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Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Luxman PD-171


Was gut ist, kommt wieder

Plattenspieler Luxman PD-171 im Test, Bild 1
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Darauf haben wir so lange gewartet, dass wir irgendwann schon nicht mehr darauf gewartet haben: Luxman baut wieder einen Plattenspieler – ganz wie früher

Mitspieler


Tonabnehmer:

 VdH DDT-II Special
 Benz ACE L
 Denon DL-103, 103R
 Zyx R100 Yatra

66
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Phonoverstärker:

 Dubiel Phonomaster
 Trigon Advance
 MalValve Preamp Three

Phono Verstärker:

 Lindemann 830s und 858
 MalValve Preamp Four
 DIY 2A3 SE

Lautsprecher:

 K+T Minimonitor TS
 Cessaro Chopin

Gegenspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob mit SME 3500
 Luxman PD 444 mit Micro Seiki MA-505L und MA-707
 VPI Traveler

Beinahe dreißig Jahre ist es her, dass Luxman als einer der ganz großen japanischen HiFi-Hersteller die Plattenspielerfertigung eingestellt hat – zu mächtig erschien den Konzernoberen die Götterdämmerung der alten Analogscheibe. In der Folgezeit setzte man voll und ganz auf die eigene Kernkompetenz in der Verstärkerherstellung und natürlich auf den Siegeszug der CD. Als Anhänger und Eigentümer einiger der Laufwerkslegenden von Luxman habe ich eine triumphal geballte Faust nicht vermeiden können, als ich von dem neuen PD-171 gelesen habe. Im nächsten Augenblick gab es aber dann die nicht ganz aus dem luftleeren Raum stammende Befürchtung, der im Prospekt so wunderbar aussehende Plattenspieler könnte wie so viele begehrenswerte Analogprodukte nie das Land der aufgehenden Sonne verlassen. Nun, eine ganze Weile sah es auch so aus und erst nach einer Weile ist es dem rührigen Vertrieb TCG gelungen, dass jetzt doch ein Kontingent nach Deutschland gelangt ist – bei der Mindestabnahmemenge immerhin ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Aber zum Plattenspieler selbst: Frisch aus dem Karton lässt sich der PD-171 schnell aufbauen – Hexenwerk ist jedenfalls keins dabei. Die extrem wuchtig und massiv gebaute Zarge steht auf vier gedämpften Füßen, die nicht unmaßgeblich zur Bauhöhe des Laufwerks beitragen. Der fünf Kilogramm schwere Teller ist aus einem Aluminiumblock gefräst und sitzt auf der fest in der Zarge montierten geschlossenen Lagereinheit mit ihrem konisch zulaufenden Dorn.

