Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Rega RP8


Der Mantel des Schweigens

Plattenspieler Rega RP8 im Test, Bild 1
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Die trauen sich was: Während der Rest der Plattenspieler fabrizierenden Welt immer mehr Material einsetzt, um auf den Pfad der klanglichen Tugend zu kommen, gehen Roy Gandy und seine Mannen genau den entgegengesetzten Weg: Der RP8 lebt vom Weglassen

Mitspieler


Tonabnehmer:

 Denon DL-103
 Benz Ace-L
 Lyra Kleos

Phonovorstufen:

 MalValve preamp three phono
 Pure Sound P10

Vorstufen:

 MalValve preamp four line
 Rogue Audio Ninety Nine

Endverstärker:

 Rowland Model 725

Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 Klang + Ton Nada

Zubehör:

 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel Transparent
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio 


Gegenspieler


Plattenspieler:

 TW Acustic Raven Anniversary
 Clearaudio Performance DC 


Er wiegt tatsächlich keine vier Kilogramm. Spielfertig.

Plattenspieler Rega RP8 im Test, Bild 2Plattenspieler Rega RP8 im Test, Bild 3Plattenspieler Rega RP8 im Test, Bild 4Plattenspieler Rega RP8 im Test, Bild 5Plattenspieler Rega RP8 im Test, Bild 6
Wobei der Löwenanteil davon auf das Konto des Tellers geht. Der Rest des neuen Rega RP8 ist gewissermaßen ein Hauch von nichts. Überraschend? Nicht unbedingt. Wenn man sich die Historie der Plattenspieler des britischen Herstellers ansieht, weiß man, dass Firmenboss Roy Gandy schon immer ein Gegner von Energiespeichern in Form von unnötiger Masse war. Beim RP8 zum Preise von 2.500 Euro hat er seine konstruktiven Grundsätze mit bislang unerreichter Deutlichkeit realisiert. Die zentrale Baugruppe des neuen Regas ist seine Zarge. Und da wird‘s auch gleich ein wenig schräg: Der Plattenspieler lässt sich nämlich in zwei Varianten aufbauen, einmal mit, einmal ohne den „Mantel des Schweigens“. Will sagen: Es gibt eine „richtige“ Laufwerkszarge und eine Konsensentscheidung. Die technisch korrekte Lösung besteht aus einem skelettierten Minimalchassis, das so klein und reduziert geraten ist wie irgend möglich. Es gibt gerade mal genug Material, um dem Tellerlager, dem Motor, der Armbasis und den drei Füßen genügend Halt zu geben. Auch zwischen den „Haltepunkten“ ist alles Material ausgespart, was nicht unbedingt erforderlich ist. Das freut den Pragmatiker und den Technikästheten, aber nicht unbedingt den klassischen Plattenspielerfan. Der hätte es womöglich gerne etwas ausladender, klassischer und weniger gewöhnungsbedürftig fürs Auge. Dem Manne kann geholfen werden: Die Minimalzarge kann in einen Tarnanzug gestellt werden. Das ist eine außen rechteckige Platte, die innen eine Fräsung trägt, in die der eigentliche Plattenspieler mit ein paar Millimetern Abstand genau hineinpasst. Damit man sich an dieser Stelle nicht wieder unerwünschte Speichereffekte durch die zusätzliche Masse einfängt, hat Rega ziemlich viel Aufwand getrieben: Die Außenzarge wird über die Gerätefüße zentriert, die in drei Flansche eintauchen. Darin gespannte O-Ringe sorgen dafür, dass die Skelettzarge dem „Mantel“ nicht zu nahe kommt. So ganz nebenbei sorgt die Anordnung auch noch dafür, dass die zum Lieferumfang gehörige Abdeckhaube praktisch keinen Kontakt mehr zum sensiblen Laufwerk hat. Trotzdem ist der Rahmen ein mächtig aufwendiges Bauteil in Anbetracht der Tatsache, dass man ihn eigentlich nicht braucht, andererseits aber ein Indiz dafür, dass der Hersteller hier wirklich jedes Detail ernst genommen hat. Die extrem reduzierte Form ist die eine Sache bei der Zarge des RP8, die Materialwahl ist die andere. Während Rega bis dato auf Holzverbundwerkstoffe im weitesten Sinne setzte, ist beim neuen Modell Hochtechnologie eingezogen. Die Grundplatte besteht nämlich aus einem ziemlich exotischen Sandwich: Die Innenlage der rund zweieinhalb Zentimeter starken Platte bildet extrem leichter mit