen eingangs- und ausgangsseitigem Stromfluss ausschließlich magnetisch, es gibt keinen „durchgängigen Draht“. Es fehlt also die berühmte „galvanische Verbindung“, was dabei helfen kann, etwaige Brummprobleme zu reduzieren. Außerdem kann man auf diese Weise das Problem mit der Netzsteckerorientierung lösen: Bei entsprechender Konzeption liegen symmetriert der Trafo die Netzspannung rund um den Erdleiter.

Damit herrschen gleiche Verhältnisse unabhängig davon, wie herum der Stecker in der Steckdose steckt. Für die eigentlich Filterwirkung entscheidend ist der Umstand, dass ein Trafo ein Bandpass- und kein Tiefpassfilter ist. Das heißt: Er sperrt nicht nur Frequenzen oberhalb der gewünschten 50 Hertz, sondern auch solche darunter. Die es durchaus reichlich gibt, sie werden zum Beispiel von klassischen Dimmern verursacht. Beim Audes ST-3000 wurden diese Tugenden mit selten gesehener Konsequenz umgesetzt. Dass der riesige Kern des Trafos ein beträchtliches Energiespeichervermögen besitzt und somit auch bei gemeinen Lastimpulsen nicht einknickt versteht sich von selbst. In der Praxis gibt sich das Gerät vollkommen unproblematisch. Das Problem, einen solch riesigen Trafo erst einmal eingeschaltet zu bekommen, ohne dass die Haussicherung fliegt, hat der Hersteller überzeugend mittels einer „Einschaltstrombremse“ gelöst, die ihren Job absolut anstandslos macht. Sie besteht aus einem Leistungswiderstand, der beim Einschalten mittels eines zeitgesteuerten Relais vor den Trafo geschaltet und nach kurzer Zeit kurzgeschlossen wird. Davon merkt man in der Praxis nichts, außerdem schaltet man ein solches Gerät auch nur selten ein und aus.

Das einzige Bedienelement ist deshalb auch der Netzschalter auf der Geräterückseite. Betriebsbereitschaft signalisiert eine sehr unauffällige kleine Leuchtdiode auf der Front des komplett schmucklosen, aber sehr solide gefertigten mattschwarzen Gehäuses. Selbstverständlich gibt’s im Inneren Schutzmechanismen gegen Übertemperatur und zu hohe Last. Während der Trafo natürlich der ganze Stolz der hauseigenen Fertigung ist, bedient man sich bei den restlichen Komponenten vorzugsweise aus den Regalen renommierter deutscher Zulieferer. Sehr schön, das findet von vorn bis hinten unsere Zustimmung. Und was passiert nun, wenn man den die Versorgung der Anlage dem Audes überantwortet? Am Erstaunlichsten finde ich die dynamischen Zugewinne, die sich damit erzielen lassen. Sogar der mächtige Accuphase E-800 tönt hiermit noch ein bisschen energischer und farbiger.

Der Effekt ist absolut vergleichbar mit dem, was der PS Audio P10 leistet, der normalerweise bei mir Dienst tut. Jener ist ein echter aktiver Spannungsregenerator, aber der passive Audes liefert definitiv ein vergleichbares Maß an Stabilität am Ausgang. Auffällig sind Dinge, die beim Abspielen guter Live-Aufnahmen passieren. Nehmen wir mal Neil Youngs legendäres Massey- Hall-Konzert, das zweifellos in diese Kategorie fällt. Sind die Raumdimensionen mit „unbehandelter“ Netzspannung schon erahnbar, zementiert der aufbereitete Netzstrom den Eindruck noch viel überzeugender. Außerdem gewinnt Neil Youngs Mundharmonika erstaunlich an Drive und Substanz, die Lokalisierbarkeit der Stimme nimmt zu.

Alleine das wunderbare „Cowgirl In The Sand“ taugt nicht nur als überzeugendes Argument dafür, die Platte zu kaufen, sondern den Audes-Netzfilter. Ähnliches gilt für die großartige Aftershow-Party „It Ain’t Over!“ von Prince. Dass dieses hitzige Gebräu an Intensität und Strahlkraft noch so deutlich zulegen kann, wenn man sich um die Qualität der Netzversorgung kümmert ist mehr als erstaunlich. Die Befürchtungen dynamischer Einbußen beim Einsatz einer solchen Lösung sind jedenfalls nicht haltbar: Wenn ich den Accuphase-Vollverstärker als Großverbraucher als einziges Gerät direkt mit dem Lichtnetz verbinde, verliert das Ergebnis merklich von seiner spektakulären Offen- und Direktheit. Wenn man sich an das, was diese Lösung zu leisten vermag einmal gewöhnt hat, ist der Weg zurück ein schwieriger: Ohne Netzaufbereitung tönt’s eindimensionaler, lustloser und grauer. Dickes Kompliment nach Estland, diese Maschine sorgt für echten klanglichen Zugewinn.

Fazit

Netzsteckerpolung, Steckerreihenfolge? Alles egal. Der Audes ST-3000 macht nicht nur solche Überlegungen beim Netzanschluss überflüssig, sondern ist in erster Linie eine Frischzellenkur für den Klang Ihrer Anlage: knackiger, größer, intensiver – unbedingt ausprobieren!

Kategorie: Hifi sonstiges

Produkt: Audes ST-3000

Preis: um 3900 Euro


10/2020
Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Netzaufbereiter 
Vertrieb TCG GmbH, Nordhorn 
Telefon 05921 7884927 
Internet tcg-gmbh.de 
Abmessungen (B x H x T in mm) 477/180/347 
Gewicht (in kg) 33 
Garantie (in Jahre)
Unterm Strich... » Netzsteckerpolung, Steckerreihenfolge? Alles egal. Der Audes ST-3000 macht nicht nur solche Überlegungen beim Netzanschluss überflüssig, sondern ist in erster Linie eine Frischzellenkur für den Klang Ihrer Anlage: knackiger, größer, intensiver – unbedingt ausprobieren! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 06.10.2020, 10:01 Uhr
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
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