Kategorie: Kopfhörerverstärker

Einzeltest: Manley the Absolute Headphone Amplifier


Der absolute High-End- Röhren-Kopfhörerverstärker?

Kopfhörerverstärker Manley the Absolute Headphone Amplifier im Test, Bild 1
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Die Manley Laboratories nennen ihren Kopfhörerverstärker ganz unbescheiden „the Absolute Headphone Amplifi er“. Dass man in den USA gerne mal große Töne spuckt, kennen wir in Europa. Die Erfahrung, dass dahinter manchmal nur heiße Luft steckt, haben wir auch schon gemacht. Schauen wir, wie sich das im Fall des Absolute Headphone Amplifier verhält.

Wenn jemand Behauptungen in die Welt setzt, tut man gut daran erst einmal zu gucken, wer diese Behauptung aufstellt. Im Fall des Absolute Headphone Amplifier kommt die vollmundige Ansage von den Manley Laboratories. Das ist schon mal definitiv eine seriöse Quelle. Wenn Manley in Europa weniger Bekanntheit ist als andere US-amerikanische HiFi-Hersteller, liegt das hauptsächlich daran, dass Manley vor allem im Bereich der Studiotechnik aktiv ist. Und hier genießen Manley-Produkte weltweit allerhöchstes Ansehen.

Kopfhörerverstärker Manley the Absolute Headphone Amplifier im Test, Bild 2Kopfhörerverstärker Manley the Absolute Headphone Amplifier im Test, Bild 3Kopfhörerverstärker Manley the Absolute Headphone Amplifier im Test, Bild 4Kopfhörerverstärker Manley the Absolute Headphone Amplifier im Test, Bild 5
Ob Mikrofonverstärker oder komplette Channel-Strips, ob Equalizer oder Kompressoren, ob Mikrofone, Mastering-Prozessoren oder Monitor-Verstärker – die meisten Studioprofis bekommen feuchte Finger, wenn sie irgendwo die manley-blauen Alu- Fronten (die seit neuestem schwarz sind), die Knebel-Drehknöpfe mit dem unwiderstehlichen Retro-Charme oder die analogen Zeigeinstrumente sehen, die für Manley-Geräte typisch sind. Als Retro könnte man auch das Innenleben bezeichnen, denn Manley setzt zum größten Teil aus Röhrentechnik, die gerade in Tonstudios einen festen Platz hat. Die HiFi-Geräte der Manley Laboratories sind dagegen weniger bekannt. Das liegt sicherlich daran, dass Röhrengeräte im HiFi-Bereich generell eher ein Nischendasein führen. Und es liegt sicherlich auch ein bisschen daran, dass das Design der HiFi-Geräte von Manley gerne etwas unkonventionell ist. Prominentestes Beispiel dürfte der Röhren-Vollverstärker Stingray sein, dessen Gehäuseform einem Rochen nachempfunden ist. Das ist der Punkt, an dem wir den Absolute Headphone Amplifier genauer in den Blick nehmen. Denn auch dessen Design ist alles andere als konventionell.  

