Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Thorens TD 402 DD


Komfort und Direktantrieb

Plattenspieler Thorens TD 402 DD im Test, Bild 1
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Wohl kaum ein Traditionsunternehmen ist für die Popularität riemengetriebener Plattenspieler in so hohem Maße verantwortlich wie Thorens. Unter dem neuen Eigner Gunter Kürten aber bröckelt das ausschließliche Vertrauen in die maximale Entkopplung von Plattenteller und Antrieb

Natürlich ist Ihnen meine Begeisterung für den TD 124 DD nicht verborgen geblieben, jenem stark an den Ur-TD 124 angelehnten Retro-Dreher mit dem Herzen eines modernen DJ-Direkttrieblers. Das war schon gewagt, was Gunter Kürten da der plattenspielenden Öffentlichkeit präsentierte: der auch für Thorens exotische Kombinationsantrieb aus Riemen und Reibrad des Klassikers musste einem Antrieb weichen, an dem jeder dem Vinyl verbundene DJ im Club seine helle Freude hätte – einem knackigen Direktantrieb. Das hier jedoch, das ist eine andere Kategorie. Der TD 402 DD kostet mit 800 Euro denn auch nur ein Zehntel dessen, was für die prestigeträchtige Retro-Maschine zu entrichten ist.

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Und zwar inklusive Tonabnehmer, der beim TD 124 DD nicht dazugehört. Für den kleinen Direkttriebler verließ sich Kürten in Sachen Abtaster auf einen anerkannt verlässlichen Zulieferer und bestückt das Gerät mit der aktuellen Version des MM-Klassikers dieser Tage schlechthin: dem Audio Technica ATVM95E zum Listenpreis von 59 Euro.

Der Plattenspieler selbst kommt extrem klassisch-schlicht gewandet daher: Ein kantiges, gerades Chassis ohne Schnörkel, die zwei Knebelschalter auf dem Aluminiumdeck machen das Gerät auf den ersten Blick als eines von Thorens identifizierbar. Die serienmäßige Abdeckhaube komplettiert die geradlinige und unaufgeregte Formensprache des Gerätes. Gut sechs Kilogramm Gesamtgewicht vermitteln ein solides Gesamtgefühl, eine rundherum gelungene Haptik sorgt diesbezüglich für ein Übriges. Zwei Dinge heben den TD 402 DD aus der Masse des Plattenspieler-Mainstreams heraus: das Direktantriebskonzept und die halbautomatische Laufwerkssteuerung.

Letztere ist so etwas wie eine Endabschaltung in Minimalversion. Soll heißen: Wenn der Tonarm am Ende der Plattenseite in der Auslaufrille angekommen ist, dann schaltet das Gerät den Antrieb ab. Dabei bleibt die Nadel allerdings in der Rille, über eine motorische Steuerung des Tonarmliftes verfügt das Gerät nicht. Deshalb wird der Tonarm auch ganz klassisch mit einem Lifthebel an der Armbasis bedient. Die „Endabschaltung“ ist per rückseitigem Schalter zu- oder abschaltbar. Der rechte Knebelschalter ist fürs manuelle An- oder Abschalten des Motors zuständig. Stellt man ihn mit dem Arm in Ruheposition auf „Start“, passiert zunächst erst einmal gar nichts. Der Teller setzt sich erst dann in Bewegung, wenn man den Tonarm zum Anfang der Platte schwenkt. Diese Funktion ist ebenfalls an die Stellung des rückseitigen „Auto Stop“-Schalters gekoppelt. Sicher, das haben wir in der Hochzeit des Plattenspielers alles schon feiner automatisiert gesehen, trotzdem ist die Minimalautomatisierung des TD 402 DD ein willkommenes Feature. Der Direktantrieb wird mit dem zweiten Drehschalter des Gerätes zwischen 33 und 45 Umdrehungen umgeschaltet, eine Möglichkeit zur Drehzahlfeinjustage ist nicht vorgesehen. Der Antrieb ist keines dieses Monster, dass den Teller in nullkommanichts auf Nenndrehzahl katapultiert. Seine Startzeiten sind durchaus mit denen eines Riementrieblers zu vergleichen. Allerdings fällt das extrem geringe Laufgeräusch des Gerätes auf, was durchaus verständlich ist: Hier gibt es keinen irgendwo schleifenden Riemen und das zahlt sich diesbezüglich aus.

Der Schallplatte liegt dabei auf einer Thorens-typischen dicken Gummimatte, die durchaus ein bisschen auf den klassischen Modellen wie TD-160 und TD- 125 erinnert. Sie ist eine der beiden Maßnahmen, die dem eher schmalbrüstigen Aluminiumgussteller zu etwas Substanz verhilft. Die andere Maßnahme zur Erhöhung des Trägheitsmomentes ist das berüchtigte Stück Installationskabel, das innen am Außenrand des Tellers eingeklebt wurde. Von diesem Trick haben im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Herstellern Gebrauch gemacht, von Thorens kannte ich das bislang noch nicht.

