Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Audio Deva Atmo Sfera


Weniger ist mehr

Plattenspieler Audio Deva Atmo Sfera im Test, Bild 1
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Die Resonanz ist der Feind. Sie wird bedämpft, abgeleitet, in ihrer Entstehung bekämpft, in ihrer Resonanzfrequenz verschoben. Man könnte sie aber auch einfach weglassen: Wo kein Material, da keine Resonanz

Premiere hatte der bemerkenswerte kleine italienische Dreher auf der High End 2017, aber schon vorher konnte man sein Entstehen im Zuge eines Kickstarter-Projekts im Internet bewundern. Für diejenigen unserer Leser, denen das nichts sagt: Kickstarter ist eine Plattform im Internet, auf der hoffnungsvolle junge Unternehmer oder Erfinder ihre Projekte einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und zur Anschubfinanzierung Spenden einsammeln. In der Regel haben Spender ab einer gewissen Summe als Extra-Anreiz ein Vorkaufsrecht bei Serienreife des entsprechenden Produkts zu einem Preis, der unter dem späteren UVP liegt. Solche Kampagnen sind seit ein paar Jahren der Renner und werden nicht nur für Produktentwicklung eingesetzt, sondern auch für Großprojekte wie Kinofilme.

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So ist zum Beispiel der berühmt-berüchtigte „Iron Sky“ zu einem großen Teil aus einer solchen Spendensammlung entstanden. Und jetzt also die hoffnungsvolle junge Plattenspielerfirma Audio Deva aus Italien. Wer sich angesichts der vermeintlich so jugendlichen Finanzierungskampagne eine Garage mit ein paar Elektrotechnik-Studenten vorstellt, die sich einen Plattenspieler basteln, der liegt meilenweit daneben. Gestandene Ingenieure haben sich viel Zeit genommen, mittels modernster Material-Simulationstechnik einen Plattenspieler zu bauen, der zumindest viele Probleme, mit denen sich andere Hersteller herumschlagen, eben gar nicht erst entstehen lässt. Ergebnis ist nun der etwas andere Dreher: der Atmo Sfera. Zwei Versionen davon gibt es: Die sogenannte Lifestyle-Edition: Eine einfachere Variante mit fest montiertem Ortofon-Tonabnehmer und etwas weniger Materialaufwand, die es dafür schon für 1.690 Euro zu kaufen gibt. Und die High-End-Version, mit der wir uns hier auseinandersetzen. Diese haben wir gerne mit dem von Hersteller und Deutschlandvertrieb Authentic Sounds empfohlenen Ortofon Quintet Bronze genommen. Der Atmo Sfera hat natürlich, wie jeder andere Plattenspieler auch, eine Basis, auf der alle weiteren Bestandteile aufbauen. Ungewöhnlich ist hier, dass in der recht stabilen, als abgerundetes Dreieck ausgeformten Grundplatte gemeinsam sowohl Tonarmbasis, Tellerlager und Motor sitzen. Der Konstrukteur verweist hierzu auf das Whitepaper des Atmo Sfera, in dem er auf die Hauptresonanz der Grundplatte hinweist, die bei 18 Kilohertz liegt und damit weit entfernt von dem Frequenzbereich ist, den der Motor anregen könnte. Außerdem arbeitet der extrem kleine Motor durch die Ankopplung an die vergleichsweise hohe Masse der Aluplatte praktisch vibrationsfrei. Der Metallpulley liegt extrem nah an der Schwungmasse des Tellers und überträgt seine Kraft über einen Gummiriemen (auch hier hat man die Materialwahl nicht dem Zufall überlassen). Der Teller selbst ist, zusammen mit der aufzuschraubenden Klemme, eine fast perfekte Halbkugel, ebenfalls aus Aluminium. Auch hier hat es aufwendige Materialmessungen und -berechnungen gegeben. Durch das Weglassen eines großen Tellers geht es ausschließlich um die Schwingungsübertragung zwischen der Schallplatte und dem „Subteller“. Dieser hat ein erstes Resonanzmaximum bei 9,1 Kilohertz, während man für die Schallplatte selbst 4 Kilohertz ermittelt hat. Durch diese weit auseinanderliegenden Resonanzen gibt es keine gegenseitige Beeinflussung. Zudem ist die Auflagefläche von der Größe des Plattenlabels durch die Klemme hart angekoppelt, während es sonst ja keine Berührungspunkte gibt. Wegen des Überhangs der Schallplatte muss man sich übrigens keine Gedanken machen: Die Auflagekraft des Tonabnehmers reicht nicht aus, um den Rand der Platte nennenswert