Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: VTL TP-2.5i


Phono für Spezialisten

Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 1
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Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn sich Gerätehersteller abseits ausgetretener Pfade bewegen. Das ist hier definitiv der Fall – und hier und da tut’s ein bisschen weh.

Oh prima – das ist ja mal eine ganz einfache Sache: Ein Netz- und ein Betriebsartenwahlschalter auf der Frontplatte, das war’s schon. Okay, und eine Leuchtdiode zur Anzeige der Betriebsbereitschaft. Ganz so schlicht wie’s den Anschein hat, ist dem VTL TP-2.5i jedoch dann doch nicht beizukommen. Er wäre nämlich nicht ein Produkt des 1987 gegründeten Unternehmens „Vacuum Tube Logic“, wenn es nicht etwas anders ticken würde als die üblichen Verdächtigen. Und prinzipiell sind uns die Zutaten zu dieser Gerätschaft ohnehin schon einmal begegnet: Es gibt da nämlich den Komplett-Vorverstärker TL-2.5i, der in seiner Phonoversion weitgehend das beherbergt, was Luke Manley und seine Leute hier in ein separates Gerät verpflanzt haben – eine MM- und MC-taugliche Phonovorstufe nämlich.

Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 2Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 3Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 4Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 5Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 6Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 7Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 8Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 9Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 10Phono Vorstufen VTL TP-2.5i im Test, Bild 11
Jene Maschine hatten wir an dieser Stelle auch schon, sie war Ende 2020 unser erster Ausflug ins äußerst spannende Manley-Universum. Wer in Sachen Line Stage bereits bestens versorgt ist, den dürfte diese gut 7200 Euro teure Inkarnation hier jedoch mehr interessieren.  

Der Trick an der kleinen VTL-Phonolösung besteht darin, dass man mit ihr eigentlich drei Phonovorstufen in einer erwirbt. Da wäre einerseits eine klassische MM-Lösung in feinster und hochprofessionell ausgeführter Röhrentechnik. Hinzu gesellen sich gleich zwei verschiedene Arten und Weisen, das Gerät zu einer vollwertigen MC-Lösung zu ergänzen. Eine davon legt den Job nach alter Väter Sitte in die Hände von zwei Übertragerkapseln, die andere versichert sich der kombinierten Unterstützung eines FETs und einer Röhre. Dabei kommen vergleichbare Gesamtverstärkungen heraus, wobei man bei der aktiven Variante noch zwischen zwei Verstärkungsfaktoren wählen kann.  

Bevor wir der TP-2.5i unters grundsätzlich silberfarben eloxierte Deckelblech schauen, gilt es jedoch erst noch, die Bedeutung des Betriebsartenwahlschalters an der Front im Detail zu verstehen: Der kann nämlich nicht nur den Ausgang des Gerätes stummschalten, sondern auch die „Rumble/Mono“-Funktionalität aktivieren. Rumpelfilter – das sehen wir ein, eine Monoschaltung – warum nicht. Aber wieso beides zusammen auf einer Schalterstellung? Nun, damit begeben wir uns ins wunderbar spannende Reich der Konfiguration einer VTL-Phonovorstufe, bei der nämlich alles ein wenig anders ist. Tatsächlich nämlich entscheiden Steckbrücken im Geräteinneren, ob hier auf Mono geschaltet wird oder das Rumpelfilter eingeschleift wird. Was beide Funktionen miteianander zu tun haben und warum man nur eine von beiden aktivieren kann, erschließt sich mir zugegebenermaßen nicht.  

Weitaus weniger geheimnisvoll wirkt da die blaue Leuchtdiode, die beim Einschalten des Gerätes solange blinkt, bis ein Relais die Ausgänge freigibt und die Maschine betriebsbereit ist.  

Auf der Rückseite finden sich drei Cinchbuchsenpaare. Eines ist mit „MC“ beschriftet, eines mit „MM“ und eines dient als Signalausgang. Sieht einfach aus, ist es aber nicht ganz. Die MM-Anschlüsse sind nämlich nicht zwingend eben das, sondern fungieren bei entsprechender Konfiguration auch als MC-Eingänge, wenn die Übertrageroption aktiviert wurde. Wer nun nach einem Umschalter zwischen den Konfigurationen sucht, der tut das vergebens – die Parametrierung des Gerätes ist nämlich eine ziemlich anstrengende Angelegenheit und erfordert die Auseinandersetzung mit rund einem Dutzend Steckbrücken im Geräteinneren. Ob die Möglichkeit besteht, beide Eingänge mit Tonabnehmern zu belegen bin ich mir nicht ganz sicher, wohl aber dabei, dass das nicht viel Sinn ergäbe: Die Umschaltprozedur ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit, die viel Aufmerksamkeit, Zeit, geeignetes Werkzeug und eine griffbereite Bedienungsanleitung erfordert – das macht man nicht „mal eben“. So wie ich Gerät und Hersteller verstehe, ist der TP-2.5i für den Anschluss eines einzelnen Abtasters vorgesehen. Wenn man dessen optimale Konfiguration einmal ermittelt hat, schraubt man den Deckel auf die Maschine und hofft, dass man das sobald nicht wieder tun muss.  

