Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Elac Miracord 50


Einfach nur ein Plattenspieler

Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 1
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Nachdem Elac uns zum hauseigenen 90. Jubiläum mit einem echten Hightech-Plattenspieler überrascht hat, stellte sich eine Frage von ganz allein: Was kommt da als Nächstes?

Puh. Glück gehabt. Tatsächlich war ich ein bisschen in Sorge, dass sich Elacs Plattenspielerambitionen in luftige Höhen aufschwingen würden. Preislich nämlich. Nicht, dass der Miracord 90 Anniversary mit rund 2.500 Euro zu günstig gewesen wäre, aber die Erfahrung lehrt ja, dass nach oben immer noch ein wenig Luft herrscht. Wir dürfen beruhigt vermelden: Die Kieler haben der Versuchung widerstanden und Bodenständiges präsentiert. Mittlerweile gibt‘s zwei neue, unterhalb des Jubiläumsmodells angesiedelte Plattenspieler, den Miracord 70 und den Miracord 50. Um Letzteren soll‘s hier gehen. Das Einstiegsmodell für 500 Euro komplett mit Tonabnehmer ist keinesfalls mit dem Miracord 50H zu verwechseln, der stammt nämlich aus Elacs ruhmreicher Vergangenheit, genauer gesagt aus dem Jahre 1966.
Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 2Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 3Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 4Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 5Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 6Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 7Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 8Plattenspieler Elac Miracord 50 im Test, Bild 9
Mit dem vollautomatischen Boliden von damals hat der Neue naturgemäß nur wenig zu tun. Was auch okay so ist, einen nussbaumfurnierten Kasten akzeptieren heutzutage nur noch hartgesottene Vintage-Fans im Wohnzimmer. Der Neue steckt in einer schnieken Behausung mit gerundeten Ecken. Obendrauf ist glänzend schwarz, außen herum läuft ein anthrazitfarbener Streifen. Eine Staubschutzhaube gehört zum Lieferumfang. Die ist sogar nennenswert federbedämpft und wird auch noch halb geöffnet von ihren Scharnieren gehalten. Kleine Gummipuffer schützen die Zarge vor Kratzspuren des Deckels – so hat man das früher gemacht und genau so funktioniert das bestens bis zum heutigen Tag. Unter der Haube kommt ein konventioneller, per Riemen angetriebener Plattenspieler zum Vorschein. Die Platte liegt auf einer verrippten Gummimatte, die schon wieder ziemlich nach „damals“ aussieht. Darunter kommt ein Metallteller der sparsameren Art zum Einsatz. Immerhin ein Aluminiumgussteil, bei dem fehlende Masse durch eine dämpfende Gummieinlage wettzumachen versucht wurde. Auf ungefähr dem halben Radius verläuft ein runder Steg, der als Lauffläche für den flachen Gummiantriebsriemen dient. Ohne Gummiauflage ist der Teller eine veritable Glocke, mit Tellermatte benimmt er sich ziemlich ruhig – so ist‘s gedacht. Das Pulley des Antriebsmotors ragt hinten links durch die Zarge und wird normalerweise vom Teller verdeckt, genau wie bei Generationen von Plattenspielern vor dem Miracord 50. Der Motor ist ein ungewöhnlich hoch drehendes Modell, das sieht man an dem extrem kleinen Durchmesser des Pulleys. Der Teller ruht auf einem Messingkonus, der einen Teil der Lagerachse bildet. Diese ist nämlich zweiteilig, innen steckt der Stahl- Mittelstift fürs Loch in der Schallplatte. Ein Blick ins Innere des Elac erfordert das Abschrauben der Bodenplatte. Auch hier wiederholt sich die Geschichte, das ist nämlich ein ähnlich dünnes Presspappending wie „damals“. Die vier elastischen Gummifüße hätten eigentlich direkt an die eigentlich recht massive MDF-Zarge geschraubt gehört und nicht an diesen „Sichtschutz“. Im Inneren findet sich erst einmal der erwähnte Gleichstrom-Antriebsmotor, auch ein eher kompaktes Modell. Interessant wird‘s unterm Lagerblock: An der Tellerachse ist nämlich eine mit haarfeinen Linien versehene Stroboskopscheibe angebracht, die mit einer Lichtschranke abgetastet wird: Jawohl, wir haben es mit einem richtigen geregelten Antrieb zu tun, was für diese Preisklasse als absolut ungewöhnlich gelten darf. Und wer regelt hier? Ein Teil der Elektronik auf der Platine am hinteren Rand des Gerätes. Bemerkenswerterweise erwähnt der Hersteller dieses erstaunliche Feature mit keinem Wort, weder auf seiner Webseite, noch im „Tech Sheet“. Jedenfalls ist diese komfortable Drehzahlregelung der Grund dafür, dass das Umschalten der Nenndrehzahl bequem per Drehschalter vorne links auf der Zarge erfolgen kann und man sich nicht damit aufhalten muss, den Riemen umzulegen. Eine Drehzahlfeineinstellung gibt‘s nicht, aber die ist bei dieser Art des Antriebs auch nicht erforderlich: Dank Messung der tatsächlichen Tellerdrehzahl