nach unten zu drücken. Das Einzige, das nicht geht, ist das Plandrücken verwellter Platten, aber hierfür muss man auch bei konventionellen Plattenspielern einen hohen Aufwand treiben. Der Tonarm des Atmo Sfera ist ebenfalls eine eigene Konstruktion – schlicht, aber funktional. Ein relativ dickes Kohlefaserrohr wird an der Basis kardanisch aufgehängt. Genial finde ich die Gegengewichtskonstruktion, die statt der üblichen großen Scheibe ein eingeschraubtes Gewicht verwendet, so dass die hintere Seite des Arms nicht aufträgt. Vorne ragt ein Metall-Headshell an der Unterseite des Rohrs heraus, so dass der Tonabnehmer unter dem Arm hängt. Das ist in Sachen Schwerpunkt sicher die richtige Idee – aus ästhetischen Gründen bin ich aber mit dieser Lösung nicht so ganz glücklich, das geht irgendwie eleganter. Auf der High End 2017 hat man sich aufgrund zahlreicher Kundenwünsche dazu entschlossen, einen Tonarmlift einzubauen. Dieser wird zugeliefert und sitzt auf einer separaten Montageplatte. Die gesamte Konstruktion ruht auf drei stark dämpfenden Füßen, so dass die Aufstellung trotz des recht geringen Gesamtgewichts unkritisch ist – man muss nur darauf achten, dass die recht beweglichen Füße beim Aufstellen nicht verkanten, also immer senkrecht aufsetzen! Der Motor wird von einer externen Einheit angesteuert, die einen sauberen Sinus für den kleinen Synchronmotor liefert. Am Gehäuse der Motorsteuerung wird es noch ein paar kleinere Veränderungen geben – ausgeliefert wird sie in jedem Fall in der Farbe des Laufwerks. Die Erwartungen an den Hörtest waren einerseits hoch, andererseits auch wieder nicht: Der skeptische Tester schwankt dann doch zwischen „durchdachte Konstruktion“ und „Spielzeug“. Nun, Letzteres konnte der Atmo Sfera schnell beiseitefegen: Der kleine Italiener macht ernsthaft gute Musik. Bedenken wegen etwaiger Gleichlaufschwankungen muss man nicht haben: Der Atmo Sfera ist „klavierfest“. Und ansonsten gibt es alles, was ein guter Plattenspieler haben muss. Okay, ganz so tief wie der schwere Sikora kommt er einerseits nicht, andererseits kann er sich in Sachen Neutralität durchaus mit dem großen SME 20/3 messen, eines der absoluten Paradebeispiele durchdachter Plattenspielerkonstruktionen. Klar, hier muss man Abstriche in Sachen letzter Konsequenz an den Rändern des hörbaren Spektrums machen: „Durchschlagskraft“ ist nicht das Attribut, das einem als Erstes einfällt bei der ansonsten sehr charmanten und in sich ruhenden Spielart des Italieners. Ruhe ist in der Tat das Stichwort: Es ist tatsächlich bemerkenswert, wie rein und klar der Atmo Sfera Musik reproduziert. Ich würde ihn nun nicht einem durchdachten – wohlgemerkt: durchdachten – großen Laufwerk vorziehen, aber die meisten kleinen und mittelgroßen Laufwerke wirken neben ihm irgendwie etwas nervöser und weniger souverän. Abgesehen davon kenne ich auch dicke Laufwerke, die „klotziger“ klingen. Gerade der wichtige Mitteltonbereich ist beim Atmo Sfera frei von Verfärbungen und Verdeckungen. Und die Balance zwischen dem „runden“ analogen Sound und detaillierter Wiedergabe gelingt mit einer lässigen Selbstverständlichkeit, als wäre er ein ganz Großer.

Fazit

Das ist doch mal was: Ein echter Hingucker, absolut wohnzimmertauglich und dabei noch ein echtes technisches Highlight mit hervorragendem Klang.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Audio Deva Atmo Sfera

Preis: um 3990 Euro


11/2017
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Authentic Sound, Worms 
Telefon 06214 4960238 
Internet www.authentic-sound.com 
B x H x T (in mm) 440/160/330 
Gewicht (in Kg) 28 kg 
Ausführungen: Schwarz, Weiß, Orange, Silber, Sonderfarben gegen Aufpreis 
Unterm Strich ... Das ist doch mal was: Ein echter Hingucker, absolut wohnzimmertauglich und dabei noch ein echtes technisches Highlight mit hervorragendem Klang. 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 01.11.2017, 09:58 Uhr
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Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
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