Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Spendor SP2/3R2


Entspannungs-Technik

Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 1
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Ich fühle mich glatt wieder wie im Jahre 1965! Okay, da war ich noch  gar nicht geboren, aber ich bin sicher, wenn ich es schon gewesen  wäre, hätten meine Lautsprecher so ausgesehen wie die Spendor  SP2/3R2 mit ihren retrobraunen Textilabdeckungen

Spendor ist eine der großen Konstanten im HiFi-Business: Aus Hailsham im britischen Sussex kommen bereits seit über 30 Jahren Legenden wie zum Beispiel der BBC-Monitor Spendor LS3/5a. Mindestens zwei meiner HiFi-Kollegen haben Spendor-Lautsprecher besessen, und ich erinnere mich daran, bei beiden immer mit besonderem Genuss Musik gehört zu haben. Auf die Frage, warum ich nie selbst eine Spendor im Hörraum stehen hatte, gibt es mindestens zwei Antworten. Da wäre erst mal die Form der klassischen Spendor-Lautsprecher: Als im weitesten Sinne kompakte Lautsprecher hätten sie einen Lautsprecherständer nötig gemacht, und das war mir immer ein Dorn im Auge – das ganze Ensemble nimmt genauso viel Platz weg wie ein Standlautsprecher, hat aber weniger Volumen – warum also ...? Dann ist da noch der Tiefmitteltöner mit seiner Polypropylen-Membran: Aus irgendeinem Grund hatte ich immer das Gefühl, dass er bei aller Schönheit und Plastizität der Darstellung im oberen Mittelton bei Impulsen eine gewisse „Knatschigkeit“, eine tonale Eigenheit mit Auswirkung zum Beispiel auf Snaredrumschläge hatte. Subtil zwar, aber immerhin.

Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 2Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 3Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 4Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 5Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 6Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 7Lautsprecher Stereo Spendor SP2/3R2 im Test, Bild 8
Zumindest habe ich diesen Charakterzug immer dem Treiber angelastet – eins vorweg, mit der SP2/3R2 scheint er jedenfalls der Vergangenheit anzugehören. Unbestritten dagegen, dass es kaum andere Lautsprecher gab und gibt, die für den jeweiligen Preis ein so sauberes und detailliertes, natürliches Klangbild produzieren und dabei vollkommen frei von nervenden Effekten bleiben. Mit einer gewissen Vorfreude habe ich also dem Moment entgegengefiebert, in dem ich die Spendor SP2/3R2 auf die Ständer des Redaktionshörraums hieven durfte. Zumindest das Äußere hat sich bei den SP2/3R2 ja nicht verändert, noch immer setzt die Classic-Serie der Briten auf das Schuhkartonformat-Design im Maßstab 4:1. Die Bespannung ist in ihrer braunen Webtextilpracht ein echter Hingucker und gefällt mir richtig gut – genauso wie das schön altmodische Logoschildchen in der rechten oberen Ecke. Hinter der Abdeckung arbeitet das bekannte 20 Zentimeter durchmessende Tief- und Mitteltonchassis mit Polypropylenmembran und 40-mm-Schwingspule sowie eine 22 mm kleine Seidenkalotte mit Ferrofluidkühlung. Unter dem größeren Treiber sitzt eine ziemlich große Bassreflexöffnung, die die untere Grenzfrequenz laut Hersteller auf 60 Hz definiert. Wenn mich meine Ohren nicht täuschen, spielt die SP2/3R2 allerdings etwas tiefer runter – unter 50 Hz schafft sie es zumindest gefühlt trotz der sehr freien Aufstellung im Hörraum locker. Die beiden Chassis werden bei 3,2 kHz getrennt. Spendor gibt für die SP2/3R2 eine Nennimpedanz von 8 Ohm an und spricht von 88 dB/W/m Wirkungsgrad. Besonders lobenswert ist, dass Spendor die Lautsprecher paarweise matcht und innerhalb einer sehr engen Toleranz von 1 dB Abweichung bleibt. Es gibt nämlich nichts Schlimmeres, als Lautsprecher, bei denen links und rechts unterschiedlich klingen! Auffällig ist auch bei der SP2/3R2, dass das Gehäuse weniger massiv und dick aussieht als bei vergleichbar eingepreisten Konkurrenzmodellen. Das hat nichts mit Sparen an der falschen Stelle zu tun, sondern ist Konzept: Die Engländer behaupten nämlich steif und fest, dass die meist unvermeidlichen Gehäuseresonanzen mit zunehmender Dicke der Gehäusewände nicht zwangsläufig weniger werden, sondern sich nur nach oben hin, also in die Stimmlage verschieben und dort deutlicher wahrnehmbare Verfärbungen als im (Tief-)Bassbereich hervorrufen. Das will man natürlich nicht, also hat man die „Thin-Wall-Enclosure“-Gehäuse ersonnen, bei dem die relativ dünnen Wände die Resonanzen in den weniger störenden Bassbereich legen. Legt man im Betrieb die Hände auf die Gehäuse, kann man das in der Tat deutlich erspüren.