Der Plattenteller ist ohne Zweifel eine universelle Konstruktion, die auch auf anderen Modellen mit Riemenantrieb laufen dürfte. Der Steg für den Antriebsriemen ist nämlich auch hier vorhaben, tut aber nichts anderes als die Blechplatte ein wenig zu stabilisieren. Der Tonarm des TD 402 DD ist eine gerade Konstruktion mit Kohlefaserrohr, das hinten von einem kardanischen Lager sicher in beiden Ebenen geführt wird. Für die Gegengewichtseinstellung braucht’s keine Tonarmwaage, man verdreht das Gegengewicht, bis der Arm ausbalanciert ist, stellt die Skala am Gegengewicht auf null und dreht dann Gegengewicht samt Skala auf die Wunschauflagekraft. Das funktioniert einfach und mit absolut ausreichender Genauigkeit. Das Antiskating wird mittels Drehrades hinten an der Armbasis justiert, der Hersteller empfiehlt, den Wert auf den der Auflagekraft zustellen – dieser Empfehlung schließen wir uns an.

Am vorderen Armende gibt’s einen normgemäßen SME-Schraubanschluss fürs Headshell, was das Montieren eines Tonabnehmers ohne Zweifel erleichtert. Wer gerne mit Wechsel-Headshells spielen möchte, der sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Modelle aus dem Zubehör geometrisch nicht passen – hier ist nämlich die Tonarmkröpfung ins Headshell ausgelagert worden, wogegen die geläufigen Modelle gerade gebaut sind.

Der Thorens verfügt außerdem über einen (abschaltbaren) eingebauten Phonovorverstärker für MM-Abtaster, der mit dem mitgelieferten Audio Technica bestens zurecht kommt. Gerade Einsteiger ohne eine existierende Phonolösung zum Beispiel im Vollverstärker dürften darüber froh sein. Legen wir mal ein paar Platten auf den TD 402 DD auf. Schon mit der eingebauten Phonovorstufe zeigen sich die erstaunlichen Qualitäten des Einsteiger-Abtasters in diesem Gerät: Es tönt ordentlich substanziell, voluminös und macht definitiv Werbung für das Medium Schallplatte. Greta Van Fleet haben Saft und Kraft, das Schlagzeug bei „Heat Above“ schiebt, wie sich das gehört, die kernige Gesangs stimme durchschneidet das Geschehen wie ein Messer ein Stück Torte. Der TD 402 DD ist definitiv ein Fall für „Raumhörer“, das fällt schon bei so robustem Material wie diesem auf. Es klingt groß und ausladend, wir freuen uns über reichlich Luft rund um alles, was so Geräusche von sich gibt – nicht schlecht für eine Komplettlösung in dieser Preisklasse. Das wird noch viel klarer, wenn Paul Huhn das Zepter schwingt und die herausragende Live-Einspielung „Live At Birdland“ läuft. Erstaunlich, wie der Thorens es schafft, eine dichte und stimmige Atmosphäre zu generieren, wieder fällt die tolle Separation zwischen den Instrumenten auf. Die Percussion klingt satt und nicht scharf, alleine das ist schon erstaunlich in Anbetracht des günstigen Abtasters. Die Klangfarben des Klaviers stimmen, alles wirkt harmonisch und stimmig – das sind MM-Tugenden auf hohem Niveau, die sich hier materialisieren. Ja, sicher kann man noch mehr Drive und Konturenschärfe haben, wenn man deutlich mehr Geld für eine Analoglösung ausgibt. Auch versteckt sich bestimmt noch das eine oder andere Detail in der Rille, das hier nicht auftaucht. Macht mir gerade gar nichts, ich freue mich lieber darüber, dass London Grammar-Chanteuse Gänsehaut pur produziert.

Fazit

 Thorens präsentiert ein rundum gelungenes Komplettpaket mit stimmigem Klang, wertiger Aufmachung und simplem Setup. So macht Platte Spaß!

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Thorens TD 402 DD

Preis: um 800 Euro


8/2021
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Thorens, Bergisch Gladbach 
Telefon 02204 8677720 
Internet thorens.com 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Abmessungen 420 x 139 x 355 mm 
Gewicht (in Kg) ca. 6,1 kg 
Unterm Strich ... » Thorens präsentiert ein rundum gelungenes Komplettpaket mit stimmigem Klang, wertiger Aufmachung und simplem Setup. So macht Platte Spaß! 
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