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Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: AMG Giro / 9W2


Geometrische Poesie

Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 1
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Heimlich, still und leise ist eine neue Größe unter den deutschen Plattenspielerherstellern gewachsen, und die trägt ein wenig eben zurückhaltendes Dreibuchstabenkürzel zur Schau

Natürlich verbindet man in diesem unserem Lande mit „AMG“ zunächst gänzlich andere Dinge als Plattenspieler, Tonarme und Tonabnehmer. Ob’s nun lediglich ein geschickter Marketingschachzug war oder einfach nur die Notwendigkeit, „Analog Manufaktur Germany“ abzukürzen, sei dahingestellt, jedenfalls gibt’s unter diesem Label seit einigen Jahren analoge Preziosen der obersten Güteklasse. Das schließt den Einstiegsdreher „Giro“ samt Tonarm „9W2“ eindeutig mit ein; das Paket gibt‘s für 7.300 Euro zu kaufen. Wer den hauseigenen Abtaster „Theatro“ noch mit dazunimmt, für den gibt’s eine spannende Offerte in Höhe von 8900 Euro. Wenn Ihnen das eine oder andere Detail an diesem Plattenspieler bekannt vorkommt, dann gibt‘s dafür Gründe: Viele konstruktive Elemente bei AMG gab‘s nämlich schon vorher unter dem Namen „Röschlau und Lorenzi“, einen entsprechenden Plattenspieler hatten wir seinerzeit auch in diesem Magazin vorgestellt. Später dann wurde aus dem Unternehmen mit der Unterstützung von reichlich Branchenprominenz besagte Analog Manufaktur Germany. Die technische Kompetenz lag nach wie vor in den Händen von Vater Werner Röschlau und Sohn Julian Lorenzi. 2013 dann schlug das Schicksal unbarmherzig zu, der Senior verstarb plötzlich und unerwartet. Der Junior stand mittlerweile zum Glück tief genug im Thema, um Fertigung und Geräteentwicklung selbst stemmen zu können. Das ist der Stand der Dinge und es war allerhöchste Zeit, dass wir uns wieder einmal mit einem Gerät dieser Provenienz beschäftigen. Bereits die Formensprache des kompakten Riementrieblers ist etwas ganz Besonderes: Die Zarge des Giro besteht nämlich lediglich aus einer runden Scheibe mit exakt dem Durchmesser des Plattentellers, der exzentrisch darauf befestigt ist.

Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 2Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 3Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 4Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 5Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 6Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 7Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 8Plattenspieler AMG Giro / 9W2 im Test, Bild 9
Das Resultat ist ein extrem reduziertes Gerät in Form eines Ovals – sehr wirkungsvoll. Die 33 Millimeter starke Scheibe aus schwarz eloxiertem Aluminium ruht auf drei zylindrischen Füßen, ganz unten ragen kleine Spikes zur Nivellierung heraus. Hätte ich von vornherein einen Blick in die Bedienungsanleitung geworfen, wäre mir auch sofort aufgefallen, dass jene mit einem Inbusschlüssel komfortabel von oben in der Höhe verstellbar sind. So hat’s etwas länger gedauert – selbst schuld. Bedient wird der Giro über zwei Sensortasten. Berührt man eine, ändert sich die Farbe des umlaufenden Rings von Rot auf Grün und die entsprechende Drehzahl wird angefahren. Berührt man beide Kontakte, stoppt das Laufwerk. Aus der Zarge ragt zudem das Pulley des Antriebsmotors, eingesetzt wird ein Schweizer Gleichstrommodell. Er überträgt seine Kraft über einen dünnen Gummi-Rundriemen auf eine Eindrehung an der Tellerunterseite. Das erfordert zwar etwas Fingerspitzengefühl bei der Montage des Riemens, hat aber den Vorteil, dass der komplette Antrieb unsichtbar ist. Bei einem so schön schlichten Dreher wie diesem hier auf alle Fälle eine gute Idee. Der Plattenteller besteht aus dem Lieblingskunststoff aller Plattenspielerhersteller, nämlich POM, andernorts auch Delrin genannt. Hier ist’s eine 40 Millimeter starke Scheibe, die ihre Runden dreht. Die Tellerachse ist mehrteilig: Der Teil, der letztlich oben aus dem Teller herausragt, hat keine direkte Verbindung zur eigentlichen Lagerachse. Der Teller liegt nämlich auf der Oberseite einer Trägerplatte auf, die den oberen Abschluss des eigentlichen Lagers bildet. Das Lager selbst ist von hydrodynamischer Bauart, will sagen: Der für den Ölumlauf erforderliche Druck entsteht erst durch die Bewegung der Teile des Lagers gegeneinander. Das ist hier sicherlich Overkill, schadet aber auch nicht. Das Lager ist geschlossen und mit einem bis in alle Ewigkeiten ausreichenden Ölvorrat versehen; an diese Komponente müssen Sie garantiert nie wieder einen Gedanken verschwenden. Nochmal kurz zum Antrieb: Ich bin kein Freund von ungeregelten Gleichstromantrieben. Sie neigen zu mangelhafter Drehzahlkonstanz. Der Giro ist von Problemen in dieser Art allerdings meilenweit entfernt, wofür es zwei Gründe geben kann: Entweder ist der Motor so üppig dimensioniert, dass ihm die üblichen Lastwechsel beim Abtasten einer Platte nichts aus machen oder es gibt eine Motorsteuerung, die dem Antrieb elektronisch auf die Sprünge hilft – davon steht aber nirgends etwas. Sei es wie es sei – es funktioniert bestens. Die große Besonderheit am Tonarm 9W2 ist zweifellos seine Vertikallagerung. Während für diesen Job üblicherweise Kugeloder Schneidenlager zuständig sind, ging man hier gänzlich andere Wege. Der Arm ist nämlich mit zwei 0,5 Millimeter starken, senkrecht angeordneten Stiften fest eingespannt. Wenn der Arm eine Bewegung in der Vertikalen vollführen will, dann muss er dazu die beiden Stifte verbiegen. Das ist perfekt spielfrei, absolut verdrehsicher, definitiv aber nicht kräftefrei zu machen. Kräftefrei ist der Arm nur in unmittelbarer Nähe seiner Ruhelage, also der exakten Horizontalen. Je weiter man ihn nach oben oder unten auslenkt, desto mehr machen sich die erforderlichen Biegekräfte bemerkbar. Das hat in der Praxis zur Folge, dass man beim 9W2 besonders gut auf die VTA-Einstellung achten muss und die Auflagekraft auch nur dann einstellen sollte, wenn der Arm exakt horizontal ausgerichtet ist. Wenige Millimeter darüber oder darunter ändern sich die Kräfteverhältnisse bereits signifikant. Im Betrieb stellt das keinerlei Problem dar; und wenn eine Platte so stark verwellt sein sollte, dass sie den Arm in den Bereich deutlich erhöhter Auflagekraft zwingt, dann hat man man ohnehin größere Probleme. Trotzdem hat sich AMG der Problematik mit den verwellten Platten angenommen und eine aufschraubbare Plattenklemme nebst spezieller Unterlegscheibe ins Paket gelegt. Die Unterlegscheibe gehört unter die Platte und hilft beim gezielten „Zurückbiegen“ eventueller Verwerfungen. Manchmal geht’s mit der Scheibe besser, manchmal ohne – das muss im Einzelfall ausprobiert werden, funktioniert aber tatsächlich ziemlich gut. Davon ab: den Arm immer schön perfekt waagerecht einstellen und erst dann die Auflagekraft justieren. Das weiß auch der Hersteller, deshalb hat er gleich eine kleine Wasserwaage in den Arm eingebaut die anzeigt, wann die Horizontale erreicht ist. Natürlich ist eine Höhenverstellung des Arms möglich, auch der Azimut kann justiert werden. Zudem gibt’s ein magnetisches Antiskating. All das verschwindet weitgehend im Inneren des schlanken und optisch bestens zu dem reduzierten Laufwerk passenden Tonarm. Mit einer effektiven Länge von 229 Millimetern ist er ein „richtiger“ Neunzöller, mit einer effektiven Masse von gut neun Gramm ist er eher am unteren Ende von „mittelschwer“ angesiedelt. Das Armrohr besteht aus Aluminium, nicht sicher bin ich mir beim Headshell. Da gefällt mir definitiv der kurze und griffige Fingerbügel. In der Horizontalen wird der 9W2 übrigens in Nadellagern geführt, die Achse selbst besteht aus hartem Werkzeugstahl. In der Praxis gibt sich die Kombi vollkommen problemlos, sie reagiert allerdings recht deutlich auf ihre Stellfläche: Stabil sollte sie sein, gerne auch ein bisschen schwerer. Etwas unsicher war ich mir, ob das Lyra Etna ob der begrenzten effektiven Masse des Arms der richtige Spielpartner ist. Die Bedenken erwiesen sich als völlig unbegründet, zumal das Etna mit 12 mm/N auch nicht besonders hart ist. Der beherzte Griff in die Plattenkiste förderte ZZ Tops 1975-er-Epos „Fandango“ zutage, von dem ruhigen Gewissens nur der extrem sahnige „Blue Jean Blues“ schmerzlos konsumierbar ist. Der allerdings geht in dieser Umgebung ganz wunderbar. AMG und Etna spielen mit Drive, Attacke und sparen sich jegliches Aufgeblähte im Bass. Das gibt ein sehr flüssiges und rhythmisch bestens akzentuiertes Klangbild. Was zudem auffällt: Dynamik und Detailreichtum ganz unten im Kleinen. Ich wollte noch etwas mehr „Wohlfühl-Sound“ und tauschte das Etna gegen das Lyra Atlas aus. Die AMG-Kombi macht die Unterschiede zwischen den beiden Spitzenabtastern unmittelbar deutlich: Das Atlas ist noch etwas flüssiger, geschmeidiger und weicher als das Etna. Damit sind wir in Sachen Musikalität in Sphären angekommen, die der kompakten Hightech- Maschine icht unbedingt zuzutrauen gewesen sind. Sehr eindrucksvoll vermag das die norwegische Sängerin Kari Bremnes mit ihrem neuen Alblum „Det Vi Har“ unter Beweis zu stellen. Bei aller musikalisch bedingten nordischen Kühle klingt‘s überaus fein, bestens integriert und komplett. Die Gesangsstimme ragt wie ein Fanal aus dem Instrumentalteppich, die gesamte Atmosphäre ist stimmig und rund. Genau so soll’s sein!

Fazit

So schön kann Hochtechnologie klingen: Bereits AMGs kleinste Laufwerks-/Tonarmkombination erweist sich als gefühlvolle Musikmaschine allererster Güteklasse. In Verbindung mit der gediegenen Aufmachung ist das ein echtes Sonderangebot!

Preis: um 7300 Euro

AMG Giro / 9W2


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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb High Fidelity Studio, Augsburg 
Telefon 0821 37250 
Internet www.high-fidelity-studio.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 430/149/315 
Gewicht (in Kg) 11,5 kg 
Unterm Strich... So schön kann Hochtechnologie klingen: Bereits AMGs kleinste Laufwerks-/Tonarmkombination erweist sich als gefühlvolle Musikmaschine allererster Güteklasse. In Verbindung mit der gediegenen Aufmachung ist das ein echtes Sonderangebot! 

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Interessante Links:
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