Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: EAT E-Glo


Runde Sache

Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 1
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Erste Reaktion eines Besuchers auf die EAT-Phonovorstufe: „Das ist aber hübsch. Ist das eine Tonbandmaschine?“

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob / Reed 3p

Tonabnehmer:

 Lyra Atlas, Lyra Etna

Vorstufen:

 MalValve preamp four line
 Rowland Capri II

Endstufen:

 D’Agostino Momentum Stereo

Lautsprecher:

 Progressive Audio Extreme 1
 Audio Physic Avantera

Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler


Phonovorstufen:

 MalValve pream three phono
 Clearaudio NanoPhono II

Okay. Das kann passieren. Wenn man nicht knietief im Thema steht und nur einen flüchtigen Blick auf das Gerät wirft, dann können einen die beiden runden Blechtürmchen ein wenig in die Irre führen.

Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 2Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 3Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 4Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 5Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 6Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 7Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 8Phono Vorstufen EAT E-Glo im Test, Bild 9
Tatsächlich aber sind die drei gestuften runden Scheiben links und rechts auf dem Gehäusedeckel eine Art Berührungsschutz für die Hauptprotagonisten in dem Gerät: Drei Röhren pro Kanal kümmern sich um die Verstärkung der Tonabnehmersignale. EAT? Das haben wir doch schon mal gehört? Richtig; bislang allerdings ist der in Tschechien beheimatete Hersteller „European Euro Team“ vor allem als Hersteller von Plattenspielern in Erscheinung getreten und alle drei Modelle waren in der Vergangenheit auch schon bei uns zu Gast. Die Chefin von EAT heißt Jozefina Lichtenegger und wer dahinter einen Zusammenhang mit dem Boss von ProJect, Heinz Lichtenegger vermutet, der tut das zu Recht: Die Dame ist seine Gattin und natürlich gibt es Technologietransfer zwischen beiden Unternehmen, zumindest bis zu einem gewissem Grade. Eine Phonovorstufe war der nächste logische Schritt im EAT-Programm, und da man in Prag sogar selbst Röhren fertigt, war der Schritt zu einer röhrenbestückten Phonovorstufe ein voraussehbarer. Das Ergebnis ist ein mit 6.500 Euro nicht ganz billiges Vergnügen, das mit seinen Reizen aber nicht geizt. Das Gerät ist konsequent in Netz- und Verstärkerteil getrennt, die Verbindung besorgt ein vielpoliges, rund anderthalb Meter langes Kabel. Der Verstäkerpart steckt in einem hübschen Alugehäuse mit polierten Massivholzseitenteilen und wuchtet ein gehöriges Maß an Ausstattung und Bedienkomfort in die Waagschale. Das Gerät erlaubt den Anschluss von MC- und MM-Abtastern, die an separaten Eingangsbuchsen andocken dürfen. Die Eingangsimpedanz bei MC- und Eingangskapazität bei MM-Tonabnehmern werden per Drehencoder vorne auf dem Gerät justiert. Es stehen jeweils acht Werte zur Verfügung, die in aller Regel ausreichen dürften. Was sich nicht unmittelbar erschließt: Es gibt zwei Wertetabellen für die MC-Abschlusswiderstände, deren Werte sich um den Faktor vier unterscheiden. Je nach gewählter Verstärkung (70 oder 76 Dezibel) kommt die eine oder die andere Reihe zum Tragen. Der Grund dafür liegt darin, dass das Gerät MC-Signale zuerst mit einem Übertrager aufpäppelt; dort können zwei Übersetzungsverhältnisse gewählt werden, die Abschlusswiderstände kommen erst nach dem Übertrager. Je nach gewählter Einstellung werden die Widerstandswerte unterschiedlich transformiert. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, in der Praxis aber nicht problematisch. 45 Dezibel der Gesamtverstärkung überlässt das Gerät mit dem malerischen Namen „EGlo“ drei Röhren pro Kanal – interessanterweise entstammt keine der Doppeltrioden eigener Fertigung. Die Verstärkung erfolgt dreistufig, zwischen zwei Verstärkerstufen sitzt jeweils ein Teil der passiven Entzerrung. Bei den Bauteilen wurde nicht gespart, die Koppelkondensatoren kommen von Mundorf, Impedanzen und Kapazitäten werden mit einer ganzen Reihe hochwertiger Relais geschaltet. Für die Koordination der Einstellvorgänge sorgt ein Mikrocontroller; der schaltet beim Wechsel der Impedanzen kurz stumm, so dass am Ausgang nichts knackst. Sehr modern und überaus praktisch. Das Netzteil ist die schmucklosere, aber gewichtigere der beiden Komponenten. Im Grau gepulverten Stahlgehäuse steckt eine ziemlich luxuriöse Versorgung: Ein dicker Ringkerntrafo besorgt einen Teil der Rohspannungen, ein gekapseltes Schaltnetzteil