kann‘s hier praktisch keine zu korrigierenden Abweichungen geben. Die Platine im Geräteinneren beherrscht noch einen anderen Trick: Hier ist nämlich auch noch eine Phonovorstufe untergebracht. Keine besonders komfortable, aber eine, die mit den Signalen von MM-Abtastern bestens zurechtkommt. Einzustellen gibt‘s hier nichts, mit einer Ausnahme: Ein Schiebeschalter auf der Geräterückseite lässt den Benutzer entscheiden, ob er das fertig vorverstärkte oder das unbehandelte Tonabnehmersignal auf das Paar Cinch- Anschlussbuchen gelegt haben möchte. Apropos Rückseite: Da gibt‘s dann auch noch eine Erdungsklemme, eine Buchse fürs Steckernetzteil (zwölf Volt Gleichspannung – wer hier mit Hochwertigerem oder gar Akkuversorgung experimentieren möchte, ist herzlich eingeladen, das zu tun) und einen Schalter für die Betriebsspannung. Drehen wir die zehn Schrauben zur Befestigung der Grundplatte wieder ins Gebälk und werfen noch einen Blick auf den Tonarm. Es ist ein Modell mit geradem Armrohr aus Aluminium und neun Zoll effektiver Länge. Das Beibringen der erforderlichen Kröpfung obliegt dem Headshell, das mit einer Überwurfverschraubung nach SME-Standard befestigt wird. Das Headshell scheint ebenfalls aus Alu zu bestehen und macht dank seitlich verlaufender Stege einen ordentlich stabilen Eindruck. Der Hersteller schraubt hier ab Werk einen wohlbekannten gelben Tonabnehmerklassiker hinein: das berühmte Audio-Technica AT-91 mit Kohlefasernadelträger; nach wie vor die besten gut 20 Euro, die man in einen Tonabnehmer investieren kann. Das andere Ende des Arms mündet in ein durch Verdrehen verstellbares Gegengewicht mit frei drehbarer Skala. Dadurch ist die Auflagekraft hinreichend genau auch ohne den Einsatz einer Tonarmwaage einstellbar. Die Lagerung des Tonarms erfolgt in klassisch kardanischer Manier: Zwei (sogar einstellbare) Kuhel- oder Spitzenlager führen den Arm in der Vertikalen, die Horizontale obliegt Kugellager(n) im Schaft. Das Antiskating wird per federbelastetem Drehknopf an der Seite eingestellt, einen brauchbar funktionierenden bedämpften Tonarmlift gibt‘s natürlich auch. Alles in Allem eine grundsolide Konstruktion ohne Überraschungen, die Lager laufen leicht und ohne fühlbares Spiel. Dann kann‘s ja losgehen, nicht wahr? Das Setup des Elac klappt in wenigen Minuten. Mehr als eine stabile, gerade Stellfläche braucht‘s nicht, dank der eingebauten Phonovorstufe ist das Gerät an jeden beliebigen Hochpegeleingang anschließbar. Der Abtaster ist korrekt eingebaut, mehr als die Auflagekraft auf 20 Millinewton und das Antiskating auf „2“ einzustellen gibt‘s nicht zu tun. Die Phonovorstufe macht ihren Job ordentlich, das Ganze läuft völlig frei von Brumm und ähnlichem Ungemach. Ist der Miracord der heilige Gral für den anspruchsvollen Audiophilen? Nein. Aber er ist ein anständig klingender alltagstauglicher Plattenspieler für Leute, die mitbekommen haben, dass man jetzt wieder Platte hört. Ich hab mal Kris Kristoffersons „Closer to the Bone“ aufgelegt und mich darüber gefreut, dass der Miracord 50 ohne Probleme in der Lage ist, das System „Schallplatte“ würdig zu vertreten. Will sagen: Es klingt geschmeidig, es löst anständig auf, schafft einen ordentlichen Raum und hat so etwas wie Dynamik. Der olle Herr Kristofferson jedenfalls tönt so zerknautscht, wie sich das gehört. Die Stimme steht schön frei im Raum. Ein wenig mehr Spritzigkeit bei den diversen Saiteninstrumenten wäre kein Fehler, aber die gibt‘s mit einer externen Phonovorstufe. Wer irgendwann mal, wenn das AT-91 runtergenudelt ist, einen etwas besser auflösenden Tonabnehmer einbauen will, der macht damit auch keinen Fehler. Im Großen und Ganzen aber geht das hier völlig in Ordnung und ist eine ordentliche Lösung auch für Leute, die nicht knietief im Plattspielerthema stehen.

Fazit

Der kleine Elac ist ein bestens funktionierender Plattenspieler, der die Magie des Mediums ohne Probleme vermitteln kann. Klar ist da noch Luft nach oben, aber als unproblematischer Einstieg ins Thema eignet er sich bestens.

Preis: um 500 Euro

Plattenspieler

Elac Miracord 50


12/2018 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Elac, Kiel 
Telefon 0431 647740 
Internet www.elac.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 420/140/360 
Gewicht (in Kg) ca. 5,5 kg 
Unterm Strich ... Der kleine Elac ist ein bestens funktionierender Plattenspieler, der die Magie des Mediums ohne Probleme vermitteln kann. Klar ist da noch Luft nach oben, aber als unproblematischer Einstieg ins Thema eignet er sich bestens. 
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Autor Holger Barske
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Datum 28.12.2018, 10:03 Uhr
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