Ausstattung


Wobei das Design vor allem zweckmäßig ist: Durch seine Form kann man seinen Kopfhörer auf dem Gerät „parken“. Die seitlichen „Griffe“ schützen die Röhren und vorne, wo das Gehäuse pultförmig ausläuft, sind die Bedienelemente platziert. Und davon gibt es beim Absolute Headphone Amplifier einige. Eine Taste dient dazu, zwischen den zwei Eingängen (Cinch) umzuschalten, die nächste, um einen der drei Ausgänge (Line/ Cinch, 6,3-mm-Klinkenbuchse und 4-Pol- XLR) zu wählen. Der Manley Absolute Headphone Amplifier kann also unsymmetrische wie symmetrische Kopfhörer ansteuern und auch als Vorverstärker eingesetzt werden. Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite des Gerätes. Eine weitere Taste erlaubt es, den Kopfhörerverstärker an verschiedene Kopfhörerimpedanzen anzupassen. Dann besitzt der Manley etwas mittlerweile exotisches wie eine Mono Schaltung, die mit einer weiteren Taste aktiviert werden kann. Selten sind mittlerweile auch der Balance-Regler und die Klangregler für Bässe und Höhen. Die Klangregler können mithilfe einer weiteren Taste aus dem Signalweg genommen werden. Ganz vorne am Gerät ragt das Einstellrad für die Lautstärke aus dem Gehäuse. Die wird intern über ein Widerstandsnetzwerk geregelt, das Rad dient also lediglich als Impulsgeber und hat keinen Anschlag. Die eingestellte Lautstärke wird mithilfe eines LED-Bandes über dem Lautstärkeregler angezeigt. Die Regelung ist recht lang übersetzt – will sagen, man muss schon ordentlich am Rad drehen, bis die Lautstärke merklich steigt bzw. sinkt. Das erlaubt es einerseits, die Lautstärke sehr feinfühlig einzustellen, andererseits lernt man die neben dem Regler angeordnete Mute-Taste zum Stummschalten schätzen. Zwei weitere Bedienelemente verdienen besondere Beachtung. Das ist zum einen der Betriebsartenwahlschalter. Die Röhren des Manley Absolute Headphone Amplifier kann man nämlich sowohl Single-Ended als auch im Push-Pull-Betrieb arbeiten lassen. Im Single- Ended-Betrieb arbeiten die pro Kanal zwei 6AQ5A Leistungsröhren in Reihe und verhalten sich wie eine Röhre, die das komplette Signal verarbeitet. Im Push-Pull Betrieb wird das Signal dagegen in zwei Halbwellen geteilt und jede Röhre verstärkt eine Hälfte des Signals. Beide Betriebsarten unterscheiden sich klanglich durch ihr Klirrverhalten. Im Single- Ended-Betrieb sind die Klirrverzerrungen insgesamt höher, dafür treten vor allem harmonische (geradzahlige) Oberwellen auf, die auch die Klangfarben natürlicher Töne bestimmen. Im Push-Pull Betrieb ist das Klirr-Niveau insgesamt niedriger, dafür treten mehr unharmonische Verzerrungen auf, die man gehörmäßig eher als störend empfindet als harmonische Verzerrungen. Single-Ended bekommt man also eher das, was man mit „Röhren- Sound“ verbindet – kräftige Klangfarben und ein tendenziell geschmeidiges Klangbild, Push-Pull liefert dagegen einen neutraleren, doch unter Umständen etwas ruppiger empfundenen Klang. Das werden wir uns noch anhören. Zum anderen lässt sich mithilfe eines Drehreglers das Maß der eingesetzten Gegenkopplung (Feedback) zwischen 10 dB und 0 dB variieren. Hier gilt, dass eine höhere Gegenkopplung den Verstärker neutraler und „knackiger“ klingen lässt, weniger Gegenkopplung ergibt eher den von vielen geschätzten, „smoothen“ Röhren-Sound. Wer seinen Kopfhörer am langen Kabel betreibt, kann die Lautstärke des Manley übrigens auch mithilfe der beiliegenden Fernbedienung regeln.  

