Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Audio Research Reference Phono 2


Einer geht noch.

Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 1
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Man könnte meinen, die Welt würde nur noch Schallplatte hören. Wie anders wäre es zu erklären, dass ein relativ kleiner Hersteller es für nötig erachtet, gleich drei Phonovorstufen ins Programm aufzunehmen?

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Plattenspieler/Tonarme:


Clearaudio Innovation/Universal

Bergmann Audio Sindre

Tonabnehmer:


Benz LP-S

Jan Allaerts MC1B

Vorverstärker


MalValve preamp three line

Audio Research LS17

Endverstärker:


SymAsym

Pass XA30.5

Lautsprecher:


Lumen White Artisan

K+T Prototyp

Gegenspieler



Phonovorstufen:


MalValve preamp three phono

Pass XP-15

B.M.C. Audio MCCI

Eigentlich sind’s nur zwei. Die PH5 und die PH7, und über beide haben wir in der „LP“ schon ausführlich berichtet. Die PH7 ist ein exzellent klingender, voll ausgestatteter Luxusliner, die PH5 die eigentlich Überraschung: mit deutlich gekürzter Feature-Liste, aber klanglich vermutlich keinen Deut schlechter als die große Schwester (damals fehlte der direkte Vergleich). Das, worum es hier geht, das allerdings ist eine andere Hausnummer. Das ist ein rarer Edelstein. Einer, den die Jungs und Mädels in Plymouth, Minnesota nur in homöopathischen Stückzahlen fertigen und verkaufen, denn für ein „richtiges“ Produkt ist er eigentlich zu teuer. Unter Vorbehalt kostet die „Reference Phono 2“ die stolze Summe von 12.000 Euro. Unter Vorbehalt deshalb, weil die aktuelle Dollarkursentwicklung eine merkliche Korrektur nach unten erwarten lässt, deren Höhe bei Drucklegung dieses Heftes aber noch nicht feststand.

Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 2Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 3Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 4Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 5Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 6Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 7Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 8Phono Vorstufen Audio Research Reference Phono 2 im Test, Bild 9
Die schnöden monetären Aspekte ignorieren wir im Weiteren geflissentlich und erfreuen uns vielmehr erst einmal an dem, was sich da aus dem Karton schält. Ein ungleich größeres Audio-Research-Gerät als die, die wir ansonsten kennen. Immer noch im klassisch-nüchternen Messgeräte-Look, aber deutlich voluminöser und schwerer als Probanden in der Vergangenheit. Oben auf dem Gehäuse mal kein geschlitztes Blech, sondern halb transparentes Acrylglas. Darunter schimmert der ganze phonovorverstärkende Stolz von Audio Research: fast ein Viertelquadratmeter Technik vom Feinsten. Die große AR ist, das war angesichts der schon üppigen Feature-Pracht der PH7 zu erwarten, eine luxuriös ausgestattete Maschine. Sie kommuniziert mit dem Anwender über ein großflächiges Klartext- Display, alle Gerätefunktionen können sowohl vor Ort als auch per Infrarotgeber gesteuert werden. Und Funktionen gibt’s reichlich: Die Phono Reference 2 verfügt über zwei Eingänge, von denen jeder mit einem „Parametersatz“ aus Verstärkung, Abschlussimpedanz und Entzerrungskennline belegt werden kann. Außerdem kann man den Betriebsstundenzähler einsehen und die Ausgänge stumm schalten. Es stehen sieben Tonabnehmer-Abschlussimpedanzen zur Wahl; neben den vorgegebenen Werten 47k, 1k, 500, 200, 100 und 50 Ohm gibt’s einen Einbauplatz für einen Wunschwert. Die Verstärkung ist zwischen 45 und 68 Dezibel schaltbar, bei symmetrischem Abschluss kommen nochmals sechs Dezibel dazu; das ist reichlich und genügt auch sehr leisen Tonabnehmern noch vollauf. Mit der Phono Reference 2 ist man nicht auf die Anwendung der normgemäßen RIAA-Entzerrerkennlinie angewiesen. Bevor sich diese in den späten 50er-Jahren als Standard durchzusetzen begann, kochte fast jeder Plattenhersteller diesbezüglich sein eigenes Süppchen. Zwei der bedeutenderen Varianten hat Audio Research auf Knopfdruck reproduzierbar gemacht und nennt sie nach den entsprechenden Labels: Decca und Columbia. Auch das ist kein Allheilmittel im Kennlinienwirrwar der frühen Plattenproduktionen, aber ein gelungener Kompromiss. Der Betriebsstundenzähler ist eine interessante Sache, um die „Laufleistung“ der Röhren im Auge zu behalten und um abzuschätzen, wann denn die vom Hersteller empfohlenen 600 Stunden Einspielzeit endlich vorbei sind. Ich kann Ihnen allerdings versichern: Auch nach weniger als der Hälfte davon haben Sie alles Mögliche, aber nicht den Eindruck, dass das Gerät klanglich noch zulegen müsste. Das ist so weit alles gut und schön, aber noch kein ausreichender Grund dafür, dass die Maschine so deutlich mehr Geld kostet als die PH7. Etwas verständlicher wird’s vielleicht aufgrund des Umstandes, dass die Phono Reference 2 ein vollsymmetrisches Gerät ist, was schon mal einen erheblich größeren Schaltungsaufwand bedeutet. Das mit der Vollsymmetrie verwundert von daher, als sich an der Rückseite nur ausgangsseitig XLR-Anschlüsse finden, die beiden Eingänge müssen mit Cinch-Verbindern Vorlieb nehmen. Audio Research formuliert dazu etwas kryptisch, dass die Eingangsbeschaltung ohne invertierende Verstärkerstufe auskommt; genau die würde man aber benötigen, um aus einem klassisch asymmetrischen Signal ein symmetrisches zu machen. Einzig denkbare Alternative: Die Cinchbuchsen sind symmetrisch beschaltet, will sagen, der äußere Anschluss dient ebenfalls als „heißer“ Signaleingang. Da die Buchsen vom Gehäuse isoliert sind, kann man das durchaus so machen. Auch die Phono Reference 2 ist keine reine Röhrenlösung. Das ist heutzutage meines Wissens nach keine Audio-Research-Komponente mehr, und gerade bei der Verstärkung der winzigen Tonabnehmersignale ist es absolut sinnvoll, sich helfende Halbleiterhände ins Boot zu holen. Hier äußert sich das in Gestalt einer erklecklichen Anzahl von JFets, die teils einzeln, teils zu penibel selektierten Pärchen vergossen den ersten Teil der Verstärkung übernehmen. Danach leuchtet’s dann endlich im Dunkeln: Für die weitere Verstärkung sind Röhren zuständig. Und zwar nicht die von der schnöden Sorte, sondern die russische „Supertube“ vom Typ 6H30. Von der edlen Doppeltriode gibt’s vier Stück, der Symmetrie geschuldet. Hinzu gesellen sich eine Unmenge von Relais, die das pralle Ausstattungspaket in elektrische Betriebszustände umsetzen müssen; allesamt ganz sanft klickernde gasdichte Typen, die ihren Job auch noch in 20 Jahren störungsfrei erledigen werden. Die geheimnisvollen güldenen Folienkondensatoren kennen wir schon aus anderen Audio-Research-Geräten, die Widerstandsbestückung hier scheint eine andere zu sein als bei den kleineren Modellen. Der zweite Achtelquadratmeter – sprich: eine Hälfte – der Hauptplatine gehört der Stromversorgung. Die Unzahl von elektronischen Regelschaltungen nehmen wir wohlwollend zur Kenntnis, auch den Umstand, dass für die Versorgung des Gerätes zwei leckere R-Core-Trafos zuständig sind; was aber ungleich mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind die beiden Röhren, die hier Dienst schieben. Die 6H30 kennen wir ja schon aus der Verstärkerschaltung, außerdem sitzt so etwas auch bei der PH7 im Netzteil, aber hier gibt’s noch was viel Exotischeres: Die Anodenversorgung wird mit einer 6550 geregelt, einer ausgewachsenen Beam-Power-Tetrode, die eigentlich in potente Endstufen gehört. Dass diese in Verbindung mit ihren vielen kleinen Helferlein einen herausragend guten Job machen muss, beweist schon der Labordurchgang des Gerätes: Die Phono Reference glänzt mit Störabständen, die bei einem röhrenbestückten Gerät einmalig sein dürften und auch einer reinen Halbleiterlösung außerordentlich gut zu Gesicht stünden. Der Erfolg des Konzeptes erschließt sich auch klanglich unmittelbar. Die Audio Research reproduziert Musik mit einer absolut atemberaubenden dynamischen Spannweite. Das hier ist, entsprechend potente Mitspieler und gut aufgenommene Platten vorausgesetzt, Musikwiedergabe am absoluten Limit. Hier braucht’s keine „klingt ja ganz nett, rauscht und knackst aber ein bisschen – ist halt Platte“-Abstriche. Über die große Audio Research geht’s derart locker, losgelöst, frei und souverän – da fällt mir als Konkurrenz noch das Masterband ein, sonst nichts. Es ist nicht die schiere Kraft, keine grobdynamischen Superlative, die den Reiz der Angelegenheit ausmachen. Es ist die totale Ansatzlosigkeit, mit der jeder Ton im Raum entsteht, die Unmittelbarkeit, mit der dieses Gerät Musik im Kopf entstehen lässt – großartig. Ich spare mir an dieser Stelle mal das Abhaken der üblichen Kategorien wie Tonalität und Charakter der Raumabbildung. Das ist zum einen alles in bester Ordnung und zum anderen auch völlig nebensächlich, weil sich Musikhören über dieses Gerät solch schnöder Parameter vollkommen entzieht. Wohlgemerkt: Hier geht’s nicht um Nuancen, die diese unglaubliche Maschine vielleicht besser spielt als ihre kleineren Geschwister oder auch als so ziemlich alle anderen Phonovorstufen am Markt, das hier ist wirklich eine andere Welt: Wenn Sie mal die Chance haben, dieses Gerät vor die Ohren zu bekommen, laufen Sie so schnell weg, wie Sie können danach gibt’s kein Zurück mehr.

Fazit

Ein teures Vergnügen, aber ein lohnendes: Die Audio Research Reference Phono 2 ist die ultimative Form der Verstärkung von Tonabnehmersignalen. So leicht, locker, souverän und ansatzlos kann’s sonst keiner.

Preis: um 12000 Euro

Phono Vorstufen

Audio Research Reference Phono 2


02/2010 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie (in Jahren)
B x H x T (in mm) 480/178/432 
Gewicht (in Kg) 12,3 
Unterm Strich... » Ein teures Vergnügen, aber ein lohnendes: Die Audio Research Reference Phono 2 ist die ultimative Form der Verstärkung von Tonabnehmersignalen. So leicht, locker, souverän und ansatzlos kann’s sonst keiner. 
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Autor Holger Barske
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Datum 02.02.2010, 12:00 Uhr
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