Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Clearaudio Innovation/Universal/DaVinci


Alles geregelt

Plattenspieler Clearaudio Innovation/Universal/DaVinci im Test, Bild 1
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Alle Jubeljahre taucht im HiFi-Bereich eine Idee auf, die so bestechend ist, dass man sich fragt, warum sie nicht schon längst auf breiter Front Einzug gehalten hat. Eine solche hat Clearaudio beim neuen Laufwerk „Innovation“ eingeführt - nomen est omen

Mitspieler

Phonovorstufen:

Pass XP-15
MalValve preamp three phono
Clearaudio BalancedPhono Reference

Vorverstärker:

MalValve preamp three line

Endstufen:

SymAsym

Lautsprecher:

Lumen White Artisan
Klang + Ton CT230Gegenspieler

Plattenspieler:

Clearaudio Statment /TT1 / Goldfinger V2
Transrotor Fat Bob /Clearaudio Universal / GoldfingerAuf jeden Fall ist der richtige Tonarm drauf. Mit dem „Universal“ - wir berichteten in LP 1/09 - machte Clearaudio Ernst in Sachen Drehtonarm. Nicht, dass die Erlangener auf diesem Sektor bis dahin spärlich bestückt gewesen wäre, aber der Universal war der erste ernst zu nehmende Versuch, auch in dieser Kategorie ganz vorne mitzuspielen - was zweifellos gelungen ist.

