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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Audio Physic Avanti 35


35 Special

19924

Manche Konzepte sind einfach so gut, dass man sie nicht in jedem Modelljahr mit Gewalt verändern muss. Evolution, klar, aber bei der Audio Physic Avanti stimmt das Grundgerüst einfach durch und durch

Unseren Lesern etwas über Audio Physic zu erzählen, hieße Eulen nach Athen tragen. Seit den ersten Tagen unseres Magazins begleiten wir die Marke auf ihrem insgesamt noch viel längeren Weg. Nur so viel: Die neueste Iteration des Modells „Avanti“ trägt als Zusatz die Ziffer „35“ – ein stolzes Jubiläum, wie wir meinen. Nun, auch zu dieser runden Zahl hat Manfred Diestertich sich ein paar neue Versionen der Klassiker geschenkt. Die Avanti 35 ist dabei optisch sehr nah an der auch schon komplett neu entwickelten Avanti geblieben, die wir vor gut 4 Jahren bereits einmal getestet haben: Eine schlanke, leicht nach hinten geneigte Standbox, deren Mittel- Hochton-Chassis nach vorne abstrahlen. Wie bei der letzten Avanti ist der Tieftöner komplett im Inneren des Gehäuses verschwunden und strahlt seine Schallenergie durch zwei Schallführungen in Bodennähe ab. Die merkwürdige Struktur am Boden der Avanti 35 ist ein durchlässiger Metallschaum, durch den das Basschassis nach unten abstrahlt. Dies tut es durch eine ganz kurze Schallführung in Richtung Boden, in die das brandneue 215-Millimeter- Chassis direkt eingeschraubt wird. Dem Spezial-Tieftöner mit einer sehr stabilen Papiermembran steht in der anderen Abstrahlrichtung fast das gesamte Volumen der Avanti zur Verfügung, das über einen weiteren Reflexkanal ventiliert wird.

Durch die indirekte Abstrahlung durch den Boden der Box ergeben sich zwei technische Vorteile: Zum einen wird der Tieftonbereich direkt an den Boden des Hörraums angekoppelt, zum anderen gibt es so keine direkte Abstrahlung höherfrequenter Schallanteile in Richtung Ohr, was die Konzeption des Tieftonfilters vereinfacht: Weniger Frequenzweichenbauteile ist immer besser. Mittel- und Hochtöner lässt sich Audio Physic komplett nach eigenen Spezifikationen fertigen – die Chassis hören auf den schönen Namen Hyper Holographic Cone und sind inzwischen auch schon in der dritten Baugeneration im Einsatz. Der Mitteltöner auf den ersten Blick bis auf den auffälligen Phaseplug ziemlich konventionell. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber eine aufwendige Doppel-Korb-Konstruktion, deren äußerer Rahmen nur dem luftdichten Einbau des Chassis ins Gehäuse des Lautsprechers dient, während die bewegten Teile im Innenkorb aufgehängt sind. Ähnliche ist auch der Korb des Hochtöners konstruiert, dem man eine weitere Besonderheit sogar von außen ansehen kann.

Und ich meine jetzt nicht den Ring um die Membran, der das Abstrahlverhalten optimiert, sondern um die Tatsache, dass wir hier eine fast schon vergessene Bauart eines Hochtontreiber vor uns haben: Beim HHCT III handelt es sich tatsächlich um einen Konushochtöner, wie er bis vor 40-50 Jahren noch gerne verwendet wurde, bis die Hochtonkalotte und später der Folienhochtöner in allen seinen Varianten ihren Siegeszug antraten. Es handelt sich hier um ein kleines Konusschassis mit Membran und Dustcap in der Mitte, die mehr oder weniger schwingend aufgehängt sind. Dabei gibt es durchaus eine Kalotte in Form eines Dustcap, die fest mit der Schwingspule verbunden ist, während die umliegende Membran durch ihre steife Aufhängung am Rand als weitere schallabstrahlende Fläche in der Art eines Biegewellenwandlers agiert. Das führt zu eine niedrigen möglichen Einsatzfrequenz auf der einen Seite und eine enorm hohe obere Grenzfrequenz auf der anderen Seite. Auch beim Gehäuse der Avanti 35 lässt man sich nicht lumpen: Zusätzlich zur aufwendig versteiften Konstruktion hat man die Innenwände mit dem schon für die Schallführung des Tieftöners verwendeten Metallschaum ausgekleidet – je nach gewünschter Ausführung der Avanti gibt es dazu Außenwände aus Glas, die die Box auch gleich einmal 5 Kilogramm schwerer machen, was bei einem Lautsprechergehäuse immer eine gute Idee ist.