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Klang


Das ist laut der gängigen Wald-und-Wiesen- HiFi-Philosophie mindestens als bedenklich einzustufen; wie gut erinnere ich mich an die Kunden des HiFi-Studios, in dem ich als Student nebenbei gearbeitet hatte, die oft als erste Handlung nicht Musik hörten, sondern den Lautsprecher auf Gehäuseresonanzen abtasteten. Dass das nicht unbedingt immer der Weisheit letzter Schluss sein muss, beweisen die Spendors besonders eindrucksvoll. Vollkommen unverfärbt im besonders wichtigen Mitteltonbereich spielen sie auf, sogar die leichte Unpässlichkeit, die ich bei älteren Modellen glaubte wahrgenommen zu haben, kann ich hier in keiner Wiese entdecken. Im Gegenteil, gerade Stimmen wie auf Dead Can Dance’s „The Wind that Shakes the Barley“ besitzen über die Spendors gehört einen warmen und realistischen Zauber und eine exquisite Klangfärbung, die weniger sauber spielenden und schlechter auflösenden Lautsprechern abgeht. Apropos Auflösung: Die relativ kleine Kalotte schafft es, gleichzeitig extrem detailliert und dabei sanft zu klingen, und sie spurtet wie der Teufel, wenn es nötig ist. Die Percussion in „The Ubiquitous Mr. Lovegrove“ platzt nur so in den Raum hinein, während die exotischen asiatischen Instrumente gänzlich unbeeindruckt von all der Klangvielfalt sehr differenziert im Hintergrund schnarren und sägen. Die Abbildung der Spendor gerät wie schon bei meinen früheren Erfahrungen mit größeren Modellen der Briten recht tief in den Raum hineinreichend, plastisch und substanziell (im Gegensatz zu ätherisch und körperlos). Wie gesagt empfinde ich den Bassbereich der Spendor selbst bei der sehr freien Aufstellung in unserem Hörraum (fast 2 Meter zur Rückwand) als tiefer hinabreichend, als die Angabe des 3–dB-Punktes bei 60 Hz suggeriert. Vor allem aber hat er den Druck und die Substanz, mit der Bass zum pulsierenden Leben erweckt wird; schön nachzuhören ist das im Bass-Klassiker „Portrait of a Groove“ von Bluezeum (wann habe ich eigentlich vergessen, wie großartig diese Aufnahme ist?). Wichtig: Auch Percussion- Instrumente mit hohem Bassanteil klingen satt und druckvoll, nicht dünn und auf den Anschlag reduziert. Das einzige, was ich den Spendor SP2/3R2 vielleicht(!) anlasten könnte, wäre, dass der Bassbereich nicht ganz so super präzise und punchy ist – hier macht sich wohl das Thin-Wall-Enclosure bemerkbar. Ich würde aber auch nicht wirklich von „verrundet“ oder ähnlich negativ konnotierten Adjektiven sprechen, denn die minimal softe Auslegung des Tieftons prägt den tendenziell warmen und immer angenehmen Grundcharakter des Lautsprechers entscheidend mit. Aber das ist etwas, das die meisten Hörer nicht als Manko, sondern als hervorstechendes positives Merkmal wahrnehmen dürften – und um ehrlich zu sein, angesichts dieses überzeugenden und stimmigen Gesamtbildes zähle ich mich selbst dazu. Ich versteige mich sogar dazu, zu sagen, dass, wenn ich mich nicht gerade schon in meiner Zweit-Anlage in Sachen Lautsprecher anderweitig langfristig gebunden hätte, die Spendor SP2/3R2 neben den Dynaudio Excite X38 (3.000 Euro) ein absoluter Favorit für den Posten wären. So ausgewogen, stimmig und für wirklich jede Art von Musik hervorragend geeignet habe ich (bis auf die Dynaudios) noch keine Lautsprecher in der Preisklasse erlebt.

Fazit

Mit tendenziell warmem und druckvollem, vor allem aber sauberem und unverfärbtem Klang und hoher Auflösung  eignen sich diese Allrounder  für lange und sehr lange Hörsessions voller Musikgenuss und Entspannung.

Preis: um 3490 Euro

Spendor SP2/3R2

07/2016 - Michael Bruss

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Michael Bruss
Autor Michael Bruss
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Datum 07.07.2016, 10:02 Uhr
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