einen weiteren. Heizung und Anodenspannung für die Röhren werden fein säuberlich geregelt, für die Siebung der Hochvoltabteilung gibt’s zusätzlich eine Drossel. Wenn ich Röhrenphonovorstufe wäre, dann würde ich mich über so kompromisslose Zulieferer jedenfalls ziemlich freuen. Der harte Netzschalter der ganzen Angelegenheit sitzt rückseitig auf dem Netzteil, in der Praxis braucht man den aber nicht: Die Inbetriebnahme erfolgt mit einem Kippschalter an der Vorstufe, so dass man das Netzteil ruhig verstecken darf. Das Einzige, was das runde Bedienkonzept etwas stört ist die Verstärkungsumschaltung: Dafür muss man nämlich gleich sechzehn „Mäuseklaviere“ an der Vorstufenrückseite umlegen, was in den allermeisten Fällen einen Ausbau des Gerätes aus seiner Arbeitsumgebung bedeuten dürfte. 70 respektive 76 Dezibel Verstärkung sind davon ab reichlich – in der Praxis ergaben sich damit allerdings keine Probleme. Standard-Test für Phonovorstufen zu Beginn des Hördurchgangs: anschließen, Lautstärkesteller zügig gen Rechtsanschlag bewegen. Mit der Rowland Capri 2 und der D’Agostino Momentum Stereo waren zwei äußerst rauscharme Verstärkerkomponenten nachgeschaltet, so dass das zu erwartende Rauschen in erster Linie der Phonovorstufe anzulasten ist. Oder wäre. Tatsächlich nämlich herrschte zwar nicht Grabesstille, aber erstaunliche Ruhe. Für eine Röhrenlösung lieferte dieser „Feldtest“ ein ausgezeichnetes Ergebnis. Machen wir der EAT als Nächstes das Lyra Atlas schmackhaft. Dank Abschlussimpedanz- Wahlschalter überhaupt kein Problem. Leider fehlen meine favoriserten 100 Ohm, aber 80 sollten es eigentlich auch tun. Dem war nicht so, die EAT quittierte den Versuch mit einem deutlich zu engen, lust und leblosen Klangbild. Der Unterschied zu den benachbarten 150 Ohm war frappierend, hier war plötzlich alles da: Weite, Lockerheit und Leben. Solchermaßen motiviert, drehen wir weiter auf 300 Ohm – wieder nix: Der Sound gerät aus den Fugen, es tönt aufgebläht, also ob jemand den Loudness-Taster betätigt hätte. Schön, dass das Finden des korrekten Wertes so einfach war. Transparenz liefert das Gerät in Hülle und Fülle, das darf man von einer Maschine mit diesem Preisschild allerdings auch erwarten. In tonaler Hinsicht erlaubt sich der Hersteller durchaus Freiheitsgrade: Der „E-Glo“ klebt nicht sklavisch am Ideal der geraden Linie. Will sagen: Es klingt ein wenig dramatischer als die reine Lehre. Das muss kein Nachteil sein, wie das neue Springsteen-Album „High Hopes“ beweist: Bei „The Wall“ holt die EAT die Stimme traumhaft schön in die erste Reihe, sorgt im Präsenzbereich für ein bisschen Extra-Glanz und betont die Basslinie nicht übermäßig, aber ein wenig. Mir gefällt das ausgezeichnet, bewahrt es das Album doch vor dem Abdriften ins Mittelmaß. Jawohl, hier traut sich jemand, mit klassischen Rörenklischees zu spielen. Zug in den unteren Lagen hat das Gerät jede Menge. Füttert man es mit dem Lyra Etna, rumort das Ganze unten herum derart heftig, dass ich mich hier und da versucht sehe, dem Treiben mit niedrigerer Abschlussimpedanz ein bisschen Einhalt zu gebieten. Das kostet aber auch von dem wunderbaren „Saft“, den die Kombi ansonsten zu liefern imstande ist. Ungebremst mit diesem Gespann Musik zu hören ist eine schweißtreibende Angelegenheit und kann nur in dynamischer Hinsicht hartgesottenen Naturen empfohlen werden. Für jeden anderen nicht ganz so farbstarken Abtaster ist die EAT ein uneingeschränkter Segen. Sie hübscht dort auf, wo andere Phonovorstufen die Finger davon lassen. Das ist nicht immer richtig, macht aber ungemein Laune und ich finde deutlich mehr Gelegenheiten, bei denen mir das gezielte Sounding besser gefällt als solche, wo ich Pragmatismus bevorzugen würde.

Fazit

Die trauen sich was, die Tschechen, wofür Ihnen Dank gebührt: Die EAT-Phonovorstufe hat Saft, wo andere kneifen. Sie schmeichelt ein bisschen und hilft praktisch der gesamten Popmusik klanglich auf die Sprünge – ich find’s großartig.

Preis: um 6500 Euro

Phono Vorstufen

EAT E-Glo


07/2014 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon / E-Mail 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie (in Jahren)
B x H x T (in mm)
Verstärker 435/90/270 
Netzteil 435/85/280 
Gewicht (in Kg) 5,1 / 6,5 
Unterm Strich... » Die trauen sich was, die Tschechen, wofür Ihnen Dank gebührt: Die EAT-Phonovorstufe hat Saft, wo andere kneifen. Sie schmeichelt ein bisschen und hilft praktisch der gesamten Popmusik klanglich auf die Sprünge – ich find’s großartig. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 05.07.2014, 09:21 Uhr
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