Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Vitus Audio MP-P201


Teilchenbeschleuniger

Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 1
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Eigentlich war ich ja der Meinung, bei der Preisgestaltung von Phonovorstufen gäbe es so etwas wie eine „natürliche” Obergrenze. Mehr als ein gewisses Maß an Aufwand kann man für so kleine Signale einfach nicht treiben

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Plattenspieler/Tonarme:


Clearaudio Statement

Transrotor Fat Bob/ TW Acustic Raven 10.5

Tonabnehmer:


Benz LP-S

Clearaudio Goldfinger

MFSL C3.5

Vorverstärker


MalValve preamp three line

Endverstärker:


SymAsym

Lautsprecher:


Lumen White Artisan

K+T Cheap Trick 246

Gegenspieler



Phonovorverstufen:


MalValve preamp three phono

Audio Research Reference Phono 2

Das ist natürlich eine vollkommen blödsinnige Überlegung. Sehen wir uns mal eine der am besten funktionierenden Geldvernichtungsmaschinen auf diesem Planeten an, den Teilchenbeschleuniger „LHC“ in der Nähe von Genf. Dieses diverse Milliarden teure Ding tut nichts anderes, als sich um winzig kleine Partikel zu kümmern; um Energien, gegen die sich die von einem Tonabnehmer gelieferten elektrischen Leistungen ausnehmen wie eine Gewitterfront zu einer Taschenlampenbatterie. Und doch demonstriert dieses Ungetüm nachhaltig, dass man umso mehr Aufwand treiben muss, je kleiner die abzubildenden Dimensionen sind. Von daher dürfen wir uns quasi glücklich schätzen, dass ein ordentlicher MC-Abtaster satte 500 Mikrovolt raushaut. Deswegen brauchen wir auch keinen achteinhalb Kilometer durchmessenden Ring, sondern nur zwei hübsche Aluminiumklötzchen.

Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 2Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 3Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 4Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 5Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 6Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 7Phono Vorstufen Vitus Audio MP-P201 im Test, Bild 8
Und die kosten auch keine drei Milliarden Euro, sondern nur 40.000 – wenn das kein Schnäppchen ist, dann weiß ich’s auch nicht. Bei aller praktisch unvermeidlichen Ironie: Selbstverständlich ist die Vitus-Audio- Phonovorstufe „MP-P201“ ein absolut ernst zu nehmendes Gerät. Vitus Audio – Stammleser haben davon schon gehört. Im vorletzten Jahr schob sich ein mit moderaten Leistungsreserven ausgestatteter Vollverstärker aus gleichem Hause mit seinem unglaublich flüssigen und geschmeidigen Klangbild unter die Spitzenkönner seiner Zunft, und auch der war in Sachen Preisgestaltung schon kein Kind von Traurigkeit. Das liegt hier wie da daran, dass Hans Ole Vitus, Chef und Namensgeber des im dänischen Herning (die Adresse ist neu, erst kürzlich bezog man größere Räumlichkeiten) ansässigen Herstellers Freund von allem Möglichen ist, aber von einem definitiv nicht: von Kompromissen. Das mag auch der Grund dafür gewesen sein, dass der bei einem großen internationalen Elektronikkonzern in Lohn und Brot stehende Fachmann für digitale Signalprozessoren seinen gewiss nicht wenig lukrativen Job an den Nagel hängte und ins kalte Wasser sprang: Selbstständigkeit mit Audio an der Grenze des Machbaren. Lässt man das Argument „Besessenheit“ außer Acht, war das natürlich eine komplett wahnwitzige Entscheidung. Geräte von Vitus Audio waren von Beginn an teuer und auf die vordersten Plätze in ihrer jeweiligen Sparte ambitioniert, aber was Hans Ole und seine Handvoll Leute jetzt aus der Taufe heben, das sprengt sogar die nicht eben bescheidenen hauseigenen Dimensionen. Die beiden ersten Buchstaben der Typenbezeichnung sind die Abkürzung für „Masterpiece“, und diese Phonovorstufe ist der erste Vorbote einer ganzen Reihe von Geräten mit dieser Bezeichnung. Der Hintergrund ist ein ganz einfacher: Hier werden technische Grenzen ausgelotet. Es gibt keinen Kostenrahmen. Gebaut wird, was machbar ist, ohne Rücksicht auf die schweißnasse Stirn des Einkäufers. Die ersten beiden Seriengeräte der MP-P201 sind übrigens schon verkauft – wenig überraschenderweise nach Russland, und einer der glücklichen Besitzer ist der derzeit wohl international prominenteste Vinylfan: Staatspräsident Dmitri Medwedew. Den wird das Preis-Leistungs-Verhältnis der MP-P201 vermutlich auch nicht so brennend interessiert haben wie uns ab jetzt: Wer in Erwägung zieht, so etwas zu kaufen, der fragt nicht, ob es Vergleichbares andernorts für 5.000 Euro weniger gibt. Eine solche Investition tätigt man aus Gründen der Exklusivität oder ganz einfach deshalb, weil es genau das Ergebnis liefert, das man erreichen möchte. Wir werden also nicht Transistoren zählen und deren Einkaufspreise zum Verkaufspreis des Gerätes in Relation setzen; das ließe eine ganze Reihe von kostentreibenden Faktoren außer Acht und könnte ohnehin nur zu einem falschen Eindruck führen. Gehen wir’s also locker an und betrachten die beiden Quader einmal näher. Alle Vitus- Geräte – von den dicken Endstufen abgesehen – stecken in überaus massiven Gehäusen mit näherungsweise quadratischer Grundfläche und identischen Abmessungen. Im Falle der „Masterpiece“-Serie sind’s derer zwei, weil Hans Ole hier – man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, dass das bei den folgenden Komponenten der Serie auch so sein wird – die Stromversorgung auslagert. Das addiert sich in unserem Falle zu einem geschätzten Zentner Phonovorstufe, die man übrigens nicht, wie sonst bei externen Netzteilen üblich, weit auseinanderstellen soll, denn das geht gar nicht: Die kurzen, selbstverständlich kanalweise getrennten Verbindungsleitungen erlauben nur eine Aufestellung mehr oder weniger direkt übereinander. Machen Sie sich schon mal Gedanken über die Stabilität Ihres Racks. Für das erkleckliche Gewicht ist zum Gutteil das Strickmuster der Gehäuse verantwortlich: Es ist aus daumendicken Aluminiumplatten verschraubt. Schnörkellos, schlicht, ohne wilde Auswüchse – das sieht ziemlich schnieke aus, das Ganze. Und wie bei allen scheinbar trivialen Dingen steckt auch hier der Teufel im Detail: Gerade die Metallverarbeitung der Vitus-Geräte ist reichlich aufwendig; der Ausschuss gerade bei den silberfarben eloxierten Platten ist immens, außerdem scheint es ungeheuer schwierig zu sein, die Oberflächen so zu behandeln, dass sie bei Lichteinfall aus unterschiedlichen Winkeln immer gleich aussehen. Das mag bei einem 400-Euro-Vollverstärker noch nicht so wichtig sein, bei einer solchen Maschine wie hier ist so etwas Pflicht. Genauso wie ein gewisses Maß von Komfort. Während es bei fast jeder anderen Phonovorstufe akzeptabel wäre, das Gerät zur Tonabnehmeranpassung zu öffnen oder sich zumindest einer Schalterbatterie an der Rückseite zu widmen – hier nicht. Hier gibt’s sowohl am Netzteil als auch am Gerät selbst Taster und Displays. Und eine Fernbedienung. Will sagen: Die selbstredend vollsymmetrisch aufgebaute Maschine ist vom Sessel aus parametrierbar. Da sie über zwei Eingänge verfügt, kann man logischerweise jedem Buchsenpaar (einmal XLR, einmal Cinch) einen eigenen Parametersatz zuweisen, bestehend aus Verstärkung und Tonabnehmer-Abschluss-impedanz. Beide sind so fein einstellbar, dass es praktisch keinen Tonabnehmer geben dürfte, der sich hier nicht anpassen lässt. Die entsprechenden