Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: AVM PH 30.3


Jubiläumsphono aufgewertet

Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 1
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Natürlich haben Sie dieses Heft gekauft, weil Sie sich für die großen Kaliber im Phonovorstufensegment interessieren. Aber wenn dann mal wirklich eine neue ansteht, dann wird‘s doch wahrscheinlich eine wie diese hier. Warum auch nicht?

Selbstverständlich hat die Audio-/Videomanufaktur aus dem badischen Malsch auch richtig schwere Geschütze in Sachen Phonovorstufe im Angebot. Die Ovation PH 8.3 ist eine wunderbar klingende Maschine, die dank ihres modularen Aufbaus in einem Maße genau auf den Anwendungsfall zuschneidbar ist wie wohl keine andere Phonovorstufe am Markt. Ach, Sie haben gar keinen Plattenspieler mit vier Tonarmen? Und sie wollen auch gar nicht fünfstelliges Geld in dieser Ecke des Hobbys investieren? In dem Falle strenge ich mich jetzt ganz doll an und versuche nach wochenlanger Beschäftigung mit einer ganzen Reihe echter Großkaliber des Genres den Rücksturz in die Realität. Eine Wirklichkeit, in der 800 Euro – soviel kostet die neue kleine AVM – richtig viel Geld sind und in der gut überlegt sein will, wo man sein sauer Verdientes anlegt.

Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 2Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 3Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 4Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 5Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 6Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 7Phono Vorstufen AVM PH 30.3 im Test, Bild 8


AVM, das wissen Sie, ist ein über 30 Jahre altes HiFi-Traditionsunternehmen. Anlässlich des 30. Jubiläums brachte der Hersteller eine dazu passende Geräteserie namens – Sie ahnen es: AVM 30 heraus. Im Zuge dessen manifestierte sich im AVM-Portfolio auch eine kleine, aber feine externe Phonolösung namens PH 30, die als Ergänzung zu den Jubiläums-Voll- und Vor-/ Endverstärkern gedacht war. Das tat Not, weil AVM mit den „Rotation“-Modellen mittlerweile auch ein Bein im Plattenspielersegment hatte.

Neuerdings kooperieren die Badener mit Ortofon und kombinieren ihre Plattenspieler auf Wunsch mit MC-Abtastern aus Ortofons Cadenza-Reihe. Im Zuge dessen reifte der Plan, der kleinen hauseigenen Phono eine Überarbeitung angedeihen zu lassen, deren Ergebnis wir nun vor uns haben. Das gute Stück heißt PH 30.3 und wird in angepasster Form auch als integrierte Lösung in diverse AVM-Geräte Einzug halten.

Dafür gibt‘s einen sehr soliden Aluminiumquader, der leicht an die neue 30.3-Geräteserie angepasst wurde und aus einem massiven Rechteckrohrprofil besteht. Vier lange Schrauben klemmen Front und Rückwand damit zusammen, was eine schön schlichte Optik mit sich bringt – Schrauben gibt‘s nur auf der Geräterückseite.

Dort finden sich auch die Anschlussbuchsen: ein Paar Cinch-Terminals für den MC-Eingang, eines für MM-Abtaster, ein Ausgang und ein Satz für die MC-Anpassung. Jenen gab‘s schon beim ursprünglichen Modell und dient der Aufnahme von Cinchsteckern mit eingelöteten Widerständen, die MC-Tonabnehmern den gewünschten Abschlusswiderstand bieten. AVM gibt dieser Lösung bewusst den Vorzug vor den üblichen winzigen DIP-Schaltern, mit denen sich entsprechende Widerstände schalten lassen. Man argumentiert das mit der deutlich größeren Kontaktsicherheit der Cinch-Steckerlösung. Auf alle Fälle hat die Vorgehensweise den Vorteil, dass man ohne Probleme Stecker mit seiner Wunschimpedanz montieren kann, mitgeliefert werden Stecker mit 100, 200 und 1000 Ohm.

Die Stromversorgung des Gerätes übernimmt ein Steckernetzteil, dessen 24-Volt-Eingang auf der Geräterückseite sogar schaltbar ist. Ein weiterer kleiner Kippschalter besorgt den Wechsel von MC- auf MM-Betrieb – soweit alles wie gehabt. Die „Renovierung“ des Gerätes fand in erster Linie auf technischer Ebene statt, wie ein Blick ins Innere zeigt. Die neu gestaltete Platine zeichnet sich durch eine deutlich kompaktere Anordnung der signalverarbeitenden Komponenten aus, was sich in kürzeren Signalwegen niederschlägt, was wiederum der Störunempfindlichkeit zugute kommt.

