Kategorie: Lautsprecher Stereo

Standlautsprecher Usher SD-502


Edelsteine

Lautsprecher Stereo Usher SD-502 im Test, Bild 1
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Usher? War das dieser Rapper? Ja, auch. Aber in unserem Fall ist das eine hierzulande immer noch unbekannte Lautsprecherfirma aus Taiwan. Das müssen wir ändern.

In einem Gespräch mit Eckhard Derks, Inhaber der TCG Handels GmbH, überraschte er mich wieder einmal damit, dass er eine Marke im Portfolio habe, über die wir mal sprechen müssten. Und so kam eines Tages ein Usher Lautsprecher nach Duisburg und ich begann, über die Firma zu recherchieren. Und ab da begann ich nicht schlecht zu staunen, denn die Firma gibt es bereits seit 1972. Sie ist auf die Entwicklung eigener Chassis und die Gehäusefertigung spezialisiert. Noch erstaunlicher ist ihr Statement, dass sie nicht auf kurze Produktzyklen oder schnellen Erfolg aus sind, sondern auf langfristige Forschungen und die Sicherstellung authentischen Klangs. Na das finde ich mal richtig gut. 

Historie

 
Der Gründer der Firma heißt Tsai Lien- Shui, ist Audio-Ingenieur und vor allem Musikliebhaber und Audiophiler, was den gerade angesprochenen, tiefergehenden Ansatz erklärt. Zu Beginn der Firmengeschichte legte er den Fokus auf beste Messmethoden, die Entwicklung eigener Treiber und investierte in den ersten Jahrzehnten große Summen in Forschung und Entwicklung.

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Dadurch qualifizierte er sich so, neben der eigenen Marke Usher, als ODM- und OEM-Partner für viele andere Firmen – selbstredend mit Stillschweigevereinbarungen. Inzwischen ist Tsai Lien-Shui im Ruhestand, hat aber für eine Nachfolge in seinem Sinn gesorgt. Usher ist in der glücklichen Position, alles selbst machen zu können: Entwicklung, Simulation, Treiber und Gehäuse. Konkret haben sie sämtliche nötigen Tools, um die akustische Simulation der Gehäuse und alle denkbaren Messungen vornehmen zu können. Dazu kommen, wie sie sagen, immer wieder sehr ausgedehnte Hörsitzungen samt der dazugehörigen Feinabstimmung. Nur so lässt sich auch eine konsistente Klangidentität entwickeln.  

Diamant? 


Der SD-502 wird als der preisgünstigste Lautsprecher mit Diamant-Hochtöner auf dem Weltmarkt bezeichnet.

Lautsprecher Stereo Usher SD-502 im Test, Bild 4
Qualität, wohin man schaut. Usher fertigt mit die konkurrenzfähigsten Lautsprecher auf dem Weltmark
Stimmt das so? Dann schauen wir mal, was denn überhaupt ein Diamant-Hochtöner ist. Für diese sogenannten Diamant-Hochtöner werden natürlich nur Kunstdiamanten bzw. deren Staub verwendet. Lassen wir einmal die Fachleute zu Wort kommen. Eine Internetrecherche ergab Folgendes: “Ein CVD Diamant (Chemical Vapor Deposition) ist ein gezüchteter Labor Diamant (Lab Grown Diamond), aus kristallisiertem Kohlenstoff. Er ist chemisch, physikalisch und optisch identisch mit Minen-Diamanten. Bei der CVD-Synthese spalten Mikrowellen die in den Reaktor eingespeisten Kohlenwasserstoffmoleküle auf. Diese Bruchstücke wandern nach unten zum kälteren Diamantkeim und lagern sich an der wachsenden Diamantoberfläche an. Der Labor-Diamant wächst also in dünnen Schichten und seine endgültige Dicke hängt von der Zeit ab, die für das Wachstum zur Verfügung steht. Das Ergebnis sind flache, tafelförmige Kristalle, ähnlich denen eines Würfels, deren Außenseite mit schwarzem Grafit beschichtet ist.“ Alles klar?   

Die Usher-Lösung 


Usher setzt anstelle dieser typischen, aber auch relativ schweren CVD-Kunst-Diamanten eine dreischichtige Diamant-Metal-Diamant- Verbundstruktur (DMD) für ihre Membran ein. Dabei kommt eine amorphe, diamantähnliche Kohlenstoffbeschichtung (ADLC) zum Einsatz, die mittels der sogenannten Plasma Enhanced Chemical Vapor Deposition (PECVD) aufgebracht wird. Bei diesem Verfahren werden ultradünne, aber extrem feste Diamantschichten auf ein hochsteifes Substrat gesprüht, wodurch eine Membran entsteht, die sowohl sehr leicht als auch außergewöhnlich steif ist. Sie soll gerade in der Transientenwiedergabe Maßstäbe setzen - na das hören wir uns natürlich an. Nach diesen Ausführungen lasse ich Sie gerne entscheiden, welche Variante sie für hochwertiger halten. Man kann argumentieren, dass die Hochtöner des SD-502 nicht aus Vollmaterial bestehen und deshalb die Bezeichnung Diamanthochtöner nicht 100% akkurat ist. Ich halte das für akademisch, aber ich bin weder Laborchemiker noch Chassisentwickler und will es dabei bewenden lassen. So oder so ist die Herstellung dieser Hochtöner, egal welcher Machart, ausgesprochen aufwendig und teuer und rechtfertigt die aufgerufenen Preise absolut. Und das macht den SD-502 noch attraktiver, denn andere Firmen kleben da ein sehr deutliches fünfstelliges Preisschild dran.   


