Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Thorens TD 1601


Plong

Plattenspieler Thorens TD 1601 im Test, Bild 1
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Es geistert da eine Zahl durch den Raum, die zwar schon ein paar Jahre alt, aber immer noch beeindruckend ist: In Deutschlands Haushalten stehen angeblich noch rund 800000 alte Thorens-Plattenspieler. Und dafür gibt es Gründe

Zum Einen spricht eine solche Zahl für die exzellente Qualität der Geräte, die teilweise schon locker 40, 50 Jahre auf dem Buckel haben dürften. Andererseits heißt das, dass der Hersteller den Geschmack des Publikums einmal sehr genau getroffen haben muss. Ind dieser Erfolg geht zum großen Teil auf das Konto des klassischen TD 160, so etwas wie dem typischsten aller Thorens-Dreher überhaupt. Holzzarge, Subchassis, Riemenantrieb, selbstverständlich mit Staubschutzdeckel – das war das, was das Platten abspielende Deutschland wollte. Und so verwundert es nicht, dass man bei Thorens auch nach der großen Zeit des Plattenspielers immer mal wieder versucht hat, der Legende von damals zu huldigen und dem Thema TD 160 neues Leben einzuhauchen.

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Auch der nicht mehr ganz so neue Thorens-Eigner Gunter Kürten setzt seit geraumer Zeit auf die Strahlkraft des Klassikers. Seine Interpretationen der Thematik hören auf die Typenbezeichnungen TD 1600 respektive TD 1601 und unterscheiden sich ausschließlich in Sachen Bedienungskomfort: Der TD 1600 ist ein rein manuelles Laufwerk, der TD 1601 verfügt über eine berührungslose Endabschaltung und einen elektrischen Tonarmlift. Wir haben die genau diese Komfort- Variante zu Gast, die zu einem Listenpreis von 3000 Euro inklusive Tonarm TP-92 angeboten wird.

So richtig brandneu ist das, was in Gestalt eines roten Aluminiumklötzchens unter dem Headshell des Arms hängt: der erste hauseigene Tonabnehmer mit der Typenbezeichnung TAS 1600. Als Rendering geistert er schon länger durch die Thorens-Welt, aber erst jetzt ist der für 1.200 Euro angebotene MC-Abtaster tatsächlich Realität.

Dass Thorens heutzutage nicht mehr im Schwarzwald fertigt, dürfte sich herumgesprochen haben: Gunther Kurten lässt seine Geräte in Taiwan von einem Spezialisten bauen. Wogegen überhaupt nichts zu sagen ist, dieser Teil der Welt kann exzellente Qualität liefern, wenn man die Hersteller dort anständig bezahlt. Was Kürten offenbar tut, denn sein TD 1601 ist eine echte Offenbarung in Sachen Anfassqualität und Finish. Und wer schon einmal einen klassischen Thorens „von damals“ besessen hat, der wird das kleine Detail kennen, dass mich sofort für den Neuen eingenommen hat: dieses charakteristische Geräusch, dass die mit Gummis bedämpfte Haube beim Zuklappen von sich gibt - ein vertrauenerweckendes „Plong“. Danke, das war wichtig.

Den TD 1601 gibt‘s wahlweise in einer schwarzen oder walnussfurnierten Hochglanzzarge. Mit elf Kilogramm bringt er ordentlich Gewicht auf die Waage, technisch bringt er ein paar Gemeinsamkeiten mit der Ur-160 mit, ist aber eine komplette Neuentwicklung. Beim TD 1601 sind Tellerlager und Tonarm auf einem Subchassis montiert, dass auf drei Kegelfedern montiert ist. Während die Federn früher hängend angebracht waren, steht die Konstruktion nunmehr auf der Grundplatte auf. Die Federn sind zwar von unten in der Höhe justierbar, vorgesehen ist ein solcher Abgleich für den Anwender allerdings nicht. Der Hersteller hat das Subchassis von Hause so eingestellt, dass es praktisch perfekt kolbenförmig in der Vertikalen schwingt. Eine waagerechte Stellfläche vorausgesetzt, braucht man sich um dieses Thema nicht mehr zu kümmern. Das Subchassis selbst ist prinzipiell eine MDF-Platte, aber mit ein paar Extras. Klanglich relevant ist dabei die Extraverbindung zwischen der Tonarambasis und dem Tellerlager. Hier nämlich ist ein gespannter Stahldraht eingearbeitet, der eine akustisch erheblich besseren Leitung darstellt als die Faserplatte alleine. Dieser Kniff trägt ganz eindeutig die Handschrift von Industriedesigner Helmut Thiele, der schon an der Entwicklung der letzten Thorens-Gerätegenerationen unter alter Ägide mit beteiligt war. Fest steht: Das ist eine gute Idee und erinnert ein wenig an die Aluminiumprofile, die Rega als „Brücke“ an dieser Stelle einsetzt.