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Rund um dieses Prachtstück von Arm kommt nun ein Paket in die Läden, das mit 12.800 Euro zwar weit davon entfernt ist, als Schnäppchen durchzugehen, dafür aber ein paar nicht wegzudiskutierende Vorteile in die Waagschale wirft: Der „Innovation“ will als Komplettplayer durchgehen, bei dem sowohl Laufwerk (5.800 Euro Einzelpreis) als auch Tonarm (3.600 Euro) und Tonabnehmer „DaVinci“ (4.100 Euro) von allererster Güteklasse sind und als Ganzes mehr als die Summe der Einzelteile darstellen. Beginnen wir mit der jüngsten Komponente des Trios, dem Laufwerk. Die Typenbezeichnung „Innovation“ deutet schon an, dass mehr passiert ist, als bewährte Technik in eine neue Form zu pressen; der Aufbau des Tellers und der Antrieb des Gerätes sind nämlich weitgehend neu. In Sachen Formgebung hingegen orientierte man sich an hausintern bewährten Strickmustern: Ein sehr reduziertes, dreibeiniges Chassis trägt das gesamt Konstrukt. Jenes besteht aus zwei Aluminium-/Acryl-/Aluminium-Sandwichplatten und vier runden Aluminiumscheiben als Abstandshalter. Zwei der drei Türme an den Enden der Ausleger dienen der Montage von Tonarmen, der dritte - und das ist neu - beherbergt den Antrieb des Innovation, gleichsam das Herzstück dieses Plattenspielers. Während Clearaudio bis dato nämlich auf netzbetriebene Synchronmotoren zum Erreichen einer möglichst konstanten Drehzahl setzte - die 50 Hz in unserem Stromnetz sind extrem geringen Schwankungen unterworfen - kommt hier ein Gleichstromantrieb zum Zuge. Zur Erzielung wirklich tadelloser Gleichlaufwerte muss man hier eindeutig mehr Aufwand treiben, denn ein solcher Motor ist von seinem Wesen keinesfalls so drehzahlkonstant wie ein Synchronmotor, der fest an der Frequenz des steuernden Wechselstroms „klebt“. Ein Gleichstrommotor hält bei konstanter Betriebsspannung seine Drehzahl nur so lange konstant, wie sich die Belastung nicht ändert, und das ist in der Praxis nicht der Fall; bereits die durch die Abtastung der Platte bewirkten Laständerungen würden zu Drehzahlschwankungen führen. Aus diesem Dilemma gibt es nur einen konsequenten Ausweg: eine Regelung, und genau diesen Weg ist Clearaudio konsequent gegangen. Eine Regelung bedingt erst einmal das Vorhandensein eines „Istwertgebers“, also eines Drehzahlsensors. Der steckt konsequenterweise unter dem Plattenteller - dessen Drehzahl ist ja die, die man konstant halten will und nicht die des Motors. Eine Lichtschranke tastet dort 1595 haarfeine Markierungen ab; die Frequenz dieses Signals wird von einer Steuerelektronik - die sitzt ebenfalls mit im „Motorfuß“ - ausgewertet, mit einer quarzstabilen Referenz verglichen und in die erforderliche Spannung für den Motor umgesetzt. Der kritische Punkt bei so etwas ist der sogenannte „Regelalgorithmus“, vereinfacht gesagt die Vorschrift, wie heftig die Regelung versucht, Abweichungen des Istwerts der Drehzahl vom Sollwert auszugleichen. Zur großen Zeit der Direktantriebe, die mit einer ähnlichen Technik ausgestattet waren, wurde hier oftmals des Guten zuviel getan; man erzielte dank stark progressiver Regelparameter auf dem Papier fantastische Gleichlaufwerte, so richtig gut klang‘s aber oftmals nicht. Auf dieses dünne Eis begaben sich die Erlangener nicht und legten ihre Regelung bewusst zahm aus - klanglich sicherlich die richtige Idee. Der Grund dafür, dass sich hier trotzdem exzellente Gleichlaufwerte erzielen lassen, liegt in einem sehr einfachen Umstand begründet: die hohe bewegte Masse des Plattentellers, die von Natur aus schon so viel stabilisierendes Trägheitsmoment mitbringt, dass die Regelung wenig zu tun hat. Der Teller ist hier ein Sandwich aus einer Edelstahlscheibe und einem Kunststoffteller aus dem derzeit sehr beliebten Kunststoff „POM“, die zusammen über 14 Kilogramm auf die Waage bringen - das reicht allemal. Meines Wissens nach baut derzeit nur noch die amerikanische Firma Teres Audio einen Plattenspielerantrieb nach diesem Prinzip - angesichts der auf der Hand liegenden Vorteile eigentlich erstaunlich. Der kräftig dimensionierte Motor trägt übrigens ein sehr kleines Pulley und läuft deshalb mit recht hoher Drehzahl; das führt dazu, dass sich am Teller ein hohes Antriebsdrehmoment einstellt. Der „Universal“ wirkt auf dem kompakten Laufwerk ziemlich wuchtig, der Neunzöller mit ultrasteifem Teleskop-Armrohr aus metallisiertem Faserwerkstoff ist allerdings auch nicht eben als Filigrankonstrukt ausgelegt. Das will er auch gar nicht sein, Stabilität stand hier ganz oben im Pflichtenheft. So etwas geht naturgemäß mit ordentlich Gewicht einher, was seinen Ausdruck in einer dynamischen Masse von etwa 23 Gramm erhält. Das ist fast das Doppelte des heutzutage üblichen „Mittelschwer-Standards“, in der Praxis wird dieser Umstand aber meist nicht so heiß gegessen, wie er gekocht wurde: Bei mir tut der Universal auch mit mittelharten Abtastern ganz wunderbar. Dazu gehört auch das DaVinci mit einer Compliance von 15 mm/N. Dank seines recht geringen Gewichts von 7 Gramm fällt die Tiefenresonanz dieser Kombi in den Beriech um 7,5 Hertz - das passt ausgezeichnet. Das DaVinci steht in der Hierarchie der Clearaudio-MCs an dritter Stelle hinter Goldfinger und Titanium. Die Generatoren der Systeme dieser Baureihe unterscheiden sich nur bei der Selektion der Komponenten und im Gehäusematerial; während bei den beiden größeren Modellen klar ist, wo der Hase langläuft, kommt beim DaVinci Exotischeres zum Einsatz: Ein gepresstes Aluminiumgehäuse wird per Fräse nachbearbeitet und anschließend zweimal dick eloxiert, so dass sich eine extrem harte Keramikoberfläche ergibt. Trefflich streiten kann man über den weit aus dem Gehäuse herausstehenden Bornadelträger; im Umgang damit sind starke Nerven gefragt, die Konstruktion neigt definitiv zu teuren Unfällen - auch Montage und Demontage des Nadelschutzes sind nicht ungefährlich. In Sachen Auflagekraft bewegten wir uns letztlich am oberen Limit: 3 Gramm erscheinen viel für so eine zarte Konstruktion, in der Praxis jedoch gibt‘s so die beste tonale Balance und die überzeugendsten dynamischen Ergebnisse. Und doch ist es gerade nicht die Dynamik, die das hervorstechendste Merkmal dieser Kombi ist - das ist nämlich das, was zu vermuten gewesen wäre, galt das Clearaudio-Klangideal bisher zu Recht doch als extrem hochauflösend, sehr trocken und präzise, von einer gewissen Gnadenlosigkeit geprägt. Dass der Weg in Erlangen mittlerweile in eine etwas andere Richtung geht, zeigten schon die Beschäftigung mit dem sündteuren Laufwerk „Statement“ und dem Tonarm „Universal“ alleine: Clearaudio hat die leisen Töne entdeckt, die gediegene Musikalität, die feine Akkuratesse. Und das gelingt diesem Paket hier in absolut überzeugendem Maße: Subtrahieren wir nur ein kleines bisschen absoluter Ruhe vom in dieser Hinsicht nicht zu toppenden Statement, dann sind wir bereits beim Innovation, und das darf angesichts einer Preisdifferenz von knapp 100.000 Euro als ziemliche Sensation gelten. Im Vergleich zu meinem guten alten dreimotorigen Transrotor Fat Bob wirkt der Clearaudio ein wenig zurückhaltender, entspannter und gediegener, was aber daran liegen mag, dass auf dem zweiten Universal auf dem Transrotor kein DaVinci, sondern ein Goldfinger den Ton angab - und das ist nun einer der breitbandigsten und farbstärksten Abtaster überhaupt. Je länger man dem Innovation zuhört, desto mehr feine Zwischentöne treten zutage, umso zarter, reduzierter und stimmiger erscheint das das Klangbild. Ich muss gestehen, dass ich so etwas ausgerechnet von einem Clearaudio-Paket nicht erwartet hätte. Die Überraschung ist nichtsdestotrotz eine erfreuliche - der hier eingeschlagene Weg führt eindeutig näher zur Musik.

Fazit

Wenn Sie zu den weniger experimentierfreudigen Plattenhörern gehören und in dieser Preisregion spielen, dann ist das hier derzeit wohl eine der reizvollsten Kombinationen am Markt: Dieses Paket spielt betörend fein, hoch aufgelöst, souverän und stimmig - ein merklicher Schritt weg von einer gewissen Vordergründigkeit, die aus Erlangen früher zu hören war.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Clearaudio Innovation/Universal/DaVinci

Preis: um 12800 Euro


12/2009
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 07.12.2009, 11:49 Uhr
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