Informationen werden per dezent orangem Klartext-Display angezeigt, allerdings nicht lange: Vorsichtshalber wird die Anzeige des Verstärkerteils kurz nach der Anwahl einer neuen Einstellung konsequent abgeschaltet, so dass von hier keinerlei Störsignale zu erwarten sind. Eine kleine Einschränkung gibt’s für die Wahl der Tonabnehmer-Abschlussimpedanz: Nicht alle denkbaren Werte waren am Stück im Schaltungskonzept unterzubringen, so dass man bei Bedarf zwei kleine Steckmodule mit SMD-Widerständen tauschen und das dem Gerät mitteilen muss – sonst erkennt es die geänderte Situation nicht. Ich bin mir aber ganz sicher, dass Ihr Händler das bei Bedarf mit Freuden für Sie übernimmt, und das ziemlich zügig. Ein Blick ins Netzteil offenbart in etwa den Aufwand, den man beim Anspruch des Gerätes erwarten darf. Drei Transformatoren kümmern sich um die Bereitstellung der Betriebswechselspannungen; einer bedient nur Logik und Relais, also das ganze „Digitalgedöns“. Die beiden anderen sonderangefertigten Typen speisen den linken und rechten Verstärkerzug. Siebung gibt’s reichlich, klar, danach folgen erst einmal vier gleich sechsstufige Spannungsregelungen. Insgesamt also 24 Regler, das ist mal eine Ansage. Plus einer Regelung für die Logik- Betriebsspannungen und noch ein paar andere Spielereien, versteht sich. Von da aus geht’s über die zwei erwähnten Leitungen zum eigentlichen Verstärkertrakt, und auch dort wird mitnichten gekleckert. Am auffälligsten sind die zehn quadratischen Abschirmkästchen, die auf der flächendeckenden Hauptplatine stecken. Tatsächlich folgt die Topologie des MPP201 einem fünfstufigen Schaltungskonzept, und das ist mal richtig ungewöhnlich: Das Thema Pohonoentzerrer wird normalerweise mit zwei, maximal drei Verstärkerstufen abgehandelt. Das ist auch nicht frei von Sinn, denn weniger Stufen bedeuten auch weniger Rauschen und Verzerrungen. Hans Ole Vitus ficht das nicht an, seine ausschließlich auf bipolaren Transistoren basierenden Class-A-Verstärkerstufen rauschen auch dann nicht, wenn man fünf davon hintereinander hängt. Bei dem passiv entzerrten Konzept wurde Wert darauf gelegt, dass keine Koppelkondensatoren im Signalweg liegen. Davon wurde nur an einer Stelle abgewichen: Die vier sündteueren dänischen Duelund-Kupferfolientypen übernehmen die Subsonic-Filterung. Dann wären da noch insgesamt 48 Signalrelais, die die Eingangsimpedanzen schalten und die Einstellung der Betriebsverstärkung übernehmen. Wie immer bei solchen Geräten, stecken die Geheimnisse natürlich im Detail und sind der Anschauung nicht ohne Weiteres zu entnehmen. Deshalb hatte Hans Ole auch gar kein Problem damit, mir den Prototypen eines geöffneten Verstärkermoduls zu Fotozwecken zu überlassen – er ist sich seiner Sache sicher. Und das, verdammt nochmal, darf er auch sein. Liebe Leser, seien Sie versichert, dass ich überhaupt kein Freund davon bin, andauernd neue Könige in einer Gerätegattung zu krönen, zumal ich das im letzten Heft in Gestalt der Audio Research Reference Phono 2 erst getan habe. Als sich die Vitus-Vorstufe dann ankündigte, habe ich den Vertrieb so gerade noch davon überzeugen können, mir die unglaublich gute Hybridkonstruktion aus den Staaten so lange da zu lassen, dass ich sie mal gegen die dänische Monster-Phonovorstufe hören kann. Der langen Rede kurzer Sinn: Die Audio Research ist nach wie vor herausragend, aber sie hat ihren Meister gefunden. Zwischen beiden Geräten liegen keine klanglichen Welten, aber die Vitus kombiniert einen ungeheuer ansatzlosen, geschlossenen und leichtfüßigen Auftritt mit einem fantastisch satten und farbigen Grundton und Bassbereich; die Audio Research hat hier nicht ganz diese Substanz. Klar, die „AR“ kostet auch weniger als ein Drittel der MP-P201, da darf sie vielleicht in einer Hinsicht auch mal zweiter Sieger sein. Das dänische Duo macht mich ein bisschen sprachlos: Es ist nicht zu fassen, mit welcher Inbrunst und Seele sie Musik von der Platte holt, wie deutlich sie macht, was für einen fantastischen Job der arme kleine Diamant in der Rille in der Plastikscheibe da eigentlich macht. Wenn Laufwerk und Tonabnehmer das Niveau halten – die Platte natürlich auch – dann spielt das mit bis dato ungehörter Perfektion. Zudem fällt auf, dass die Wahl der passenden Tonabnehmer- Abschlussimpedanz hier von größerer Bedeutung als sonst ist, was zweifellos damit zusammenhängt, dass dieses Gerät die Unterschiede stärker vergrößert als alle anderen. Das ist dank der bequemen Umschaltmöglichkeit aber kein Problem. Tja, liebe Leser, so leid es mir tut: Hier gibt’s eine deutliche Korrelation zwischen Preis und Ergebnis.

Fazit

Ab sofort gilt: Die beste Phonovorstufe, die mir je untergekommen ist, stammt aus Dänemark. Am besten vergessen Sie diese Information aber ganz schnell wieder, weil der Preis das Gerät leider zu einem nur virtuell existierenden Produkt macht.

Preis: um 40000 Euro

Phono Vorstufen

Vitus Audio MP-P201


03/2010 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Empire Deutschland, Duisburg 
Telefon 0203 75999004 
Internet www.empire-deutschland.de 
Garantie (in Jahren)
B x H x T (in mm) 435/135/402 
Gewicht (in Kg) reichlich 
Unterm Strich... » Ab sofort gilt: Die beste Phonovorstufe, die mir je untergekommen ist, stammt aus Dänemark. Am besten vergessen Sie diese Information aber ganz schnell wieder, weil der Preis das Gerät leider zu einem nur virtuell existierenden Produkt macht. 
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Autor Holger Barske
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Datum 03.03.2010, 12:18 Uhr
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