Der TD 1601 verfügt über einen elektrischen Tonarmlift, der über einen Taster auf der Zarge bedient wird. Er arbeitet mit einem Elektromotor, der einen Gewindezapfen antreibt, der wiederum den Liftausleger nach oben oder unten schraubt. Das funktioniert bestens, ist aber nicht ganz geräuschlos und dürfte für meinen Geschmack auch ruhig ein bisschen zügiger vonstatten gehen, ist aber trotzdem ein einzigartiges Feature in der heutigen Plattenspielerwelt. Und wenn schon so ein Lift schon mal da ist, dann ist der Schritt zu einer Endabschaltung nicht weit: Eine Lichtschranke erkennt, wenn der Tonarm den bespielten Bereich der Platte verlassen hat und aktiviert den Lift. Früher war so etwas selbstverständlich, heute freue ich mich wie ein kleiner Junge darüber. Tatsächlich kann man sich ungeheuer schnell daran gewöhnen, wenn man nach dem letzten Ton nicht mehr hektisch vom Sofa aufstehen muss um „die Nadel zu retten“. Jene übrigens sitzt am Ende einer bewährten Kraft in Sachen Tonarmtechnik: dem TP-92. Seinerzeit bei Lautsprecherprofi Karl-Henz Fink entstanden, dürften diese Arme die einzigen weltweit sein, bei deren Entwicklung man sich die Schwingungsganalyse per Laser-Interferometrie zunutze gemacht hat.

Deren Ergebnisse sind der Grund für den gummigelagerten Dämpfer, der an einer genau definierten Stelle auf dem Tonarmrohr sitzt. Der Arm ist kardanisch geführt und ein pragmatischer, bestens funktionierender Vertreter seiner Zunft. Bei uns führt er den brandneuen Thorens-Tonabnehmer „TAS 1600“. Dabei handelt es sich um ein Low-Output-MC aus japanischer Fertigung, dem Helmut Thiele eine Behausung aus rot anodisertem Aluminium auf den Leib schneiderte. Mit einer Ausgangsspannung von knapp 0,6 Millivolt bei 5,5 cm/s Schnelle liefert es ordentlich Pegel, mit einem Innenwiderstand von 12 Ohm sollte es sich an einem Abschluss von 100 Ohm bestens aufgehoben fühlen. Am Ende eines massiven Bornadelträgers sitzt ein relativ kleiner Line-Contact-Diamant. Das ist ein modernes MC-Design und sollte bestens zum TD 1601 passen. Einbau und Einstellen des Abtasters sind kein Problem, Ungeübte dürfen sich über die sehr gute Bedienungsanleitung des Gerätes freuen. Und über den Sound, den diese Maschine liefert, den darf ich allerdings auch als Profi mögen. Noch kurz zwischendurch: Die Subchassiskonstruktion des Gerätes funktioniert ausgezeichnet. Der „Dreher“ stand bei mir auf einem Holztisch auf einem ziemlich schwingfreudigen Dielenboden und benahm sich dort sehr unproblematisch; um den Abtaster au der Ruhe zu bringen bedurfte es schon ernsteren Auftretens in unmittebarer Nähe des Gerätes.

Bemühen wir zum Einsteig eine junge Dame namens Dominique Fils-AimĂ© und ihr aktuelles Album „Stay Tuned“. Das ist ein Feuerwerk zwischen Jazz, elektrifiziertem Soul und afrikanischer Rhythmik, das klanglich ein ziemlicher Volltreffer ist. Woran der TD 1601 überhaupt keinen Zweifel lässt. Die tiefen synthetischen Bässe bollern kernig und konturiert, die Stimme steht groß und prägnant genau zwischen den Lautsprechern. Der Chor ist schön aufgefächert und bestens lokalisierbar. Das Aufdröseln von Kleinigkeiten klappt super, und doch läuft der Sound nicht Gefahr, in die Analyse abzudriften. Das mit 100 Ohm abgeschlossene TAS 1600 liefert nämlich genau das richtige Maß an „Frieden“ im Hochton, lässt aber nichts vermissen. Klasse, manchmal hat‘s echt die Geschlossenheit eines guten MM-Abtasters. Den Bass, den kenne ich so ähnlich aus der großen Thorens-Ära. Nicht ganz mit der Autorität dessen, was große Masselaufwerke liefern können, aber mit toller tonaler Balance und reichlich Druck. Lanzgeithörer aufgepasst – das hier ist so eine Kombi, vor der man Stunde um Stunde ohne Ermüdungserscheinungen verbringen kann und will. Das hervorragende After-Show-Konzert von Prince blieb deshalb ebenso vier Seiten lang drauf wie das acht Seiten lange Epos „Come On Die Young“ der schottischen Minimalisten von Mogwai. Bis zum letzten „Plong“ der Haube werden wohl noch ein paar Stunden vergehen.

Fazit

TD 1601 und TAS 1600 harmonieren perfekt und klingen ganz leicht warm, schön detailliert, extrem schlüssig und angenehm. Die Endabschaltung ist ein hoch willkommenes Feature, das man heute sonst kaum noch sieht.

Preis: um 4200 Euro

Plattenspieler

Thorens TD 1601


07/2020 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Thorens, Bergisch Gladbach 
Telefon 02204 8677720 
Internet thorens.com 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen 454 x 180 x 369 mm 
Gewicht (in Kg) ca. 11 kg 
Unterm Strich ... TD 1601 und TAS 1600 harmonieren perfekt und klingen ganz leicht warm, schön detailliert, extrem schlĂŒssig und angenehm. Die Endabschaltung ist ein hoch willkommenes Feature, das man heute sonst kaum noch sieht. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 19.07.2020, 09:57 Uhr
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