Mehr Chassis 


Der dezidierte Mitteltöner, natürlich auch eine Eigenentwicklung, ist mit einer mehrschichtigen Membran auf Papierbasis aufgebaut.

Lautsprecher Stereo Usher SD-502 im Test, Bild 7
Die beiden Bässe sind nicht riesig, aber sie machen einen Bass, der sich gewaschen hat
Entscheidend sind die weicheren Schichten außen und die härteren zum Zentrum hin. So will Usher eine ideale Kombination aus wünschenswerten Masseverhältnissen, optimaler Dämpfung und Steifheit erreichen, und ein kolbenförmiges Ein- und Ausschwingen sicher stellen. Ein Kurzschlussring reduziert Verzerrungen und ein Phaseplug ist in die Motorstruktur integriert, um die magnetische Linearität zu verbessern, die Effizienz zu steigern und gleichzeitig Verzerrungen zu reduzieren. Untenrum soll ein Pärchen Bässe dafür sorgen, dass die angegebenen und realistisch eingestuften 42Hz sicher erreicht werden. Auch sie sind aus dem Hause Usher. Ihre Membran besteht aus einer Papier-Fiberglassmischung, damit sie leicht, steif und gut bedämpft sind - Eigenschaften, die immer angestrebt werden. Die hauseigenen Körbe sind aus Aludruckguss. Ihre leichte und doch sehr steife Konstruktion wird an Resonanzpunkten gezielt durch Rippen verstärkt. Ferritmagnete und speziell Kurzschlussringe sollen die Schwingspuleninduktion reduzieren, die Modulation des Magnetflusses minimieren und so ein homogenes, stabiles Magnetfeld sicherstellen sowie einen linearen Hub generieren. Die Sicke besteht aus einer dafür entwickelten Gummimischung mit einer Molekülstruktur, die auch nach jahrelangem Betrieb mit großen Auslenkungen stabil bleiben soll. Oder anders ausgedrückt: sie soll ihre Elastizität, Festigkeit und Konsistenz behalten, ohne zu verhärten. Die Spinne besteht aus einem thermogeformten Verbundgewebe, das eine hervorragende mechanische Nachgiebigkeit und eine ausgewogene Kombination aus Auslenkung, Geschwindigkeit und Kontrolle bieten soll.   

Das Gehäuse 


Die Gehäuse der SD-Serie werden aus neuseeländischem und australischem MDF aufgebaut.  Es wird mit 0,6mm starkem Echtholzfurnier laminiert, die Wandstärke beträgt 21mm. Zusätzlich gibt es interne Verstärkungen an den Resonanzknotenpunkten. Die Front, in die die Treiber eingelassen sind, wird aus 30mm starkem MDF gefertigt und mit Klavierlack veredelt. Zusätzlich ist das Gehäuse strategisch clever bedämpft: Filz an den Kontaktpunkten zwischen Gitter und Gehäuse; präzise platzierte Polyesterfasern im Gehäuseinneren zur Minimierung von Reflexionen und stehenden Wellen, ohne „tot“ zu dämpfen; Dämpfungsschaum an allen strukturellen Verbindungsstellen. Zudem wird die über die Spikes übertragene Energie über entsprechenden Basen mit teppichartigen Filzpolstern zum Boden hin abgeleitet. Der SD-502 arbeitet mit nach unten gerichteten Bassreflexöffnungen, die für eine Erweiterung des Tieftonbereichs und eine höhere Effizienz optimiert sind. Die Gehäuse sind leicht nach hinten geneigt, um die Phasenausrichtung und die optische Balance zu verbessern. Als Oberflächenoptionen stehen zwei Walnussfurniere mit der schwarzen Klavierlackfront zur Auswahl, was sehr edel wirkt.   