Klang


Bei so vielen Möglichkeiten, den Klang des Manley Absolute Headphone Amplifier zu beeinflussen, fällt die Klangbeschreibung schwer. Ich beschränke mich deshalb auf die beiden schaltungstechnischen Extreme – Single-Ended ohne Gegenkopplung und Push-Pull mit maximaler Gegenkopplung. Die Klangregelung bleibt dabei aus dem Signalpfad verbannt. Selbst wenn man ihn so straight wie es nur geht betreibt – im Push-Pull-Modus mit 10 dB Gegenkopplung – verleugnet der Manley keinesfalls, dass er ein Röhrengerät ist. Sein Klangbild ist von einer angenehmen Weite und Luftigkeit geprägt. Jeder Ton kann sich in allen Details entfalten. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es keine störenden Artefakte gibt, kein Rauschen, nichts was stört oder ablenkt. Dazu kommt eine tolle Dynamik, die jeden Ton zum Ereignis macht. Spannung und Entspannung, die beiden Pole der Musik, zelebriert der Manley auf atemberaubende Weise. Egal ob einzelne Klavieranschläge oder ein Orchester, das sich vom Piano zum Crescendo steigert, ob kleinste Dynamikabstufungen oder grobdynamische Ausbrüche, der Röhren-Amp „hängt am Gas“, setzt jeden Impuls souverän um. Tonal agiert er dabei sehr ausgewogen. Der Bass geht tief hinab, kommt gut kontrolliert, lässt bei synthetischen Synthieattacken allerdings die letzte Härte vermissen. Dafür inszeniert er akustische Instrumente umso beschwingter. Beherzt gespielte Kontrabässe grooven sich sofort in den Bauch. Und das über Kopfhörer! Die Mitten sind blitzsauber durchgezeichnet, Details gibt es scheinbar ohne Ende. Es ist beeindruckend, wie „tief“ man in eine Aufnahme hören kann und was es dabei alles zu entdecken gibt. Dazu kommt ein ebenso sauber wie fein gezeichneter Hochton, der es gerne auch mal etwas glitzern lässt ohne in irgendeiner Form scharf zu werden. Das ist ganz großes Kopfhörer-Kino. Und auf der anderen Seite? Beim Drücken des Betriebsartenschalters schaltet der Amp erst mal stumm. Einige Sekunden und ein paar Klick-Geräusche später tönt wieder Musik aus den Kopfhörern. Dann wandert der Gegenkopplungs-Regler an den rechten Anschlag – und es hat sich definitiv einiges verändert. Ich habe den Eindruck, nun dichter am Klanggeschehen dran zu sein, anstelle der vorher beschriebenen Weite stellt sich jetzt ein Eindruck von Intimität ein. Eher ein Jazzclub oder Kammermusik statt großer Bühne oder Konzertsaal. Mit der passenden Musik nimmt einen das sofort gefangen. Dazu passt der insgesamt etwas weichere Charakter, den der Manley Absolute Headphone Amplifier jetzt an den Tag legt. Wobei er immer noch genau so viele Details vermittelt. Nur werden die weniger hervorgehoben, sind stärker eingebunden, fließen mit der Musik. Tonal scheint sich der Amp an den Enden des Frequenzgangs leicht zurückzunehmen, was gut zum Gesamteindruck passt. Das ist die gleiche Musik und trotzdem ein ganz anderer Höreindruck, der ebenfalls absolut begeistern kann. Hört man ganz leise, muss man in dieser Betriebsart allerdings einen ganz feinen Rauschteppich zulässt. Laut Manley passiert das nur im SE-Betreib in Verbindung mit niedrigen Kopfhörerimpedanzen und 0 dB Gegenkopplung - eine Betriebsart, die Manley als „disallowed“ bezeichnet. Erlaubt man ein kleines bisschen Gegenkopplung, ist das Rauschen weg und mit mittleren und höheren Kopfhörerimpedanzen ist es eh kein Thema.

Fazit

Das Aussehen mag eigenwillig sein, der Klang ist ohne Diskussion überragend. Als Hersteller von Studio-Equipment weiß man bei Manley, an welchen klanglichen Schrauben man drehen kann. Dank seiner großen Variabilität kommt der Absolute Headphone Amplifi er vielen Geschmäckern entgegen und ist unter diesem Aspekt wirklich der absolute Kopfhörerverstärker.

Preis: um 5500 Euro

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Kopfhörerverstärker

Manley the Absolute Headphone Amplifier

Referenzklasse

4.5 von 5 Sternen

08/2021 - Dr. Martin Mertens

Bewertung 
Klang 70%

Ausstattung: 15%

Bedienung 15%

Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 5.500 Euro 
Vertrieb: Input Audio, Gettorf 
Internet: www.inputaudio.de 
Abmessungen (B x H x T in mm): 132/194/300 
Gewicht: 6 Kg 
Ausführungen: Schwarz, Silber, Kupfer 
geeignet für: HiFi, High End 
Anschlüsse:
Eingänge: 2 x Cinch 
Ausgänge: 1 x Kopfhörer 6,3-mm-Klinkenbuchse, 1 x Kopfhörer 4-Pol-XLR (symmetrisch), 1 x Line-out Cinch 
Klasse: Referenzklasse 
Preis/Leistung: sehr gut 
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Dr. Martin Mertens
Autor Dr. Martin Mertens
Kontakt E-Mail
Datum 07.08.2021, 09:55 Uhr
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Topthema: HIGH END 2022 im Mai
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