Stickstoff aufgeschäumter Kunststoff. Der heißt Polyolefin und begegnet uns im täglichen Leben durchaus öfter: Gemeinhin macht man daraus nämlich Schrumpfschläuche. Der Schaumkern wird von zwei dünnen, mit einer gewissen Vorspannung versehenen Platten aus Phenolharz eingefasst. Das harte und leichte Kunststoffmaterial ist für den schnellen Schalltransport zuständig, von dem die Rega-Konstruktionsphilosophie lebt. Was so simpel aussieht, ist es in der Praxis mitnichten: Dem Material gleichmäßige Dicke und Dichte anzuerziehen und eine kraftschlüssige Verbindung zwischen Kern und Deckschichten herzustellen war eine fertigungstechnische Herausforderung, bei der Rega diverse Zulieferer „verschlissen“ hat. Es wundert nicht, dass in den Sandwich letztlich drei Jahre Arbeit geflossen sind. Das Ergebnis fasst sich allerdings auch sehr gut an: Sehr leicht, sehr immun gegen Durchbiegung und beim Anklopfen sehr gut bedämpft – spannendes Zeugs. Natürlich ist der RP8 ein riemengetriebener Plattenspieler und selbstverständlich wird er firmentypisch über einen Subteller angetrieben. Die zugehörigen Schlüsselkomponenten kennen wir zum Teil schon vom größeren Bruder P9, wie zum Beispiel das Tellerlager: Eine relativ dünne polierte Stahlachse mit angeschliffenem verrundeten Konus taucht in eine Bronzebuchse, eine Lagerkugel gibt‘s nicht – das passt zum Minimalismus der gesamten Konstruktion. Oben auf dem Aluminium- Subteller ruht ein Plattenteller aus Glas. Unterdrücken Sie bitte Ihren Aufschrei, der hier klingelt nämlich praktisch nicht. Was daran liegt, dass wir es nicht mit einer schlichten Glasplatte zu tun haben, sondern mit einem aus einer Scheibe und zwei Ringen unterschiedlichen Innendurchmessers verklebten Sandwich. Das sorgt einerseits für minimale Schwingneigung und schafft das Gros der Tellermasse dahin, wo es zum Aufbau maximalen Trägheitsmomentes hingehört: nach außen. Optisch ein wenig bedauerlich, aus klanglichen Gründen aber unerlässlich ist die dünne Filzmatte, die den Kontakt zwischen Teller und Schallplatte besorgt. Zwischen Motor und Subteller (der übrigens nur an sechs definierten Stellen Kontakt zum Teller hat) sorgen zwei Gummiriemen für den Transport der Antriebsenergie, das kennen wir schon von Rega. Der Motor – konsequenterweise relativ hart an das Chassis angekoppelt – ist ein Synchrontyp. Seine Spannungsversorgung geriet ziemlich luxuriös: Eine externe Motorsteuerung generiert auf elektronischem Wege die hochstabilen Sinussignale. Drehzahlfeineinstellung? Braucht‘s nicht. Die Umschaltung zwischen 33 und 45 Umdrehungen erfolgt per Schalter am Gerät. Eine kritische Stelle ist die Verbindung zwischen Tellerlager und Tonarmbasis. Während andere Hersteller hier entkoppeln, setzt Roy Gandy bewusst auf schnellstmöglichen Schalltransport zwischen beiden Orten. Hier bedurfte es noch einer besseren Verbindung als die über die Phenolharzdeckplatten des Chassis und so sorgen ober- und unterhalb des Chassis Streifen aus dünnem Magnesiumblech für effektiven Signaltransport. Zum RP8 gehört ein Tonarm namens RB808. Äußerlich sofort als typischer Rega zu identifizieren, verfügt er allerdings über ein paar Besonderheiten: Die Lager laufen noch leichter als bei früheren Armgenerationen, Fertigungstoleranzen wurden noch weiter reduziert. Alles Maßnahmen, die sich laut Hersteller unmittelbar in gesteigerter Detailauflösung bemerkbar machen. Eine Höhenverstellung hat der Arm nicht – auch das hat Tradition. Wer unbedingt eine diesbezügliche Anpassung an den verwendeten Abtaster braucht, der muss mit Distanzscheiben unter dem Montageflansch vorliebnehmen. Der RB808 bringt seine eigene fest montierte Zuleitung mit: Das neue Kabel ist sehr weich und glänzt elektrisch mit sehr niedrigen Kapazitätswerten. Auch bei den mit Spannzangen ausgerüsteten Cinchsteckern hat der Hersteller auf niedrige Masse geachtet – hier schließt sich der Kreis. Rega ist übrigens ein sehr