Außerdem ergibt sich mit der Schichtung von Metallschaum, Holz und darauf Glas das perfekte Sandwich fürs Gehäuse. Die Glas-Verkleidung unserer Testbox in Rot kostet 300 Euro mehr als vergeichbare Modelle in Schwarz oder Weiß. Der selbe Aufpreis wird auch bei bestimmten Furnieren innerhalb der „Holz-Familie“ fällig, wobei sich hier die Furnierung und die zusätzliche Glas-Oberfläche preislich nichts nehmen. Optional gibt es auch noch die Magnetfüße VCF III, die die Avanti vom Untergrund entkoppeln. Auch beim Terminal lässt man sich bei Audio Physic nicht lumpen: Hochwertige Klemmen von WBT sorgen für dauerhaft perfekte Anschluss – auf Wunsch auch gerne in einer Bi-Wiring- Variante. In unserer getesteten Ausführung ohne Magnetfüße kostet die Avanti 6.890 Euro pro Paar – ein moderater Aufpreis gegenüber dem letzten Avanti-Modell. Bei freier Aufstellung in unserem großen Hörraum zeigt sich die gegenüber dem Vorgängermodell etwas offensivere Bassabstimmung: Das ist schon bei freier Aufstel-lung sehr profund und wuchtig, was die Avanti da scheinbar aus dem Nichts in Richtung Ohr wuchtet.

Der Mittel-Hochtonbereich ist genau so ausgewogen abgestimmt, wie wir das von der Vorgängerin auch kannten: Minimaler Akzent auf dem Grundton- und Stimmbereich mit einer dezenten Absenkung bei den Präsenzen, die zu einem richtig wohligen Klangempfinden und einem ganz tiefen Raumeindruck führt. Gut eingefangene Klassikaufnahmen oder Live-Jazz, bei bei der wunderbaren „Grooves, Kaffee und Kuchen“ werden von der Avanti 35 lebens-echt und mit einer frappierenden Tiefe und Authentizität abgebildet, die dem Live-Erlebnis in nicht vielen Dingen nachsteht.

Aber auch mit auf Dynamik getrimmten Musikstücken, wie die Produktionen die Quincy Jones für diverse Pop-Größen en masse bieten, kommt die Avanti hervorra-gend zurande: Substantiell, dynamisch anspringend und dabei gleichzeitig sehr stabil, wächst die schmale Audio Physic akustisch über ihre physischen Dimensio-nen hinaus – vielleicht kommt ja von einer ähnlichen Erfahrung auch der Firmenname, wer weiß das schon nach all der Zeit? Dazu kommt eine atmosphärische Stimmwiedergabe, die ihresgleichen sucht: Mit der Avanti bin ich mal wieder in meine „Jennifer- Warnes-Schleife“ geraten, bei der ich die letzten beiden Stücke „A Singer must die“ und „I came so far for Beauty“ des Albums „Famous Blue Raincoat“ in Endlosschleife laufen und ich einfach nichts anderes brauche, als die zentimeterdicke Gänsehaut, die diese Musik über einen sehr guten Lautsprecher bei mir verursacht. Alles Gute zum Jubiläum, Audio Physic!

Fazit

Audio Physic hat bei der Avanti gar nicht mehr so viel geändert, aber es dann doch wieder geschafft, eine noch bessere Box zu bauen – Respekt!

Preis: um 6890 Euro

Audio Physic Avanti 35


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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Physic, Brilon 
Telefon 02961 96170 
Internet www.audiophysic.com 
E-Mail: info@audiophysic.com 
Garantie 2 Jahre 
H x B x T 1070 x 170 x 290 mm 
Gewicht: 27,5 kg 
Farben diverse Glas und Furnieroberflächen 
Unterm Strich... » Audio Physic hat bei der Avanti gar nicht mehr so viel geändert, aber es dann doch wieder geschafft, eine noch bessere Box zu bauen – Respekt! 

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