Weichenstellung

 
Kommt noch die Weiche, die mit 18db Steilheit und einem Butterworth-Filter arbeitet. Der SD-502 ist übrigens ein echtes 3-Wege-Design, die beiden Bässe sind parallel geschaltet. Die Übergänge liegen bei 420 Hz und 2,4 kHz, weit außerhalb des kritischen Sprachbereichs. Phasenkohärenz und natürliche Treiberintegration stehen ganz oben auf der Wunschliste von Usher. Die Kondensatoren sind Sonderanfertigungen, die Luftspulen wickeln sie selbst. Die Weiche ist mit sauerstofffreiem Kupfer verkabelt, unabhängige HF/LF-Anschlüsse ermöglichen Bi-Wiring oder Bi- Amping. Wenn ich das alles Revue passieren lasse, bin ich wirklich beeindruckt, was diese Firma für eine Fertigungstiefe besitzt. Und wenn Sie die Lautsprecher so wie ich vor sich sehen könnten, wären Sie ebenso von der tollen Verarbeitung beeindruckt.   


Sie spielen 


Es geht los - und wie! Als erstes fällt mir ein satter, sehr sämiger Bass und eine sehr schöne, sehr highendige Gesamtabstimmung auf. Sollte ich Sorge gehabt haben, dass der Hochtöner vorwitzig sei, bin ich schon bei den ersten Tönen beruhigt. Wie ein gutes Silberkabel spielt er frei, offen und seidig. Charakteristika, die bei Emmylou Harris´ Überalbum „The Wrecking Ball“ sehr hilfreich sind. Aber zuerst geht es bei „Deeper Well“ darum, die große Trommel realistisch abzubilden. Und das kann der SD-502 perfekt, knackig und mit einer Art zivilisiertem Arschtritt. Wie war das mit den Transienten? Hoppla, blitzschnell werden die abgefeuert und dazu kommen die verschieden Bassschichten, die dieses Stück so gemein machen. Hier knicken viele Lautsprecher ein. Und kann ein Schallwandler dieses sehr komplexe Klanggeschehen nicht sauber auflösen, klingt es einfach nur anstrengend und matschig. Wie fein, edel und weich der SD-502 auch dank seines Hochtöners hingegen agiert, wie edel er Emmylous Stimme abbildet, sollte man wenigstens einmal in seinem Audioleben gehört haben. Apropos Stimme. Gianmaria Testa ist mein Realitätscheck für Authentizität. Mein Lieblingsalbum dafür ist Altre latitudini. Bekomme ich einen kleinen Schreck, wenn seine kratzige Stimme auf einmal mitten im Raum zu mir spricht? Bekomme ich Gänsehaut, wenn die Gitarre einsetzt und kann ich mich gar nicht mehr lösen, wenn alles zusammenfließt? Dann hat ein Lautsprecher alles richtig gemacht - wie der Usher SD-502. The Czars haben mit „Sorry, I made you cry“ ein extrem romantisches 50er Jahre Album mit modernen Mitteln gemacht, das vielleicht auch dadurch nie kitschig wird. Mit dem SD-502 bade ich gewissermaßen in diesem Klang aus einer anderen Welt. „Black Is The Color Of My True Love´s Hair“, dieses wahrscheinlich schottische Lied, das Nina Simone zu Weltruhm gebracht hat, singt John Grant auf eine Weise, die mir die Tränen in die Augen treibt. Hier macht der SD-502 ein derart weites Klangfenster auf, dass man denken könnte, man schaue oder höre ins All.  

Anlage 


Plattenspieler: 

 Transrotor Massimo Nero mit Studio 12 und Figaro 


Vollverstärker: 

 Moon 371
 Soulnote E-2 


CD-Spieler: 

 Lyngdorf CD-2  


Musik: 


Daktari: Shelly Manne 
LA4: Live At Montreux 
Gianmaria Testa: Altre latitudini 
The Czars: Sorry, I made you cry 
Emmylou Harris: The Wrecking Ball  

Fazit

Es wird Zeit, dass Usher in die Köpfe der deutschen Audiophilen kommt. Denn mehr audiophiles Klangvermögen fürs Geld gibt es nirgends.

Den Test finden Sie im HiFi Test-Jahrbuch 2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper  erhältlich

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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: Usher SD-502

Preis: um 4700 Euro

3/2026

Es wird Zeit, dass Usher in die Köpfe der deutschen Audiophilen kommt. Denn mehr audiophiles Klangvermögen fürs Geld gibt es nirgends.

Usher SD-502

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Ausstattung & technische Daten 
Preis (in Euro) 4.700 Euro 
Vertrieb: www.tcg-gmbh.de 
Prinzip: 3-Wege passiv 
Frequenzgang: 42Hz - 40KHz 
Tieftöner 2 x 140 mm 115 mm Papierverbundstoff 
Mitteltöner 115mm Papierverbundstoff 
Hochtöner: 1 x 32 mm DMD-Kalotte 
Trennfrequenz: 420 Hz und 2,4 kHz 
Empfindlichkeit: 89 dB 
Nennimpedanz: 4 Ohm 
Ausführung: Nußbaum glänzend oder matt mit schwarzer Pianolackfront 
Gewicht: 25,5 kg 
Garantie: 5 Jahre 
B x H x T: 235 x 1220 x 385 mm 
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Autor Christian Bayer
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