erfolgreicher Tonabnehmerhersteller. Die MM-Abtaster erfreuen sich international großer Beliebtheit, das einzige MC im Programm allerdings ist erstaunlicherweise weithin unbekannt. Zu Unrecht, verfügt es doch über eine ganze Reihe konstruktiver Besonderheiten und spielt so gut, dass es in diesem Plattenspieler äußerst gut aufgehoben scheint – zumindest unter gewissen Voraussetzungen. Das „Apheta“ kostet einzeln 1.600 Euro, wer es gleich mit dem RP8 ordert, bekommt das Paket für 4.000 Euro. Es ist ein klassisches MC mit einer Ausgangsspannung von 0,5 Millivolt, das mit 100 Ohm abgeschlossen werden will. Konstruktiv macht es durch das Fehlen sämtlicher Dämpfungsmaßnahmen auf sich aufmerksam: kein Gummi, kein Draht. Das ist zweifellos radikal – und klingt auch so. In gewisser Weise spielt dieser Tonabnehmer dem RP8 nämlich in die Hände: Die Kombi geht so wüst und ungestüm zur Sache, dass ich kurz geneigt war, hinter der Sofarückenlehne in unserem Hörraum in Deckung zu gehen. Stevie Nicks’ großartiges „You Can’t Fix This“ vom „Sound-City“-Soundtrack, ohnehin saftig und spannungsgeladen, geht mit der Rega-Komplettlösung förmlich durch die Decke. Der Abtaster ergänzt den blitzschnellen, vor Saft und Kraft förmlich überschäumenden Charakter des Laufwerks ausgezeichnet, ist ein paar Dinge allerdings nicht: sanft, zurückhaltend und freundlich. Analog-Schmusesound? Hier nicht. Auch die MFSL-Neuauflage von Rickie Lee Jones’ Erstling tönt mitreißend offen, beim kritischen Stolperstein „Coolsville“ braucht’s ein wenig Toleranz gegenüber dem schmissigen Präsenzbereich. Wem das zu viel ist, dem kann geholfen werden: Die Rega-Phonovorstufe verfügt über ein fein einstellbares Filterwerk, mit dem man den Bereich etwas domestizieren kann. Die Kombi zaubert aber auch so einen überaus knackigen und substanziellen Bass. Gerade Letzteres verdient Beachtung, weil eine gewisse Zurückhaltung in den tiefen Lagen gerne mit Offenheit verwechselt wird. Legen Sie mal Anders Trentemöller auf, dann erledigen sich solcherlei Verdachtsmomente blitzartig. Die Regas zelebrieren eine äußerst gelungene Form der Raumabbildung. Die Kombi staffelt extrem tief, beherrscht die Ebenen vor genau so gut wie die hinter den Lautsprechern, stellt die Dinge kompakt und superscharf konturiert in den Raum, verzichtet aber auf epische Breite – gefällt mir ausgezeichnet. Auch mit anderen Tonabnehmern bleibt der entschlackte, direkte Charakter des RP8 erhalten. Das gute alte Denon DL-103 tönt ein wenig träge und aufgebläht? Hier aber mal gar nicht. Der Klassiker geht los wie der Teufel, dürfte aber vielleicht im Bass ein bisschen weniger heftig loslegen. Die „Allzweckwaffe“ in Gestalt eines Benz Ace L bewährt sich auch hier und verleiht dem Klangbild ein wenig Schliff und Eleganz – die Kombi ist übrigens auch preislich hoch interessant. Bleibt die Frage: Hört man die optionale rechteckige Zarge? Jawohl. Nicht dramatisch, aber ein wenig: Mit Rahmen tönt’s etwas gesetzter, ohne die Rechteckzarge zackiger, sogar ein wenig präziser – mir gefällt’s so besser. Was aber eine Diskussion auf akademischem Niveau ist, denn der RP8 ist in jedem Falle eine Vollgasmaschine erster Güte. 

Fazit

Die Kunst des Weglassens zahlt sich aus: Der kaum fünf Kilo schwere RP8 spielt vollkommen frei und entschlackt, gleichzeitig aber mit Wucht und Tiefgang. Großartige Maschine!  

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Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Rega RP8

Preis: um 2500 Euro

8/2013
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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TAD-Audiovertrieb GmbH, Aschau Im Chiemgau 
Telefon 08052 9573273 
Internet www.tad-audiovertrieb.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 440/105/360 
Gewicht (in Kg)
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 27.08.2013, 11:07 Uhr
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