Plattenspieler Luxman PD-171 im Test, Bild 2Plattenspieler Luxman PD-171 im Test, Bild 3Plattenspieler Luxman PD-171 im Test, Bild 4Plattenspieler Luxman PD-171 im Test, Bild 5Plattenspieler Luxman PD-171 im Test, Bild 6Plattenspieler Luxman PD-171 im Test, Bild 7
Der untere Teil des 16 Millimeter durchmessenden Edelstahldorns taucht in eine mit Molybdänfett geschmierte Lagerbuchse aus Messing und dreht sich auf einem Lagerspiegel aus Teflon. Zwischen Schallplatte und Teller sorgt luxmantypisch eine sehr dicke und schwere Gummimatte für die nötige Bedämpfung und Rutschfestigkeit. Angetrieben wird der PD-171 von einem drehmomentstarken Synchronmotor, der ein intern generiertes und damit sehr sauberes Sinussignal bekommt – ganz im Sinne bester Gleichlaufeigenschaften. Die Kraft wird über einen extrem breiten und flachen Riemen auf den Teller übertragen, der einem Tape-Antrieb zumindest nahe kommt. Beide Geschwindigkeiten lassen sich über Potenziometer feinregulieren – für die Kontrolle hat man sich etwas ganz Besonderes überlegt: Statt einfach Striche an der Unterseite des Tellers zu applizieren, hat man die Zahlen „33“ und „45“ in den richtigen Abständen eingraviert. Über einen Umlenkspiegel kann man nun genau ablesen, welche Betriebsart man gerade justiert – natürlich nur ein optischer Gag, aber sehr schön umgesetzt. Und wenn wir schon bei Attributen sind, die dem Bereich DJ-Plattenspieler entlehnt sind: Der neue Luxman besitzt eine Cinchbuchse zum Anschluss einer Lampe – das ist dann so ein kleines Metalltürmchen mit einer LED-Lampe, das man gerne belächeln möchte, wenn es im dunklen Hörraum nicht so verdammt praktisch beim Auflegen wäre. Ok – die klassische Designerlampe hinter der Laufwerksbasis ist edler und man kann das Lämpchen ja auch weglassen. Eine Besonderheit verbirgt die massive, aus Aluminium und Holz aufgebaute Zarge: Sämtliche Bauteile, die direkt mit der Klangerzeugung zu tun haben, „hängen“ schwimmend gelagert unter der 15 Millimeter starken Deckelplatte aus Aluminium, während „Störer“ wie Transformator und Netzteil noch einmal extra bedämpft werden. Dies und die Materialkombination Holz und Metall sorgen für maximale Ruhe in der Kiste, die mit insgesamt 23 Kilo Lebendgewicht klar zu den ambitionierteren Laufwerken unserer Zeit gehört. Eine steckbare und sehr solide Haube gehört natürlich auch zum überkompletten Lieferumfang. Atmen wir nun angesichts der vorzüglichen Material- und Konstruktionsqualität vor dem abschließenden Hörtest einmal kurz durch und kommen vorher noch zu einem etwas fragwürdigen Kapitel in der Geschichte des PD-171: der Tonarm. Es ist mit Sicherheit kein schlechter Tonarm verbaut worden, das verwendete Modell aus dem Hause Jelco ist ein tausendfach bewährter, sehr neutraler und gut gemachter Arm, den viele renommierte Firmen auf ihren Laufwerken einsetzen. Aber – gemessen an den vielen maßgeschneiderten Details am Luxman ist dieser Arm eben nur von der Stange – und man kann ihn nicht einmal austauschen. Sie haben richtig gelesen: Die Firma, die mit den extrem schnell auf Schlitten verstellbaren Wechselbasen am PD-441, 444 und 555 Maßstäbe in Sachen Flexibilität bei der Tonarmmontage gesetzt hat, bietet einen Plattenspieler an, bei dem kein Tonarmwechsel vorgesehen ist! Die einzigen bestehenden Möglichkeiten sind Arme, die zufällig in die vorhandene Bohrung passen – was angesichts der im Laufwerk verlaufenden Verkabelung etwas aufwendig ist – oder der Einsatz einer irgendwie in die Bohrung eingesetzten Basis mit einem Arm, der hoffentlich nicht zu hoch über dem Teller baut. Liebe Konstrukteure von Luxman, auch wenn es aufgrund der aufwendigen Lagerung vielleicht etwas mehr Mühe macht; Bitte, bitte, macht einen PD-171 MkII mit wechselbarer Tonarmbasis! Ich will beileibe nicht den montierten Arm schmähen. Dessen vertikale Lager sind absolut spielfrei und sehr leichtgängig, genauso wie das horizontale Kugellager, das im Armschaft untergebracht ist. Neben dem Drehpunkt sitzt die Antiskatingeinheit mit ihrem großen Drehknopf – ebenfalls aus Aluminium – die sich feinfühlig dosieren lässt. Der bedämpfte Tonarmlift besitzt eine Liftbank mit Moosgummiauflage – optimal gegen Verrutschen beim Absenken und Anheben des Systems. Das hochglanzverchromte Armrohr selbst weist eine S-Form auf – mit dieser Geometrie wird laut Hersteller bei allen Einstellungen eine exakte Lateralbalance erreicht. Die breite Überwurfmutter fixiert das Headshell nach SME-Standard bombensicher, auf einen verstellbaren Azimut hat man verzichtet. Insgesamt gesehen transportiert der PD- 171 die klassische Luxman-Plattenspieleroptik weiter ins 21. Jahrhundert. Das Gerät sieht sowohl neben den Geräten der 80er- Jahre als auch neben aktuellen Verstärkermodellen einfach nur hinreißend schön aus und vermittelt durch seine wuchtige Eleganz auch den Glanz alter Tage. Im Spielbetrieb zeichnet sich der PD-171 durch große Ruhe und Souveränität aus, die er mit einem angemessen hochklassigen Tonabnehmer erreicht. Dabei lässt er die tonale Balance jedes Systems unangetastet und nimmt sich selbst weitest gehend zurück. Bei Aufnahmen mit gut mikrofonierten großen Orchestern in einem akustisch funktionierenden Saal machen sich der ausgeklügelte Aufbau und die hohe Masse durch große dynamische Reserven bemerkbar – die Wiedergabe selbst bleibt auch bei großen Lautstärkesprüngen extrem offen. Weder die Dynamik noch die Raumabbildung werden bei Lautstärkesprüngen komprimiert. Das perfekte Konservieren jeder Feininformation trägt auch zu dem grandiosen räumlichen Eindruck bei, die der Luxman zu erzeugen in der Lage ist – gerade einen natürlichen Aufnahmeraum leuchtet er bis in die letzten Ecken aus. In Sachen tonaler Balance gibt sich der PD-171 absolut neutral und unbestechlich. Schon mit dem klassischen Denon DL-103 spielt er groß auf, lässt das System laufen, so dass es seinen ganz eigenen Charme entfalten kann, wobei er auch die Grenzen des Klassikers aufzeigt. Auch der vorzügliche Allrounder Zyx Yatra oder das griffige van den Hul DDT kommen voll zu ihrem Recht – immerhin Tonabnehmer der Klasse zwischen 1.000 und 2.000 Euro, denen der gesamte Plattenspieler voll gerecht wird, ungeachtet des vermeintlich nicht standesgemäßen Tonarms. Und sogar mit den ganz großen Systemen von van den Hul und Dynavector geht immer noch ein bisschen mehr in den Extremen des Frequenzgangs, der Dynamik und der räumlichen Abbildung – und das immer mit voller Neutralität, Übersicht und Ruhe.

Fazit

Bis auf den kleinen Fauxpas mit dem festen Tonarm hat der Luxman PD-171 das Zeug dazu, in die Fußstapfen seiner großen Ahnen zu treten – das technische und klangliche Zeug dazu hat er!

Preis: um 6900 Euro

Plattenspieler

Luxman PD-171


-

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TCG, Nordhorn 
Telefon 05921 7884927 
Internet www.tcg-gmbh.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 465/195/390 
Gewicht (in Kg) 23 
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Autor Thomas Schmidt
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