Der Blick ins Innere zeigt, dass der TP-2.5i dann doch weit mehr ist als einfach nur ein um die Hochpegelsektion beraubter TL-2.5i. Das Layout des Gerätes ist komplett anders und füllt den zur Verfügung stehenden Platz ebenso konsequent wie bei der „Vollversion“. Schaltungstechnisch ist erst einmal alles beim Alten geblieben: Die MM-Verstärkung liegt in den Händen einer ECC83S pro Kanal, für die aktive MC-Stufe kommt eine ECC802S hinzu, die beide Kanäle gemeinsam bedient. Ihr stehen zwei mit Kühlkörpern bewehrte unscheinbare Transistoren zur Seite, die bei der MC-Verstärkung helfen. Die beiden Übertragerkapseln für die alternative MC-Betriebsart sind mit auf der Rückwandplatine untergebracht, und das in der zweifellos kontroversesten Ecke des Gerätes: An die hier untergebrachten Steckbrücken kommt man nur mit ganz viel gutem Willen heran. Das ist, mit Verlaub, Murks. Oder, wenn man so will, eine der kleinen Eigenarten eines US-Produktes.  

Den Reigen der Röhren beschließt eine ECC81, die für das Treiben der Ausgänge zuständig sein dürfte – gewissermaßen das abgespeckte Pendant zur Line-Verstärkerstufe der TL-2.5i. Der aktive MC-Eingang erlaubt übrigens Eingangsimpedanzen von 100, 250, 470, 1000, 4700 Ohm und 47 Kiloohm, der Übertragereingang 100, 470 und 1000 Ohm, der MM-Anschluss 47 und 100 Kiloohm. Die diesbezüglichen Einstellmöglichkeiten sind abermals Steckbrücken, die mehr oder weniger übers ganze Gerät verteilt angeordnet sind. Zum Glück macht der ansonsten absolut saubere und professionelle Aufbau des Gerätes soviel Freude, dass man auch gerne mal ein bisschen länger ins Innere starrt.  

Die kleinen Hakeligkeiten bei der Bedienung sind allerdings schnell vergessen, wenn man das Gerät einmal dort hat, wo es hingehört: Korrekt parametriert in der Anlage. Das ist nämlich eine Phonovorstufe, die sich klanglich in schwindelerregende Höhen aufschwingen kann, wenn man sich entsprechend Mühe mit ihr gibt. Die 65 Dezibel Verstärkung des Trafoeingangs sind genug, um das höchst beeindruckende Top Wing Red Sparrow bequem zu betreiben, tatsächlich kann es hier seinen einmaligen Ausdruck auf geradezu wunderbare Art zu Gehör bringen. Das berühmte Live-Album der Krautrockpioniere von Kraan ist so eine Platte, die hier perfekt funktioniert: Die Hitze des Konzertes ist da, die typische Siebziger-Klangästhetik bringt die Kombination absolut perfekt, es klingt filigran und komplex. Das geht mit dem Ortofon Windfeld Ti in fast gleichem Maße, es tönt etwas zarter und dezenter als das Top Wing, aber kaum weniger stimmig. Der aktive MC-Eingang hat dem gegenüber eine etwas anders strukturierte Gangart: Er klingt geradliniger, rhythmusbetonter, aber nicht ganz so fein und raffiniert. Hier fühlen sich von Hause aus farbstarke Abtaster besonders wohl, die Kombination mit dem großartigen Hana Umami zum Beispiel ist ein praktisch perfekter Match. Hier bekommt Emma Ruth Rundles spröde Zerbrechlichkeit Fundament und Ausdruck, die Stimme steht klar und frei im Raum. Spätestens mit John Bonhams brachialer Bassdrum auf „Since I‘ve Been Loving You“ ist klar: Es geht auch mit Halbleiterunterstützung. Hüben wie drüben qualifi ziert sich die VTL als ausdrucksstarke, zudem erfreulich störgeräuscharme Phonolösung für hochwertige Abtaster jeglichen Charakters. Eine absolut tolle Maschine für Leute, die bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen.

Fazit

Die kleine VTL-Phonovorstufe ist eine für Tonabnehmereigenschaften sehr transparente Lösung, die so ziemlich jedem Top-Abtaster zu Höchstleistungen verhilft. Einmal korrekt eingestellt ein absoluter Traum!

Preis: um 7260 Euro

Phono Vorstufen

VTL TP-2.5i


03/2022 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
B x H x T (in mm) 483 x 95 x 355 mm 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio.reference.de 
Gewicht ca. 9.5 kg 
Garantie (in Jahren) 2 Jahre 
Fazit » Die kleine VTL-Phonovorstufe ist eine für Tonabnehmereigenschaften sehr transparente Lösung, die so ziemlich jedem Top-Abtaster zu Höchstleistungen verhilft. Einmal korrekt eingestellt ein absoluter Traum! 
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Autor Holger Barske
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Datum 14.03.2022, 09:57 Uhr
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