Die Schaltung arbeitet mit integrierten Operationsverstärkern, wobei besonders die beiden winzigen SMD-Chips Beachtung verdienen, die sich um den MCEingang kümmern: Hier kommen rekordverdächtig rauscharme Typen von Linear Technology zum Einsatz, die für den Einsatz an niedrigen Quellimpedanzen wie zum Beispiel MC-Tonabnehmerspulen optimiert sind. AVM-Boss Udo Besser nach stellen sie einen beträchtlichen klanglichen Fortschritt gegenüber der Bestückung des Vorgängermodells dar. Die Entzerrung der Phonosignale gemäß der RIAA-Kennlinie obliegt der darauffolgenden MM-Verstärkerstufe. Sie arbeitet mit einem doppelten Operationsverstärker, dessen Hälften jeweils für einen Kanal zuständig sind. Die Entzerrung erfolgt passiv, die Qualität der Filterkomponenten wurde gesteigert, ihre Wertetoleranzen gesenkt. Ein festes Subsonic-Filter beschneidet den Frequenzgang ganz unten, der Hersteller gibt eine Einsatzfrequenz von acht Hertz an.

Einen Blick ist auch die überarbeitete Stromversorgung wert: Hier kommt ein weiterer Operationsverstärker zum Zuge, der mit Hilfe zweier Transistoren aus der angelieferten einfachen 24-Volt-Gleichspannung eine Zwöf-Volt-Doppelspannung generiert, mit der die Verstärkerschaltung versorgt wird. Alle Beteiligten dürfen sich nunmehr über doppelt so große Siebkapazitäten freuen, was der Stabilität der Versorgung in allen Lebenslagen zugute kommt.

Nichts von Alledem stellt die Neuerfindung der Phonovorverstärkerschaltungstechnik dar. Allerdings sind alle Detaillösungen konsequent umgesetzt und sorgfältig kombiniert worden, was in dieser Preisklasse keinesfalls selbstverständlich und auf reichlich klangliches Potenzial hoffen lässt. Die Messtechnik jedenfalls stellt der PH 30.3 schon mal ein exzellentes Zeugnis aus, was den akustischen Meriten nur zugute kommen kann.

Und um eben jene kümmern wir uns nunmehr. Die „Fütterung“ übernahm ein weiteres Mal das Benz ACE-SL, das bei der Produktion dieser Ausgabe wirklich viel arbeiten musste und sich auch hier mit seiner souveränen und ausgeglichen Spielweise sehr bewährt hat. Und es dauerte auch nicht lange, bis sich die eine Frage in meinem Hinterkopf manifestierte: Muss es denn eigentlich wirklich so eine riesige Schwergewichts-Phono sein? Fragen wir Lisa Gerrard und Brendan Perry, besser als „Dead Can Dance“ bekannt. Wir bemühen das 1996er Album „Spiritchaser“ und lassen uns mit Freuden in den unverwechselbaren Klangkosmos katapultieren, der hier zelebriert wird. Tatsächlich schaffen es Benz und AVM ganz ausgezeichnet, die weiträumigen Landschaften nachzuzeichnen, die die Band hier modelliert. Lisa Gerrards sprödes Organ fliegt frei durch den Raum, Perrys erdiger Ausdruck bildet ein überzeugendes Gravitationszentrum. Um ihn herum flirrt schwirrt es frei und schwerelos – sehr schön. Eine überzeugende Bassperformance gibt‘s obendrein, die diversen exotischen Trommeln, die immer wieder das rhythmische Gerüst der Titel bilden, haben Spannung und Durchsetzungsvermögen. Alles auf diesem Album ist in Bewegung, und der AVM bewegt sich mit. Das klappt schon mal ganz ausgezeichnet. Wer mehr Wärme und Bauch will, der findet sie bei bei Rickie Lee Jones. Die großartige MFSL-Ausgabe von „Pirates“ vermittelt über die AVM ganz genau dieses fein austarierte Vintage-Klangbild, das hier sein muss. Eines mit Biss und Wucht bei den perkussiven Elementen, einer detaillierten und inbrünstigen Gesangsstimme feinem Timing, das für das Album so wichtig ist. Auffällig ist die sehr feine und fl üssige Art, mit der der AVM sich um Details kümmert. Hier habe ich insbesondere nach dem Anschluss des Ortofon Winfeld Ti gestaunt, das schon jetzt andeutet, ein echter Meister in Sachen Feinstofflichkeit zu sein.

Also jetzt mal ehrlich: Ja, mit dem einen oder anderen Großkaliber in Sachen Phonovorstufe aus diesem Heft bekomme ich noch etwas mehr Schwärze ganz unten, eine minimal deutlicher freigestellte Stimme und etwas mehr Weiträumigkeit, aber das ist der pure Luxus. Die neue AVM macht, das steht völlig außer Frage, einen ganz ausgezeichneten Job und präsentiert sich als bestens alltagstaugliche Allroundlösung.

Fazit

Klanglich sehr fein und geschmeidig, absolut universell und alltagstauglich, allürenfrei und geradlinig: Soviel Phonovorstufe braucht man. Auch als anspruchsvoller Musikhörer.

Preis: um 800 Euro

Phono Vorstufen

AVM PH 30.3


01/2021 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb AVM, Malsch 
Telefon 07246 309910 
Internet avm.audio 
Garantie (in Jahren) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 150 x 50 x 120 mm 
Gewicht ca. 0,7 kg 
Unterm Strich... Klanglich sehr fein und geschmeidig, absolut universell und alltagstauglich, allürenfrei und geradlinig: Soviel Phonovorstufe braucht man. Auch als anspruchsvoller Musikhörer. 
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Datum 13.01.2021, 09:32 Uhr
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